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Stuttgart ist Wort des Jahres
Am 17. Dez 2010, 14:00 Uhr von Thorsten W.
Also nicht ganz, zumindest nicht wörtlich. Aber was macht man nicht alles für eine geile Headline. Wort des Jahres ist nämlich laut Spiegel Online Wutbürger. Spiegel-Ressortleiter Dirk Kurbjuweit hat das Wort im Oktober 2010 erfunden und beschreibt damit “einen neuen gesellschaftlichen Typus, der mit der bürgerlichen Tradition bricht, dass zur politischen Mitte auch eine innere Mitte gehört”.
Und wo fand man 2010 das typischste Beispiel für diesen Typus? Bei den Protesten gegen Stuttgart 21, wie Spiegel Online bestätigt. Und passend dazu ist tatsächlich Stuttgart 21 auf Platz zwei gelandet.
Auch in einem anderen Zusammenhang, passend zur Mailänder Platz-Diskussion von gestern, ist Stuttgart bzw. das Ländle wieder mal Spitzenreiter: Beim neu veröffentlichten Mietspiegel-Index. Nach München, Germering und Dachau landet Stuttgart laut Spiegel Online auf Platz 4 bei den teuersten deutschen Städten, dicht gefolgt (und für mich nach wie vor überraschend) von Leinfelden-Echterdingen auf 5, Ditzingen auf 9, Fellbach auf 10, Leonberg auf 11, Esslingen auf 13, Weinstadt auf 16, Waiblingen auf 17, Winnenden auf 22, Remseck am Neckar auf 26 und Ludwigsburg, Sindelfingen und Böblingen leicht abgeschlagen auf 31, 32 und 33.
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Angriffslustig
Am 25. Sep 2010, 12:15 Uhr von martin
Update, Video von der Eröffnung ist aufgetaucht.
Hossa! Nach Wochen der offenen Briefe und abgekämpften Videobotschaften, konnte sich der Wolfi gestern beim Fassanstich im Hofbräu-Zelt einige Worte zum Thema S21 nicht verkneifen.
Ob man die Statements als launige Scherzchen oder Giftpfeile interpretiert, bleibt jedem selbst überlassen. Mir fehlt spontan bissi das Fingerspitzengefühl, nachdem man momentan auch eher um eine Entschärfung des Konfliktes bemüht ist, siehe eben seine Videobotschaft. Gestern morgen sass der OB noch mit Gegnern zu Sondierungsgesprächen an einem Tisch.
Geplant war es in jedem Fall und die Worte kamen nicht aus der geselligen Wasen-Stimmung heraus. Die Rede wurde schon um 18:00 Uhr von der Stadt verschickt und erst um 20:15 Uhr im Zelt gehalten.
Pressemitteilung Stadt Stuttgart
Rede Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster zur Eröffnung des 165. Cannstatter Volksfest
Es gilt das gesprochene Wort.
„Herzlich willkommen hier im Zelt wie live im Fernsehen zu unserem Cannstatter Volksfest. Mit 4 Millionen Besuchern ist unser Volksfest eine mächtige Volksbewegung: ‚Wir sind das Volk’ – und das ist hier beim größten und schönsten Fest der Schwaben!
Wir im Ländle sind einfach spitze! Damit wir „oben bleiben“, brauchen wir einen tüchtigen Ministerpräsidenten. Herzlich willkommen Herr Ministerpräsident Stefan Mappus. Ich begrüße Herrn Minister Köberle, Herrn Minister Pfister und Herrn Minister Rech sowie alle Europa-, Bundestags- und Landtagsabgeordneten und Stadträte.
Schön, dass Sie alle hier so einträchtig zusammensitzen – klar, weil die Stadt heute zahlt. Unser Volksfest verbindet alle Völker. A warm welcome to all our foreign guests. It is a pleasure to welcome our American friends; General Gardner thank you for coming.
