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Frost
Am 15. Dez 2010, 12:25 Uhr von martin
Ich laufe sehr selten morgens, war schon immer der Abendläufer. Diese Woche ist der Rhythmus schwer durcheinander, jeden Abend ist was. Montag intellektuelle Gespräche in der Roten Kapelle, gestern in Stuttgart-Wests größter WG unscharfes Chilli gegessen, das aber doch saumässig scharf war, danke nochmals für die Einladung, heute nen Geburtstag (Happy Birthday lieber Ussi!), ab morgen schon wieder auflegen (Treff, ab jetzt immer im Transit und im Keller Klub). Da muss man halt mal auch morgens ran.
Auch wenn es Hundstage sind für Läufer. Minus 5 Grad, da holt man das dickste Fleece von 1994 raus, aber gut fürs Ego, zumindest bildet man sich ein hart zu sein. Übrigens Männer, mir sind heute früh ausschließlich laufende Frauen entgegen gekommen. Entweder wart ihr alle schon bei der Arbeit oder die wiederum müssen nix arbeiten, oder ihr seid halt doch Weicheier. Allgemein festzuhalten ist: In diesen Tagen trennt sich die Spreu vom Weizen bzw. den Laufhosen.
Hat schon was morgens, über die Reinsburg runter, durch die gnadenlos leergefegte Königstraße, vereinzelte Läden werden gerade mit Zeugs beliefert, die Azubis müssen die Ware annehmen und schlottern mit den Knien, die Weihnachtsmartkstände schrubben sich frisch für Tag, hier größter Baumkuchen überhaupt, und ab in den Beduinenpark. Da sind noch härtere Jungs und Mädels dabei, haben sich dauerhaft eingenistet, bei Bodenfrost, der Infostand am Pavillon ist schon ab früh morgens offen. Respekt.
Als Läufer durch den Park wird man schon seit einigen Monaten von so manchen Menschen schräg angeschaut, weil die Pro-Fraktion ja auch gerne läuft. Wurde mal in einer Podiumsdiskussionrunde neulich als “sozialdarwinistische” Aktion abgetan, musste ich bissle schmunzeln. Also gucken mich manche Grün-Button-Träger skeptisch an und denken, boah, der isch bestimmt pro und überhaupt voll dafür! Klar, bin ich Pro, Profi-Läufer, aber ansonsten ein halbes Fleischküchle mit einer ganzen Tube Senf.
Na ja, die Parkschützer werden auch immer mehr Pro, also Profi, wie man oben sieht. Clip gerade entdeckt und musste an meinen Lauf heute früh denken. Fand aber gerade keine Aktion statt. Bäume stehen noch, war keiner angekettet.
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Zum gestrigen Tag:
Joe Bauer und anderesAm 1. Okt 2010, 09:46 Uhr von martin
(DPA Bild)
Gestern war kein guter Tag für Stuttgart. Diesen Grundtenor kann man größtenteils auch aus den Kommentaren auf diesem Blog rauslesen. Gibt natürlich Leute, die sehen das – um es mal harmlos auszudrücken – sehr pragmatisch: Wer austeilt, muss auch einstecken.
Die gefühlte Mehrheit sprach von einem übermässig harten Einsteigen der Polizei. Unser Außenreporter hat ebenfalls die volle Breitseite abgekommen und berichtete von einem völlig überzogenen Einsatz.
Wenn ich z.B. den Ba-Wü Innenminister im Heute Journal im Interview höre, könnte ich Strahle kotzen. Anti-Konflikt-Team? Wenigstens hat das Innenministerium die Meldung zurückgezogen, dass Demonstranten Steine auf Polizisten geworfen hätten.
In der Nacht wurden jedenfalls die ersten Bäume noch gefällt, es blieb laut verschiedenen Berichten friedlich. Über Hundert Verletzte reichen dann irgendwann mal.
Alles in allem ist gestern viel berichtet und geschrieben worden. Auch Joe Bauer war im Park und hat seine Gedanken auf seinem Blog veröffentlicht. Hat mir gut gefallen, deswegen hier nochmals zum nachlesen.
Donnerstag, 30. September 2010, 587. Depesche
NOTIZEN AUS DEM PARK
Nachtrag, Freitagmorgen: Politik räumt ein, dass die Behauptung, Demonstranten hätten Pflastersteine geworfen, nicht stimmt. “Wir wurden falsch informiert”. Das heißt: Sie verbreiten Lügen!
