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    Der unaktuellste Blog der Welt:
    Dizzee Rascal Konzert Review

    Am 26. Nov 2009, 08:31 Uhr von Aussenreporter

    dizee

    Wir erlauben uns, für eine Konzert-Kritik eine Woche ins Land ziehen zu lassen und sind damit ähnlich schnell wie das offensive Mittelfeld des VfB. Gleichzeitig ist diese Unaktualität auch eine Reminiszenz an die gute alte Zeitung.

    Die Älteren mögen sich vielleicht erinnern, Zeitungen sind dünne Papierblätter, bedruckt mit Texten und Bildern. Wie ein ausgedruckter Blog eben, nur nicht so hübsch.

    Heiligsblechle, fast abgeschweift wie beim Kehrwoche machen für Kruppa, denn logischerweise hätten die zwei alten Nachbarinnen den Kutmaster schon längst mit Handbesen und Schaufel aus dem Haus gejagt, wenn ich nicht regelmässig für ihn nass wischen würde.

    Wenn ich Kehrwoche für Krupa mache, ziehe ich immer mein Dizzee Rascal T-Shirt an (s. oben), die alten Nachbarinnen stehen voll auf Grime. Bei “Bonkers” komm ich einfach geil in die Ecken. Womit wir endlich beim eigentlichen Thema wären: Beim Dizzee-Konzert im Zapata letzte Woche kam man auch geil in die Ecken, weil es leider, leider eher mässig besucht war.

    Zapata war höchstens ein Drittel gefüllt, dafür holten Rascal und sein Co-Rapper aber das Beste aus dem Abend heraus. Menge war hübsch am Hüpfen, kamen viele alte Hits aus der Boy in da Corner-Zeit.

    Bisschen seltsam war, dass die Räbar nach 20 Minuten einfach eine Pause machten und den DJ alleine wursteln ließen. Da dachte ich schon, einself, Alter, das kürzeste Konzert der Welt, und du warst dabei, dann kamen Herr Rascal samt Assistent aber wieder, hauten noch eine halbe Stunde obendrauf, als Sahne-Häubchen gab es ein Stück Zugabe, nämlich “Bonkers”, was live tatsächlich sensationell ist.

    Und alle so yeah, pack die Pillen aus, es ist 1995, zumindest hört sich das live super nach Rave an, dann war das Konzert aber schon aus.

    Insgesamt war es viel zu kurz, die 50 Minuten auf der Bühne waren aber Powerplay. Sensationell übrigens Dizzees Tour-DJ, der nur einen Arm hat, beim Scratchen darauf aber keine Rücksicht nimmt. Der Kerle heißt Semtex, sieht ziemlich spektakulär aus, wie er den Crossfader bedient (ab 0.50).

    Sensationell auch das äußere Erscheinungsbild von Rascal und seinem Kumpel. Unter echten Musikjournalisten ist es ja total verpönt, über Aussehen oder Kleidung der Künstler zu schreiben, weil das zur musiktheoretischen Rezeption im Diskurs keine Erkenntnisse bringt, hat man mir mal erklärt.

    Ich find’s aber goil, vor allem in dem speziellen Fall, weil mich die beiden Räber von der Statur her voll an RAM und Thorsten erinnert haben: Breit gebaut, braun gebrannt, hundert Kilo Hantelbank. Nur nicht ganz so bleich wie die Kessel-Twins.