Stuttgart hat im Sommerloch der Medien weit über die Stadt hinaus Schlagzeilen gemacht mit der Botschaft „Wir verstehen nur Bahnhof“. Mit dieser Marketingstrategie haben wir neue Touristen gewonnen, vor allem Alt-Schwaben. Im Schlossgarten haben sie ihre Zelte aufgeschlagen und Baumhäuser gebaut, um die Übernachtungskosten zu sparen.
Die Welt ändert sich. Selbst auf manche Schwaben ist kein Verlass mehr. Jedes Jahr zahlen wir Milliarden unserer Steuergelder nach Berlin. Jetzt können wir endlich ein Prozent unseres Geldes zurückbekommen, indem die Bahn eine anständige Schienenverbindung baut – und jetzt wollen einige mit ihren Trillerpfeifen das Geld wieder zurückschicken, damit es in anderen Bundesländern vergraben wird. Des ist doch nicht gscheit, oder?
Auch bei aller Nostalgie für die Schwäbische Eisenbahn: Wir wollen, dass künftig die Besucher schneller zum Cannstatter Volksfest kommen können. Wir wollen schwäbische Gemütlichkeit nicht beim Zug fahren, sondern bei unserem Volksfest.
Deshalb mach ich mich jetzt an die Arbeit, damit’s richtig losgehen kann. Ihnen allen ein tolles Volksfest. Viel Spaß und viel Freude!“
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Der neue Scherz Europas?
Am 18. Aug 2010, 13:00 Uhr von Thorsten W.
Klar, man kommt natürlich nicht mehr um das Thema S21 rum. Wir wollen an dieser Stelle aber nicht die Diskussion wieder anheizen oder weiter befeuern – wir sind ein Turnschuh- und Partyblog, deshalb ist hier mehr der Platz für die kleinen Randnotizen des großen Dramas.
Über Facebook (natürlich) bin ich auf die Website Der neue Scherz Europas aufmerksam geworden – im Großen und Ganzen eine Sammlung von Fotos der Zettel, die S21-Gegner an den Bauzaun am Bahnhof gepinnt haben.
Subjektiv betrachtet muss ich sagen, dass die Leute weder mit besonders viel Humor noch mit übermäßig gestalterischem Talent gesegnet sind. Hat aber natürlich nix mit der Sache an sich zu tun. Positiv finde ich allerdings, dass der (private) Betreiber der Seite auch Seiten von S21-Befürwortern verlinkt.
Natürlich kommen auch die etablierten Medien nicht mehr um das Thema rum – auch wenn bedauerlicherweise immer dieses bescheuerte “im eigentlich beschaulichen” Stuttgart mitschwingt. Aber wie war das? Any news is good news.
Und so berichtet inzwischen sogar Spiegel Online fast täglich von Europas schönster Baustelle – und so mancher Fels in der Stuttgarter Szenebrandung kommt so zu unerwartetem Ruhm, wie Leser Felix aufgefallen ist:
Wer aber irgendwie immer noch nicht blickt, um was es bei der ganzen Diskussion eigentlich geht, für den hat die Landesschau beim SWR in kompakten 3:46 Minuten das ganze Thema noch mal zusammengefasst:
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Stuttgarter Appell
Am 8. Aug 2010, 14:46 Uhr von martin
Gestern wurde in der Stuttgarter Zeitung auf einer halbseitigen Anzeige der Stuttgarter Appell veröffentlicht, der diese Woche schon via Facebook die Runde machte.
Der Stuttgarter Appell richtet sich sowohl an Befürworter als auch Gegner von Stuttgart 21, wird von beiden Seiten unterzeichnet und ruft zu einem sofortigen Moratorium für alle Baumaßnahmen im Rahmen von Stuttgart 21 und einem Volksentscheid auf. Bei dem offenen Brief hat man, wie ich finde, einen guten Ton getroffen. Bin ich d’accörchen.