DIE ESKALATION
Donnerstag, am Abend. Zeit, ein paar Zeilen zu schreiben. War einige Stunden im Schlossgarten. Als Tourist, habe noch Urlaub. Normalerweise gehöre ich zu denen, die Polizisten gegen Pauschalurteile verteidigen. Sehe Cops so wenig als Klischeefiguren wie Mitglieder anderer Gruppierungen.
Es gibt „den“ Bullen so wenig wie „den“ Fußballfan, „den“ Opernliebhaber, „den“ Demonstranten. Die Polizei verhielt sich im S-21-Konflikt lange fair – heute war das anders. Es waren extrem viele Polizisten im Einsatz, man hatte sie aus allen Himmelsrichtungen rekrutiert.
Ich sah hässlich Bilder: Polizisten, die lachten, nachdem man Demonstranten mit dem Wasserwerfer abgeschossen hatte. Polizisten, die Pfefferspray aus kurzer Distanz Menschen ins Gesicht sprühten. Das Lazarett, das man eingerichtet hatte, sah nicht gut aus. Blutende Augen.
Übel am Morgen der Einsatz, als sich demonstrierende Schüler im Park aufhielten. Das war brutal. Die Jugendlichen (auch Kinder), neu im Protestmetier und deshalb neugierig, erhielten Lektionen in Staatskunde: volle Breitseite aus dem Arsenal der Polizei.
Offenbar, das habe ich aus guter Quelle, hatte die Polizei ursprünglich vor, den Park erst in den Abendstunden abzusperren. Als aber überall ihre Fahrzeuge gesichtet wurden und S-21-Gegner schon am Morgen im Netz Alarm auslösten, schlugen die Cops am Vormittag zu. Sie wussten, dass sich Schüler auf dem Gelände befanden – die Demonstration war angemeldet. „Dumm gelaufen“, sagte ein maßgeblicher Einsatzstratege der Polizei.
Der Vorwurf, Eltern bzw. Lehrer hätten die Schüler „instrumentalisiert“ und „missbraucht“, ist Politiker-Propaganda. Infam. Die Regierungspolitiker des Landes (und der Stadt) beweisen erneut, dass sie jeglichen Realitätsbezug verloren haben. Sie wissen nicht, was in der Stadt läuft.
Dafür habe ich gute Beispiele. Bürgermeister, die nie in eine Straßenbahn steigen. Die die Leute nicht kennen. Die die emotionale Verbundenheit mit dem Bahnhof so wenig begreifen wie die Liebe zum Park und seinen Bäumen. Die von Arroganz leben.
Behauptungen, die Demonstranten hätten die Polizei mit Pflastersteinen attackiert, kann ich nicht beurteilen. Wo soll es im Park Pflastersteine geben? Ich habe keine Angriffe gesehen – wobei ich private Beobachtungen, auch meine eigenen, mit Vorsicht genieße. Schließlich war ich pitschnass.
Was sicher ist: Es wurden Demonstranten attackiert, die sich friedlich verhielten und keine Chance hatten, in Deckung zu gehen. Staatsgewalt gegen Bürger, das ist die Situation.
Ich halte nichts davon, wenn durchgeknallte Protest-Damen ins Mikrofon brüllen, man sehe im Schlossgarten Bilder “wie in Argentinien” oder “Chile”. Das ist dumm und hysterisch. Es ist aber auch widerlich, wie sich Rech und Mappus äußern. Sie haben keinen Kontakt zum Volk, leben in der Quarantäne der Macht. Ignoranten. Sie sind verantwortlich. Die Polizei ist nur ein Instrument.
Es ist jetzt 20.45 Uhr. Erhalte gerade eine SMS: “Vor dem Rathaus stehen die Pro-Leute. Ungefähr 500. Rathaus ist ohne Polizei. Gespenstisch.”
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Dann noch zur Vollständigkeit zwei weitere Polizeimeldungen.
Stuttgart 21 – Zumeldung zur angeblichen Zahl der Verletzten bei Polizeieinsatz
Stuttgart: Entgegen der derzeitigen Meldungen in den Medien von mehr als 300 verletzten Personen gibt die Polizei Stuttgart bekannt:
Nach Auskunft der integrierten Leitstelle Stuttgart sind mit Stand 20.00 Uhr insgesamt 116 Verletzte bekannt geworden.
