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    Blutsgeschwisterspende

    Am 5. Nov 2009, 11:56 Uhr von Aussenreporter

    blut-schlange

    Nachdem hier derzeit über Stiefel, den wunderschönen Laden von Fräulein Sonntag und meine liebste Musik-Richtung Schlager geschrieben wird, im Folgenden ein Textchen extra für Martin und all die anderen Harten da draußen: eine Live-Reportage vom Blutspenden im Katharinen-Hospital mit jeder Menge Blut, scharfen Krankenschwestern und einem Kollaps.

    Seit einiger Zeit hatte ich diesen blöden Plan, nicht immer nur Schnaps zu trinken, sondern manchmal auch etwas Sinnvolles zu tun. Millionen spenden geht nicht, weil ich die selber brauch, Organe spenden mach ich, aber erst nach Gebrauch.

    Also entschied ich mich dazu, Blut zu spenden. Können die Krankenhäuser anscheinend immer brauchen wegen der vielen Unfälle von tiefer gelegten Dreier-BMWs auf der Theo und wegen der vielen alkoholbedingten Vergiftungen im Stuttgarter Nachteben.

    Mein eigentlicher Antrieb war aber selbstverständlich kein humanistischer, sondern möglichst schnell an Ruhm und Ehre zu kommen: Wenn man 100 mal Blut gespendet hat, bekommt man einen Eintrag in der Wall of Fame im KKH und eine goldene Spritze am Band, oder so ähnlich.

    blut-ehrentafel

    Mein Kumpel Fuzzy spendet schon länger als ich, jetzt haben wir einen internen Battle am Laufen, wer es zuerst an die Wall of Fame schafft. Man darf höchstens alle sechs Wochen spenden, kommt also auf maximal acht mal Aderlassen pro Jahr.

    Das Ziel: In spätestens 15 Jahren steht mein Name an der KKH-Wand, und ich freu mich schon jetzt wie Bolle. Dieser Weg wird kein leichter sein, singt der Lieblingssänger von unserem neuen Landespapa, Stefan Mappus nicht umsonst.

    Ich will nichts beschönigen oder falsche Erwartungen wecken: Blutspenden ist voll ekelig. Man wartet zweimal, einmal im Vorraum der Blutzentrale vom KKH, dann noch mal im Vorraum des eigentlichen Spenderaums ein Stockwerk höher. Wartephase 1 ist wie beim Arzt, nur schlimmer, weil größer und eben Krankenhaus.

    Wartephase 2 ist skurril, weil man anderen Blutsgeschwistern beim Spenden zuschauen kann. So ähnlich stell ich mir Massenabfertigung im Schlachthaus vor: Ist eine komische Situation, wenn man einen halbintimen Moment wie Blutspenden mit einem Metaler-Pärchen aus Donzdorf teilen muss, wobei er eine Deo-Allergie und sie mit einem Lack- und Leder-Mantel bewaffnet ist.

    Sie: „Wow, fünf Minuten 42, das ist neuer Rekord.“ Er: „Hahahaha, so schnell gehts bei mir nicht, haben Sie denn keine Gummiherzen mehr, damit ich besser pumpen kann?“ Zwischendrin die Schwester zu ihren Kolleginnen: „Ich geh mal Platten holen.“ Geil, dachte ich, legt die jetzt hier freshen Blutspende-Sound auf? „Blood on the Dancefloor“ vs. „Sunday bloody Sunday“? Schließlich kommt sie mit Ablage-Platten für die Blutbeutel zurück.

    Bei meiner ersten Voruntersuchung zum Spenden hatte eine Ärztin noch gemeint, die Nadeln oben hauen mehr rein, da kriegt man schon mal ne Beule. Super, dass ich ein Riesen-Schisser bin und den kompletten Weg zwischen Voruntersuchung und Spende im Treppenhaus ans Türmen gedacht hab.

    Tut dann aber gar nicht so schlimm weh, und nach ein paar Minuten ist alles vorbei, womit wir bei Grund drei fürs Blutspenden wären: Nach getaner Arbeit kriegt man Asche und Würstchen!

    25 Euro gibt es bar auf die Kralle, das ist mehr, als der durchschnittliche Journalist wie ich pro Artikel verdient – muss gleich mal meinen Steuerberater fragen, ob ich das bei der Einkommensteuererklärung angeben und ob man das als Spende doppelt absetzen kann.

    blutwurst

    Nach der Spende gibt es Würstchen, Fanta, Cola, Kaffee für lau, soviel der Magen verkraftet. Dementsprechend ist auch das Publikum, viele Rentner, zwei Bauarbeiter versüßen sich ihre Mittagspause und etliche Studis sind am Start.

    Die Schwestern sind schön handfest, wie gesagt Massenbetrieb, die eisenarmen Schlotterer wie ich kriegen Eisentabletten mit auf den Heimweg, um künftig noch geileres Blut ablassen zu können, und der Snack nach der Spende im Aufenthaltsraum entschädigt echt für alles: Krankenhaus-Kantinenstyle meets Bleichgesichter, die Literweise Cola kippen. Heute ist tatsächlich eine neben mir kollabiert, vor versammelter Mannschaft, obwohl ich sie noch mit einer Fanta retten wollte.

