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Milaneo!
Am 5. Okt 2011, 16:40 Uhr von martin
Alright! Das Quartier am Mailänder Platz soll “Milaneo” heißen. Wurde gerade von der Stadt gespreadet. An was erinnert mich das? An Galileo? An Goleo? Ja! Genau, an das WM-Maskottchen 2006. Remember? Gut, gibt bisschen schlimmere Namen, geht mir nur momentan schwer über die Zunge. Stell mir gerade vor, was jugendkulturelle Vereinigungen in ein paar Jahren sagen werden: “Geh mer Mila Alta?” “Neo FTW!?” “Bin Mille, kommste Bib bomben? LOL!”
Vor ein paar Monaten wurde mit Hilfe der Bürger ein Name für das Quartier gesucht, “1.054 Bürger nutzten dabei die eigens eingerichtete Homepage www.quartier-mailaender-platz.de, die übrigen Vorschläge wurden per Postkarte im Rathaus eingereicht”, heißt es in der Meldung. Und weiter: “Aufgrund der Lage am Mailänder Platz ging etwa ein Viertel der Einsendungen in Richtung Milano.” Yeah!
“Als gemeinsamer Name für alle Nutzungen im Quartier (Wohnen, Hotel, Büros, Shopping, Gastronomie und Freiflächen) entschied sich die Jury schließlich für MILANEO – ein Name, der nicht nur lokal, sondern auch regional, überregional und international einen guten Klang hat.”
Und noch eine Wortanalyse von Schusti: „Mit MILANEO, dem neuen Namen für das Quartier am Mailänder Platz, haben die Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger eine gelungene Wortschöpfung gewählt. So vermittelt dieser Name etwas vom südländischen Flair der italienischen Metropole Milano. Mit dem italienischen Anhang ‚neo’ kommt zudem prägnant zum Ausdruck, dass es sich bei dem Stadtquartier MILANEO um ein neues, modernes Viertel handelt. Mit dem neuen Stadtquartier MILANEO erhält das Europaviertel ein Mehr an Lebensqualität.“
Nach dem Sprung noch mehr schöne neue Welt und Goldmedaillen
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Über konservativ Gehobene, Hedonisten und andere Typen
Am 29. Sep 2011, 12:10 Uhr von martin
(Blick aus dem Schloss Außenreporter)
Geh ich mal von meinen Freundeskreis aus und was man so außenrum hört, sucht jeder die gleiche Wohnung. Drei bis vier Zimmer, 90 bis 100 Quadratmeter, Mitte, Süd, West, sanierter Altbau, 25 Meter hohe Decken mit voll schön Stuck, auf gar keinen Fall die Dusche
im Badin der Küche, Zentralheizung, auf jeden Fall Parkett und natürlich (!) ein Balkon (!). Für 800 Euro kalt. So. Denk ich mir öfters: Leute, wo lebt ihr? Die Wohnungen gibt´s natürlich, aber sind, ich sag mal, strenger limitiert als das eine oder andere Nike-Modell am Samstag bei Kicks N Coffee. Über das Thema Wohnungssuche hat sich auch erst kürzlich die Jana ausgelassen. Haste eigentlich eine mittlerweile?Nicht nur die Jana sucht – und hat wie geschrieben, im Laufe der Suche ihre Ansprüche heruntergeschraubt – sondern immer mehr Leute zieht es in die Stadt. Gestern verschickte das Rathaus eine städtische Analyse über die Lebensstile und Wohnwünsche der Stuttgarter: “Was reizt die Menschen am innerstädtischen Leben, was sind ihre individuellen Wertvorstellungen und wie wollen die Stuttgarter wohnen? Dies sind zentrale Punkte der städtischen Umfrage „Lebensstile in Stuttgart“, die Teil der strategischen Stadtentwicklung ist.” Auch die StZ berichtet heute darüber.
An der Umfrage haben sich circa 7000 Leute beteiligt, mit dem Grundtenor, dass eben die meisten in der Innenstadt wohnen wollen. Aber Stadt ist nicht gleich Stadt, jeder hat da andere Vorstellungen oder eben “Lebensstile und Wohnwünsche”. Deswegen wurde die Bevölkerung in neun so genannte Lebensführungstypen zugeordnet, wie in der Pressemitteilung steht, deren Definitionen das absolute Highlight dieser Analyse ist.
Konservativ Gehobene
Tradition des Besitzbürgertums, Konservatismus, Distinktion durch „Rang“, Exklusivität im Lebensstandard, klassische Hochkultur, Leistungs- und Führungsbereitschaft, Religiosität.
