• 35

    Best Of 2011: Occupy Sesamstraße

    Yeah, raus. Mal wieder demonstrieren. Wir sind 99%, Reclaim The Streets, Revolution, Kapitalismus zerschlagen, Staat raus, ihr Ficker. Schön weitergetwittert mit dem iPhone,  gescheit hergeliked. Es riecht nach Revolution und zumindest das Anliegen ist spürbar und beziehungsweise die virtuelle Wut fast greifbar.

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    Das Webzweinull ist voll davon, dass Leute irgendwas occupien. Mittlerweile bin ich so verwirrt, dass ich nicht mehr weiß, bei welcher der acht verschiedenen Facebook-Einladungen ich zusagen soll, am Samstag um 15 Uhr die Börse in Stuttgart einzunehmen. Occupy Germany wäre auch eine Option oder Occupy Frankfurt, die haben da schließlich die größere Börse. Wallstreet ist mir zu weit.  Egal jetzt, Stuttgart geht an die Börse, Geld hat eh keiner. Sa, 15.10., 17 Uhr.

    Mein Geschichtslehrer Herr Schöneberger sagte mal “Weltrevolutionen fanden üblicherweise im Sommer statt. Im Winter mag ja keine Sau auf die Straße gehen”. Ich weiß nicht mehr genau, ob er “Sau” gesagt hat, aber ich glaube er meinte das ungefähr so. Nachgeprüft habe ich es auch nie, die Sommersache. Klang aber ebenfalls einleuchtend. Genauso wie die Wut auf Finanzhaie, Großkonzerne und die Wirtschaft. “Oléolé”, gerufen und Montagabend schon mal vorsorglich die Straßen eingenommen, nicht dass ich schon wieder unvorbereitet meiner Bürgerpflicht nachgehe.

    Hab’ mich zu fünf Girls gestellt, die am Marienplatz vor der BW-Bank standen, obwohl schon Herbst und die Tür eigentlich offen war. Dachte, das wäre so eine “Occupy BW-Bank”-Geschichte. Das eine Mädchen meinte nach ein paar Minuten, ich solle mich bitte verpissen und nicht ständig “Wir sind das Volk” brüllen, weil die drei übelst süßen Typen auf dem Marienplatz sonst nie rüberkommen und sie und ihre Freundinnen ansprechen würden.

    Schnell weitergezogen, dank VVS-Streik waren die Straßen eh voller als sonst. So, wie sehr viele vernünftige Menschen gerade Lana Del Rey mögen, hat mir der VVS-Streiks sehr gut gefallen. Um was es dabei eigentlich ging, habe ich recht schnell wieder vergessen. Aber sogar in der Tübinger Straße war plötzlich was los. Sicher, streng genommen sind da oft Menschen unterwegs, aber meistens halten die sich da an Promille, ein paar Träumen und etwas Hoffnung fest. Dieses Mal waren da Leute mit Aktentaschen, Einkaufstüten, Beistellpartner oder Gitarren-Gig-Bag unterwegs. Manche hatten sogar ein Lächeln dabei. Das steigert die Lebensqualität.

    Sogar die Jungs und Mädchen mit den Schnapsflaschen winkten von ihren Bänken an der Paulinenbrücke rüber. Endlich was los hier. Belebte Straßen und man guckt halt doch lieber auf vorbildlich gekleidete Menschen, als nur auf die tristen Baulöcher, in denen wir demnächst shoppen sollen. Das Leben läuft höchstpersönlich durch die Straßen, war vorher bei REWE oder in der Hölle und ist froh, endlich draußen zu sein.

    Die Bahn fährt nicht, Bus auch nicht. Fliegen ist für die meisten von uns scheiße schwer und Fahrräder werden einem hier ständig unter dem Hintern weggeklaut. Bleibt nix anderes übrig als zu laufen, Autofahren ist ja ein auch ein riesen Stress im Feierabendverkehr. Vive Le VVS-Streik.

    “Scheiss Streik”, motzt einer. Ich denke: Gut dass sich der Typ mit seinen vier Einkaufstüten nicht neben mir in die Bahn drängen kann. Aus einer Tüte schaut eine etwas längere, aber dünne Latte raus. Wahrscheinlich hat er das Ding in einem Bastellgeschäft gekauft. Nicht auszudenken, was er damit in der vollbesetzten Bahn hätte anrichten könnte. Schnell weiter, echte Volkswut schnuppern. Irgendwo muss sie ja sein. Zweinull ist mir zu geruchsarm.

