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    Grimme-Preis für “Alarm am Hauptbahnhof”

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    Glückwunsch! Die Dokumentation Alarm am Hauptbahnhof von Sigrun Köhler und Wiltrud Baier über den Streit um Stuttgart 21 von der gewalttätigen Eskalation im Stuttgarter Schlossgarten am 30. September 2010 bis zur Landtagswahl 2011 hat den überaus renommierten Grimme-Preis gewonnen. Sozusagen der Ritterschlag für Kulturschaffende.

    Aus der Jurybegründung:

    „Alarm am Hauptbahnhof“ ist ein Film, der von der Dramatik des Konflikts und von den Mühen der Demokratie auf leichte Weise erzählt. Das Komische kommt in die Szenen nicht zur Extra-Belustigung, sondern weil das Leben sowieso komisch ist, schon gar, wenn das schwäbische Bürgertum den Aufstand probt.

    Die Herangehensweise der Filmemacherinnen ist nicht analytisch, sondern neugierig und manchmal auch hinterlistig. Sie wissen als Eingeborene offenbar genau, wo sie fündig werden und sie fördern Szenen zu Tage, die man im Fernsehen sonst nicht gesehen hat.

     
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    Geile Flügel

    Das Video ist schon ein halbes Jahr alt, aber derzeit aktueller denn je: Gerade laufen die Abrissarbeiten des Hauptbahnhof-Südflügels. Die Band heißt Kleinlebewesen Orchester freies Grottenbrunn, das Video ist ganz gut gemacht, ansonsten ist das wahrscheinlich politische Kunst oder was anderes was ich nicht verstehen.

    Der Südflügel bewegt auf jeden Fall bei weitem nicht mehr so die Gemüter wie der Nordflügel, bei dessen Abriss noch die Leute aufs Dach geklettert sind und auch ich mit einer Mischung aus Staunen, Schrecken und männlicher Baustellenfaszination zugeguckt habe.

    Jetzt, ein schwarzer Donnerstag, ein Regierungswechsel und eine Volksabstimmung später sieht das alles ein wenig anders aus. Die Baustelle ist großräumig abgesperrt und das Polizeipräsidium Stuttgart gibt sich bei Facebook und Twitter transparenter – zumindest postet man z.B. Fotos live von vor Ort. Manchmal wiederum wirken sie im Umgang mit den Neuen Medien noch ein bisschen hilflos.




    Rein subjektiv sieht das nach mehr Polizeiautos als Demonstranten aus, aber das Loch im Bahnhöfle sieht schon irgendwie traurig aus.

    Für weitere Informationen zum Thema empfehlen wir STZ, STN und Joe Bauer.

     
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    H7 1914

    Sehr schönes Zeitdokument zur Alten Bahndirektion a.k.a. H7, das bekanntlich bald geräumt und irgendwann auch – in Teilen – abgerissen wird. Das “Zentralblatt der Bauverwaltung, herausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeit” berichtet in gleich zwei Ausgaben von 1914 über “das neue Verwaltungsgebäude der Generaldirektion der K. württ. Staatseisenbahnen in Stuttgart”.

    Wenn ich das richtig verstehe, wurde die Bahndirektion schon in Hinblick auf das heutige Bahnhofsgebäude entworfen und geplant, das von 1914 bis 1928 am heutigen Arnulff-Klett-Platz gebaut wurde. Bis 1922 befand sich der Stuttgarter Hauptbahnhof in der Schlossstraße (interessant zu dem Thema auch der Wikipedia-Eintrag).

    In den beiden Ausgaben der Schrift finden sich sowohl interessante Grundrisse als auch viele Bilder von innen und außen, und man sieht, dass ein Großteil des vorderen Gebäudes bis heute ziemlich original noch erhalten ist, inklusive des wunderschönen Foyers, in dem ja auch immer wieder Partys stattfinden (wie z.B. noch am 25.12. die Engtanzparty mit Andy Bird und Andy Heart, Weihnachtsclassic.)

