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    Arttours Stuttgart

    (We will kehr for you.)

    Noch mal Kultur und sicherlich nicht nur für Auswärtige interessant, sondern auch Einheimische lernen bei den Arttours Stuttgart die eine oder andere neue Facette ihrer Stadt kennen. Stuttgarter Künstler aus verschiedenen Sparten entwickelten acht mehr oder weniger kuriose Touren, “die den Besuchern die Möglichkeit geben, die Stadt neu zu entdecken, zu definieren und zu verstehen.”

    Unter dem Motto “Verhalten sie sich möglichst unauffällig” fährt man mit zwei Performance-Künstlern und Slam Poeten U-Bahn, in der Hoffnung möglichst viele Alltagsabsurditäten zu erleben, geht bei “Grillmaster Picknick” durch Stuttgart spazieren (“Achtung! Die Tour führt teilweise steil bergauf bzw. bergab, gute körperliche Fitness und gutes Schuhwerk sind Voraussetzung zur Teilnahme.”) oder trifft sich beim Weitmann-Grill zur Aerobic-Tour durch Stuttgart (“Abschluss und Höhepunkt der Tour bildet eine Step-Aerobic-Sequenz (schtep da trepp), die alle Elemente der Work-Out-City-Tour an der Freitreppe am Stuttgarter Kunstmuseum zusammen führen soll.”).

    Mein persönliches Highlight ist das Angebot “We will kehr for you”: “We will kehr for you” vermittelt Sie an Stuttgarter Bewohner, die für den aktuellen Kehrwochendienst zugeteilt sind. Nach einer kurzen Einweisung führen Sie die Kehrwoche aus und werden im Anschluss vom dankbaren Bewohner mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen entlohnt.

    Kann mir zwar kaum vorstellen, dass die Tour jemand bucht, dafür gibt es sicherlich umso mehr dankbare Menschen, die wenigstens einmal gerne fremdkehren lassen würden. Vom 01. bis 3. Juli kann man die einzelnen Touren vergünstigt online buchen (die Kehrwochennummer seltsamerweise nicht).

    www.stuttg-arttours.de

     
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    Kulturbeauftragt

    „action-packed“ sagt der Amerikaner, wenn ein Film mehr als einen Stunt beinhaltet. „culture-packed“ sage ich zu den letzten Tagen. Immer war was. Und meistens Vernisagen. Bewege mich sonst kulturell ja irgendwo zwischen Art-Abonnent und Kunstbanause, aber letzte Woche kam ich mir vor wie auf meiner eigenen Catch-the-Bus-Reise durch die lange Nacht der Galerien.

    Donnerstag, Ausstellungseröffnung vom BFF – dem Bund Freischaffender Foto-Designer – im Haus der Wirtschaft. Gut besucht, gut bebildert und geht so organisiert. In einem Ausstellungsteil sollte glaube ich jeder Fotograf irgendwas zu einem mäßig-originellen Thema wie „Rettet die Erde“ zeigen. Mein Lieblingsbeitrag von Karsten Thormaehlen:

    Liebling deshalb, weil ich A) die BASF Cassetten früher lange den qualitativ überlegenen Maxell vorgezogen habe und B) das Vorgängeralbum „Crime of the Century“ von Supertramp mich durch eine herzzerreißende Episode meiner frühen Jugend begleitet hat. Outfit des Abends:

    Das Ende der Suche nach einem passenden Untenrum zum Jeanshemd für RAM: Knallenge Lederhose mit Hot-Pants drüber. Die männliche oder zumindest mal metro-sexuelle Antwort auf den Modetrend Leggings/Jeansrock.

    Freitag: »Galerie Schacher – Raum für Kunst«. Verrücktes Ding, das. Fährste im Stuttgarter Westen beim Getränkemarkt Fristo in den Hinterhof und denkst, du bist in Berlin. In einer sexy Industrieetage findet Kunst statt. Aktuell unter anderem die Foto-Ausstellung “Raumwelten“. Lieblingsbild des Abends:

    Leider nirgends den Namen des Künstlers gefunden, aber Outfits des Abends:

    Noch besser als die Politessen-Performance war aber dieses spontane Happening einer aufstrebenden radikalen Truppe von Nachwuchskünstlern:

    Wenn man erstmal im Kunstrausch ist, ist ja alles Kunst. Auch das Produktportfolio, das ich auf dem Heimweg in der Silberburgstrasse entdeckt hab:

    Ich hör mich da schon reingehen:

    - Palim-Palim.