    Wir erlauben uns, für eine Konzert-Kritik eine Woche ins Land ziehen zu lassen und sind damit ähnlich schnell wie das offensive Mittelfeld des VfB. Gleichzeitig ist diese Unaktualität auch eine Reminiszenz an die gute alte Zeitung. Die Älteren mögen sich vielleicht erinnern, Zeitungen sind dünne Papierblätter, bedruckt mit Texten und Bildern. Wie ein ausgedruckter Blog eben, nur nicht so hübsch. Heiligsblechle, fast abgeschweift wie beim Kehrwoche machen für Kruppa, denn logischerweise hätten die zwei alten Nachbarinnen den Kutmaster schon längst mit Handbesen und Schaufel aus dem Haus gejagt, wenn ich nicht regelmässig für ihn nass wischen würde. Wenn ich Kehrwoche für Krupa mache, ziehe ich immer mein Dizzee Rascal T-Shirt an (s. oben), die alten Nachbarinnen stehen voll auf Grime. Bei "Bonkers" komm ich einfach geil in die Ecken. Womit wir endlich beim eigentlichen Thema wären: Beim Dizzee-Konzert im Zapata letzte Woche kam man auch geil in die Ecken, weil es leider, leider eher mässig besucht war. Zapata war höchstens ein Drittel gefüllt, dafür holten Rascal und sein Co-Rapper aber das Beste aus dem Abend heraus. Menge war hübsch am Hüpfen, kamen viele alte Hits aus der Boy in da Corner-Zeit. Bisschen seltsam war, dass die Räbar nach 20 Minuten einfach eine Pause machten und den DJ alleine wursteln ließen. Da dachte ich schon, einself, Alter, das kürzeste Konzert der Welt, und du warst dabei, dann kamen Herr Rascal samt Assistent aber wieder, hauten noch eine halbe Stunde obendrauf, als Sahne-Häubchen gab es ein Stück Zugabe, nämlich "Bonkers", was live tatsächlich sensationell ist. Und alle so yeah, pack die Pillen aus, es ist 1995, zumindest hört sich das live super nach Rave an, dann war das Konzert aber schon aus. Insgesamt war es viel zu kurz, die 50 Minuten auf der Bühne waren aber Powerplay. Sensationell übrigens Dizzees Tour-DJ, der nur einen Arm hat, beim Scratchen darauf aber keine Rücksicht nimmt. Der Kerle heißt Semtex, sieht ziemlich spektakulär aus, wie er den Crossfader bedient (ab 0.50). Sensationell auch das äußere Erscheinungsbild von Rascal und seinem Kumpel. Unter echten Musikjournalisten ist es ja total verpönt, über Aussehen oder Kleidung der Künstler zu schreiben, weil das zur musiktheoretischen Rezeption im Diskurs keine Erkenntnisse bringt, hat man mir mal erklärt. Ich find's aber goil, vor allem in dem speziellen Fall, weil mich die beiden Räber von der Statur her voll an RAM und Thorsten erinnert haben: Breit gebaut, braun gebrannt, hundert Kilo Hantelbank. Nur nicht ganz so bleich wie die Kessel-Twins.

     
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    52 Albums/35:
    Dizzee Rascal „Boy in da Corner“

    Am 19. Nov 2009, 08:35 Uhr von Aussenreporter

    Kürzlich hatte ich eine erschreckende Selbsterkenntnis: Irgendwie hatte ich den vergangenen Monaten den Bezug zur Musik ein wenig verloren. Früher habe ich mich ständig von Künstlern auf Alben-Länge verzaubern lassen, mein Zugang zu neuer Musik hat sich in der letzten Zeit aber auf den freitäglichen Weekend-Mix bei kessel.tv beschränkt.
    Das liegt natürlich nicht daran, dass es keine gute, neue Musik mehr geben würde, sondern viel mehr daran, dass ich Musik immer als Begleiter in bestimmten Lebensphasen, als Kumpel diverser Stimmungen verstanden habe. Leider scheine ich in den letzten Monaten den Blick fürs Wesentliche verloren zu haben, zwischen Arbeiten („Schaffen ist ein Geschäft“), Ausruhen und Wegschießen kommt man aber auch zu gar nichts mehr.
    Dass das so nicht weitergehen kann, versteht sich von selbst. Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Musik und ich werden wieder Freunde, beginnen will ich mit der akribischen Vorbereitung auf mein Konzert der Woche: Max Herre. Ne, Spaß, mit dem aufgesetzten Gejammer kann man mich jagen, stattdessen zieht es mich in die Insider-Top-Heißer-Scheiß-Location Zapata zu Dizzee Rascal.
    Was für den RAM Jay Z, sind für mich Roots Manuva und Dizzee Rascal. Als ich 2003 für ein halbes Jahr in London so getan habe, als würde ich studieren, hab ich mich irgendwie in beide Burschen verliebt. Dizzees Erstling „Boy in Da Corner“ hat mich seinerzeit aus den Schuhen geblasen. Heute kann ich mir das Album nicht mehr in voller Länge anhören, ein paar der Stücke gehören aber zu meinen absoluten All-Time-Favoriten.
    Der Opener „Sittin’ here“ tropft beiläufig aus der Box und klingt wie eine extrem langsame Kamerafahrt durch Ost-London. An machen Stellen streut Dizzy eine tiefe Tonfolge ein, die sich anhört, als würde der coolste Fisch im Aquarium kurz auftauchen und seinen Senf zum Song blubbern.
    Der Anfang von „Fix Up look Sharp“ ist so phänomenal, dass sich die Metal-Darsteller von den Eagles of Death Metal das Intro für ihren Auftritt in Stuttgart vor zwei Jahren ausgeliehen hatten, und mit dem scheppernden Bass die Bühne im LKA zu entern. Mann, hatte die Band da einen Spaß, fast hätte man sich einen Schnauzbart ins Gesicht freuen können.
    Das absolute Vollbrett Marke Kurze-Kur in der Corso ist aber der Song „Jus a Rascal“. Hier rappt Dizzy so schnell auf einen ultra-agressiven Beat, dass sich Old Dirty Bastard vor Neid um die goldene Crack-Pfeife im Grab dreht. Das 3:39-Stück klingt wie ein außer Kontrolle geratenes Polizeiauto in den Straßen von Shoreditch – mit Captain Rascal am Steuer.
    Die Nachfolge-Alben wie „Maths and English“ haben mich nicht mehr ganz so gekickt, mit „Tongue n’ Cheek“ kann ich mich aber durchaus anfreunden und Bonkers ist live einfach unglaublich, wie man hier bewundern kann. Ab 0:45 brennt der Club so Jugendschutz gefährdend, dass man laut „Rave, Alter“ brüllen mag.
    Da ist er wieder, der Musik-Bezug. Bin ich froh, dass man so schnell, wie man raus ist, auch wieder drin sein kann. Trotz kaputtem Kreuz: Im Zapata bin ich heute Abend nicht der Boy in da Corner, sondern tappsiger Gummi-Ball zwischen Bar und richtig Mittendrin.

