• 30

    100g GPS

    In der heutigen Zeit muss man flexibel sein, auch als Metzger. Frische Lyoner, Schinkenwurst, Salami, Speck oder Fleischkäs´ sind zwar unverwüstlich, aber die Macht der Aldi-Lidl-Penny-Packungsmafia ist riesig. Da muss man neue Zielgruppen erschließen, denn die Alte geht öfters schon am Stock oder Rollator und stirbt halt dann bald.

    Und wie kann man besser junge Menschen erreichen, gerne auch Gutverdiener, denn beim Metzger flutschtfingert das Geld wie bei Moneyboy, wenn man neben der traditionellen Fleisch und Wurst oder Wurst und Fleisch auch moderne Produkte anbietet, die sie z.B. schon von ihrem Smartphone oder vielleicht von dem Navi aus dem Toom Baumarkt kennen?

    GPS in feinen Scheiben – 100g für 1.48 Euro, besonders die Männer fühlen sich da angesprochen und gehen ab sofort mit voller Passion zum Metzger. Zuvor kannten sie diese jahrhundertalte Einrichtung nur im Sommer, wenn er einmal im Jahr eine Grillparty organisieren muss. Der Bauch ist willig, aber der Geist ist schwach. Oder so. Mann und Fleisch. Ui, brauch meeehr! Floooooooooiiiiiiisch!

    Also greift er im Edeka zu dem unglaublich lecker aussehenden, grünmarinierten und luftdicht verschweißten Fleisch-Set, das seltsamerweise nicht mal im Kühlfach rumgammelt. An der Kasse fängt er sich langsam an etwas zu schämen, springt danach schnell rüber zum Metzger und holt noch zwei Alibi-Rindersteaks für seine guten Freunde, aber beim Preis von 7 Euro bekommt er einen Hungerast wie einst 1998 der Ulle, als der Pantini davon gezogen ist, bricht komplett ein, schleppt sich mit letzter Kraft wieder rüber zum Edeka und ergattert die letzten sieben lecker grünmarienierte und luftdicht verschweißte Fleisch-Sets.

    Diese Zeiten sind nun endgültig vorbei. Der GPS-Aufschnitt schärft seinen Qualitätsanspruch, und der Fleisch- und Wurst-Retailer seines Stadtteils ist sein neuer Hotspot: “Du Schatz, brauchen wir noch was vom Metzger? GPS ist schon wieder im Angebot, ich spring kurz rüber!” “Ja, bring doch noch zwei Kilo UMTS mit, können wir ja auch einfrieren!”

    Was viele nicht wussten: GPS ist das leckere Filetstück von hochgezüchteten argentinischen Maikäfern, die das ganze Jahr von Dreimaster-Leichtmatrosen massiert und anschließend mit Jetskis über den Atlantik transportiert werden. Gerade deswegen ist dieser Hammerpreis von der Metzgerei Häderle nicht zu toppen. Und wenn einer weiß was GPS wirklich sein soll, dann gibt Bildentdecker Neongrau direkt mal 100g aus. Hat er versprochen!

     
    30 Kommentare »
     
  • 15

    Finanzamt Kantine

    The Fressblog strikes back! Sind im neuen Büro immer noch in der Mittagstischeingroovephase und machen die letzten Wochen einen auf Christian Rach. Notfalls bauen wir für die Wirtschaft gleich die Speisekarte um, man kann uns buchen. RegioTV kommt auch mit.

    Neben der Museumsstube ging es schon zwei, drei Mal in das Restaurant vom Renitenztheater, kann mir den Namen von dem Italiener einfach nicht merken, schon ganz gut, etwas teurer und die Organisation manchmal verballert. Aber vielleicht müssen die sich auch noch eingrooven. Gegenüber ist ebenfalls ein Italiener, von dem ich ebenfalls immer den Name vergesse, der passt auch.

    Gestern mal wieder Event-Mittagessen. Die Kantine vom Finanzamt ist uns vom Büro oben drüber empfohlen worden. Preise wie kurz nach dem Krieg und solides Essen wurde uns versprochen. Das schauen wir uns doch glatt selbst an, außerdem springt vielleicht noch eine Studie über Finanzamt-Mitarbeiter ab.

