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    Prince @ Waldbühne

    Wir sind überall. Zumindest unsere Leser. Und die sind bekanntlich auch Kessel. Unsere Adi war am Montag bei dem einzigen Deutschlandkonzert von Prince in der Berliner Waldbühne vor circa 15.000 Fans. Adi hat uns ein paar Eindrücke zusammen geschrieben.

    Voller Vorfreude auf das Konzert habe ich mir schon Tage vorher fast alle Lieder von ihm nochmals reingezogen. Schließlich will ich jedes Lied mitsingen können. Montagabend ist es dann soweit, mit Flugtickets und Konzertkarten machte ich mich auf dem Weg zum Flughafen.

    In Berlin angekommen erwartet uns optimales Wetter, also schnell ins Taxi und direkt zum Konzert. An der Waldbühne angekommen hören wir schon „Let’s Go Crazy“ schallen.

    Die Kulisse in Form eines Amphitheaters ist atemberaubend. Prince trägt eine weiße (Schlag)hose und einen Rollkragenpulli, auf dem das Cover seines neuen Albums „20th“ aufgedruckt ist. Auf der Bühne leisten ihm neben seiner Weggefährtin und Schlagzeugerin Sheila E. eine kleine Band und  drei Backgroundsängerinnen Gesellschaft.

    (“Mein 155 Euro teurer Blick”)

    Zu Anfang des Konzerts will der Funk(e) irgendwie nicht überspringen. Auch Prince sieht nicht zufrieden aus. Als plötzlich das Publikum von hinten in den Innenraum darf, ging es ab und als Prince “Nothing compares to you” anstimmt, ist das Eis endgültig gebrochen. Prince und Band bringen immer wieder Funkeinlagen, nahtlos geht es von einem Lied ins nächste über.

    Als die Fans die Anfangstakte von „Forever in my life“ hören und summen sie sofort los. Prince´ Stimme ist grandios und sehr gefühlvoll. Und er wird gefeiert, das merkt er und das gefällt ihm: „My name ist Prince and you love me.” Der Grandmaster of Funkt sieht dabei toll aus – mit auch schon 52 wohlgemerkt.

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    (Kiss feat. Adi Screams, Achtung bissle grell)

    Bei „Kiss“ geht es ab. Ich bin nicht mehr zu halten (siehe Video) und singe und schreie mir ziemlich schief die Seele aus dem Leib. Prince schmeißt seine Gitarre in das Publikum. Der glückliche Fan freut sich sicher darüber, doch der Fänger bringt sie gnädigerweise zurück. Prince hätte den Verlust finanziell sicherlich verschmerzen können, aber vielleicht hing seine Erlaucht auch emotional an dem guten Stück, wer weiß.

    (Gleich kommt Purple Rain.)

    Kurz darauf folgt das Intro zu „Pulple Rain“, Gänsehaut pur und natürlich singt die komplette Waldbühne mit. Ich habe Pipi in den Augen. Insgesamt wird Prince drei mal auf die Bühne zurückgeklatscht und spielt grandiose Zugaben.

    Das eine Mal meldet er sich mit „I want you to disco, everybody lets disco“ zurück, er und Sheila E. an den Perkussions, später wechselt er auf den Synthesizer. Danach folgt eine Einlage von einem unglaublichen Mundharmonikaspieler. Prince tanzt dabei wie nur ein Prince eben tanzen kann und man merkt ihm an, dass ihm der Gig richtig Spass macht.

    Nach zweieinhalb Stunden ist das große Spektakel vorbei. Prince verabschiedet sich mit den Worten „Berlin, I can´t go on any longer.” Ich bin begeistert, bestaune am Ende die immer leerwerdenden Ränge und realisiere dass ich die ganzen Treppen wieder hochlaufen muss, aber komischerweise meckere ich nicht.

    Das neue Album “20ten” wird de nächsten Rolling Stone beigelegt.