    Vor dem Bahnhof standen auch ein paar Leute rum. Denen hab’ ich gleich mal die Meinung gegeigt: “Laaannnngwwweiiiiggg!” gerufen und “Peanuts!” Denn ich bin längst bereit für die Weltrevolution, brauche eine echte Aufgabe von weltweiter Tragweite. Bahnhof haben wir angestupst, jetzt ist’s aber auch gut, es wird Zeit für die dicken Eier. Kapitalismus zerschlagen. Das Übel aller Wurzeln.

    Dann habe ich nochmal “Scheiss Streik” gebrüllt, weil mir schon die Plattfüße wehtaten und mich diese streikenden Arschlöcher streng genommen sehr von der großen Revolution abhielten. Wollte schließlich für “Occupy Stuttgart”  üben, nicht spazieren gehen. Eigentlich war das sogar “Wandern”. Denn Spaziergänge, die so lang dauern, dass man zwischendurch was essen muss – das sind Wanderungen.

    Kurz eine koffeinfreie Soja Latte mit nachhaltigem Mandelgeschmack bei Starbucks rausgelassen und beim Bäcker Treiber eine Brezel gekauft, leider gleich was auf mein H&M-T-Shirt gekleckert – von beidem. Zu McDonalds gehe ich nicht. Wegen dem Regenwald.

    Vor dem Waranga saß auch eine Latte Revolutionäre rum. Manche waren Frauen in sehr unbequemen Schuhen. Hab’ ihnen mein Facebook-Daumen entgegengestreckt und “Me Like” zugerufen. Denn es ist gut, wenn schicke Ladies auch bei der Revolution der Halbhöhenlage mitmischen. Sie gehören auch zu uns schließlich sind wir immerhin 99%. Das ist eine Menge.

    Volksaufstandsmäßig war trotzdem recht wenig rauszuholen, deshalb habe ich die Leute lieber von zu Hause aus mobilisiert und viele Videos von “Occupy Wallstreet” gepostet, Artikel über Griechenland und noch was über einen armen Hund, dem miese Rumänen auf die Fresse hauen wollten. Er wohnt in Rumänien. Irgendwann war ich müde.

    Als ich mit dem Kopf auf der Tastatur aufwachte habe ich ein Bild von einem Regenbogen gesehen. Echt. Denn wenn irgendwo auf der Welt ein verdammter Regenbogen erscheint, weil auf Regen doch meistens Sonne folgt, dann sehe ich das dank pflichtbewusster und aufmerksamer Freunde sofort auf Facebook. Wäre ich nicht so scheißefaul, hätte ich natürlich selbst einen fotografieren und hochladen können. Ich befürchte, ich bin da etwas Großem auf der Spur.

    Okay, das war jetzt teils erstunken und erlogen. Aber hätte ich dann am Dienstagabend nicht mit den Chaos Girls im Mos Eisley rumgesessen und einen Wein zuviel getrunken, dann hätte ich mich auch da nochmal vorab für die Revolution interessiert.

    Rage Against The machine waren auch schon an der Wallstreet. 1999, wie immer hatten sie Kameras dabei.


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  • 24

    Linienbus vs. Straßenlaterne

    (Bild VVS)

    Kinoreife Szene, zum Glück kam niemand zu schaden.

    PP Stuttgart / Bus macht sich selbstständig

    Stuttgart-Nord: Ein fahrerloser Linienbus ist am Donnerstag (18.08.2011) gegen 07.30 Uhr die abschüssige Straße Am Kochenhof hinuntergerollt und gegen eine Straßenlaterne geprallt. Der Busfahrer rannte dem Bus hinterher, um ihn anzuhalten. Dabei stürzte er und verletzte sich leicht. Ein Rettungswagen und die Feuerwehr waren vor Ort.

    Der 35-jährige Fahrer wollte einen technischen Defekt an der Klimaanlage des Busses der Linie 44 an der Endhaltestelle Killesberg beseitigen. Während er sich außerhalb des Busses um die Beseitigung der Störung kümmerte, kam der Bus auf der abschüssigen Straße rückwärts ins Rollen, da der 35-Jährige offenbar die Bremse nicht ausreichend festgestellt hatte.

    Das Fahrzeug querte sechs Fahrstreifen, überrollte eine Warnbarke und prallte gegen eine Straßenlaterne auf dem Gehweg. Dabei wurde die Ölwanne des Fahrzeugs beschädigt. Das ausgelaufene Öl wurde von der Feuerwehr beseitigt. Der entstandene Sachschaden wird auf rund 30 000 Euro geschätzt.

     
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  • 14

    Nachtverkehr Ausbau

    (A Dreamle comes true, die Seilbahn fährt bald durch.)