    Hier und hier gibt es beide Ausgaben als PDF zum Download.

    (Gefunden von Kumfi)

     
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    Willkommen in der Usability-Hölle

    Boah, ich musste grad mal laut in mich rein lachen. Der Nutzen des Abstimmungssimulators kombiniert mit dem Layout der angeblich schlechtesten Website Deutschlands und noch einmal die Barrierefreiheit der Eugensstaffel: “Seit heute ist die neue, interaktive Bürgerinformationsplattform www.biss21.de online.”

    Ich zitiere die offizielle Pressemitteilung:

    Das Kommunikationsbüro für das Bahnprojekt Stuttgart – Ulm und die Stadt Stuttgart haben das BürgerInformationsSystem zu Stuttgart 21, BISS21, in den vergangenen Monaten gemeinsam auf den Weg gebracht. – Genau so sieht’s aus: Bürohengste schieben sich monatelang die Entscheidungen hin und her.

    Es bietet den Bürgerinnen und Bürgern rund um die Uhr praktische Informationen zum Streckenverlauf des Stuttgarter Bahnknotens, der Tunneltiefe oder den Beweissicherungsgrenzen. – Jetzt neu in Stuttgart: Das Internet wird nachts nicht mehr abgeschaltet sondern ist rund um die Uhr verfügbar.

    Im BISS21 werden die Gesamtstrecken von Stuttgart 21 abgebildet und Informationen aus über 250 Plänen der Planfeststellungsbeschlüsse verarbeitet. – Und am Anfang stand die Hoffnung: Viel hilft viel.

    Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster: „Mit dem Bürgerinformationssystem haben wir die vielen Daten und Fakten zum Bahnprojekt auf ganz praktische Weise aufbereitet. Jeder Bürger kann sich anhand des Streckenverlaufs ganz gezielt und schnell die Informationen holen, die er haben möchte, die für ihn persönlich wichtig sind. Wir schaffen damit weitere Transparenz beim Thema Stuttgart 21, ganz besonders für die Bürger in der Landeshauptstadt.“ – Keine Startseite, kein Informationstext, nicht beschriftete Buttons, ellenlange Mouseover-Texte, fehlerhafte Programmierung, katastrophale Nutzerführung, Gestaltung aus der Grundschule – oder mit Wolfgangs Worten: “gezielt und schnell Informationen holen”.

    Unter www.biss21.de erhalten Bürger eine Übersicht der S21-Strecke auf Stadtkarten und Luftbildern in verschiedenen Maßstäben, können über eine Adresseneingabe einen Standort finden und unter anderem die Distanz von Gebäuden zum Tunnel abmessen. Es lassen sich zudem 640 Höhenangaben und 154 Grafiken zur Tunneltiefe abrufen. – Bei Eingabe einer Adresse wird diese zwar im Suchfeld gefunden (Suche abschicken ist Enter, falls jemand den Abschicken-Button sucht), außer dass sich die Karte ein paar Pixel verschiebt passiert aber nichts weiter.

    Dirk Thürnau, Technischer Bürgermeister, erklärt die Systematik der Software. „Das BISS21 ist wie ein Baukastensystem konzipiert: Informationen lassen sich einzeln abrufen und bauen aufeinander auf. Technische Inhalte des Projekts werden mit einfachen grafischen Mitteln veranschaulicht“. – Was er eigentlich meint: „Das BISS21 wurde von Fachinformatikern entwickelt, die in ihrem Leben noch nie im Internet waren. Wir haben die Informationen in ein Flashfile gepackt und per Zufallsgenerator mit unverständlichen Buttons verknüpft. Technische Inhalte des Projekts werden mit grafischen Mitteln von Anfang 1994 veranschaulicht“.

