
Es gibt Orte im Kessel, die schreien nach Aufmerksamkeit. Und es gibt Orte wie das Schlesinger Int. Sie stehen einfach da und erledigen seit Jahrzehnten ihren Job, ein sogenannter FELS IN DER BRANDUNG. Und das seit 1996, 30 Jahre also, am Samstag, 14. März wird das gefeiert.
Als das Schlesinger Mitte der 1990er eröffnete, war Stuttgart gastronomisch noch ein ZIEMLICH anderes Habitat, weniger hell, etliche Abschnitter waren komplett dunkel, es gab weniger Bars, weniger kulinarische Experimente, weniger Netzwerk aus Szeneorten. Wer abends ausging, landete oft an denselben wenigen Adressen. Das Schlesinger wurde schnell eine davon, allerdings mit eigenem Kurs.
Der Untertitel war von Anfang an ein kleines Versprechen mit Augenzwinkern: „edel & gut“. Edel vielleicht nicht im Sinne von Federboa und Champagnerkübel. Eher im Sinne von sympathisch, nahbar, unkompliziert. Und gut sowieso. Die Küche liefert seit Jahren solide Klassiker, Schnitzel, Maultaschen, dazu Halbe, Gespräche und ein Raum mit der Betonbar, der nie versucht hat, mehr zu sein als er ist. Genau darin liegt auch die Eleganz.
Zwischen Universität, Börsenplatz und DGB-Haus hat sich das Schlesinger über die Jahre sein eigenes Biotop gebaut. Ein Ort, der leicht versetzt zum grellen City-Nightlife existiert und verbindet. Studierende von der Uni. Börsenplatz-Passagiere. Nachtschwärmer auf dem Weg zwischen zwei Stationen der Stadt. Fußball auf dem Bildschirm, Konzerte am Wochenende, Stimmengewirr an der Bar. Ein Resonanzraum, der sich über Jahrzehnte stabil gehalten hat.
Gegründet wurde das Schlesinger 1996 als Nachfolger des legendären „Casino“. Hinter der Theke standen damals Heribert „Heri“ Meiers, Martin „Nolde“ Arnold und Jörg „Tschelle“ Schelling. Schelling prägte den Laden lange, bis zu seinem Tod im Jahr 2020. Die beiden anderen führten das Schlesinger weiter durch die Jahre, durch Trends, durch wechselnde Gastronomiezyklen im Kessel.
Jetzt, nach dem 30-jährigen Jubiläum, steht die nächste Phase an. Im Sommer möchten die Betreiber den Staffelstab weiterreichen. Nach Jahrzehnten Gastronomie zieht sich Heribert Meiers langsam aus dem Nachtbetrieb zurück. Die Energie für späte Stunden lässt irgendwann nach, selbst wenn der Laden weiterhin funktioniert. Gesucht wird deshalb ein Nachfolger für das Schlesinger.
Einfach wird das nicht. Vierzehn Mitarbeitende arbeiten aktuell dort, viele davon seit Jahren Teil dieses kleinen Kosmos. Der Wunsch der Betreiber ist klar: Das Schlesinger soll bleiben, was es ist. Keine komplette Metamorphose, kein radikaler Kurswechsel. Denn dieses Lokal hat sich über drei Jahrzehnte tief im Stuttgarter Gefüge verankert.
Nicht im Zentrum des Nachtlärms. Nicht im Schaufenster der Stadt. Sondern ein paar Schritte daneben. Ein bisschen edel & gut, ein bisschen eigenwillig, ziemlich Stuttgart. Oder wie das Schlesinger selbst sagt: “First Glas in Town – Durst ist Vertrauenssache!”
30 Jahre Schlesinger
Samstag, 14. März, ab 20 Uhr
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