    Wie die StZ heute berichtet, soll das nächtliche Öffi-Angebot ausgebaut werden. Konkret wird gerade überlegt, ob doch endlich nachts S-Bahnen fahren sollen, um die Bus-Bomber zu entlasten.

    “Die erste Variante sähe vor, je dreimal pro Nacht eine S-Bahn zwischen Esslingen und Böblingen, zwischen Waiblingen und der Schwabstraße sowie zwischen Ludwigsburg und der Schwabstraße verkehren zu lassen, und zwar im Stundentakt”, heißt es in dem Artikel. Danach geht es mit den Nachtbussen in die Ortschaften weiter.

    Bei der zweiten Variante gondeln die S-Bahnen bis zu den Endhaltestellen Bietigheim-Bissingen, Schorndorf, Kirchheim, Flughafen und Herrenberg. “Die übrigen S-Bahn-Linien werden ebenfalls eingesetzt, allerdings nur als Zubringer, also beispielsweise verkehrt die S6 zwischen Zuffenhausen und Weil der Stadt.”

    Planmässig soll die Revolution ab Dezember 2012 starten, wenn die Verträge mit den Busunternehmen auslaufen.

    Zum StZ-Artikel

    www.nachtaktiv.net

     
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  • 18

    Graffiti-Schutz?

    Echtes Lounge-Feeling in der Stadtmitte-Haltestelle: Ende letzter Woche wurden diese Tür-Installationen aufgesetzt. Vielleicht waren nach einer Bar-Eröffnung ein paar Quadratmeter Glas übrig oder die VVS hat die von irgendeiner Baustelle geklaut. Komm Glasfront, machen wir bei uns auch, sieht gut aus. Tagsüber Sans-Suppe, abends bringet die Junge den Alk eh selbst mit und der Laden läuft.

    Fällt mir ein, meine Surferkumpels haben früher Zement und Steinbrocken geklaut und sich für paar Monate auf irgendeinem Kanarenstrand ein Lager fundamentiert. Machen sie heute nicht mehr. Im Auto schlafen sie auch nicht mehr. Nehmen zwischenzeitlich mehr mit als zwei Unterhosen, wenn sie auf Wind oder Wellen warten. Sind früher öfters zwei Wochen weggefahren oder geflogen, 70 Kilo Übergepäck, End vom Lied ein Tag Wind. Da wars dann aber fett. Hatte derweil daheim ne gute Zeit aufm Skateboard.

    Finde jetzt keine Brücke von Unterhose auf Glas, aber mein erster Gedanke war: Okay, wir haben verstanden, wie Guido einst sagte, wir müssen unsere S-Bahn-Station besser vor Sprayern schützen. Klingt logisch für zwei Sekunden, aber bloss nicht nur alte Gangster wissen, dass abends oben an der Rolltreppe Gitter heruntergelassen werden.

    Oder doch nicht mehr? Sind die futsch oder kann man die hochhebeln und drunter schlupfen? Bin kein Sprayer und somit kein Untendurchschlupfer und Ofenschlupfer mochte ich auch noch nie, gab immer Anschiss daheim. Mutti! Ofenschlupfer! Was soll des?! Hab Hunger! Brauch Fleisch! Oder wenigstens nen Schnitzel.

    Hab mich jedenfalls nur gewundert. Vielleicht soll es ja doch einfach nur schön aussehen. Wer weiß mehr?

     
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  • 20

    Nahverkehrskarte

    Okay, vielleicht auch ein alter Hut, ich hab’s erst heute entdeckt, und saubere Sache: Die Nahverkehrskarte. Hier kann man gucken, wo die Bahn, auf die man wartet, gerade fährt und somit wie lange sie ungefähr noch braucht.

    Die U-Bahn- und S-Bahn-Symbole fahren lustig vor sich hin oder stehen auch mal, wenn die Bahn eben gerade an der Haltestelle steht. Klickt man auf eine Haltestelle, dann bekommt man die aktuellen Abfahrtszeiten der Bahnen.

    Nach dem ersten Erstaunen stellt sich zwar raus, dass die Bewegung nicht in Echtzeit getrackt, sondern auf Basis des aktuellen Fahrplans berechnet wird, aber supi ist die Idee trotzdem. Es handelt sich dabei auch um ein privates Projekt, also nix VVS oder SSB (hätten die aber auch mal drauf kommen können).

    Verfügbar ist die Nahverkehrskarte für Stuttgart, Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg, Reutlingen, Tübingen und Waiblingen, und da die Karte auf Google basiert kann man auch verschiedene Ansichten, z.B. Satellit oder Hybrid auswählen.