    - Guten Tag.

    - Tach, ich hätte gerne einen meat-packed Double-Cheeseburger und ein Furzkissen.

    Samstag – immer noch im Kunstrausch im Mediamarkt einer Bande von fiesen Fälschern auf die Schliche gekommen:

    Original: das wahrscheinlich teuerste Kunstwerk der Welt, Damien Hirst

    Fälschung: die beknackteste Espressomaschine der Welt, DeLonghi. Muss Svarowski eigentlich überall seine Strasssteine drauf beppen?

    Diese Woche geht’s mit Kunst ja gerade so weiter: Die Art Basel. Will da schon seit Jahren mal hin und schaff es nie. Ich wünsch mir deshalb vom RAM den Auftrag „Kollege, wir haben hier ne Incentive-Reise für dich. Zwar nicht Budapest, aber immerhin. Fahr mal für Kessel nach Basel und berichte live vom internationalen Kunstgeschehen.“

    Sonst muss man halt im Alltag nach künstlerisch Wertvollem Ausschau halten wie nach The Last Unicorn:

    …oder My First Guitar:

     
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    Lovely

    Mir war heute morgen im Büro bissle langweilig. Bei YouTube nix Neues, bei Twitter immer der gleiche Scheiß, Facebook langweilig, bei Kessel.TV nur elendslange Texte – da hab ich bissle gehäkelt. Hab ich am Montag beim Stricktreff mit Tobi Tobsen gelernt, jetzt hab ich eine neue Verkleidung für das Ankündigungs-Board des Kessel.TV-Headquarters gehäkelt. Süß, oder?

    Wir werden auch dieses Jahr statt einer Lesung zum 3-jährigen einen Strickkurs anbieten: Martin zeigt, wie man sich aus dünnen Infos einen dicken Blogbeitrag strickt, Setzer erklärt Überlebenskunst am seidenen Faden, Geiger präsentiert seine Sammlung internationaler gehäkelter Klorollenbezüge, der Außenreporter beschreibt, wie lange man mit dem Zählen von Wollmäusen Studenten bei Laune halten kann und Mischi leitet einen Workshop zum Gängsterhiphopwollmützenstricken.

    Ach ja, in der Mittagspause hatte ich auch noch Zeit, da hab ich noch was fürs Gartentürle gemacht:

     
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    Heute im Delphi: Station Solitude

    Nach Tod und Motorsport etwas Kultur. Früher dachten meine Eltern, wie wahrscheinlich viele andere Eltern auch, man müsse mit den Kindern am Wochenende austreten. Frische Luft und so, nach 25 Stunden vor dem Vectrex, der ja eigentlich Papi gehörte, aber die Junge auch mal Dreistrich-Kampfbomber abballern durften. Fantastische Graphik. Wie viele Tätowierung heute.

    Fand man nie so cool, also das mit dem Spazieren gehen, weil es im Wald kein Lego gab und auch keinen Vectrex, aber dafür war der Weg hin zum Bärenschlössle mit dem Roller und später Fünfzigmarkkomplettskateboard – jeder fängt mal an – für fußfaule Kids sehr einfach zu bewältigen. Zurück halt übel Gemotze, will heim, muss aufs Klo, will nen Stockbrot, will ne Wurst, will das und dies und vor allem Lego. Meine Eltern zogen, neben dem Killesberg (damals noch mit Eintritt!) also die Gegend rund um den Bärensee und Schloss Solitude vor. Viel weiter bin ich heute übrigens zu Fuß nicht gekommen. Doch, zum Killesberg.

