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Der Nachberichterstattungstyp
Am 7. Jul 2010, 11:30 Uhr von martin
Wenn es für mich eine Erkenntnis bei dieser WM schon vor den letzten drei Spielen gibt, dann die, dass ich zum absoluten Nachberichterstattungstyp mutiert bin. Bis zum Erbrechen ziehe ich mir die Experten rein. Während vieler Spiele hingegen habe ich nebenher Musik gehört, Pflanzen gegossen, meinen Hamster gereinigt und sogar einmal eine schmackhafte Himbeerbananenmohrenkopftorte gegrillt.
Auch bei den Spielen, bei denen man vermeintlich Großes erwartete, wie z.B. Spanien : Portugal, habe ich schnell mit maximal einem halben Auge hingeschaut. Aussi meinte, das war ein richtiges geiles Taktikspiel. Okay.
Das Volk hat schon recht, unter dem Strich war es eine langweilige WM. Oder etwa nicht? War es vor vier Jahren wirklich so viel anders? Vielleicht gefühlt, weil eben in dickes D.
Vor 8 Jahren war es auf jeden Fall ganz arg schlimm. Sure. Im Nachhinein betrachtet muss man sich mehrere Male am Kopf kratzen, wenn man sich daran erinnert, wie sich 2002 die Adler (den Namen fänden die Deutschen voll cool für ihre Überflieger, kam gestern im Zettdeeeeeff) ins Finale gegurkt haben. Macht nix, 2002 geht als das Jahr, in dem der swabian Autokorso geboren wurde in die Geschichte ein.
Hinzu kommt ein persönliches Problem: So sehr ich mich dank Comunio mittlerweile für Fußball interessiere, 90 Minuten gucken ist für mich immer noch eine große Konzentrationsbelastungsprobe. Da werde ich schnell zum Zappelphilipp.
Warum ich dann aber bei der mehr oder weniger trockenen Nachanalyse lechzend hängen bleibe, ist mir selbst ein Rätsel.
Es ist ja nicht so, dass ich Trainer werden will und letztendlich labern die Experten nur Dreck, bzw. erzählen warme Luft, wiederholen eben nur das, was gerade erst geschehen ist. Bringen keine neuen Erkenntnisse. Revidieren höchstens ihre Meinung, die sie vor dem Spiel hatten. Aber was sollen sie auch Neues erzählen? Die Schlacht ist geschlagen, wie man sagt, das Ergebnis weiß jeder. Eigentlich alles brutaler Schwachsinn. Eigentlich.
Aber vielleicht sind die Schnelldurchläufe für so einen 30Percenter -Fubes-Halbwissen-Hirbel wie mich genau das Richtige. Alle Highlights, alle Tore. Zwischendurch sinnfreie Interviews mit verschwitzten Spielern. Alles gnadenlos komprimiert. Präsentiert in der neuesten Technik. Famose Stotterbilder wie es zur Bude kam. Kringel on se Screen! Touchpad-Ästhetik jetzt auch im Ersten! Steve Jobs ist einfach überall.
Und jetzt noch rüber ins deutsche Quartier! Interview mit Schweinsteiger! Fett! Nein, wir schalten jetzt nicht um! Und wie geht es den Cacauschen Bauchmuskeln? Hat Aogo Durchfall? Hat er Trochi angesteckt? Bitte bitte! Entwarnung bei Khedira – uffz! Schläft Fipse mit der Kapitänsbinde? Wie viele blaue Pullis hat Jogi eigentlich eingepackt? Weltklasse!
Ob die Experten selbst Weltklasse waren, kann man stark bezweifeln. Egal, ich gucke sie alle. In einem Punkt mag ich Jürgen Klopp sehr. Okay, ich mag wie viele Jürgen Klopp allgemein sehr. Der sagt ganz klar, wir können hier reden so viel wir wollen, bring alles nix, wir sehen es dann auf dem Platz. Er geht etwas selbstironisch mit seiner Expertenrolle um, finde ich, manchmal kann er sich das Lachen kaum verkneifen oder wirkt auch gerne leicht genervt.
Allgemein gesagt waren Kloppi und Günni nicht die schlechteste Lösung. Klinsi wirkte aber mit seinen Live-Shoutouts im Stadion hingegen wie Ballack am Spielfeldrand. Fremdkörper. Die Rolle sollte Botnangs größter Sohn nochmals überdenken.