    Die hat sich aber mehr oder weniger schon im Vorfeld erledigt, weil in der Finanzamt-Kantine gibt es nur bis um halb zwei warmes Futter. Nuff said, wie man früher gesagt hat. Anderer Lebensrhythmus. Da mussten wir gegen 13:15 Uhr ziemlich wetzen.

    Finanzamt-Kantine ist übrigens etwas lapidar formuliert, denn korrekterweise ist es die Rotebühl-Kantine, wie man oben sehen kann. Auch Menschen mit der Berufsbezeichnung Abi 96 sind herzlich willkommen.

    Kurze Anfahrtsbeschreibung: Rotebühlplatz, Stadtmitte, Fritz-Elsass-Straße hoch am Rotebühlzentrum vorbei, erste links zwischen Rotebühlzentrum und TG reinlaufen und dann nach hinten. Kommen sie mit dem Flugzeug, bitte die S2 oder S3 in Richtung Backnung oder Schorndorf bis zur S-Bahn-Haltestelle Stadtmitte nehmen.

    Und dann – wow! Da war ein Stararchitekt am Werk.

    Brunski meinte, würde man man über dieses Gebäude “Museum” schreiben, würden die Stuttgarter total verrückt am Rad drehen. Schnappatmung, Kollaps, Organismus. Feuilleton, Preise, Weltkulturerbe. Aber es ist halt doch nur die Finanzamtkantine. Verdammt zum Schattendasein auf alle Ewigkeit.

    Für alle Architektur-Fans eine Detailaufnahme der Dachkonstruktion.

    Zunächst benötigt man eine Gästekarte, die man im UG rauslassen kann.

    Gott sei dank ist auch beim Finanzamt der Euro angekommen. Wir also jeder fünf Euro eingeworfen, wird schon reichen für Preise kurz nach dem Krieg.

    In der Tat, die Preise für die einzelnen Speisen spielten sich im sehr niedrigen Euro-Bereich ab, für Gäste immer ein paar Cent mehr als für Mitarbeiter. So kostete ein Schälchen frischgepresste Kroketten-Bällchen 96 Cent, wie auch für eine Portion Nudeln. Stapelten uns also bissle Beilagen und eine Wurst mit viel Soße auf den Teller, i hate Soße, war aber zu langsam bei der Ausgabe dies anzumerken, und dann noch etwas Salat.

    An der Kasse dann die Blamage: Denn die von uns investierten fünf Euro gehen allein für das Pfand der Gästekarte drauf. Die muss man eigentlich hier voll machen:

    Also 20 Euro drauf gebucht. Toll. Nachdem wir endlich den Stau an der Kasse auflösen konnten und dabei schon farblich etwas aufgefallen sind zwischen den vielen Beige-,  Grau- und Schwarzgekleideten nahmen wir leicht verunsichert an einem der riesigen Tische Platz. Erst mal wieder Selbstbewusstsein tanken nach diesem Auftritt.

    Unser Essen sah übrigens so aus.

    Yummie! Okay, ging. War halt alles – zumindest geschmacklich – so Metropackungaufgerissenzeug, was zu dem Preis auch kaum wundert, aber irgendwie hatte man einen tollen Fernsehbericht von der Porsche- oder Trumpf-Kantine im Kopf – da werden noch Maultaschen selbst gemacht – und träumte davon, dass es hier vielleicht ähnlich ist. Die Maultaschen beim Finanzamt waren übrigens bei unserem Besuch schon aus, halb zwei halt.

    Unter dem Strich war ich ausnahmsweise schon froh, dass mein Teller mit Soße überschwemmt war, sonst wäre es doch eher fad gewesen. Ach, noch fader war übrigens der Salat, der im Vorfeld eigentlich recht prickelnd aussah. Aber klar, man hatte Hunger, wie der Nachbar sagt und konnte es schon verputzen.

    Muss jetzt auf jeden Fall nochmals hin, denn auf meiner Karte sind noch rund 8 Euro, die lässt man natürlich nicht schlecht werden. Sprich wir haben zu zweit für circa 12 Tacken gegessen, im Preis inklusive natürlich Hochtechnologie, die Tablett-Beförderungstechnik. Da könnte ich stundenlang zu schauen. Guten!

