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    52 Albums/47: Tricky “Maxinquaye”

    Am 10. Mrz 2010, 14:47 Uhr von martin

    Ich glaube, Tricky ist der Musikkünstler, der mich am meisten enttäuscht hat.

    Immer mal wieder habe ich ihm nach seinem famosen Debütalbum „Maxinquaye“ von 1995 eine Chance gegeben, freilich blind damals das zweite Album „Nearly God“ gekauft (was ein blöder Titel eigentlich) und vor einigen Jahren den Longplayer „Blowback“, über den ich irgendwo gelesen habe, der wäre mal wieder ganz gut, aber nach ein oder zweimal anhören doch wieder in die Ecke stellte.

    Die Spex feierte wiederum erst neulich sein Projekt mit der South Rakkas Crew. Ich habe es mir prompt auf iTunes durch geskippt, fands net so dolle; gestern erst in der Lodown eine knackig-fiese 1/10 Rezi gelesen.

    Tricky hatte schon immer was von einem Streuner, einem Heimatlosen, nicht Fisch, nicht Fleisch. Er weiß nicht wo er hin soll. Dazu passte auch die halbgare Filmrolle in „Das fünfte Element“, in dem er einen Handlanger des Oberschurken (Gary Oldman) spielte.

    Das wäre vielleicht so der rote Faden seiner Karriere, der sich von Beginn an durchzog. Schon unter so manchen Kritikern galt sein Debütalbum „Maxinquaye“ als schwacher Massive Attack-Abklatsch, aus deren Umfeld Tricky bekanntlich stammte, quasi ein Profiteur im Fahrwasser der tiefen Spuren, die „Blue Lines“ und „Protection“ hinterlassen haben.

    Ich fand „Maxinquaye damals unendlich fett, was natürlich mitunter an der Songkette „Ponderosa“, „Black Steel“ (Public Enemy Coverversion) und freilich dem wahnsinnig betörenden Schleppbeat-Klassiker „Hell Is Around The Corner“ lag. Ein paar Monate zuvor hatten Portishead ja dasselbe Isaac Hayes Sample für den Titel „Glory Box“ verwendet. Die Maxis habe ich mir später in meinem anfänglichen Ebay-Wahn ersteigert, speziell für lange Nächte im Oblomow.