    Projektsprecher Wolfgang Dietrich sieht in dem BürgerInformationsSystem eine optimal Ergänzung zum bestehenden Informationsangebot: „Unser Ziel ist es, den Bürgern das optimale Werkzeug an die Hand zu geben, damit sie möglichst schnell genau die Informationen zum Bahnprojekt bekommen, die sie brauchen. Es ist weiterer wichtiger Baustein für unseren Dialog mit den Bürgern.“ – Richtig, das BISS passt perfekt ins bestehende Informationsangebot: Es gibt ein unüberschaubares Durcheinander von Zahlen und Fakten verschiedenster Quellen, mit denen man sich weder mit Menschen- noch mit technischem Verstand eine anständige Meinung zum Projekt bilden kann.

    Im BISS21 werden ebenfalls Beweissicherungsgrenzen dargestellt, auch die Originalpläne der einzelnen Beschlüsse können heruntergeladen werden. Zum Beweissicherungsverfahren der Deutschen Bahn AG hat das Kommunikationsbüro für das Bahnprojekt Stuttgart – Ulm e.V die Informationen zusätzlich in einer Broschüre zusammengefasst, die im Internet unter www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/beweissicherung abrufbar ist. – Super, man kann sich Pläne runterladen. Unter dem Link findet man übrigens folgenden Film, der die Benutzung von BISS erklärt. Ich hätte nicht gedacht, dass man das Ding noch toppen kann: Eine Online-Anwendung, für die man einen knapp 3-minütigen Film braucht, um sie benutzen zu können. Wenigstens weiß ich jetzt ungefähr, was die verschiedenfarbigen Linien bedeuten. Eine Legende gibt es nämlich nicht.

    Das BISS21 wurde von der Bürgerbeauftragten der Stadt Stuttgart für Stuttgart 21, Alice Kaiser, initiiert und in Kooperation mit dem Kommunikationsbüro für das Bahnprojekt Stuttgart – Ulm e.V. erarbeitet. Als Basis dienten Stadtgrundkarten und Luftbilder, die vom Stadtmessungsamt der Landeshauptstadt Stuttgart bereitgestellt wurden. – Das sind dann diese Momente, in denen ich mit Beruhigung feststelle, dass mein Job doch nicht ganz umsonst erfunden wurde. Oder anders gesagt: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut.

    www.biss21.de

     
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    Abstimmungssimulator mit Gültigkeitsprüfung

    Wählen ist schwer. Am 27. November gibt es ja bekanntlich die “Volksabstimmung über die Gesetzesvorlage des S21-Kündigungsgesetzes in Baden-Württemberg”. Bekannt sein dürfte inzwischen, dass wer für S21 ist mit “Nein” stimmen muss und wer gegen S21 ist mit “Ja”. Ist vielleicht auf den ersten Blick etwas verwirrend, weil die “Gegner” mit “Ja” und die Befürworter mit “Nein” stimmen müssen. Aber ich glaube das kriegt man schon hin. Letztendlich muss man wie gesagt einfach ein Kreuz bei “Ja” oder bei “Nein” machen.

    Bei der Stadt Stuttgart hat man sich aber gedacht, hmmm, diese Abstimmung beinhaltet doch den ein oder anderen Fallstrick, lass uns doch einen schicken Abstimmungssimulator im Internet basteln. Und da kann man dann ernsthaft “üben”, bei “Ja” oder bei “Nein” ein Kreuz zu machen. Obendrein gibt es noch eine Gültigkeitsprüfung. Ich musste all mein Hackerwissen anwenden, um rauszubekommen, dass die Abstimmung ungültig ist, wenn man zwei Kreuze macht. Oder gar keins. Kreuzt man entweder “Ja” oder “Nein” an, ist die Wahl gültig.

    Achtung: Das ist keine echte Wahl, die Stimme ist also nicht gültig. Wer in echt “Ja” oder “Nein” ankreuzen will, der muss am 27. November ins “Abstimmungslokal” (nicht “Wahllokal”) gehen und dort ein Kreuz machen, wahrscheinlich mit einem vorgespitzten Bleistift.