     
    15 Kommentare »
     
  • 5

    Pimp My Dönerbude

    Gerade mal zehn Tage weg gewesen, schon bläst die Lieblingsdönerbude in der Nachbarschaft zum Relaunch. Yayla in der Böblingerstraße. Alles so schön bunt hier. Jetzt mit heißen Pin-Up Fotos über der Auslage. “Gemischte Salat” steht glaub ich nicht mehr auf der Karte.

    Ich geh da gerne hin. Da reden die Leute nämlich noch anständig aneinander vorbei.

    “Scharf oder nicht?”
    “Ja”
    “Was ‘Ja’?!”
    “JA, zum Mitnehmen.”

    Ich kenne auch keine andere Dönerbude in der man hustet und ein alter türkischer Mann einem irgendwelche Kräuter in die Hand drückt und sagt: “Kauen. Dann ist’s besser”.

     
    5 Kommentare »
     
  • 6

    Metzgerkalender 2011

    Passend zu ARD-Themenwoche ”Essen ist Leben” - bislang meist überaus interessante Beiträge dabei, gestern Abend bekam man unter anderem einen Einblick in die Kantinen von Porsche und Trumpf – etwas Erodigg für alle Vegetarierinnen am frühen Morgen. Meine Damen, wir wissen, dass Sie schon sehnsüchtig darauf warten, nun ist er endlich da, der Metzgerkalender 2011!

    (Alle Bilder von Atelier Kämpf)

    Die Aktion hat durchaus einen ernsten Hintergrund, wie die Initiatorin Angelika Ziegler, Leiterin der Fleischerinnung Nürnberg, der Welt letzte Woche erklärt hat.

    Immer weniger Betriebe seien in ihrer Innung, heute 75 anstatt vor zehn Jahren noch 100. Tendenz weiter sinkend, deutschlandweit. Der Grund: Immer Menschen kaufen (abgepacktes) Fleisch beim Supermarkt oder Discounter anstatt beim Fachhändler. „Dabei kann ich nur immer wieder daran appellieren, weniger Fleisch zu essen, dafür aber mehr auf die Qualität zu achten“, sagt Frau Ziegler.

    Recht hat sie. Den Unterschied schmeck sogar ich. Den Erotikfaktor des Kalenders müssen allerdings Sie selbst bestimmen. “Flotte Bäuerinnen als Filmstars” im selben Welt-Artikel gefällt mir jetzt persönlich etwas besser.

    ARD Themenwoche Essen ist Leben

     
    6 Kommentare »
     
  • 8

    Cordon Bleu im Alpenrausch

    War letzte Woche in Südtirol. Genauer gesagt bei Meran aka Merano im schönen Passeiertal. Kann ich uneingeschränkt empfehlen. Einzige Urlaubs-Alternative waren wie bereits gesagt die Summerclosing auf Ibiza… nein!

    Im Urlaub sammelt man gerne neue Erfahrung und lernt eventuell sogar noch was dazu. Zum einen kann wandern, für mich völlig unerwartet, attraktiv und richtig sportlich sein. Zumindest wenn man aufsteigt bzw. hochgeht (klettern fange ich als nicht ganz schwindelfreier Mensch definitiv nicht mehr an in diesem Leben) pumpt ordentlich die Düse.

    Wenn man es von 1400 auf 2300 Meter geschafft hat, davon ein nicht unerheblicher Anteil Hasenbergsteige plus X-Prozent-Steigung, fühlt man sich oben angekommen leicht kingig. Zur weiteren Selbstbefriedung hab ich gerne auf das GPS meines Handys geglotzt. 2100… 2200… 2300… Brotzeit! Veschper! Aufschnitt! Schlachtplatte! Apfelstrudel! Allerdings muss ich sagen, dass runter doch ziemlich auf die Gelenke geht und der Sessellift manchmal angenehmer gewesen wäre.

    Meine letzten Wanderungen lagen mit Eltern über 20 Jahre zurück, waren alles andere als cool und geprägt von Motzerei. Muss ich da mit? Müssen wir da hoch? Wann machen wir Pause? Wann sind wir wieder im Hotel? Wann gehen wir zum Badesee? War bestimmt nicht ganz unanstrengend, so für Mama und Papa. Sorry.