    bubinderecke

    Kürzlich hatte ich eine erschreckende Selbsterkenntnis: Irgendwie hatte ich den vergangenen Monaten den Bezug zur Musik ein wenig verloren. Früher habe ich mich ständig von Künstlern auf Alben-Länge verzaubern lassen, mein Zugang zu neuer Musik hat sich in der letzten Zeit aber auf den freitäglichen Weekend-Mix bei kessel.tv beschränkt.

    Das liegt natürlich nicht daran, dass es keine gute, neue Musik mehr geben würde, sondern viel mehr daran, dass ich Musik immer als Begleiter in bestimmten Lebensphasen, als Kumpel diverser Stimmungen verstanden habe.

    Leider scheine ich in den letzten Monaten den Blick fürs Wesentliche verloren zu haben, zwischen Arbeiten („Schaffen ist ein Geschäft“), Ausruhen und Wegschießen kommt man aber auch zu gar nichts mehr. Dass das so nicht weitergehen kann, versteht sich von selbst.

    Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Musik und ich werden wieder Freunde, beginnen will ich mit der akribischen Vorbereitung auf mein Konzert der Woche: Max Herre. Ne, Spaß, mit dem aufgesetzten Gejammer kann man mich jagen, stattdessen zieht es mich am heutigen Donnerstag in die Insider-Top-Heißer-Scheiß-Location Zapata zu Dizzee Rascal.

    Was für den RAM Jay Z, sind für mich Roots Manuva und Dizzee Rascal. Als ich 2003 für ein halbes Jahr in London so getan habe, als würde ich studieren, hab ich mich irgendwie in beide Burschen verliebt. Dizzees Erstling „Boy in Da Corner“ hat mich seinerzeit aus den Schuhen geblasen. Heute kann ich mir das Album nicht mehr in voller Länge anhören, ein paar der Stücke gehören aber zu meinen absoluten All-Time-Favoriten.

    Der Opener „Sittin’ here“ tropft beiläufig aus der Box und klingt wie eine extrem langsame Kamerafahrt durch Ost-London. An machen Stellen streut Dizzy eine tiefe Tonfolge ein, die sich anhört, als würde der coolste Fisch im Aquarium kurz auftauchen und seinen Senf zum Song blubbern.

    Der Anfang von „Fix Up look Sharp“ ist so phänomenal, dass sich die Metal-Darsteller von den Eagles of Death Metal das Intro für ihren Auftritt in Stuttgart vor zwei Jahren ausgeliehen hatten, und mit dem scheppernden Bass die Bühne im LKA zu entern. Mann, hatte die Band da einen Spaß, fast hätte man sich einen Schnauzbart ins Gesicht freuen können.