    Neben dem Schloss Solitude gibts diese herrlichen kleinen Häuschen. Wusste jahrelang nicht, was da getrieben wird, Hanf-Züchtung, Porno-Dreh, Youtube-Treffen, Twitter-Zentrale, GRÜNEN-Teambuilding, Wachtturm-Lesungen oder Christoph Sonntag sucht heimlich nach der schönsten Wollpulli-Wollsocken-Kombination für seinen nächsten Max-Eyth-See-Gig. Wasweißdennich.

    Die schönen Anwesen sah jedenfalls immer so verlassen aus. Irgendwann hat es sich auch bis zu mir rumgesprochen, dass man da irgendwas mit Kunst passiert, also so in dem kompletten Areal und in den Häusern wohnen die Stipendiaten. Genauer gesagt kann man sich da irgendwie frei entfalten.

    “Sie (die Akademie) legt besonderen Wert darauf, ihren Gästen eine andere Zeit, eine Zeit von besserer Qualität anzubieten, als die, die Künstler womöglich in ihrem Alltag erleben”, steht auf der Homepage. Klingt nach einem schönen Leben, kann mich aber auch brutal täuschen.

    Seit 1990 gibt es jedenfalls die Akademie Schloss Solitude und “seit 1990 ziehen jedes Jahr zwischen 50 und 70 junge Künstler, Musiker, Architekten, Schriftsteller und Regisseure aus aller Welt auf Schloss Solitude ein”, so der Infotext zu dem Film “Station Solitude”, der zum 20jährigen Jubiläum gedreht wurde und ein paar Einzügler, eben aus aller Welt, begleitet.

    Wird heute Abend im Delphi gezeigt wird (19:30 Uhr). Ich weiß, ist vielleicht nicht ganz der optimale Doku-Kino-Abend, aber Hugo kann man auch morgen noch trinken und der geplante Spaziergang zum Bärensee ist nur aufgehoben und nicht aufgeschoben. Außerdem sieht der Trailer ganz romantisch aus.

    www.solitude-film.de

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    Stuttgart12

    “Das künstlerische Forschungsprojekt Stuttgart12 erforscht die Grenzen zwischen Film und Internet und siedelt diese Forschung in einer virtuellen Geografie an. Das Projekt befindet sich noch im Betastadium.”

    Hat man uns auf die Facebook-Wall gepostet, Stuttgart12.org, nicht zu verwechseln mit Stuttgart 21. Man kann auf verschiedene Punkte und Köpfe klicken und bekommt ein Youtube-Video von Skatern, Sprayern, Dieben und immer wieder Heinz zu sehen, mal gestellt, mal steht mal unter dem Video, z.B., am Bauzaun, aufm Schlossplatz, im Park oder vor den Wagenhallen: “Erfassen des Raumes, seiner Blickstrukturierung und seines narrativen und dokumentarischen Potentials.” Sind so ne Art Beruhigspillen wie mein Baggerfilm.

    Der größere Zusammenhang erschließt sich mir noch nicht, muss man vielleicht Kunst studieren oder Philosophie-Bücher lesen. Kann man sich aber trotzdem drinne verlieren, in dem Projekt von Studenten der Merz Akademie und der Akademie Schloss Solitude.

    Das Projekt untersucht in einer Kombination aus praktischer Anwendung und theoretischer Untersuchung das Phänomen der Übertragung audiovisueller Inhalte (mit dem Ursprung Kino) auf unterschiedliche Medien und ihre „Hyperwerk“-Vernetzung.

    Grundlage des Projektes ist die Konstruktion eines narrativen NETZEs auf Multimedia-Basis, das zum Gegenstand „Stuttgart“ als Stadt, als Objekt von Planungsprozessen und als Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit von Subjektivitätsprozessen hat.

    Studentische inszenierte und dokumentarische Kurzfilme sowie Expanded-Cinema-Installationen und Live-Veranstaltungen sollen zu einem System integriert werden: Analog zur Deleuz’schen Dichotomie von „Gehirn“ und „Erde“ mittels einer Hyper-Werk-Vernetzung auf einer Internetplattform einerseits (mentale Verknüpfung) und mittels eines Verlassens des Kinos, dem Abspielen oder Abrufen an verschiedenen, konkreten Orten der Stadt andererseits (geographische Verknüpfung).