Liberal Gehobene
Tradition des Bildungsbürgertums, Liberalität, berufliche Selbstverwirklichung, Hochkulturkonsum mit „alternativem“ Einschlag, Sinn für Authentizität, Kennerschaft im Konsum.
Reflexive
Kulturelle, akademisch geprägte Avantgarde, Reflexivität, Kreativität und Experimentierfreude, Suche nach eigenverantwortlicher Persönlichkeitsentfaltung, globales Lebensgefühl.
Hedonisten
Jugendkultureller Stilprotest durch Mode und Musik, Innovationsfreude, gegenwartsbezogene Genuss- und Konsumorientierung, modern und offen, gute Schulbildung.
Aufstiegsorientierte
Zentriertheit um solide Berufskarriere, Familie und Partizipation am Mainstream der modernen Freizeitkultur, „Durchschnittlichkeit“ und interne Heterogenität des Typus durch Mittelposition.
Konventionalisten
Tradition des Kleinbürgertums, Pflicht- und Akzeptanzwerte, Sicherheitsorientierung, Hochkulturkonsum mit volkstümlichem Einschlag, konservativ-religiöse Moral, häusliche Idylle.
Traditionelle Arbeiter
Tradition der Facharbeit, Bescheidenheit, Orientierung am Praktischen, Bedeutung sozialer Sicherheit, gewerkschaftliche Nähe, deutsches Liedgut, Vereinsleben. (Deutsches Liedgut? Jan Delay?)
Heimzentrierte
Familienzentriertheit und Häuslichkeit durch Kinder und geringe Ressourcenverfügbarkeit, traditionelle Volksfestszene und moderne Massenkultur wie Popmusik und Fernsehen. (Die traditionelle Volksfestszene also.)
Unterhaltungssuchende
Erlebniskonsum, materialistische Statussymbolik und außerhäusliche Unterhaltungsorientierung vor dem Hintergrund einer Deklassierungsbedrohung, Depolitisiertheit. (Ganz klar der Thorsten.)
So. Und was seid ihr?
Die ganze Presseinfo mit ganz vielen Zahlen auf der nächsten Seite
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Wohnungssuche = Wohnungsnot
Am 26. Jul 2011, 14:00 Uhr von Jana
Es gibt drei Dinge, die einen in Stuttgart zum Wahnsinn bringen können:
1. Kehrwoche (dafür brauche ich einen eigenen Artikel, Krupa rebelliert ganz)
2. Parkplatzsuche
3. ImmobilienIch suche seit mehreren Monaten mit Unterbrechung und mehr oder weniger (meistens mehr) lustlos nach einer neuen Bleibe. Was soll ich sagen: Es ist kein Spaß. Jeder, der innerhalb der Kessel-Grenzen schon mal auf Wohnungssuche war, kann es nachvollziehen.
Wie hoch die Mieten in München auch sein mögen, wie lange die Schlangen bei den Besichtigungen in Zürich oder wie unfreundlich die Makler in Berlin – aktuell kann ich mir nicht vorstellen, dass es eine Stadt gibt, in der es schwieriger ist, eine Wohnung zu finden. Und dabei biete ich an Flexibilität eigentlich alles, was man erwarten kann: Ich würde mieten, kaufen, leasen. Ich nehme Nord, Ost, Süd & West. Ich stelle nur eine Bedingung: Kessel-Rand. Den darf es nicht überschreiten.
Und seit ich diesen ulkigen Immo-Scout-Newsletter haben, hat sich die Liste noch etwas verlängert. Meine Top 4, die eine Traumwohnung nie haben darf:
1. Kompaktes Bad
In der Realität ist das Bad dann so groß wie das Klo:
2. Teilrenoviert
Und das ist der renovierte Teil der Wohnung:3. Die Lage
“Im Grünen” – bildlich belegt mit solchen Fotos. Das nenn’ ich mal ne Entscheidungsgrundlage:4. “Zentral und ruhig”
- soweit so gut. Doch dann das Bild: Stuttgart by Nature. Ich kann die Kehrwoche (s. 1. Punkt) förmlich riechen. Die Betonung liegt dementsprechend auf “ruhig”.

Alle Bilder Immoscout
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Firnhaber Brand
Am 12. Okt 2010, 15:06 Uhr von martin
(Brennender Firnhaber in der Kronprinzstraße, heute an der Stelle u.a. Habitat)
Auch wenn die Sonne scheint, muss man mal über die Tragödien dieser Stadt reden. Im Gegensatz zum Außenreporter, der bekanntlich auf Events wie dem Juristenball oder 130 Jahre Lapp-Kabel herumstreunt, oder ab und zu den einen oder anderen mehr oder weniger wichtigen (Lokal-)Politiker trifft, sind meine Termine eher bescheiden.