Mein Nachbar ist hingegen in den letzten Wochen leicht Fähn vom Titanen-Olli geworden. Kann ich manchmal schon auch lachen, aber allgemein komme mit dem altersmilden Kahn nicht ganz klar. Wenn er seine Stimme um ein paar Tonlagen senkt, könnte er auch glatt eine Renaissance des Literarischen Quartetts einläuten oder eine Predigt in einer bayrischen Autobahnkirche halten.
Gemeinsam mit Frau Holzbein Kathrin Müller-Hohenstein bildet der einst so aggressive Torhüter das verklemmteste Expertenduo in der 3000jährigen Fußballduo-Experten-Geschichte. Selbst im Sexualkunde-Unterricht in der sechsten Klasse ging es bei uns lockerer zu.
Gestern fragten wir uns, ob Kahn und Kathrin Müller-Hohenstein miteinander bumsen. Wie stellt man sich das vor? „Oh ja, du mein geiler Kahn, beiß mich in den Hals und besorg mir einen inneren Reichsparteitag!“ „Kati, wenn man im Finale steht, da freut man sich, da feiert man, das ist für den Fußballer das Allergrößte!“ Zack Orgasmus, abspritzen, Zigarette.
Auch extrem süss der junge Berliner Streber mit seiner Riesentolle, der am Schluss immer noch 5 Minuten ins Studio darf und ein paar dämliche Umfragen vorliest (remember die Adler). Da muss ich fast kotzen, bleib aber trotzdem dran. Ist nicht persönlich gemeint, sondern nur Neid.
Delling und Netzer sind für viele längst überspielt und nicht wenige möchten den Moderator mit dem Glasblick und den untersetzten Ex-Diskotheken-Besitzer auf den Mond oder wenigstens nach Buchholz in der Nordheide schießen.
Die Nummern wir-mögen-uns-nicht-haben-uns-aber-trotzdem-lieb oder auch du-Sportreporter-Horscht-ich-begnadeter-Sportler-der-aus-der-Tiefe-kam wären mächtig abgedroschen. Ich hingegen finde die zwei nach wie vor absolut top. Bei dem Netzer-Minimalismus muss ich einfach immer lachen.
Delling: “Nach den ersten Szenen hab ich gedacht, heute steht ein anderer Mertesacker auf dem Platz als im Ghana-Spiel.”
Netzer: “Ham Sie gedacht!”
Delling: “Sie nicht?”
Netzer: “Nee.”
Kann noch lustiger sein:
Netzer hört ja danach auf, zumindest in Kombi mit Delling, und das finde ich wirklich sehr, sehr schade. Für einen Nachberichterstattungstyp wie mich ist Netzer absolut nicht zu ersetzen. Aber wer weiß, selbst Ballack wurde ersetzt. Jetzt freu ich mich auf heute Abend. Auf das Spiel. Und auf alles danach.
Hier noch zur Einstimmung zwei Bilder von Nora…
…und die Wu-Tang-DFB-Elf von Andre:
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“Rock’n'Roll trifft Rotwein – Sensationsbegegnung am Rande der Fußball-WM”
Am 1. Jul 2010, 14:30 Uhr von Thorsten W.

Gesehen beim WM-Spiel Deutschland gegen England von Galaxy fm
Alternativ-Schlagzeilen bitte in die Kommentare!
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Nase bohren
Am 28. Jun 2010, 15:00 Uhr von martin
Dass der Ball hinter der Linie war, hat jeder gesehen. Das aber vielleicht nicht.
Höggschdwahrscheinlich der höggschden Konzentration verschuldet. Alles nur menschlich. Gefunden von Benni.
Ach, wie auch immer das Spiel am Samstag ausgehen sollte, ich bin – wie viele – während dieser WM zum absoluten Maradona-Fan geworden. Da ist wenigstens Leben in der Bude.
Achtmal in der Trainerzone beten ist Entertainment auf höggschdem Niveau. Ich will Argentinier werden.
Aber nicht so ein aggressiver wie Heinze gestern.
Beat it.
P.S.: Falls Argentinien Weltmeister wird, was natürlich nicht passiert, weil die Albiceleste am Samstag von Thomas Müller im Alleingang gestoppt wird, will Diego nackt durch Buenos Aires rennen (bin bissle erregt). Dann wiederum zieht Pepsi in ganz Argentinien für eine Woche angeblich die Labels von allen Flaschen. Das ist mal nen Deal.
P.P.S.: Einer geht noch.
Hat Adi ausgekramt.