“Offener Brief an alle Befürworter und Gegner des Projekts „Stuttgart 21“ und die demokratischen Parteien in Baden-Württemberg
Der Streit um das Neubauprojekt „Stuttgart 21“ und die scheinbar unausweichlich eskalierende Konfrontation zwischen Gegnern und Befürwortern des Milliardenprojektes haben in jüngster Zeit bedenkliche Dimensionen angenommen.
Der Konflikt tangiert die Stadt, die Region und das Land. Weit entfernt von jedem demokratischen Konsens besteht die große Gefahr, dass diese Konfrontation auf Jahrzehnte hinaus die traditionell von Gemeinschaftssinn geprägte politische Kultur der Stadt Stuttgart und des Landes Baden-Württemberg nachhaltig schädigt. Geht die Eskalation auf diese Weise weiter, wird es nur Verlierer geben.
Sicher bedeutet das Projekt „Stuttgart 21“ im Falle der Realisierung keineswegs den Untergang des Abendlands. Doch die politische Legitimierung des Projekts, die auf politischen Mehrheitsentscheidungen der Vergangenheit beruht, ist durch die zwischenzeitlich veränderten Begleitumstände mehr als fragwürdig geworden.
Darauf zu beharren und schlicht eine Unumkehrbarkeit des Projekts aufgrund von Kosten zu proklamieren und unumkehrbare Fakten mit der Abrissbirne zu schaffen, zeugen in dieser Situation von wenig politischer Vernunft.
Es geht in dieser Konfrontation schon längst nicht mehr nur um das Für und Wider des Bahnhofprojekts. Es stehen demokratische Traditionen auf dem Spiel, der gegenseitige Respekt und das Vertrauen in ausschließlich dem Gemeinwohl verpflichtete demokratische Institutionen.
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des Stuttgarter Appells fordern daher die demokratischen Parteien im Stuttgarter Gemeinderat und im Landtag von Baden-Württemberg auf, sich zu besinnen und alles zu unternehmen, um einen demokratischen Konsens in dieser Konfrontation zu finden.
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses Appells, darunter erklärte Befürworter und Gegner des Projekts „Stuttgart 21“, halten ein sofortiges Moratorium für alle Baumaßnahmen und einen unverzüglich vorzubereitenden und abzuhaltenden Volksentscheid für das einzige Mittel, die eskalierende Konfrontation zu beenden.
Sowohl Gegner wie Befürworter glauben die Mehrheit hinter sich. Nur ein Volksentscheid bringt die Wahrheit an den Tag, die jeder akzeptieren wird. In guter demokratischer Tradition.”
Unter www.stuttgarterappell.de kann man sich eintragen. Die Anzahl der Unterzeichner steigt rasant in die Höhe.
Ungeachtet dessen war gestern wieder Großdemo durch die Stuttgarter angesagt. Kam gerade ausm Park und hab zwei Filmchen gedreht. Alles dabei, alle Farben, alle Klassen, alle Generationen.
Die Polizei spricht von 10.000 Teilnehmern, die Veranstalter von 16.000. Es war auf jeden die größte Demonstration, die ich jemals in Stuttgart gesehen habe. (Und mit ehemals Büro auf der Theo-Heuss hab ich schon glaub jede erdenkliche Gruppierung demonstrieren gesehen.) Der Wurm hat gar kein Ende genommen. War ziemlich beeindruckt.
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Die Event-Demonstranten
Am 12. Jul 2010, 12:20 Uhr von martin
Es liegt in meiner Natur, dass ich bislang noch nicht als Demonstrant aufgefallen bin. Wiederum liegt es in meiner Natur, dass ich mir alles mal anschauen muss, um mir selbst meine Meinung zu bilden, in diesem Fall eben, wie es auf einer S21-Protestveranstaltung zu geht. Okay, ich war ja schon beim Prellbock anheben. Da war es in erster Linie sehr laut.
Montagabend 18:00 Uhr ist aber überhaupt nicht meine Zeit, Samstagmittag, schönes Wetter, bissle im Park mit Krupa und Co. rumhängen sind da schon eher mein Ding. Also hab ich mir mal die wirklich sehr groß angekündigte Demo im Schlossgarten angeschaut. Außerdem ist ja Max Herre da. Dem kann man auch mal wieder ein Chance geben.