     
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  • 11

    Prince CD for free

    Bissle (ungewollter) Musik-Tag heute, but spread the news: Seit einigen Tagen macht die Nachricht die Runde, dass der gute Prince sein nächstes Album “20ten” kurzerhand wie einen Aldi-Prospekt in den Rolling Stone einlegt, weltweit und nur da.

    Also Prince legt die CD nicht selbst ein, sondern lässt sie einlegen von den Einlegern. (Einleger übrigens voll der Aufwand, ham wir mal bei Sub Culture gemacht.) For free, bzw. zum Preis des Magazins eben. Frei nach dem Motto: Was kostet die Welt, CDs kauft sowieso keiner mehr. Wäre ein Grund zum ersten Mal den Rolling Stone zu ergattern. Große Erwartungen an das Werk habe ich allerdings keine. Wir haben uns längst auseinandergelebt.

    Ich bin/war riesiger Prince-Fan. Steht in meiner persönlichen Anhimmelliste auf einer Stufe mit den Beastie Boys und dem Nachbar. Bin dann als das mit dem ganzen ich-weiß-nicht-mehr-wie-ich-heiß-weil-mir-meine-Plattenfirma-ultra-auf-den-Pumps-geht anfing recht bald ausgestiegen.

    So ist das letzte gute Album (bis auf ein paar einzelne Tracks wie z.B. “Musicology”) bekanntlich “Diamonds & Pearls” (wenn ich extrem gut gelaunt bin spiele ich gerne mal “Cream”, da gucken manche ziemlich doof), ich lass mich gerne vom Gegenteil überzeugen, hat aber bislang noch niemand geschafft. Ändert natürlich nichts an seinem unfassbaren Lebenswerk (78 bis 91) und dieser unglaublichen Musik.

    Dem 52jährigen Rogerle ist natürlich bummsegal was ein kleiner Ram sagt und macht munter weiter Alben. Das Witzige bei einem neuen Prince-Album ist: Jedes mal steht in der Rezi, egal wo: Endlich mal wieder ein richtiges Prince-Album! Jetzt isser wieder da! Wie früher! Alte Form! Derartiges kann man jetzt auch wieder im Falle vom “20ten” lesen. Gut. Ich merk mir den 22. Juli trotzdem vor.

    Ach wer, für unternehmungslustige Menschen: Am kommenden Montag, 5. Juli gibt seine Erlaucht in der Berliner Waldbühne ein Konzert. Scheinbar noch nicht ausverkauft, gibt noch Karten ab 115 Euro und aufwärts.

     
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  • 5

    52 Albums/06: Prince “Sign O´ The Times”

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    Zunächst muss ich mich korrigieren. Wenn ich jemals ein Idol neben Jay-Z UND Jeff Mills hatte, dann war es Prince.

    Ich war zu Jugendzeiten von dem arbeitswütigen Männlein aus Minneapolis und seiner unfassbaren Kreativität schwer beeindruckt. Madonna hat mich damals wie heute nie groß berührt, Jacko war freilich auch super, aber sein Werk wiederum stark überschauber.

    Prince hat spätestens ab 1982 bis 1992 (bei dem ganzen Tafkap-Gedöns bin ich ausgestiegen und neuere Releases nicht mehr weiter verfolgt) fast einmal im Jahr eine gute bis herausragende Platte veröffentlicht. Mit Betonung auf veröffentlicht – wer weiß wie lange die Tracks schon bei Prince in der Schublade lagen. Dabei ist “Sign O´ The Times” ohne Zweifel das Herzstück seines Schaffens.

    Natürlich ist der opulente Meilenstein auch das Einsame-Insel-Album schlechthin. War in den 90ern in Lifestyle-Magazinen eine beliebte Frage an Promis: “Welche drei Alben würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?” Auf 10 Antworten kam acht Mal “Sign O´ The Times”.

    Ich weiß gar nicht mehr so recht, wie ich mich als junger Kerl für Prince begeistert habe. Lag wahrscheinlich an MTV. 1991 war mein erstes MTV-Jahr und ich verbrachte stundenlang damit mir Musikclips reinzuziehen. Ich würde soweit gehen und sagen, dass MTV Anfang `90 noch Bildungsfernsehen war. Zumindest Musikbildung. Auf jeden Fall kam da auch immer viel Prince, sein aktuelles Album hieß “Diamonds & Pearls”, die Singles “Get Off” und “Cream” liefen rauf und runter.