    (Der Bobbel oben rechts ist laut eingefügtem Info-Button übrigens eine “Tasthilfe für Sehbehinderte”. Aber nur auf dem echten Stimmzettel. Der Abstimmungssimulator ist – warum auch immer – in Flash gebastelt, also ungefähr so barrierefrei wie die Eugensstaffel.)

    Abstimmungssimulator

    (Danke an Leser Qwadrax für den freundlichen Hinweis)

     
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    Park-Situation

    Die Polizei Stuttgart äussert sich heute in einer fast schon flammenden Grundsatzpressemitteilung, ähnlich wie schon vor vielen Monaten zu ihren Zählmethoden auf den Demos, über die Situation im Mittleren Schlossgarten, die teilweise sowohl Pros wie Contras, kleine Gemeinsamkeit, als nicht ganz glücklich empfinden. Schnauze-voll-Ansprache. 

    Zeltbewohner im Mittleren Schlossgarten nicht im rechtsfreien Raum – Polizei verstärkt Präsenz und Kontrollen

    Stuttgart: Seit Monaten sind die im Mittleren Schlossgarten aufgestellten Zelte, ihre Bewohner und die Gesamtumstände ein Diskussionsthema in der Stadt.

    Polizeistreifen und etliche dort durchgeführte Ermittlungen zeigen, dass es sich dort nicht um einen rechtsfreien Raum handelt.

    Beispielsweise mussten Polizeibeamte mehrfach zu Ermittlungen anrücken, als Brände an Zelten oder offene Feuer an provisorischen Grill- bzw. Heizstellen gemeldet worden sind. Auch ist die Polizei wiederholt zum sogenannten Widerstandsbaum gerufen worden, weil der von Unbekannten beschädigt worden ist.

    Bei mehreren lautstarken Feiern in und außerhalb von Zelten musste die Polizei auch wegen Ruhestörungen einschreiten.

    Bei ihren Streifen bemerkten die Polizeibeamtinnen und -beamten in den vergangenen Monaten unter anderem Müllablagerungen in einem nicht hinnehmbaren Ausmaß.

    Dass sich dort mitunter auch gesuchte Straftäter und Personen aufhalten, die ihnen mutmaßlich Unterschlupf gewähren, zeigen vier Festnahmen von Männern, die mit Haftbefehl gesucht worden sind. Außerdem stellten die Polizeibeamten viermal jugendliche Ausreißer, alle im Alter von 15 und 16 Jahren fest, die daraufhin  jeweils ihren Sorgeberechtigten überstellt werden konnten.

    Das Polizeipräsidium registrierte in den vergangenen Monaten für den gesamten Mittleren Schlossgarten mehr als 60 Betäubungsmitteldelikte; überwiegend wurden  Personen angetroffen, die im Besitz von Marihuana waren. Allein 18 solcher Vorgänge dürften nach polizeilichen Erkenntnissen in Zusammenhang mit den Zelten stehen.

    Am Dienstag (18.10.2011) ordnete eine Bereitschaftsrichterin auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart die Durchsuchung mehrerer Zelte an, nachdem der Verdacht bestand, dass sich dort Personen aufhalten, die im Besitz von Rauschgift sind. Polizeibeamte kontrollierten die Bewohner und durchsuchten ihre Zelte. Auch ein Rauschgiftspürhund war im Einsatz. Insgesamt fanden die Beamten mehrere Gramm Marihuana und Haschisch, einen angerauchten Joint sowie Gegenstände zum Konsum von Betäubungsmitteln.

    Die bisher gewonnenen polizeilichen Erkenntnisse einschließlich der Medienberichterstattung, wonach offenbar Zeltbewohner äußern, dass „an Drogen zu kommen keine große Sache sei“ werden jetzt zu einer Aufstockung der Präsenz und im Verdachtsfall auch von gezielten Kontrollen durch die Polizei führen.

