
Der Arnulf-Klett-Platz ist einer der prominentesten und gleichzeitig unwürdigsten Orte Stuttgarts. Wer aus dem Hauptbahnhof kommt, landet zwischen einem tosenden Knäuel aus Fahrspuren, Ampeln, Busverkehr und den Zugängen zur Klett-Passage – Endlevel Stuttgart Experience.
Dass sich dieser jahrzehntelang vom Verkehr bestimmte Raum künftig grundlegend verändern kann, hat einen entscheidenden Grund: Der Cityring soll vom Arnulf-Klett-Platz auf die Wolframstraße verlegt werden.
Damit verliert der Bahnhofsvorplatz einen großen Teil seiner bisherigen Funktion als Verkehrsachse. Der Durchgangsverkehr verschwindet weitgehend, große Flächen werden frei und können neu verteilt werden. Erst diese Verlagerung schafft den Spielraum für die geplante Neugestaltung des Arnulf-Klett-Platzes und der Schillerstraße.
Die Stadt startet dafür jetzt einen Planungswettbewerb. 18 Teams entwickeln Konzepte für einen Stadtraum, der Hauptbahnhof und Innenstadt stärker miteinander verbindet. Der Platz soll weitgehend autofrei werden, Busse, Taxen, Fahrräder und Lieferverkehr bleiben vorgesehen.
Wo heute Asphalt und Fahrspuren dominieren, könnten künftig großzügigere Wege für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen, Bäume, Grünflächen und Aufenthaltsbereiche entstehen. Besonders die Verbindung vom Hauptbahnhof zur Königstraße soll direkter werden. Auch die Schillerstraße gehört zur Neuordnung.
Städtebaulich steckt darin eine der interessantesten Veränderungen der kommenden Jahre. Mit dem neuen Hauptbahnhof verschieben sich rund um diesen zentralen Punkt ohnehin die Koordinaten. Der Arnulf-Klett-Platz liegt künftig zwischen bestehender City und Stuttgart Rosenstein und wird damit zum Gelenk zwischen zwei großen Teilen der Innenstadt.
Einbezogen werden muss auch die Klett-Passage mit ihren zahlreichen Aufgängen zum Platz und zum Bonatzbau. Hauptbahnhof, S-Bahn, Stadtbahn, Busse, Radverkehr, Fußwege und die verschiedenen Ebenen des Areals bilden ein komplexes Geflecht, das die Planungsteams neu sortieren müssen.
Neben der Verkehrsführung spielt die Klimaanpassung eine zentrale Rolle. Mehr Begrünung und unterschiedliche Aufenthaltsbereiche gehören ausdrücklich zur Aufgabe des Wettbewerbs. Aus einer Fläche, die bislang vor allem dem Durchkommen dient, könnte so tatsächlich ein Bahnhofsvorplatz entstehen, der diesen Namen verdient.
Der Wettbewerb startet nach dem Beschluss des Ausschusses für Stadtentwicklung und Technik vom 29. September 2026. Im Juni 2027 soll die Jury über die Entwürfe entscheiden. Dann wird erstmals konkret sichtbar, wie Stuttgart seinen wichtigsten Eingang zur Innenstadt nach der Verlegung des Cityrings gestalten könnte.
Facts: Neugestaltung Arnulf-Klett-Platz
Ort: Arnulf-Klett-Platz und Schillerstraße, Stuttgart-Mitte
Projekt: Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes
Grundlage: Verlegung des Cityrings auf die Wolframstraße
Verkehr: Arnulf-Klett-Platz künftig weitgehend autofrei
Weiterhin möglich: Busse, Taxen, Fahrräder und Lieferverkehr
Planung: Mehr Raum für Fuß- und Radverkehr, Begrünung und Aufenthalt
Klimaanpassung: Schwerpunkt der Neugestaltung
Verbindung: Hauptbahnhof, Königstraße, Innenstadt und Stuttgart Rosenstein
Klett-Passage: Wird in die Planung einbezogen
Wettbewerb: 18 Planungsteams
Startbeschluss: 29. September 2026
Juryentscheidung: Juni 2027