106 Personen wurden ambulant versorgt. Die meisten Verletzungen entstanden infolge des Einsatzes von Pfefferspray. Unter den Verletzten waren auch sechs Minderjährige, vier 16-Jährige, ein 14-Jähriger und ein Zwölfjähriger. Zehn weitere Menschen wurden zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.
Die nächst macht etwas stutzig und weiß nicht genau wie man die interpretieren soll:
Stuttgart 21 – Zumeldung zur Schülerdemonstration
Stuttgart: Entgegen der derzeitigen Meldungen in den Medien teilt die Polizei Stuttgart mit:
Die für 10.00 Uhr angemeldete Schülerdemonstration gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 mit Aufzug wurde von der Versammlungsleiterin mit Beginn der polizeilichen Maßnahmen in den Mittleren Schlossgartenanlagen am Ort der Auftaktkundgebung aufgelöst.
Anschließend begaben sich die jungen Menschen in den Park und haben sich den Stuttgart 21-Gegnern und deren rechtswidrigen Blockadeaktionen angeschlossen.
Stand: 30.09.2010; 21.30 Uhr
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OB Schuster zu den heutigen Ereignissen im Schlossgarten
Am 30. Sep 2010, 19:09 Uhr von martin
Pressemitteilung der Stadt Stuttgart, Eingang 19:06
Im Anschluss an eine Demonstration in der Innenstadt sind heute zahlreiche Menschen im Schlossgarten verletzt worden.
Dazu Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster: „Es war trauriger Tag für Stuttgart. Die Vorkommnisse machen sehr betroffen. Ich bedauere sehr, dass Menschen verletzt wurden und vor allem dass Kinder und Jugendliche zu Schaden gekommen sind.
Wir prüfen derzeit, wie es dazu kommen konnte. Klar ist bislang: Es gab eine Genehmigung für die Demonstration, die am 24. September von einer Vertreterin der ‚Jugendoffensive gegen Stuttgart 21’ angemeldet wurde. Diese Organisation bezeichnet sich als ‚revolutionär sozialistisch’.
Auf Grund der Ereignisse am Vormittag sind die Schüler dann von den Veranstaltern aufgefordert worden, sich abweichend von der genehmigten Demonstrationsroute sofort in den Schlossgarten zu begeben.
Auch mir tut es weh, wenn ein Baum gefällt wird. Wir sollten aber nicht vergessen, dass wir in Stuttgart über 100.000 Straßenbäume haben und 5.000 Hektar Wald mit etwa 700.000 Bäumen. Die Bahn ist zudem verpflichtet, mehr Bäume zu pflanzen als zu fällen. Außerdem wird die Stadt den Park um 20 Hektar erweitern.
Ich habe die dringende Bitte an alle – ob Sie für oder gegen Stuttgart 21 sind – die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Ich wiederhole ausdrücklich meine Bereitschaft, mit Gegner gemeinsam ein Dialogforum für die Bürger anzubieten.“
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Reizgas und Wasserwerfer
Am 30. Sep 2010, 14:14 Uhr von martin
War jetzt von halb sechs bis halb sieben selbst nochmals unten. Die Cops haben großräumig ihre “Gitterlinie” erstellt und davor versammeln sich mehrere Tausend Demonstranten, darunter auch mein alter Freund Krupa, der total am Ende ist. Er meint, so etwas hat er nicht gesehen, Menschen, denen es aus den Ohren blutet, Leute die auf dem Boden liegen und über die andere drüber trappeln.
Die StZ, die unglaublich spät erst sehr spät über die Ereignisse berichtete, lange nach Taz, Zeit, Spiegel, spricht zwischenzeitlich von Hunderten 100 Verletzten. Die Wasserwerfer, insgesamt vier Stück, rücken gerade ab, zumindest wollte einer wegfahren. Parallel beginnen, wenn ich das richtig beurteilen kann, die Arbeiten an den Bäumen.
Das war sicherlich nicht der schönste Tag für Stuttgart.
Good Night.