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4:1
Am 28. Jun 2010, 12:00 Uhr von Setzer
Mannomann, diese WM: Thorsten springt sogar vor Freude aus dem Flugzeug. Dass die britischen Knallblätter allerdings immer wieder den Krieg ausgraben, wenn’s um’s Kicken gegen Deutschland geht, macht mir immer noch Angst. Muss aber wohl so sein.
Kollegin Wasserbäch vom gig-blog kennt da gottlob ein spitzen Video von John Cleese aus Fawlty Towers. Da instruiert er seine Mitarbeiter im Gasthof, gegenüber den deutschen Gästen bitte nicht den Krieg zu erwähnen. Ist ein Klassiker.
Die britische Bild-Zeitung The Sun kennt die Episode natürlich auch. Und weil die Engländer manchmal über sehr witzige Dinge lachen, haben sie das daraus gemacht:
Goran, der immer wieder sehr saugut gelaunte Türsteh-Charmeur im Zwölfzehn, wusste am Wochenende auch was zum Thema: “Ich find’ DJs ja immer etwas komisch. Die sind immer so ’33 bis ’45.” Extrapunkte gibt’s auch für die Grilltafel im Zwölle: “Grillen Für Deutschland – Heute brauchen wir Schwein” stand da drauf. Kann man auch als Vegetarier grinsen. Nur als Schwein halt nicht.
Achso, natürlich muss auch erwähnt werden, dass ich ja durch außerordentliches Fußballverständnis überzeuge. Grundsätzlich. Öh, hab’s immer gesagt: Der Klose ist ein ganz Großer. Ikone. Goalgetter. Knipser. Und jetzt noch eine Mädchenweisheit: Im blauen Pulli gewinnen Jogi und Hansi immer.
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Vorspiel ohne Hotte
Am 23. Jun 2010, 15:03 Uhr von martin
Der Schiri ist angeblich ein Fiesling (man nennt ihn auch Sheriff), die BILD spricht von einer Jahrhundert-Blamage, sollte es heute Abend gegen Ghana nix werden, aber zur Beruhigung prognostiziert Kraken-Orakel einen Sieg, weil Oktopus Paul aus dem Deutschland-Glas frisst. Wie sehr kann man eigentlich am Sack sein?
Egal. Deutschland ist auf 180 und Stuttgart auf 260, denn Hotte Heldt verlässt angeblich den VfB in Richtung Schalke. Die StZ mutmaßt noch, für die BILD wiederum ist es fix.
Und nun die Kessel.TV-Prognosen für heute Abend.
Thorsten mit gepflegtem Desinteresse: “Ich glaube auf jeden Fall, dass eine Mannschaft gewinnen wird. Was wird noch mal gespielt – Handball oder Basketball?”
Kutmaster wie immer sehr diplomatisch: “Keine Ahnung, Ghana hätt´s halt auch verdient.
“Außenreporter glaubt an Kampf pur: “3:1 für Deutschland, frühes Tor Cacau, dann zähe Partie, nach der Pause erst 2:0 Cacau, dann Anschlusstreffer Kevin-Prince Ballack-Schlächter-Boateng, dann zittern, bevor 20 Minuten vor Schluss der eingewechselte Toni Kroos mit einem Fernschuss alles klar macht. Wir beenden das Spiel zu neunt, Schweini und Khedira direkt rot, weil sie gemeinsam Boateng rasiert haben.”
Jana hat nach dem enttäuschenden Cardigan-Auftritt von Löw gegen Serbien die Modebrille auf: “Also wenn ich ne Meinung habe, dann: Gebt dem Jogi sein Hemd zurück.”
Mischi eher apokalyptisch: “Die machen wir platt – 7:0 wie Portugal Nordkorea. Wird so kommen, weil: Der Schiri ist laut dem investigativen Qualitätsjournalismus der BILD eine bestechliche Sau ohne jeglichen moralischen Ballast.
Und weil es der Wirtschaft ja besser geht, hat Angie genug Kohle in der Kriegskasse, um den Typen zu schmieren (eigentlich wollte sie ihn mit sexuellen Gefälligkeiten becircen, das hat er aber aus unerklärlichen Gründen abgelehnt). Das hebt dann nämlich die Laune im Land und keiner bekommt es im kollektiven “Schlaaaand”-Taumel mit, wenn die Mehrwertsteuer plötzlich 21 % beträgt. Ach ja, und: Horst Heldt soll sich schämen!”
RAM hatte heute Nacht eine lateinamerikanische Eingebung: “Ich will argentinischer Nationalspieler werden, Maradona knutscht und knuddelt einen immer so schön ab. Ansonsten 3:0, Dreierpack Kiesling in der 80, 82 und 89 Minute.”