Also mit den Rädern durch die City und an der Flashmob-Wasserschlacht vorbei, wo sich ein paar Hansel nassgemacht haben. War kein Bild wert. Aber ey, ist diese Hitze nicht abartig fett? Wie es runter drückt? Wie so eine Wand? Ich bin voll der Hitzetyp mittlerweile.
In der Nähe des Staatstheaters haben wir die Bikes abgeschlossen, sind dann über die Brücke gelaufen und konnten von dort aus schon das Szenario betrachten.
Mein erster Gedanke war: Ui, dachte da sind jetzt etwas mehr Leute, Hitze hin oder her, womit wir wiederum schon beim Thema des vergangenen Wochenendes sind.
Im Laufe der Veranstaltung gaben die Organisatoren eine Zahl von circa 20.000 Besucher durch. Wir schauten uns dabei leicht ungläubig an. Am Abend stand dann in der StZ, dass die werte Polizei circa 5000 Leute geschätzt hat. Krasse Abweichung, hä? Meine Meinung dazu:
1. Das waren keine 20.000 Leute. 20.000 Menschen sind wirklich sehr viel. Etwas weniger als anderthalb mal Schleyerhalle. Oder der halbe Startblock des Berlin Marathons.
Das Bild ist nur ein Auszug des Geländes, klar, überall und vor allem unter den Bäumen sassen Menschen und drum herum war ziemlich Bewegung. Trotzdem, never ever 20.000.
2. Die Wahrheit liegt für mich persönlich nicht mal in der Mitte, wie man so schön sagt, sondern eher, auch wenn das jetzt manche nicht hören wollen, näher bei der Zahl der Polizei.
Thorsten und Krupa spekulierten auf circa 10, Elmar auf 8. Bin ich halt der Pessimist oder einfach ein schlechter Schätzer, mir egal. Kann damit leben.
Interessant fand ich dann die Diskussion beim StZ-Artikel, in der viele S21-Gegner prompt wieder eine Verschwörung des Staates rochen, die Polizei habe doch “von oben” den Befehl bekommen, die Anzahl möglichst low zu halten. I like Verschwörungstheorien.
Auf der anderen Seite machten sich in derselben Diskussion die Befürworter bissle lächerlich, welche die scheinbar niedrige Beteiligung wiederum als riesige Akzeptanz für S21 in der Bevölkerung uminterpretierten. Auch das glaube ich nicht, Tim.
Kurz nachdem wir das Gelände betraten, folgte der nächste Schock. Ein Rapper namens Borna betrat die Bühne und performte den “Oben Bleiben”-Rap (oder so ähnlich), angeblich die Hymne der Bewegung. Sorry, dass ich das sagen muss, aber auch der Krupa ist definitiv bei mir: Rein musikalisch und rap-technisch war das wirklich nicht gut. Mir hat es leicht den Magen verdreht. Krupa hat nen Clip gefunden.
Dann macht wir uns auf die Suche nach dem Krupa, vorbei an Ständen und Protestplakaten. Am offiziellen K21 Merchandise-Stand wurde der Stern-Artikel freudig ausgelegt…
…ein paar Schritte weiter Aktionstrainingsablauf erläutert…
…oder Ötti geärgert.
Kurz darauf dann den Krupa und Ben getroffen, mit den halt abgehangen und dem Spektakel gelauscht. Atmo war allgemein entspannt – und friedlich (muss man immer dazu schreiben, wenn Prostestveranstaltungen friedlich bleiben).
Krimiautor Wolfgang Schorlau hat eine Vision vorgelesen, wie im Jahr 2025 alle S21-Initiatoren wie Schusti, Ötti, Grube, Drexler etc. verhaftet und zu kuriosen Strafen verurteilt werden. War nen bissle witzig, hab ein, zwei mal geschmunzelt. Richtig gekickt hat es nicht. Bei den Namen Schuster und Drexler wurde gepfiffen was das Zeug hält. Der Feind ist klar definiert.
