Aufgestocktes Gebäude verändert den Stuttgarter Marktplatz

Das Gerüst ist weg. Und plötzlich steht da ein Haus, das man so nicht auf dem Zettel hatte. Am Stuttgarter Marktplatz, direkt an der Ecke zur Marktstraße, zeigt sich ein saniertes und aufgestocktes Gebäude, das den Platz neu sortiert, deutlich höher als früher und überragt die altbekannte Stuttgarter Markplatz-Dachlinie.

Natürlich kommt sofort die Frage auf, die immer zuverlässig gestellt wird: Darf man das überhaupt? Garantiert: In diesem Land wird bekanntlich nichts gebaut oder aufgestockt, bevor nicht jede Linie, jede Höhe und jeder Zentimeter genehmigt ist.

Spannender ist die eigentliche Wirkung. Das Haus verändert das jahrzehntelang gewohnte Bild des Marktplatzes spürbar. Es schiebt sich nach vorne, setzt eine neue Kante, nimmt sehr viel Raum ein, geradezu egoistisch. Für die einen crasht es den Platz brutal. Für die anderen bringt es genau das, was dieser Ort lange vermisst hat: mehr Höhe, ein urbanes Selbstbewusstsein, das nicht auf historisierende Schleifen setzt.

Die Fassade bleibt fast demonstrativ schlicht. Frisch geweißelt, die Fenster in der Mitte werden immer noch wie zuvor ornamentiert, darunter blitzt die Geschichte des Bestands noch durch, darüber stapeln sich neue Geschosse. Das Haus sagt nicht Entschuldigung. Es sagt einfach: Ich bin jetzt so.

Ob man das gut findet oder schlimm, entscheidet wie immer der eigene Blick auf die Stadt. Stuttgart ringt seit Jahren mit der Frage, wie viel Veränderung ein zentraler Platz verträgt. Dieses Gebäude liefert darauf keine diplomatische Antwort, sondern eine klare Ansage.

Sicher ist nur: Der Marktplatz sieht nicht mehr aus wie vorher. Und vielleicht ist genau das der Punkt.

One reply on “Aufgestocktes Gebäude verändert den Stuttgarter Marktplatz”
  1. says: Daniel Hofmann

    Meine Güte, vom Regen in die Traufe! Sind die Stuttgarter betriebsblind wie die Kölner, was die Schönheit ihrer Stadt anbetrifft oder trauen sich die Verantwortlichen einfach nicht ihren alten Marktplatz wieder aufzubauen aus Angst, von der Architektenzunft, als Reaktionäre gebrandmarkt zu werden? Für alle anderen gilt, Sonnenbrille aufsetzen!

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