
Seit langem überfällig und seit Jahren immer wieder politisch diskutiert, soll die Innenstadt an einer zentralen, wie sehr engen Stelle vom erdrückenden Autoblech befreit werden. Ab Mitte/Ende 2026 wird der Abschnitt zwischen Neue Brücke, Nadlerstraße und Steinstraße zur temporären Fußgängerzone. Ein Verkehrsversuch für ein Jahr, der einen zentralen Stadtraum neu fasst und spürbar entlastet.
Autos wirken dort längst wie ein Fremdkörper. Zwischen Nadlerstraße, Tatti und Emilu drängte sich traditionell Verkehr durch Gassen, die für Aufenthalt gedacht sind.
Falschparkende SUVs, teure (Poser-Weekend-Miet)Sportwägen, kurze Stopps, laute Motoren, hoffnungslose Parkplatzgesuche, enges Rangieren: Szenen, die selbst mit intensiven Kontrollen und Poller nicht verschwanden bzw. sich maximal nur leicht verbesserten und nicht mehr zu einem Ort passen, der eigentlich das Rückgrat der innerstädtischen Wege ist.
Der Umbau setzt genau dort an und bleibt bewusst schlank. Die Poller in der Breite Straße werden versetzt, damit Schmale Straße und Breite Straße im Versuch als Zwei-Richtungs-Strecke funktionieren. Dadurch entsteht die neue Fußgängerzone zwischen Neue Brücke und Nadler/Steinstraße auf vorhandener Fläche.

Der Abschnitt am Emilu und Tatti wird dabei zum Schwerpunktbereich, in dem Sitzinseln, Mikromobilität und Begrünung den Ton setzen und die enge Gasse in einen angenehmeren Stadtraum verwandeln. Richtung Pierre-Pflimlin-Platz kann zusätzlich eine kleine Erweiterung entstehen, die den Ort weiter öffnet.
Lieferzonen und -Zeiten in Schmale Straße und Steinstraße bleiben erhalten und klar geregelt. Die Zufahrten zu den mehreren Parkhäusern im Areal bleiben NATÜRLICH zugänglich, die sind ja bekanntlich überlebenswichtig für unser schönes Stuttgart. Größere Fahrzeuge können hier künftig nicht mehr wenden, was die Gassen entlastet und den Durchgangsverkehr bremst.
Ein Jahr lang wird beobachtet, wie der Raum angenommen wird, wie sich Verkehr verlagert und welche Anpassungen sinnvoll sind. Klar ist schon jetzt: Der Kern der Innenstadt funktioniert besser, wenn er sich nicht nach Autos richtet. Stuttgart holt sich an dieser Stelle einen Stadtraum zurück, der lange zu sehr unter Druck stand – das kann nur gut werden.