Ansonsten haben mich die Redner allgemein relativ wenig berührt. Rhetorisch auch oftmals eher schwach, eine löbliche Ausnahme bildete da der Putte, der hier auch schon zu Wort kam und sachlich-nüchtern und verständlich gesprochen hat. Das war nicht an diesem Nachmittag nicht die Regel, hat man z.B. die Pfarrerin Müller-Enßlin (keine Ahnung ob sie mit der Gudrun verwandt ist) oder die gefühlt 12jährige quäkende Studentenabgesandte im Ohr.
Ganz schlimm war der Horscht von den Linken aus München, wobei wiederum Stammtisch-Klassenkampf auf bayrisch sehr lustig klingt. Trotzdem dachte ich mir, dass man sich auch im größten Widerstand nicht mit allen Parteien solidarisieren muss. Witziger Kommentar bezüglich des Linken auf der Stz: “Ich bin sofort gegangen.”
Dann doch lieber der Herr von den Grünen, der ein paar Beispiele dafür gab, was man mit 10 Milliarden (das ist so die propagierte Zahl der Protestbewegung, also Bahnhof plus Neubaustrecke, wurde mehrere Male erwähnt) im deutschen Schienennetz alles anstellen kann, so damit mehrere Regionen was davon haben und nicht nur wir nen schönen neuen Bahnhof. Das klang für mich schlüssig.
Irgendwann schallten Kettensägen auf, quasi eine künstlerische Performance. “An diesen Sound wollen wir uns nicht gewöhnen!”, rief der Moderator Hannes Rockenbauch von der SÖS ins Publikum. 282 Bäume sollen wegen S21 im Schlossgarten gefällt werden, eines der Hauptthemen am Samstagnachmittag.
Zwischendurch stieß Thorsten in einem astreinen Blogger-Freizeit-Look zu uns und außerdem gab es ne Rote. Ich bin voll auf Wurscht diesen Sommer. Thorsten meinte, so Leute-mässig werden schon alle Klischees erfüllt, Krupa und ich hingegen fanden es eher buntgemischt. Gut, eine alternative Schlagseite lässt sich definitiv ausmachen, außerdem leichter Überschuss an älteren Menschen.
Zwischendurch trappten aber z.B. auch MC B vorbei…
…oder eine, ähm, wie nennt man das jetzt?
Auf jeden Fall hat sie sich es schön leicht gemacht, wie meine Mutter im Sommer zu sagen pflegt. Wusste gar nicht mehr, dass es so Schuhe mit Metall hinten dran noch gibt.
Rapper Tobias Borke und sein Beatboxer, beide sonst bei der Urban Session im Bix aktiv, kompensierten den Auftritt von Borna mit knackig-sitzenden Reimen und feiner Beatbox-Action. Respekt, war echt cool. Kam auch bei den Leuten gut an.
Nach Gangolf Stocker, sozusagen das Gesicht der Bewegung, der auch nur ein paar kurze warme Phrasen servierte, hab da irgendwie mehr erwartet, aber der muss ja bestimmt oft genug schlau argumentieren, kam noch so ein schrägsingender Gitarrenvogel und dann endlich Max Herre. Erstes Lied ging mehr oder weniger um Berlin, zweites war A-N-N-A, drittes kein Plan, beim vierten sind wir dann gegangen. War aber bestimmt gut.
Der Megacoup der Veranstaltung folgte dann um 20:00 Uhr: S21, die Demo inkl. Sternenmarsch war erstes Thema in der Tagesschau. Hat man wieder was erreicht. Und da ist dann fast egal ob eben 5.000 oder 20.000 Leute da waren.
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Max mittendrin
Am 7. Jul 2010, 17:30 Uhr von martin
Die Flyerverteiler und Plakatierer leisteten ganze Arbeit, da müsste sogar selbst Patti the Posterer vor Neid erblassen. Am Samstag große Action im Schlossgarten, mächtig viel Prominenz am Start, darunter unser (ehemaliger) Lieblingsbarde Max Herre. Sternemärsche klingt jedenfalls nach einem dramatischen Samstagmittag in der City.