    Das absolute Vollbrett Marke Kurze-Kur in der Corso ist aber der Song „Jus a Rascal“. Hier rappt Dizzy so schnell auf einen ultra-agressiven Beat, dass sich Old Dirty Bastard vor Neid um die goldene Crack-Pfeife im Grab dreht. Das 3:39-Stück klingt wie ein außer Kontrolle geratenes Polizeiauto in den Straßen von Shoreditch – mit Captain Rascal am Steuer.

    Die Nachfolge-Alben wie „Maths and English“ haben mich nicht mehr ganz so gekickt, mit „Tongue n’ Cheek“ kann ich mich aber durchaus anfreunden und Bonkers ist live einfach unglaublich, wie man hier bewundern kann. Ab 0:45 brennt der Club so Jugendschutz gefährdend, dass man laut „Rave, Alter“ brüllen mag.

    Da ist er wieder, der Musik-Bezug. Bin ich froh, dass man so schnell, wie man raus ist, auch wieder drin sein kann. Trotz kaputtem Kreuz: Im Zapata bin ich heute Abend nicht der Boy in da Corner, sondern tappsiger Gummi-Ball zwischen Bar und Mittendrin.

    Dizzee Rascal live, Do 19.11, Zapata, 20:00 Uhr

    Kürzlich hatte ich eine erschreckende Selbsterkenntnis: Irgendwie hatte ich den vergangenen Monaten den Bezug zur Musik ein wenig verloren. Früher habe ich mich ständig von Künstlern auf Alben-Länge verzaubern lassen, mein Zugang zu neuer Musik hat sich in der letzten Zeit aber auf den freitäglichen Weekend-Mix bei kessel.tv beschränkt. Das liegt natürlich nicht daran, dass es keine gute, neue Musik mehr geben würde, sondern viel mehr daran, dass ich Musik immer als Begleiter in bestimmten Lebensphasen, als Kumpel diverser Stimmungen verstanden habe. Leider scheine ich in den letzten Monaten den Blick fürs Wesentliche verloren zu haben, zwischen Arbeiten („Schaffen ist ein Geschäft“), Ausruhen und Wegschießen kommt man aber auch zu gar nichts mehr. Dass das so nicht weitergehen kann, versteht sich von selbst. Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Musik und ich werden wieder Freunde, beginnen will ich mit der akribischen Vorbereitung auf mein Konzert der Woche: Max Herre. Ne, Spaß, mit dem aufgesetzten Gejammer kann man mich jagen, stattdessen zieht es mich in die Insider-Top-Heißer-Scheiß-Location Zapata zu Dizzee Rascal. Was für den RAM Jay Z, sind für mich Roots Manuva und Dizzee Rascal. Als ich 2003 für ein halbes Jahr in London so getan habe, als würde ich studieren, hab ich mich irgendwie in beide Burschen verliebt. Dizzees Erstling „Boy in Da Corner“ hat mich seinerzeit aus den Schuhen geblasen. Heute kann ich mir das Album nicht mehr in voller Länge anhören, ein paar der Stücke gehören aber zu meinen absoluten All-Time-Favoriten. Der Opener „Sittin’ here“ tropft beiläufig aus der Box und klingt wie eine extrem langsame Kamerafahrt durch Ost-London. An machen Stellen streut Dizzy eine tiefe Tonfolge ein, die sich anhört, als würde der coolste Fisch im Aquarium kurz auftauchen und seinen Senf zum Song blubbern. Der Anfang von „Fix Up look Sharp“ ist so phänomenal, dass sich die Metal-Darsteller von den Eagles of Death Metal das Intro für ihren Auftritt in Stuttgart vor zwei Jahren ausgeliehen hatten, und mit dem scheppernden Bass die Bühne im LKA zu entern. Mann, hatte die Band da einen Spaß, fast hätte man sich einen Schnauzbart ins Gesicht freuen können. Das absolute Vollbrett Marke Kurze-Kur in der Corso ist aber der Song „Jus a Rascal“. Hier rappt Dizzy so schnell auf einen ultra-agressiven Beat, dass sich Old Dirty Bastard vor Neid um die goldene Crack-Pfeife im Grab dreht. Das 3:39-Stück klingt wie ein außer Kontrolle geratenes Polizeiauto in den Straßen von Shoreditch – mit Captain Rascal am Steuer. Die Nachfolge-Alben wie „Maths and English“ haben mich nicht mehr ganz so gekickt, mit „Tongue n’ Cheek“ kann ich mich aber durchaus