    Guckschdu hier.

     
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  • 6

    Videokameras in der S-Bahn

    Krupa bekommt sicherlich Herzinfarkt und der Setzer wirft sein Umweltticket weg: Die Stuttgarter Zeitung berichtet heute, dass die Bahn AG 28 S-Bahnen vom Typ ET 423 (auf gut deutsch die mittlerweile nicht mehr ganz so neuen) mit 16 Videokameras pro Zug ausgestattet hat. Also nix mehr mit Füsse aufm Sitz, Pulle in der Hand oder was sonst so in der S-Bahn passieren kann. Hört man über die Kameras eigentlich die Synthie-Rap-Handymugge und kann der “Kutscher” dann durchbrüllen, die 0,001 Watt Sparanlagen mit süssem Anhänger leiser zu drehen? Das wäre ein Fortschritt.

    Gott sei Dank passiert bei uns relativ wenig im Öffentlichen Verkehr. ”Wir wollen unseren Kunden ein besseres Sicherheitsgefühl vermitteln, auch wenn die Sicherheitslage schon heute sehr gut ist”, sagt Hans-Albrecht Krause, geschäftsführender Sprecher der S-Bahn gegenüber der Zeitung. Bis Ende 2011 soll der Rest der Baureihe bestückt werden und die 83 ganz neuen Züge sowieso, die ab 2012 verkehren. Nü denn, auf das bessere Sicherheitsgefühl und auf höhere Ticketpreise.

    Sind in den Stationen mittlerweile Kameras eingebaut? Wenn ja, scheint das die lokalen Sprayer immer noch nicht zu stören. Kam erst mal wieder gestern vor:

    Allen Nicht-Graffiti-Fans sei gesagt, dass es schon wieder weg ist. Könnte man wegen mir einfach mal dranlassen. Die Putzspuren sind fast hässlicher.

     
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  • 5

    Streik-Treff

    Wer schon immer wissen wollte, warum die Zugfahrer streiken (Stuttgart ist laut StZ übrigens ein “Streikschwerpunkt”), hier die Auflösung: Zu viele Menschen fahren schon vor 9 Uhr schwarz mit dem Umweltticket. Kann nicht sein, dachten sich die Kutscher, wie der Setzer sagt, und kommen jetzt halt nur noch sporadisch. Einfach geiler Laden die Bahn, geiler ist nur noch Schalke.

    Gestern Farfan in der circa 148 Minute, Schiri lässt übelst lang nachspielen, aber der Kerle hebt die Kugel halt kurz vor Schluss wie ich früher in der 6. Klasse über den spanischen Nationalfliegenfänger. Hab unglaublich hart vor der Glotze gejubelt, weiß aber gar nicht warum, bin ja um Gottes Willen kein Schalker, sondern nur Comunio und werde dieses Jahr Meister. War wohl dieses typische Beiderchampionsleaguehaltenallefußballtrottelzusammen-Syndrom.

    Aber als ein Felixmagath musste man sich doch gestern Abend fühlen wie der Auserwählte, kurz mal dem ganzen geilen Laden den Mittelfinger gezeigt. Sogar der Franz hat ihm auf die Schulter geklopft. Würde mich auch mal freuen, wenn der Franz im Transit vorbeikommen würde und mir auf die Schulter klopft und sagt: “Gute Comunio-Saison, Junge, du hast echt Ahnung von Fußball!” oder so etwas der in Art. Nächtes Jahr an Fasching gehe ich jedenfalls als Magath, brauch nur noch ein Hermes-Brillengestell. Alternative wäre als ein Teebeutel.

    Fasching ist vorbei, aber heute Abend schon wieder Karneval. Der Treff vom Comunio-Stoffel, hat auch kein schlechtes Team dieses Jahr, natürlich meilenweit entfernt von meinem, aber trotzdem okay, feiert Zweijähriges Jubiläum. Gratulation. Gute Sache, dieser Treff. Muss bei dem Wort natürlich wie alle immer an Jugendhaus denken.

    Bin aber leider entgegen aller Aussagen des Videos heute Abend nicht dabei. Dafür noch eine Formation namens xXxXx aus Berlin, live.

    Übern Transit feiert man heute elektronisch…

    ….und Alternativen gibts wie immer mit dem Tonstudio – Rap – oder elektronisches im Climax oder angezecktes im  Young Guns Club im Rocker…

    …dieses Mal mit Minimalte und Karate, ups, sorry Karaat. Als Karate verkleiden wäre auch mal eine Möglichkeit.

     
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