    Weiterhin kommt im November nochmals ein Film namens “Alarm am Hauptbahnhof” ins Kino:

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    Und auf der nächsten Seite noch eine Pressemitteilung der Stadt Stuttgart mit allen wichtigen Informationen zur Volksabstimmung am 27. November.

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    Wie der Heiner kann’s keiner

    Foto: rtr

    Topp! Endlich duschen, ohne nass zu werden. Der Heiner Geißler hat’s verstanden und alles richtig gemacht. Der Job des Schlichters ist es, zu schlichten, zerstrittene Parteien wieder einander näher zu bringen. Sie müssen sich nicht lieben, nicht mal ausgesprochen gut leiden können, nur etwas Verständnis für die Meinung des anderen aufbringen, notfalls halt heucheln.

    Wenn’s hoch kommt: Frühstück ohne Sex davor, Mittags gemeinsam spazieren gehen, Abends dann alleine Tatort gucken und im Sommer mit Platon in den Urlaub fahren. Ein friedliches Miteinander ohne Anfassen, Wasserwerfen, Zäunewerfen und Lügenpacken.

    Und er hat’s geschafft: Die Gegner und Befürworter von S21 sitzen endlich wieder gemeinsam am Tisch – und tippen sich gegen die Stirn oder polieren das große Fragezeichen darauf. “Frieden in Stuttgart” heißt die Lösung und grob über den Daumen gezogen geht das so: Untenrum und Obenrum, Bahnhof für alle.

    Bei so viel Frieden kann man schon mal ganz sentimental werden und anständig zusammenrücken. Sei’s auch nur weil sich endlich beide Lager fachmännisch verarscht fühlen. So wie das Leute eben tun, wenn sie merken, dass ihr Anliegen so ernst genommen wurde wie Babys, die halt furzen, weil es sich danach besser anfühlt. Kurz lachen, “Huiuiui” sagen, Schnuller geben und dann wieder ins Bettchen legen. Schmatz auf die Stirn, “Schlaf schön, Schatz”.

    Fußballerisch gesprochen: Wenn der Geißler Schiedsrichter wird, gibt’s nur noch Unentschieden mit zwei Verlierern und Maik Franz müsste sich selbst das Wadenbein brechen. Geißler trägt aber keine kurzen Hosen. Er schlichtet, wie’s schlichter kaum geht. Weil er weiß, dass es “Wurst und Fleisch” heißt, nicht “Fisch oder Fleisch”. Der eine Teil darf oben bleiben, der andere vergräbt sich. Alle sind glücklich. Friedefreudebahnhofsuchen.

    Eventuell ist “Frieden in Stuttgart” allerdings der geschickteste Schachzug, den je einer gewagt hat: Denn das Wahnsinnspamphlet zwingt alle dazu, wirklich Farbe zu bekennen. Wer will den vergrabenen Bahnhof, wenn die Kopfbahnhoffläche nicht für teure Immobiliendeals frei wird? Wem ging’s tatsächlich nur darum, den Kopfbahnhof und Bäume zu erhalten? Oben bleiben plus?

    Ansonsten war die Schlichtung leider doch nicht viel mehr als organisierte Zeitverschwendung, lustiges Zahlengeschubse und ein Schuß Verarschung. Die Bahn zumindest hat schon mal vorgelegt: Grube sagt sinngemäß “Fuck you”. Auch das ist eine Art, die Ernsthaftigkeit des eigenen Anliegens zu unterstreichen.

    “Schau mal”, sagte Joe Bauer beim Stressfest zu mir und zeigte auf den Breuninger. Da hing eine überdimensional großes Werbebanner: “Land of the Stupid, Home of the Brave”. Wir haben nachgeschaut, ob das Wort “Stupid” mit irgendetwas Positiven belegt sein könnte. Fehlanzeige. Da musste ich kichern. Bauer schüttelte den Kopf.

     
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