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    52 Albums/14:
    Franz Ferdinand “dto” by Nathalie

    Am 16. Jun 2009, 10:09 Uhr von martin

    franzferdinand-franzferdinand20042

    Diese Woche haben wir endlich mal wieder einen Gastbeitrag für unsere 52 Albums Rubrik. Nathalie Türk war ein halbes Jahr lang Praktikantin bei Sub Culture, studierte Politik, Soziologie und Deutsche Literatur, ist ein Indie-Mädchen durch und durch und dazu sehr schreibgewandt. Es folgt nun ein ausführliche Hommage an das erste FF Album, an Indie und was Indie, Röhrenjeans, FF und das Schocken miteinander zu tun haben.

    Weil das Southside naht und ich mich wie die Susie auf das Barbie-Traumhaus unterm Tannenbaum freue Franz Ferdinand endlich mal live zu sehen, zeichne ich heuer meine, zugegeben, sehr subjektive Sicht der Dinge über die Schotten, das Schocken und warum das für Indiemädchen in Stuttgart alles zusammenhängt.

    Indie gab`s für mich schon bevor der NME befohlen hatte, dass ungeachtet des Schenkelwadenbeinrelativs die Beine unisex in Röhrenjeans zu stecken sind. Indie gab`s für mich noch nicht als das noch hässliche Karottenjeans waren. Damals hörte man, wenn man was mit Gitarren anfangen konnte, noch Alternative und trug Schlag.

    Heute ist Indie das, was laut PR-Abteilung vom Schocken inzwischen in jeder Dönerbude läuft und was der geneigte Kessel.tv-Leser im Remix von Justice kennt oder mit Coldplay verwechselt.

    Indie kann gut mit Gitarre, muss aber nicht. Indie ist nicht Major Label, kann aber und dann ist es mit dem Indie eigentlich schon wieder vorbei (siehe Coldplay). Indie ist das, was ich antworte, wenn mich jemand nach meiner unaufgeräumten musikalischen Lieblingsschublade frägt.

    Das heute fast jeder aus dieser Schublade irgendwo schon mal gehört hat, ist mindestens die Mitschuld von Franz Ferdinand. Die hab ich eher zufällig das erste Mal auf MTV gehört, als noch Musikvideos zwischen der Klingeltonwerbung liefen.