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Und noch die entsprechende Pressemeldung der Polizei:
Stuttgart 21 – Polizei sperrt Park ab – massive Behinderungen durch Demonstranten
Stuttgart: Seit Beginn der Absperrarbeiten der Polizei am Donnerstagvormittag (30.09.2010) zur Sicherung der Baustelle für die Grundwasseraufbereitungsanlage im Stuttgarter Schlossgarten (siehe PM vom 30.09.2010, Stand: 10.30 Uhr) sind die Proteste der Gegner des Bahnprojekts im Laufe des Tages immer heftiger geworden.
Die eingesetzten Polizisten bauten an der Seite zum ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhof bis ins angrenzende Parkgelände Gitterreihen zur Absperrung des Geländes auf. Bis zu 1 500 Gegner, Tendenz steigend, versammelten sich bereits in den frühen Nachmittagsstunden im Park und blockierten Einsatzfahrzeuge der Polizei.
Polizeikräfte mussten vereinzelt Pfefferspray gegen Demonstranten einsetzen, die auf Einsatzfahrzeuge geklettert waren, diese blockierten oder das Aufstellen von Absperrgittern massiv behindern wollten. Dabei wurden einige Demonstrationsteilnehmer verletzt.
Im Bereich des Biergartens setzten die Einsatzkräfte den Sprühstrahl des Wasserwerfers gegen Demonstranten, die sich unter anderem mit Schirmen und Planen dagegen schützen. Sie wollten die Zufahrt von Einsatzfahrzeugen ins Parkgelände verhindern wollten. Im Laufe der Demonstration benutzten einzelne Teilnehmer Reizgas gegen Polizisten und verletzten dadurch Beamte. Vereinzelt wurden Steine auf die Einsatzkräfte geworfen.
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Nachricht vom Außenreporter (17:00 Uhr): “Völlig überzogener Polizeieinsatz gegen S21-Demonstranten im Schloßpark. Tränengas und Wasserwerfer gegen Schüler, Familien und Demonstranten, die mit Sicherheit nicht nach Steinewerfer aussahen. Absolut schwachsinniger Polizei-Einsatz, Verhalten der Beamten führt zur Eskalation, Demonstranten waren friedlich.”
Neues Video hat er auch noch geschickt, wo man das harte Vorgehen der Polizei sieht.
Im Park gehts ab, pünktlich zum 1. Oktober sollen die ersten Bäume gefällt werden. War vorhin mit Krupa dort, da war es noch friedlich. Die ankündigte Schülerdemonstration hat sich kurzerhand in den Park verlagert, Kids besetzten Polizeifahrzeuge und blockierten den Wasserwerfer.
Aktuell wird der Wasserwerfer und Reizgas eingesetzt. Unser Außenreporter hat mich gerade angerufen, ist schon geduscht worden, Krupa heult vor lauter Tränengas, es geht laut Ingmar krass zur Sache. Er meinte auch, dass sich Autonome aus ganz Deutschland gerade auf den Weg nach Stuttgart machen.
Gerade nochmals mit Krupa telefoniert, die Lage ist äußerst chaotisch. Ihm fehlen die Worte. Die Bilder wären unglaublich meint er. Die Leute werden mit den Wasserwerfern zurückgedrängt. Das Wasser der Wasserwerfer ist mit Reizgas vermengt und man spritzt sporadisch auf die Menge.
Webcams: Flügel.TV oder Cam21 oder Bambuser
Folgende Bilder und Videos von heute Mittag.
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Move your feet, feel the beat
Am 14. Jul 2010, 18:00 Uhr von martin
Stuttgart wird immer mehr zur Randgruppentanzstadt. Diese Genossen kannte ich, bis der Krupa sie entdeckt hat, auch noch nicht. Bzw. wie der Tanz heißt. Muss laut Youtube-Datum erst kürzlich stattgefunden haben. “Auf dem ET in Stuttgart wurde ein Dance-Battle abgehalten und die ist die dritte Gruppe [J-F-F_2]“, steht da. Klingt verschwörerisch.
Kein Plan gerade was ET heißen soll. Steh auf dem Schlauch. Okay, ich weiß es doch, es heißt Emo Treff, danke Krupa (er weiß einfach immer alles).
Wie man sieht kommt alles wieder zurück. Auch Gasmasken. Oder der mit dem Grünen Zeug in der Fresse erinnert mich an diesen eine Figur aus “Fluch der Karibik”. You know?