    Aber auch dieser fiese Zwischenfall kann mich nicht aufhalten, Fuzzy, gib acht, bald hab ich dich eingeholt. Die goldene Spenderspritze am Band wartet schon auf mich.

    Nachdem hier derzeit über Stiefel, den wunderschönen Laden von Fräulein Sonntag und meine liebste Musik-Richtung Schlager geschrieben wird, im Folgenden ein Textchen extra für Martin und all die anderen Harten da draußen: eine Live-Reportage vom Blutspenden im Katharinen-Hospital mit jeder Menge Blut, scharfen Krankenschwestern und einem Kollaps. Seit einiger Zeit hatte ich diesen blöden Plan, nicht immer nur Schnaps zu trinken, sondern manchmal auch etwas Sinnvolles zu tun. Millionen spenden geht nicht, weil ich die selber brauch, Organe spenden mach ich, aber erst nach Gebrauch. Also entschied ich mich dazu, Blut zu spenden. Können die Krankenhäuser anscheinend immer brauchen wegen der vielen Unfälle von tiefer gelegten Dreier-BMWs auf der Theo und wegen der vielen alkoholbedingten Vergiftungen im Stuttgarter Nachteben. Mein eigentlicher Antrieb war aber selbstverständlich kein humanistischer, sondern möglichst schnell an Ruhm und Ehre zu kommen: Wenn man 100 mal Blut gespendet hat, bekommt man einen Eintrag in der Wall of Fame im KKH und eine goldene Spritze am Band, oder so ähnlich. Mein Kumpel Fuzzy spendet schon länger als ich, jetzt haben wir einen internen Battle am Laufen, wer es zuerst an die Wall of Fame schafft. Man darf höchstens alle sechs Wochen spenden, kommt also auf maximal acht mal Aderlassen pro Jahr. Das Ziel: In spätestens 15 Jahren steht mein Name an der KKH-Wand, und ich freu mich schon jetzt wie Bolle. Dieser Weg wird kein leichter sein, singt der Lieblingssänger von unserem neuen Landespapa, Stefan Mappus nicht umsonst. Ich will nichts beschönigen oder falsche Erwartungen wecken: Blutspenden ist voll ekelig. Man wartet zweimal, einmal im Vorraum der Blutzentrale vom KKH, dann noch mal im Vorraum des eigentlichen Spenderaums ein Stockwerk höher. Wartephase 1 ist wie beim Arzt, nur schlimmer, weil größer und eben Krankenhaus. Wartephase 2 ist skurril, weil man anderen Blutsgeschwistern beim Spenden zuschauen kann. So ähnlich stell ich mir Massenabfertigung im Schlachthaus vor: Ist eine komische Situation, wenn man einen halbintimen Moment wie Blutspenden mit einem Metaler-Pärchen aus Donzdorf teilen muss, wobei er eine Deo-Allergie und sie mit einem Lack- und Leder-Mantel bewaffnet ist. Sie: „Wow, fünf Minuten 42, das ist neuer Rekord.“ Er: „Hahahaha, so schnell gehts bei mir nicht, haben Sie denn keine Gummiherzen mehr, damit ich besser pumpen kann?“ Zwischendrin die Schwester zu ihren Kolleginnen: „Ich geh mal Platten holen.“ Geil, dachte ich, legt die jetzt hier freshen Blutspende-Sound auf? „Blood on the Dancefloor“ vs. „Sunday bloody Sunday“? Schließlich kommt sie mit Ablage-Platten für die Blutbeutel zurück. Bei meiner ersten Voruntersuchung zum Spenden hatte eine Ärztin noch gemeint, die Nadeln oben hauen mehr rein, da kriegt man schon mal ne Beule. Super, dass ich ein Riesen-Schisser bin und den kompletten Weg zwischen Voruntersuchung und Spende im Treppenhaus ans Türmen gedacht hab. Tut dann aber gar nicht so schlimm weh, und nach ein paar Minuten ist alles vorbei, womit wir bei Grund drei fürs Blutspenden wären: Nach getaner Arbeit kriegt man Asche und Würstchen! 25 Euro gibt es bar auf die Kralle, das ist mehr, als der durchschnittliche Journalist wie ich pro Artikel verdient – muss gleich mal meinen Steuerberater fragen, ob ich das bei der Einkommensteuererklärung angeben und ob man das als Spende doppelt absetzen kann. Nach der Spende gibt es Würstchen, Fanta, Cola, Kaffee für lau, soviel der Magen verkraftet. Dementsprechend ist auch das Publikum, viele Rentner, zwei Bauarbeiter versüßen sich ihre Mittagspause und etliche Studis sind am Start. Die Schwestern sind schön handfest, wie gesagt Massenbetrieb, die eisenarmen Schlotterer wie ich kriegen Eisentabletten mit auf den Heimweg, um künftig noch geileres Blut ablassen zu können, und der Snack nach der Spende im Aufenthaltsraum entschädigt echt für alles: Krankenhaus-Kantinenstyle meets Bleichgesichter, die Literweise Cola kippen. Heute ist tatsächlich eine neben mir kollabiert, vor versammelter Mannschaft, obwohl ich sie noch mit einer Fanta retten wollte. Aber auch dieser fiese Zwischenfall kann mich nicht aufhalten, Fuzzy, gib acht, bald hab ich dich eingeholt. Die goldene Spenderspritze am Band wartet schon auf mich.

     
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