    Ein richtiger Flash war aber der vier Jahre ältere Song “Sign O´ The Times” inklusive des spartanischen Karaoke-Clips. Auf diesen Clip habe  ich stundenlang gewartet. Hab Prince MTV-Special-Days auf VHS aufgenommen. Immer wieder “Sign O´ The Times”. Dieses Lied ist bis heute einer meiner absoluten Lieblingssongs.

    Als die Kohle dann mal wieder gereicht hat, bin ich in die Lerche und habe dieses Doppel-Set gekauft. Ein Prachtstück. Nicht nur jeder einzelne Song, darunter so Perlen wie “Starfish & Coffee” oder “Housequake”, sondern auch das Coverbild haut mich bis heute noch um. (Später hab ich mir übrigens noch das Video vom Sign-Tourstopp in Paris gekauft.)

    Neben dem außergewöhnlichen Inhalt verbinde ich aber mit diesem Album noch etwas ganz anderes, und zwar Geschwisterliebe – beziehungsweise erst einmal ziemlichen Geschwisterzoff.

    Folgendes: Ich hatte damals schon meinen eigenen Plattenspieler in meinem Zimmer und auch dank Zeitungsaustragen und anderen Ferienjobs Kohle für Platten. Meine jüngere Schwester wiederum hatte noch keinen Nebenjob (weil zu jung) und auch keinen eigenen Plattenspieler.  Und auch so gut wie keine eigenen Platten. Also musste bzw. wollte sie immer im Wohnzimmer unserer Eltern Musik hören – sprich MEINE Platten.

    Und wenn´s um MEINE Platten ging, war ich schon immer relativ eigen. Nicht nur, dass sich meine Platten auch in meiner unmittelbaren Umgebung befinden müssen, also nicht z.B. im elterlichen Wohnzimmer, sondern auch was die Pflege angeht, insbesondere die zärtliche Behandlung der Cover. Meine Platten haben so gut wie keine Macken, Schrammen oder Knickfalten.

    Meine Schwester war da schon anders. Schallplatten waren für sie eher Mittel zum Zweck als große Liebe. Sie war zu meinen guten Stücken nie wirklich zärtlich und hat mir öfters mal fette Knicke an den Coverecken und Innensleeves reingedonnert.

    Insbesondere gelitten unter ihren ungeschickten Händen hat die “Sign O´ The Times”. Klar super Platte, die wollte sie auch oft hören. Das bedeutete für mich jedes Mal ein Stich ins Herz, denn immer wenn sie sich mein Schmuckstück genommen hat, bekam ich sie mit einer neuen Knick in der Ecke oder Macke zurück. Bin ich da dann durchgedreht!  Da kam es nicht nur einmal zu einem handfesten Streit.

    Sie hat immer die Schuld von sich gewiesen, aber mir war schon klar, wer dieses neue Eselsohr in meinem Schatz zu verantworten hat. Mutti wars bestimmt nicht! Irgendwann war es mir zu blöd und ich sagte ihr: So, du darfst meine Platten nicht mehr hören!

    Das ist lange her und längst vergessen. Okay, wenn ich hier meine zerschrammte Copy liegen sehe dann… arg! Spass. Vor ein paar Jahren habe ich meiner Schwester ein Vinyl-Exemplar von “Sign O´ The Times” zu Weihnachten geschenkt. Sie hat glaube ich erst gar nicht so wirklich begriffen warum. Habs ihr dann erklärt. Aber so sind wir Elberts halt. Stehen einfach mal gerne auf der langen Leitung.

    Und Herr Nelson? Prince soll heutzutage wieder ganz gut in Form sein. Allerdings bin ich wie gesagt da mehr oder weniger raus, was seine neuen Releases angeht. Lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

     
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