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Die Event-Demonstranten
Am 12. Jul 2010, 12:20 Uhr von martin
Es liegt in meiner Natur, dass ich bislang noch nicht als Demonstrant aufgefallen bin. Wiederum liegt es in meiner Natur, dass ich mir alles mal anschauen muss, um mir selbst meine Meinung zu bilden, in diesem Fall eben, wie es auf einer S21-Protestveranstaltung zu geht. Okay, ich war ja schon beim Prellbock anheben. Da war es in erster Linie sehr laut.
Montagabend 18:00 Uhr ist aber überhaupt nicht meine Zeit, Samstagmittag, schönes Wetter, bissle im Park mit Krupa und Co. rumhängen sind da schon eher mein Ding. Also hab ich mir mal die wirklich sehr groß angekündigte Demo im Schlossgarten angeschaut. Außerdem ist ja Max Herre da. Dem kann man auch mal wieder ein Chance geben.
Also mit den Rädern durch die City und an der Flashmob-Wasserschlacht vorbei, wo sich ein paar Hansel nassgemacht haben. War kein Bild wert. Aber ey, ist diese Hitze nicht abartig fett? Wie es runter drückt? Wie so eine Wand? Ich bin voll der Hitzetyp mittlerweile.
In der Nähe des Staatstheaters haben wir die Bikes abgeschlossen, sind dann über die Brücke gelaufen und konnten von dort aus schon das Szenario betrachten.
Mein erster Gedanke war: Ui, dachte da sind jetzt etwas mehr Leute, Hitze hin oder her, womit wir wiederum schon beim Thema des vergangenen Wochenendes sind.
Im Laufe der Veranstaltung gaben die Organisatoren eine Zahl von circa 20.000 Besucher durch. Wir schauten uns dabei leicht ungläubig an. Am Abend stand dann in der StZ, dass die werte Polizei circa 5000 Leute geschätzt hat. Krasse Abweichung, hä? Meine Meinung dazu:
1. Das waren keine 20.000 Leute. 20.000 Menschen sind wirklich sehr viel. Etwas weniger als anderthalb mal Schleyerhalle. Oder der halbe Startblock des Berlin Marathons.
Das Bild ist nur ein Auszug des Geländes, klar, überall und vor allem unter den Bäumen sassen Menschen und drum herum war ziemlich Bewegung. Trotzdem, never ever 20.000.
2. Die Wahrheit liegt für mich persönlich nicht mal in der Mitte, wie man so schön sagt, sondern eher, auch wenn das jetzt manche nicht hören wollen, näher bei der Zahl der Polizei.
Thorsten und Krupa spekulierten auf circa 10, Elmar auf 8. Bin ich halt der Pessimist oder einfach ein schlechter Schätzer, mir egal. Kann damit leben.
Interessant fand ich dann die Diskussion beim StZ-Artikel, in der viele S21-Gegner prompt wieder eine Verschwörung des Staates rochen, die Polizei habe doch “von oben” den Befehl bekommen, die Anzahl möglichst low zu halten. I like Verschwörungstheorien.
Auf der anderen Seite machten sich in derselben Diskussion die Befürworter bissle lächerlich, welche die scheinbar niedrige Beteiligung wiederum als riesige Akzeptanz für S21 in der Bevölkerung uminterpretierten. Auch das glaube ich nicht, Tim.
Kurz nachdem wir das Gelände betraten, folgte der nächste Schock. Ein Rapper namens Borna betrat die Bühne und performte den “Oben Bleiben”-Rap (oder so ähnlich), angeblich die Hymne der Bewegung. Sorry, dass ich das sagen muss, aber auch der Krupa ist definitiv bei mir: Rein musikalisch und rap-technisch war das wirklich nicht gut. Mir hat es leicht den Magen verdreht. Krupa hat nen Clip gefunden.
Dann macht wir uns auf die Suche nach dem Krupa, vorbei an Ständen und Protestplakaten. Am offiziellen K21 Merchandise-Stand wurde der Stern-Artikel freudig ausgelegt…
…ein paar Schritte weiter Aktionstrainingsablauf erläutert…
…oder Ötti geärgert.
Kurz darauf dann den Krupa und Ben getroffen, mit den halt abgehangen und dem Spektakel gelauscht. Atmo war allgemein entspannt – und friedlich (muss man immer dazu schreiben, wenn Prostestveranstaltungen friedlich bleiben).