Neulich hat man mich wieder auf die Menschheit losgelassen. Ein Date mit Frank Firnhaber stand auf dem Programm, Geschäftsführer in der 3. Generation des gleichnamigen Möbelhauses beim Gaskessel direkt an der Grenze zu Wangen. Grüsse an Ante an dieser Stelle, der übrigens die Tage nach Stuttgart kommt.
Gespräch ging primär freilich über Möbel. Der Chef, schätze so Mitte bis Ende 30, hat mir gleich angesehen, dass Inneneinrichtung nicht zu meinen Stärken gehört, also hat er mich vor der Öffnungszeit durch sein Haus geführt. Der Schreiberling soll ja auch einen positiven Eindruck bekommen.
Dabei hat mir unter anderem erzählt, dass multifunktionale Möbelstücke (z.B. das Schlafsofa) hoch im Kurs stehen, dass man für eine durchschnittliche Ledercouch sechs bis acht Rinder benötigt und dass auch jüngere Leute auf solide Wohnzimmerschrankwände stehen. War ich sehr stolz auf diese private Audienz. Hatte auch die Ehre um 9 via den Hintereingang reinzudürfen. Dunkle Möbelhäuser sind, ähm, ja, fast schon erotisch.
Zuvor kamen wir kurz auf den größten Brand Stuttgarts zu sprechen. 1992, als Thorsten noch im Schwarzwald via Mailorder Streetwear bestellt hat, fackelte das ehemalige Stammhaus in der Kronprinzstraße bis auf die Knochen nieder.
Kann ich mich noch gut daran erinnern, was Firnhaber etwas gewundert hat. “Die heute 35jährigen wissen es noch.” Och, geht auch mit 33. Aber doch nicht mehr so ganz im Detail, wenn ich mir die Firmengeschichte anschaue:
“Am 22. Juni versucht ein wahnwitziger Kneipier seine finanzielle Lage durch Versicherungsbetrug zu verbessern. Er schüttet 60 Liter Benzin in seinem Lokal aus und zündet sie an. Damit verursacht er den größten Nachkriegsbrand in der Stuttgarter Innenstadt und vernichtet auch die gesamten Firnhaber-Verkaufsräume mit ca. 6.000m². Firnhaber steht über Nacht ohne Verkaufshaus da.”
Das mit dem Versicherungsbetrug und dem Kneipier habe ich bis gerade eben vergessen, weiß auch nicht mehr wie angrenzende Spelunke hieß. Bei mir hat sich vielmehr das Bild von dem abgebrannten Gerippe im Kopf eingebrannt, sah ziemlich gruselig aus. Hat ewig gedauert, bis an dieser Stelle neu gebaut wurde und u.a. der Habitat eingezogen ist.
Firnhaber konnte Ende 1992 am Gaskessel wieder eröffnen, welche Strafe der Brandstifter bekommen hat, weiß ich nicht mehr. Erinnere mich nur dunkel daran, dass der Prozess ein großes Thema in den Tageszeitungen war.
Hier noch eine etwas veraltete Chronik Stuttgarter Brandkatastrophen.
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Hipster Umzug
Am 4. Sep 2010, 18:00 Uhr von martin
Entdeckt von Leser Sebastian auf dem Failblog, meint er, das Konzept könnte man auch durchaus in Stuttgart etablieren. But hello!
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Townhouse
Am 29. Jun 2010, 12:00 Uhr von martin
Bei dem Wort “Townhouse” muss ich zuerst – warum auch immer - an schicke Butzen an der Spree denken, bevölkert von gutverdienenden Menschen, die in die große Stadt gezogen sind, um fern ab von Tuttlingen nochmals richtig was zu erleben. Reichhaltiges Kultur-Angebot im Berghain und so. Jaja, lassen wir das.
Der Tom vom Vinyl-West wird bestimmt aus den Latschen kippen, wenn er sieht, dass im/über seinem ehemaligen Laden ein Townhouse entsteht. Townhouse – jetzt auch an in Stuttgart. Nicht an der Spree, dafür am fließenden Verkehr der Rotebühlstraße. Musste ich bissle lachen gestern.