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    Ich glaube, Tricky ist der Musikkünstler, der mich am meisten enttäuscht hat. Immer mal wieder habe ich ihm nach seinem famosen Debütalbum „Maxinquaye“ von 1995 eine Chance gegeben, freilich blind damals das zweite Album „Nearly God“ gekauft (was ein blöder Titel eigentlich) und vor einigen Jahren den Longplayer „Blowback“, über den ich irgendwo gelesen habe, der wäre mal wieder ganz gut, aber nach ein oder zweimal anhören doch wieder in die Ecke stellte. Die Spex feierte wiederum erst neulich sein Projekt mit der South Rakkas Crew. Ich habe es mir prompt auf iTunes durch geskippt, fands net so dolle; gestern erst in der Lodown eine knackig-fiese 1/10 Rezi gelesen. Tricky hatte schon immer was von einem Streuner, einem Heimatlosen, nicht Fisch, nicht Fleisch. Er weiß nicht wo er hin soll. Dazu passte auch die halbgare Filmrolle in „Das fünfte Element“, in dem er einen Handlanger des Oberschurken (Gary Oldman) spielte. Das wäre vielleicht so der rote Faden seiner Karriere, der sich von Beginn an durchzog. Schon unter so manchen Kritikern galt sein Debütalbum „Maxinquaye“ als schwacher Massive Attack-Abklatsch, aus deren Umfeld Tricky bekanntlich stammte, quasi ein Profiteur im Fahrwasser der tiefen Spuren, die „Blue Lines“ und „Protection“ hinterlassen haben. Ich fand „Maxinquaye damals unendlich fett, was natürlich mitunter an der Songkette „Ponderosa“, „Black Steel“ (Public Enemy Coverversion) und freilich dem wahnsinnig betörenden Schleppbeat-Klassiker „Hell Is Around The Corner“ lag. Ein paar Monate zuvor hatten Portishead ja dasselbe Isaac Hayes Sample für den Titel „Glory Box“ verwendet. Die Maxis habe ich mir später in meinem anfänglichen Ebay-Wahn ersteigert, speziell für lange Nächte im Oblomow. Wenn man sich heute durch „Maxinquaye“ klickt, erschrickt man geradezu vor der erdrückenden Stimmung dieses Werkes. Mit 18/19 zu meinen Abi-Zeiten in den dunklen Mitt-90ern war das damals für mich und ein paar Freunde der bouncende Shit schlechthin und gleichzeitig der Soundtrack zur pseudophilosophischen Lebensphase, die man ja meist mit 16/17/18/19 bekommt (Wer bin ich, was mach ich eigentlich hier, was will ich? Ram, nix, nix). Kurzum, „Maxinquaye“ ist wahrscheinlich neben Jay-Zs „Reasonable Doubt“ das Album, dass ich am allermeisten gehört habe. Und deswegen erinnert mich „Maxinquaye“ zum einen an meine letzten Schuljahre, zum anderen an ein Mädchen, dass ich exakt wegen diesem Album kennengelernt (bei der Skiausfahrt, ey cool, du hörst Tricky) und jahrelang nicht bekommen habe und letztendlich an den Ford Sierra meiner Eltern. Der Ford Sierra 2.0 i.S. war ein Killergefährt samt Spoiler, eine circa 15 Zentimeter breite Kautschuk-Latte, schäbig auf das Heck drauf gepappt, ohne jeglichen Sinn. Denn dieser Spoiler verbesserte garantiert nicht die Straßenlage des 125 PS-starken Gefährts und machte den weißen Flitzer wirklich nur bedingt attraktiver. Ich glaube einfach, meine Vater wollte einmal im Leben ein Rennfahrer sein – und das 20 Jahre lang. Denn meine Eltern sind grundsolide Menschen und da fährt man 20 Jahre lang dasselbe Auto; eine Einstellung übrigens, die zwar nicht die Wirtschaft ankurbelt, aber ich absolut nicht verwerflich finde. Letztes Jahr ging der stets wohlgepflegte, aber längst schwer ächzende Sierra mitten auf der B10 endgültig an Arsch, was speziell meine Mutter schwer verkraftet hat, da sie spät den Führerschein gemacht hat und mit dem Auto quasi „groß geworden ist“. Nachdem wiederum ich im Sommer 1995 erfolgreich nach dem ersten Versuch den Führerschein in der Hand hielt (O-Ton Prüfer: „Jetzt fahret se doch mal zu Herr Elbert!“) gab es für meine Eltern überhaupt keine Diskussion: Der Junge darf mit dem Sierra fahren, so lange er kein eigenes Auto hat. War bei manchen meiner Freunde ein ziemlich heikles Thema, das Auto der Eltern. Manche haben es absolut gar nicht bekommen. Und wie das so ist, wenn man frisch den Führerschein hat, fährt man halt nächtelang mit seinen Kumpels kreuz und quer durchs Gäu, immer jede Menge Kassetten on Board. Irgendwann landete „Maxinquaye“ im Wagen und lief in der Fahrgastzelle auf Dauerrotation – gerade auch wenn ich erwähntes Mädchen ganz gentleman-like bis an den Arsch der Welt nach Hause fuhr. Ging halt aber leider nie was. Vielleicht hätte ich doch etwas fröhlicheres einschieben sollen. P.S: Apropos Enttäuschung: Trickys Konzert im Ludwigsburger Form, 1996/1997 (?) war, wie seine nachfolgenden Alben, ebenfalls eine blanke Enttäuschung. Wie es wohl (damals) für ihn üblich war, stand er die meiste Zeit mit dem Rücken zum Publikum, der Messias hat kaum mit uns gesprochen und das Set war stinklangweilig obendrauf. Ich bin selten so unbefriedigend nach Haus gegangen.

     
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