Zufälligerweise, oder vielleicht auch nicht zufälligerweise, macht heute eine Studie von der Züricher Firma ZMA die Runde, die vor knapp zwei Jahren vom Ba-Wü Innenministerium in Auftrag gegeben würde – und seitdem laut Stern unter Verschluss ist. Weiterhin heißt es weiter auf Stern Online:
“Konflikte zwischen Hauptbahnhof und Flughafen mit dem Regionalverkehr” stellen die Gutachter fest, das alles sei “nicht kompatibel mit den angenommenen Fernverkehrszügen in Stuttgart”. So befürchten sie Fahrzeitverlängerungen. Außerdem monieren die Gutachter ein “hohes Stabilitätsrisiko”, eine “knapp dimensionierte Infrastuktur” und stellen laut stern fest: “Gestaltung des Fahrplans nur in geringem Maße möglich”.
Auch der SWR berichtete heute darüber, die StZ hat vorhin einen etwas ausführlicheren Artikel veröffentlicht, der gleich wieder prompt heißt diskutiert wird. StZ-Online und S21 beschte Unterhaltung in Town.
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Mein erstes Mal: Büchle selber machen
Am 24. Jun 2010, 12:00 Uhr von Aussenreporter
Wenn man nix Gescheites gelernt hat, wie ich, muss man irgendwann einsehen, dass die Wunsch-Statusmeldung fürs eigene Leben – Haus am See und Haus am Meer – auf die nächsten drei Leben vertagt werden muss.
Da man sich die Zeit bis dahin aber irgendwie vertreiben muss, hab ich in den vergangenen Monaten was ganz Neues ausprobiert: Büchle (mit-)gemacht.
Beim Thema Buch wird jeder, der mit Buchstaben seinen Lebensunterhalt verdient, irgendwie wuschig. Die Hierarchie der angesehenen Medien in der Text-Branche ist, um es mit der deutschen Nationalmannschaft zu sagen, etwa so: Blog/Internet ist Khedira, auf dem Sprung, zu Höherem berufen.
Magazin ist derzeit irgendwie Lahm, wenn man eine Nische besetzt: Anzeigen kommen wieder, die Wertschätzung steigt, es kann schon wieder richtig kicken, zur Sicherheit verteilt man aber besser etwas Verantwortung auf weitere Schultern wie Schweinsteiger, Mertesacker und Co. Tageszeitung ist dagegen total Ballack, Champions League und so, hat ihre beste Zeit aber wohl hinter sich.
Ein Buch ist aber voll Jogi Löw: Sieht gut aus, hat Ahnung und dürfte auf Jahre hinaus unbesiegt bleiben – wenn man die höggschte Disziplin nicht verliert.
Die Idee zum Buch lag in dieser Stadt auf der Hand. Ein Bahnhof spaltet die Schwaben, die einen wollen das Ding unbedingt erhalten und sprechen von Vetterles-Wirtschaft, Monster-Bau-Chaos und sonstigen Katastrophen.
Die anderen finden den alten Bonatz hässlich und versuchen seit 20 Jahren total erfolgreich, Werbung für das Ende des bisherigen BHFs zu machen. Stuttgart 21 = Schnappatmung auf allen Seiten. Also könnte man doch mal die Stimmung kurz vor S21 einfangen.
Der Stuttgarter Fotograf Lutz Schelhorn hat ein Jahr lang fette Fotos vom Hauptbahnhof geschossen, mit einer Kamera, die ähnlich alt ist wie die Spielweise von Otto Rehakles, eine Plaubel Mittelformat aus den 60ern. Die Bilder sind ziemlich spannend geworden, ganz untypisch für den hiesigen Bahnhof, Lutz spielt sehr schön mit Licht und den Menschen, die sich im BHF begegnen.
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