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    Fundstücke #4: Mixtapes

    Neulich musste ich meine Plattensammlung um circa 10 Meter verschieben. Sprich Regale ausräumen, Regale abbauen, Regale verlegen, Vinyl wieder einsortieren. War geil, auch fürn Rücken. Unfassbar was man alles so in rund 17 bis 18 Jahren zusammen sammelt. Hab noch nie auch nur eine Platte verkauft. Will ja auch heute keiner mehr das Zeug.

    Wie auch immer, wenn man so um- bzw. aufräumt, krustelt man ja allgemein immer bissle mehr rum als nötig, und es fallen einem immer wieder Gegenstände in die Hände, bei denen einem ganz warm ums Herz wird.

    Auf einmal hatte ich jedenfalls im Rahmen der Schallplattenumlagerung obige Kassetten in der Hand. Damn, denke ich mir, der gute alte Hilm und der Web und der noch ältere Tease. Und damn (2), wie oft hab ich die Tapes vor allem in meinem ersten Daimler 200 gehört?

    Nach dem Fund habe ich die Dinger gleich mal am nächsten Tag im Büro in meinen Grundig Partycenter 2600, Baujahr 1990 (treuer Begleiter seit zwei Dekaden) geworfen (klingt aber mittlerweile furchtbar, also nicht die Tapes, sondern der Partycenter), Auto hab ja keines mehr.

    Bei Hilm und Web hab ich gleich schön mit geknickt. Höchste Qualität wie Jogi sagen würde, bester HipHop, bissle Westcoast-lastig, u.a. hat der Hilm einen meiner liebsten Defari Tracks vom “Focused Daily” Album draufgehauen. Was macht eigentlich Defari?

    Warum Hilmatic und DJ Web ihr Tape damals – wann überhaupt, so 2000 rum? – mit “Broken Arms” bezeichnet haben kann man nur vermuten. Die beiden haben sich jedenfalls beim Mixen, Cutten und Scratchen ordentlich einen abgebrochen. Only two Turntables und vier fähige Hände. Kein Serato und andere Sperenzchen. Gab ja nix damals. Wir waren so arm.

    Der Tease hingegen brauchte nur zwei Hände und zwei Turntables (und den Mixer nicht vergessen) und klopfte ein paar seinerzeit aktuelle Drum´n´Bass Tunes zusammen.

    DnB spielt er heute ja eher selten, sondern mehr so von HipHop bis Rave. Sein Mix ging auch immer gut im Auto, wenn man so voll aggro war z.B., aber im Büro war mir das dann auf meinem Schepper-Partycenter doch zu stressig, so dass ich den Most Wanted nach zwei Minuten wieder auswerfen musste.

    Die Kassette an sich könnte man heutzutage fast schon als Designklassiker bezeichnen. Nur wir kurz nachm Krieg Geborenen erinnern uns noch an den Stress, ob man jetzt ein Eisen-, Chrom- oder gar Metalband für 11 Mack bei der Lerche holt – für die richtig gute Mugge natürlich nur!

    Alle zwei Wochen musste man wieder Tapes holen gehen, weil wir überspielt haben wie blöd (Stichwort High-Speed-Dubbing). Dabei bildeten wir uns ein, den Gewinn von BASF exorbitant in die Höhe zu treiben.

    Und wir dachten wirklich, dass eines Tages die Cops unser Kinderzimmer stürmen und alle Kassetten einsacken. “Raubkopie! Alles mitnehmen!” Das waren Jugendsorgen in den 80ern und Früh-90ern, puh.

    Und das klingt jetzt vielleicht blöd, aber ich wenn ich son Plastik-Tonspeicher in der Hand halte bekomme ich fast schon Gänsehaut. Das fühlt sich irgendwie gut an. Also nicht so gut wie Vinyl, aber son Tape isch schon irgendwie schtylisch.

    Na ja, vielleicht kram ich mein hochklassiges Technics-Tapedeck raus und digitalisiere die oberen mal. Falls die Herren nix dagegen haben.

    P.S.: Eines Tages folgt sicherlich noch eine Hommage an die großartigen Soul Glow Tapes von Kollegen Thorsten und dessen Kollege Tom Bäuerle.

    P.S.S.: Eines Tages (2): Mein erster Walkman und ich. Wie wir uns auf dem Schulhof verliebten.

    Und hier noch eine schöne passende Graphik vom Krupa, hängt wohl so im Berliner Tape Club:

     
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    Mixtape

    mixtape

    Mann-o-Mann, die Geschichte ist so Web 2.0, da werd ich ganz wuschig: Über Facebook hab ich nen Link zu nem anderen Blog bekommen, wo MIXA vorgestellt wird, und bei Flickr kann man ein Bild seines eigenen Mixa hochladen.

    Mixa ist ein USB-Stick in der Form einer alten Musikkassette. Den Ansatz gibt es ja schon in verschiedenen Formen, ich hab mal von ner Firma eine Kassette mit integriertem mp3-Player bekommen, es gibt Adapter-Kassetten, um nen mp3-Player übers Kassettenradio anzuschließen, …

    Aber das finde ich doch sehr einleuchtend und simpel. Man kann auf der Website ein Design aussuchen, ein eigenes Bild hochladen und bekommt das Tape dann zugeschickt, bereit zum Bespielen mit der Playlist für die Liebste – und das Ganze kostet faire 20 Dollar.

    Ich hab die letzte Blütezeit analoger Mixtapes um die Jahrtausendwende noch live miterlebt – vom dritten Soul Glow Mixtape haben wir über Schulzritter tatsächlich fast 500 Stück verkauft *brustvorstolzschwell*

     
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