anfreunden und Bonkers ist live einfach unglaublich, wie man hier bewundern kann. Ab 0:45 brennt der Club so Jugendschutz gefährdend, dass man laut „Rave, Alter“ brüllen mag. Da ist er wieder, der Musik-Bezug. Bin ich froh, dass man so schnell, wie man raus ist, auch wieder drin sein kann. Trotz kaputtem Kreuz: Im Zapata bin ich heute Abend nicht der Boy in da Corner, sondern tappsiger Gummi-Ball zwischen Bar und richtig Mittendrin. Kürzlich hatte ich eine erschreckende Selbsterkenntnis: Irgendwie hatte ich den vergangenen Monaten den Bezug zur Musik ein wenig verloren. Früher habe ich mich ständig von Künstlern auf Alben-Länge verzaubern lassen, mein Zugang zu neuer Musik hat sich in der letzten Zeit aber auf den freitäglichen Weekend-Mix bei kessel.tv beschränkt. Das liegt natürlich nicht daran, dass es keine gute, neue Musik mehr geben würde, sondern viel mehr daran, dass ich Musik immer als Begleiter in bestimmten Lebensphasen, als Kumpel diverser Stimmungen verstanden habe. Leider scheine ich in den letzten Monaten den Blick fürs Wesentliche verloren zu haben, zwischen Arbeiten („Schaffen ist ein Geschäft“), Ausruhen und Wegschießen kommt man aber auch zu gar nichts mehr. Dass das so nicht weitergehen kann, versteht sich von selbst. Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Musik und ich werden wieder Freunde, beginnen will ich mit der akribischen Vorbereitung auf mein Konzert der Woche: Max Herre. Ne, Spaß, mit dem aufgesetzten Gejammer kann man mich jagen, stattdessen zieht es mich am heutigen Donnerstag in die Insider-Top-Heißer-Scheiß-Location Zapata zu Dizzee Rascal. Was für den RAM Jay Z, sind für mich Roots Manuva und Dizzee Rascal. Als ich 2003 für ein halbes Jahr in London so getan habe, als würde ich studieren, hab ich mich irgendwie in beide Burschen verliebt. Dizzees Erstling „Boy in Da Corner“ hat mich seinerzeit aus den Schuhen geblasen. Heute kann ich mir das Album nicht mehr in voller Länge anhören, ein paar der Stücke gehören aber zu meinen absoluten All-Time-Favoriten. Der Opener „Sittin’ here“ tropft beiläufig aus der Box und klingt wie eine extrem langsame Kamerafahrt durch Ost-London. An machen Stellen streut Dizzy eine tiefe Tonfolge ein, die sich anhört, als würde der coolste Fisch im Aquarium kurz auftauchen und seinen Senf zum Song blubbern. Der Anfang von „Fix Up look Sharp“ ist so phänomenal, dass sich die Metal-Darsteller von den Eagles of Death Metal das Intro für ihren Auftritt in Stuttgart vor zwei Jahren ausgeliehen hatten, und mit dem scheppernden Bass die Bühne im LKA zu entern. Mann, hatte die Band da einen Spaß, fast hätte man sich einen Schnauzbart ins Gesicht freuen können. Das absolute Vollbrett Marke Kurze-Kur in der Corso ist aber der Song „Jus a Rascal“. Hier rappt Dizzy so schnell auf einen ultra-agressiven Beat, dass sich Old Dirty Bastard vor Neid um die goldene Crack-Pfeife im Grab dreht. Das 3:39-Stück klingt wie ein außer Kontrolle geratenes Polizeiauto in den Straßen von Shoreditch – mit Captain Rascal am Steuer. Die Nachfolge-Alben wie „Maths and English“ haben mich nicht mehr ganz so gekickt, mit „Tongue n’ Cheek“ kann ich mich aber durchaus anfreunden und Bonkers ist live einfach unglaublich, wie man hier bewundern kann. Ab 0:45 brennt der Club so Jugendschutz gefährdend, dass man laut „Rave, Alter“ brüllen mag. Da ist er wieder, der Musik-Bezug. Bin ich froh, dass man so schnell, wie man raus ist, auch wieder drin sein kann. Trotz kaputtem Kreuz: Im Zapata bin ich heute Abend nicht der Boy in da Corner, sondern tappsiger Gummi-Ball zwischen Bar und Mittendrin. Dizzee Rascal live, Do 19.11, Zapata, 20:00 Uhr

     
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