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    Diese Woche haben wir endlich mal wieder einen Gastbeitrag für unsere 52 Albums Rubrik. Nathalie Türk war ein halbes Jahr lang Praktikantin bei Sub Culture, studierte Politik, Soziologie und Deutsche Literatur, ist ein Indie-Mädchen durch und durch und dazu sehr schreibgewandt. Es folgt nun ein ausführliche Hommage an das erste FF Album, an Indie und was Indie, Röhrenjeans, FF und das Schocken miteinander zu tun haben. Weil das Southside naht und ich mich wie die Susie auf das Barbie-Traumhaus unterm Tannenbaum freue Franz Ferdinand endlich mal live zu sehen, zeichne ich heuer meine, zugegeben, sehr subjektive Sicht der Dinge über die Schotten, das Schocken und warum das für Indiemädchen in Stuttgart alles zusammenhängt. Indie gab`s für mich schon bevor der NME befohlen hatte, dass ungeachtet des Schenkelwadenbeinrelativs die Beine unisex in Röhrenjeans zu stecken sind. Indie gab`s für mich noch nicht als das noch hässliche Karottenjeans waren. Damals hörte man, wenn man was mit Gitarren anfangen konnte, noch Alternative und trug Schlag. Heute ist Indie das, was laut PR-Abteilung vom Schocken inzwischen in jeder Dönerbude läuft und was der geneigte Kessel.tv-Leser im Remix von Justice kennt oder mit Coldplay verwechselt. Indie kann gut mit Gitarre, muss aber nicht. Indie ist nicht Major Label, kann aber und dann ist es mit dem Indie eigentlich schon wieder vorbei (siehe Coldplay). Indie ist das, was ich antworte, wenn mich jemand nach meiner unaufgeräumten musikalischen Lieblingsschublade frägt. Das heute fast jeder aus dieser Schublade irgendwo schon mal gehört hat, ist mindestens die Mitschuld von Franz Ferdinand. Die hab ich eher zufällig das erste Mal auf MTV gehört, als noch Musikvideos zwischen der Klingeltonwerbung liefen. Ich weiß noch, das die erste Single aus dem Album „Take me out“ von Patrice telegepromptert wurde. Irgendwie was mit genialem Tempo und Rhythmuswechsel und so. Recht hatte er, doch ich fand Patrice als VJ tendenziell schon immer scheiße und hätte es besser gefunden, wenn Kollege Kafka in hamma-wieder-was-gelernt-Manier den Job glaubwürdiger übernommen hätte. Wir kannten uns schließlich noch aus Vivazwei-Zeiten. Kavka hab ich übrigens damals fast zeitgleich, als Franz Ferdinand gerade durch die Decke ging, im Colibri gesehen. Gar nicht mal so groß, auch als DJ. Aber zurück zu diesem weltumstürzlerischen Hemdenträgern, die das Kunststück fertig brachten Gitarrenmusik für Mädchen tanzbar zu machen! Präzise auf den Punkt, kein Rumgeröhre und am besten alles gleichzeitig. Roxy Musics Glam, Joy Divisions Punk und Frühachtziger Disco-Minimalismus. Indie war jetzt nicht nur die perforierte Mucke auf studentisch angehauchten WG-Küchenpartys oder Meet in Greens, sondern plötzlich claubtauglich. Und offenbar auch stylisch, wobei mich die männliche Trocotronic-Armada dann doch auch manchmal etwas befremdet hat (Ist das jetzt ein linker oder ein rechter Autonomer?). Eigentlich haben die Strokes und andere The-Konsorten damit schon etwas vorher angefangen. Aber der erste war für mich immer der gute alte Franz Ferdinand. Schließlich hast du den ersten Weltkrieg verursacht, weil du dir es auch nach dem ersten missglückten Attentat auf dich nicht nehmen lassen hast, weiter staatsmännisch aus dem Auto zu winken. Genau hundert Jahre später kommst du zurück und holst dir deine verdienten Standing Ovations mit einem Debüt, das den Attentätern vom ersten bis zum letzten Track in die Beine schießt. Du hast Texte erfunden, die nicht viel Sinn machen („ich heiße Superfantastisch, ich trinke Schampus mit Lachsfisch“), aber die man trotzdem mitsingen möchte, du hast die Gallagher-Arschlochbande auf die Plätze verwiesen, du hast ein kleines Indiemädchen glücklich gemacht. Das war an Stuttgart immer das Problem gewesen. Entweder außerhalb zwischen langhaarigen Altrockern und barfüssigen Hippiebräuten bei der Halbe vom Fass die Opa-Adidastrainingsjacke huldigen oder der Kompromiss der Freundin zuliebe mit Soul, Funk und immer wieder denselben Classics Arschwackeln und warten bis man von so einer sensiblen Sau zum „sexual healing“-Paartanz aufgefordert wird. (Die Soulschwester bat mich zu erwähnen, dass die Soul Glow im Le Fonque doch ganz cool gewesen sei. Stimmt Süße, aber man muss in den Medien die Sache immer etwas zu hoch ansetzen, um das zu erreichen was man will. Das ist wie Handeln auf dem Basar.) Im Theo-Heuss-House bin ich nie heimisch geworden und  mit genuiner Bumm-Bumm-Musik, wie meine Mama das auch nennt (sie hält  dank der Tunnelszene mit Keith Flint übrigens The Prodigy für das Übelste was Bumm Bumm so kann), konnte ich noch nie richtig viel anfangen. Für HipHop und R`n`B fehlen mir die Ghettoerfahrung und der Respect vor BlingBling und Schöpfer. Um den Rhythmus von Reggae und Daanshall abwechslungsreich zu finden, kiffe ich wahrscheinlich zu wenig. Dann gab es Franz Ferdinand und andere Tanzkapellen wie Bloc Party, Maximo Park, Arcade Fire, The Yeah Yeah Yeahs, We are Scientists, Mando Diao, Kings of Leon et cetera folgten und marschierten in Stuggi-Mitte ein. Das Schocken und ich, wir waren damals wie die Werbung „Ich hab ja echt vieles probiert, aber seit ich..." …Danke für viele gute Indieclub-Abende und kleine Konzerte auf der kleinen Treppe links. Danke für die Glitzerwand, Ausdruckstanz, Liebeleien, gebrochene Herzen, viele viele bunte Buttons, Prinz Eisenherzfrisuren und Frauen die Flaschenbier trinken dürfen. Indie nach dem Hype. Franz Ferdinand hat jetzt doch einen Song an Apple verkauft und noch zwei ganz adrette Alben rausgehauen. Warum irgendjemand Rockabillys oder Hosenträger braucht, weiß ich immer noch nicht. New Rave hat kurzeitig alles neonisiert, New Wave langfristig alles noch etwas düsterer gemacht, Leggins sind die neuen Röhren und das Schocken und ich, wir haben uns auseinandergelebt. Einvernehmliche Trennung hab ich über meine Pressesprecher verlauten lassen, aber Günther Jauch hat so exklusiv investigativ nachgefragt. Hand aufs Herz, warum ist Ihre Beziehung gescheitert? Seit da eigentlich alles läuft – mal vom Schwitzkasten downstairs abgesehen - und manchmal besonders  fetzig peppig „shing a ling“ genannt wird, wenn zu sugar…oh honey honey bunny 60s Fetenhits gefeiert wurde, fühle ich mich nicht mehr in meinen Bedürfnissen ernst genommen. Mittlerweile bin ich also in jeder anderen Dönerbude mehr zuhause. Wissen sie Herr Jauch, ich spiel eigentlich alles ist kein Musikgeschmack und kriegt das Publikum, das es verdient, von dem ich bei meinen letzten nostalgischen Versöhnungsversuchen leider den Eindruck hatte, das es mit einem Sammelbus angekarrt wurde. Aber nichts für Ungut. Döner macht schöner.

     
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