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Können wir uns jetzt …
Am 18. Jun 2010, 17:35 Uhr von Setzer
… drauf einigen, dass Australien jetzt nicht der Jay-Z unter den HipHoppern ist. Nichtmal Black Sabbath unter den Metallern?
Ich versuch’s mal so: Martin, Thorsten, Mischi, Krupa, Jana, der Außenreporter und ich sind trotz Sachverstand und vortrefflichem Erscheinungsbild nur durchschnittliche Kicker. Einer ist sogar KSC-Befürworter, das wiederum ist NOCH schlimmer als Kaiserslautern oder Rentnerverhauen gut zu finden.
Äh, einen Haufen achtjähriger Mädchen mit leichter Gehbehinderung würden wir aber trotzdem locker wegputzen. 4:0 oder so, inklusive Fallrückzieher und Hand Gottes.
Heikel wird’s halt, wenn wir gegen zwölfzjährige Gören spielen müssten. Die würden uns den Arsch versohlen. Eben hab ich so was in der Art im Fernsehen gesehen.
Ich hab auch Klose gesehen. Ich mag den nicht. Nicht nur, weil er bei Kaiserslautern war. Er ist ein großes Missverständnis.
Die Elefanten da oben, stammen übrigens aus der Wilhelma. Weil alle über diese Vuvuzelas diskutieren, sind die, laut Wilhelma Newsletter, etwas verunsichert und wollen vorerst ihre Elefantenrüssel (“Vuvuzelas”) nicht mehr zeigen … nur noch die andere Seite. Äh, passt schon.
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Bei Wiedergeburt Fahnenproduzent
Am 16. Jun 2010, 15:17 Uhr von martin
(Eine ist keine, zwei hat jeder, also macht man 2010 vier dran. 4. Stern und so.)
Da ich neben der Macht von Lego an Wiedergeburt glaube (also eigentlich nicht, aber kommt immer gut falls du mal mit Eltern von Einrad-Kindern oder einem Trupp LSDlern am Tisch hockst), habe ich mir mehrere Möglichkeiten für mein zweites Leben überlegt.
Eine Option wäre ein Dasein als Wal. Stelle ich mir urgemütlich vor. Den ganzen Tag schwimmen und fressen. Mehr braucht es nicht. Nicht mal Taschengeld.
Die Tage habe ich mir überlegt, cool wäre es eigentlich auch als Fahnenproduzent wieder geboren zu werden. Beziehungsweise erst als Sohn eines Fahnenproduzenten und später übernimmt man dann die Firma des Vaters bzw. der Mutter übernehmen. Das wird ein schönes Leben.
Als Sohn eines Gelbe-Seiten-Druckers auf die Welt zu kommen kann in der Zukunft kaum keine Alternative mehr sein. Fahnen hingegen wird es immer geben. Zumindest solange es Fußball gibt. Also bis in alle Ewigkeit.
Eine krisenfeste Branche, mit garantiert sicheren Umsätzen im zweijährlichen Rhythmus. Als Fahnenproduzent führt man also ein entspanntes Leben und muss nur alle zwei Jahre was schaffen.
Dein Marketing-Einsatz tendiert gegen Null. Jeder weiß wann WM oder EM ist. Du musst nur hoffen, dass die Leute auch wirklich alle zwei Jahre eine Neue kaufen. Dafür könnte man dann z.B. mal beten.
Aber da so einige auf Dauer vom Fahrtwind zerschlissen sind und andere während des heißen WM-Sommers mehr als einmal als Bettlaken zweckentfremdend wurden, stehen die Chancen bestens, dass man als Fahnenproduzent immer reich sein wird.
Ob reich sein allerdings das Grundziel bei einer Wiedergeburt sein sollte, bleibt jedem selbst überlassen. Geld allein macht nicht glücklich. Krupas allerliebster Lieblingsspruch. Dafür würde er am liebsten jeden tröten, der das sagt.
Da fällt mir ein, ein weiterer Traum wäre es als Krupa auf die Erde zurückzukehren. Sprich als Jahrhunderttyp, einer überirdischen Synthese aus MacGyver, Trapper John, Prinz Eisenherz, einem C64, einem Netzwerk-Kabel und einem Pharmakonzern ihrer Wahl.
Das war es live von der diesjährigen internationalen Wiedergeburt-Convention auf der Tiroler Zugspitz Arena.
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