    Wurde man mit 12 noch abends mit einem Micky-Mouse-Teller belohnt, gönnt man sich heutzutage gerne Alkohol nach dem Sport. Gelernt, Teil 2: Der Aperol Sprizz, trotz heftigen Diskreditierungen („Weiber-Getränk!“) auch im Jahr 2010 mein absoluter Lieblingserfrischer, heißt eigentlich Veneziano, stammt tatsächlich aus Venedig und wird vor allem in Südtirol massig gesüffelt.

    Ungeklärt war für mich ebenfalls bis letzte Woche die Herkunft des guten alten Cordon Bleus. Gabs einmal abends zum Essen und sofort kam dabei wieder die Frage nach der Entstehungsgeschichte auf, die mich schon länger quält.

    Erster Gedanke, klar: Aus Frankreich. Aber wenn man es sich genau überlegt – und ohne Wiki-Plugin beim Abendessen hockt – kann das eigentlich gar nicht sein: Irgendwie zu plump für die französische Küche.

    Read more »

     
    8 Kommentare »
     
  • 7

    Laktoseintoleranz

    YouTube Preview Image

    Der Comedian Nils Heinrich war mir bis gerade eben absolut nicht geläufig, hat mehrere Preise bekommen und hat es vor vier Jahren aus dem Norden nach Stuttgart verschlagen.

    Den Clip zu seiner Nummer “Laktoseintoleranz” hat er in der Mercedes-Straße (Cannstatt) gedreht. Amüsant, wenn ich auch Gott sei Dank selbst nicht unter der angesprochenen Problematik leide.

     
    7 Kommentare »
     
  • 49

    Erster Cupcake-Laden in Stuttgart

    Der Über-Ober-Mega-Trend Cupcakes erobert jetzt auch die Stuttgarter Innestadt. Zwischen Currywurst, Bordell und Reformhaus gibt’s seit letzter Woche in der Hirschstraße einen eigenen Laden für die kleinen Küchle: die Cupcake Boutique von Vanessa Forcelli. Neben Kaffee, Tee, Fingerfood, Wraps und anderen Snacks gibt es eben vor allem Cupcakes.

    Die kleinen Kuchen verdanken ihren Namen der tassenartigen Form, in der sie gebacken werden. Auf den ersten Blick sehen Cupcakes ein wenig aus wie Muffins.

    Der Teig ist jedoch ein ganz anderer: lockerer und wesentlich süßer. Auf den Cupcakes thront in der Regel eine dicke Buttercremekrone und je nach Geschmacksrichtung eine Deko aus Frucht, Streuseln oder Marzipan.

    Die kleinen Kuchen liegen bei 3-4 Euro an. Keine Frage, ne Schneckennudel ist billiger und so hat der Preis beim Mädchenflohmarkt auch hier und da zu einiger Kritik geführt.

    Für die Cupcake-Fans gehört der exquisite Preis dazu. In Zeiten von Size Zero werden kleine Kuchensünden zelebriert wie ein Lifestyle-Statement. So süß, wie die Kuchen sind, bleibt’s automatisch bei einzelnen, wohldurchdachten Genüssen.

    Ich kann mir nicht vorstellen, so etwas jeden Tag zu essen. Stehe der Sache noch skeptisch gegenüber. Aber als Geschenk sind die Kuchen auf jeden Fall putzig und – da gibt’s einfach gar nix – der Laden IST SOOO SCHÖN! So muss Barbie’s Wohnzimmer aussehen. Ich liebe es.

    Werde heute Mittag gleich mal zum Mittagessen hinpilgern. Vielleicht kann mich der Laden doch noch überzeugen. Ich hätte da mal ein paar Menü-Vorschläge:

    Mädelsabend-Basic:
    4 Cupcakes + Flasche Champus

    Frust-Shopping-Menü:
    1 Cupcake + 1 Muffin + Extra großer Kaffee

    Ladies-Lunch:
    1 Wrap/Salat + stilles Wasser (muss ja die Kalorien ausgleichen) + 1 Cupcakes

    Der-Eurokurs-verdierbt-mir-den-Shopping-Tripp-in-New-York-Menü:
    2 Cheescake-Muffins + extra smoothen Tee für die Nerven

     
    49 Kommentare »