    Schwerpunkt des beschriebenen narrativen Netzes sind zwei parallel geführte Serien, von denen eine die Tendenz zum Dokumentarischen und eine die Tendenz zum Inszenierten hat. Diese Tendenzen sind auch genau als solche zu verstehen, als formale und inhaltliche Orientierungen. Grundsätzlich wird zwischen den Gattungen „Dokumentar-“ und „Spiel-Serie“ nicht unterschieden. Die beiden Serien sind zwar Stränge, die für sich stehen können, zusammen gedacht mit dem oben beschriebenen Vernetzungsgrad haben sie jedoch die Funktion von Polen eines heterogenen diegetischen Raumes.

    www.stuttgart12.org

    Stuttgart12 Youtube-Kanal

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    Back to the future

    Sehr schönes Projekt von der Fotografin Irina Werning aus Buenos Aires namens Back to the future: Fotos aus der Kindheit mit den erwachsenen Personen nachgestellt, möglichst originalgetreu. Alle Fotos hier (lädt u.U. etwas länger, scheint gerade einen größeren Anstum auf die Seite zu geben).

     
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    Kunstfiguren

    Heute mal ein bisschen Kultur. Also runter vom Sofa, rauf auf die A8 und ab nach Baden-Baden. Kultur inklusive Kulturschock. Hier, wo die Spielsucht noch Pelz trägt und man nicht zockt, sondern setzt. Galopprennbahn – Therme – Kurhaus: Rollator, ick hör dir trapsen.

    Baden-Baden ist irgendwie eine einzige Ü70-Fete und sieht auch so aus. Vielleicht könnten die ja einen unterirdischen Durchgangsbahnhof mit Designer-Bullaugen fast n bisschen besser gebrauchen als wir hier?

    Bei Baden-Baden fällt mir immer der schottische (!) Country(!!)-Sänger Jackie Levin ein, der in einem Stück mal musikalisch durch ganz Deutschland gefahren ist. Er singt, er war in „Würzburgh, Augsburgh, Schduddgard, Oberhousen“ – um dann im gesamten dritten Refrain musikalisch im Kreisverkehr hängen zu bleiben: I’ve been to BadenBadenBadenBadenBadenBaden (repeat 40 times) – aber hört selbst:

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    In Süddeutschlands Antwort auf St.Moritz – gibt’s neben allerlei Mondänem aber auch was richtig Modernes: Das Museum Frieder Burda. Die Burdas sind ja sonst eher für Hochglanz wie „Bunte“ bekannt. Wenn sie aber nicht gerade Magazine machen, sondern Museen, dann mit klasse Architektur außen und prima Kunst innen.

    Orignal! In diesem Bild sind zwei echte Hansons versteckt.

    Zur Zeit lockt dort die Doppelausstellung Duane Hanson / Gregory Crewdson. Und während Herr Hanson ja schon mal mit seinen eingefrorenen Figuren für Furore in der Staatsgalerie gesorgt hat, war mir persönlich Gregory Crewdson neu. Ein amerikanischer Fotograf, der seine Motive von bröckelnden Kleinstadtfassaden im Zwielicht wie ein Filmset mit dem Aufwand eines Hollywood-Spielfilms inszeniert.

    Top: Im Untergeschoss des Museums zeigt ein Making-of der beiden Künstler, wie man so was macht. Nur falls jemand mal so was nachmachen will: Figuren, vor denen man gebannt wie in der Geisterbahn steht und nur darauf wartet, dass sie „Boooh“ sagen. Und Fotografien, die einen irritierend-faszinierend anziehen wie ein David Lynch Film.

    Weil aber der ganze Kurort im Duane Hanson Fieber zu sein scheint und sich außerhalb des Museums mit nicht-ganz-so-lebensecht-wirkenden Figuren zugeschmückt hat, empfiehlt es sich, den Après-Museum-Champagner lieber wo anders zu genießen. Und BadenBadenBadenBaden zügig über den Kreisverkehr zu verlassen.

    Fälschung! Kein echter Duane Hanson.

    Noch bis 6.3.2011, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

    www.museum-frieder-burda.de

     
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