Krimiautor Wolfgang Schorlau hat eine Vision vorgelesen, wie im Jahr 2025 alle S21-Initiatoren wie Schusti, Ötti, Grube, Drexler etc. verhaftet und zu kuriosen Strafen verurteilt werden. War nen bissle witzig, hab ein, zwei mal geschmunzelt. Richtig gekickt hat es nicht. Bei den Namen Schuster und Drexler wurde gepfiffen was das Zeug hält. Der Feind ist klar definiert.
Ansonsten haben mich die Redner allgemein relativ wenig berührt. Rhetorisch auch oftmals eher schwach, eine löbliche Ausnahme bildete da der Putte, der hier auch schon zu Wort kam und sachlich-nüchtern und verständlich gesprochen hat. Das war nicht an diesem Nachmittag nicht die Regel, hat man z.B. die Pfarrerin Müller-Enßlin (keine Ahnung ob sie mit der Gudrun verwandt ist) oder die gefühlt 12jährige quäkende Studentenabgesandte im Ohr.
Ganz schlimm war der Horscht von den Linken aus München, wobei wiederum Stammtisch-Klassenkampf auf bayrisch sehr lustig klingt. Trotzdem dachte ich mir, dass man sich auch im größten Widerstand nicht mit allen Parteien solidarisieren muss. Witziger Kommentar bezüglich des Linken auf der Stz: “Ich bin sofort gegangen.”
Dann doch lieber der Herr von den Grünen, der ein paar Beispiele dafür gab, was man mit 10 Milliarden (das ist so die propagierte Zahl der Protestbewegung, also Bahnhof plus Neubaustrecke, wurde mehrere Male erwähnt) im deutschen Schienennetz alles anstellen kann, so damit mehrere Regionen was davon haben und nicht nur wir nen schönen neuen Bahnhof. Das klang für mich schlüssig.
Irgendwann schallten Kettensägen auf, quasi eine künstlerische Performance. “An diesen Sound wollen wir uns nicht gewöhnen!”, rief der Moderator Hannes Rockenbauch von der SÖS ins Publikum. 282 Bäume sollen wegen S21 im Schlossgarten gefällt werden, eines der Hauptthemen am Samstagnachmittag.
Zwischendurch stieß Thorsten in einem astreinen Blogger-Freizeit-Look zu uns und außerdem gab es ne Rote. Ich bin voll auf Wurscht diesen Sommer. Thorsten meinte, so Leute-mässig werden schon alle Klischees erfüllt, Krupa und ich hingegen fanden es eher buntgemischt. Gut, eine alternative Schlagseite lässt sich definitiv ausmachen, außerdem leichter Überschuss an älteren Menschen.
Zwischendurch trappten aber z.B. auch MC B vorbei…
…oder eine, ähm, wie nennt man das jetzt?
Auf jeden Fall hat sie sich es schön leicht gemacht, wie meine Mutter im Sommer zu sagen pflegt. Wusste gar nicht mehr, dass es so Schuhe mit Metall hinten dran noch gibt.
Rapper Tobias Borke und sein Beatboxer, beide sonst bei der Urban Session im Bix aktiv, kompensierten den Auftritt von Borna mit knackig-sitzenden Reimen und feiner Beatbox-Action. Respekt, war echt cool. Kam auch bei den Leuten gut an.
Nach Gangolf Stocker, sozusagen das Gesicht der Bewegung, der auch nur ein paar kurze warme Phrasen servierte, hab da irgendwie mehr erwartet, aber der muss ja bestimmt oft genug schlau argumentieren, kam noch so ein schrägsingender Gitarrenvogel und dann endlich Max Herre. Erstes Lied ging mehr oder weniger um Berlin, zweites war A-N-N-A, drittes kein Plan, beim vierten sind wir dann gegangen. War aber bestimmt gut.
Der Megacoup der Veranstaltung folgte dann um 20:00 Uhr: S21, die Demo inkl. Sternenmarsch war erstes Thema in der Tagesschau. Hat man wieder was erreicht. Und da ist dann fast egal ob eben 5.000 oder 20.000 Leute da waren.
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Durchreise
Am 8. Jan 2010, 09:05 Uhr von martin
On the way to münich to the octoberfescht… Zwischenstopp Kopfbahnhof. “It´s so green.” Bald auch mit gelben Baggern.
“September 2008…on the way to Munich…we flew into Karlsruhe airport and attempted to find a way to Munich…after much confusion and many train connections, and meeting some new people, we made it.”
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