“Die Rotebühlstraße ist der Dreh- und Angelpunkt in Stuttgarts Westen. Sie liegt mitten in einem belebten Viertel, nur einen Katzensprung vom innersten Stadtzentrum, jedoch außerhalb des Gewühls”, heißt auf der Homepage von Stattwerk Stuttgart. Sehe da zwar mehr oder weniger nur Zweckgebäude herum und eine laute Straße, aber lassen wir mal so stehen.
Trotzdem: Da ich zwar gefühlt 22 bin, aber doch irgendwo 33, kann ich mir nicht helfen und muss zugegeben, dass die durchgestylten Spießer-Hütten supi aussehen. Würde eine haben wollen. Aber vielleicht doch eher am Neckar. Mit Bar 25 davor oder so.
Mehr Infos im Exposé, Preise sind keine bekannt.
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Ehrgeizige Bauprojekte: Stuttgart lebt
Am 7. Apr 2010, 09:30 Uhr von Jana
Noch sieht man nur ein Loch, aber…
…mit richtig viel Selbstbewußtsein baut die Nord-Süd-Bau in der Olgastraße 87 (kurze Zeit übrigens die Adresse der temporären Kultureinrichtung Roundabout) ein “höchst anspruchsvolles Projekt”, sprich ein riesiges Mehrfamilienhaus mit Lofts. Das allein ist noch nicht das unglaubliche Selbstbewußtsein, von dem ich spreche, das finde ich grundsätzlich eine gute Sache (gehöre nicht zu den Gegnern großer Bauvorhaben…).
Wie überzeugt die Bauherren allerdings von ihrem “verwirklichten Traum” sind, zeigt sich mit einem Blick auf die Webseite. Motto: Stuttgart lebt! Die Olgastraße wird in einem Atemzug mit der Fifth Avenue und den Champs Élysées genannt.
Ja, das klingt vielleicht zunächst etwas vermessen, aber wir erinnern uns: Kaum ein anderer Pfad in Stuttgart bietet ein derartiges Wechselbad der Gefühle aus herrschaftlichen Altbauten, Flachdachimmobilien, Durchfahrtsverkehr und Straßenstrich wie die Olgastraße. Da ist Leben in der Bude. Genauso wie auf den Meilen in Paris oder Manhattan. Also ein durchaus passender Vergleich. Da liest man doch gerne weiter:
“Stuttgart, eine der beliebtesten Metropolen in Deutschland – und einer der wohl innovativsten Industriestandorte in Europa.
Malerisch zwischen Weinbergen gelegen, werden in Stuttgart die besten Autos der Welt gebaut, die aufregendsten Opern uraufgeführt. Es ist die Stadt der kurzen Wege – und wenn man möchte, die Stadt der langen Nächte.”Da pochert das Herzchen vor lauter Lokalpatriotismus. Und um auch den letzten ortsunkenntlichen Kaufinteressierten von der urbanen Toplage der Olgastraße zu überzeugen, gibt es einen (etwas veralteten) Olgaführer:
“Lebendiges entlang der Olgastraße. Dort verkauft ein Designer handgefertigte Taschen mit extravaganten Motiven. Ein paar Meter entfernt hängt junge Mode im Geschäft von “Fräulein Sonntag” und auch in den Seitenstraßen haben sich viele Kreative niedergelassen, die Ungewöhnliches anbieten.
Gastronomisch lässt sich auf der Olgastraße nahezu jeder Wunsch, vom französischen Sandwich bis zur Top-Gastronomie, erfüllen. Gehen Sie morgens stilvoll frühstücken oder ziehen Sie abends entspannt durch die Lokale.”
Die Olgastraße wird dank Fräulein Sonntag und den Taschenunikaten von Martin Reinwarth als das urbane Mekka Stuttgarts bezeichnet. Leider sind beide Geschäfte längst umgezogen. Aber der Vital Lunch ist immerhin noch da (Stichwort französisches Sandwich).
Kommen wir zu den Grundrissen. Schmacht, was soll ich sagen, sämtliche (eventuellen) Boshaftigkeiten sind mir im Halse stecken geblieben. Pure Freude! So eine Wohnung will ich auch. Bin geneigt alles Bisherige zu glauben.
Wohnung 33, ca. 1,17 Mio – wäre noch zu haben..
Leider ist mir die Freude bei den Preisen im Halse stecken geblieben und so bin ich jetzt einfach sprachlos und neidisch auf alle, die sich hinter den “verkauft Schildchen” verbergen.
Vielleicht kennt ja ein Leser einen potentiellen Käufer, der uns später dann berichtet, wie es so ist, auf der Champs Élysées. In Stuttgart findet man eben immer für alles eine Lösung.
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