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    Die Martha abchecken

    Am 17. Jan 2012, 13:30 Uhr von martin

    Mal was essen. Haben wir schon paar Monate nicht mehr und sind schlank wie der Bär zu seinen besten Zeiten. Hab neulich mal wieder Mittagspausenstreunerei gemacht, wusste nicht so recht, wohin und was überhaupt in meinen Magen soll. Mal was anderes, bitte nicht zu schwer, muss noch mittags einiges erledigen (Solitaire spielen, Büroklammern zählen, Techno hören, Dennis volllabern, mit dem geilen Chris rauchen), da sollte man nicht zu schwer vorher essen.

    Kam mir die Martha im Königsbau in den Sinn (mit freundlicher Erinnerung vom Sub Culture Prakti Schaber von der weltberühmten Inschdändon Crew). Die haben uns mal vor ein paar Monaten schon angeschrieben, glaub war so Spätsommer 2011, ob wir nicht mal, ähm, genau, darüber was bringen können!

    Als alter etablierter Gastrokritiker von Weltrang (“schmeckt voll lecker”, “voll gemütlich hier”, “total urig eingerichtet”, “die können echt gut kochen”, “flotter Service”, “gut gewürzt”), seit Jahren SGA-proofed, weiß ich natürlich, dass man da erst was bringen kann, wenn man da mal dort was gegessen hat.

    Die Martha ist, wie man schon sieht, halt ein kleiner Imbiss mit ein paar Stehplätzen und Barhockern, der sich Qualität auf die Fahnen schreibt, “ohne Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker” und so. Im Flyer steht noch “regionale Verankerung, Nachhaltigkeit und höchste Qualität”.

    Ach, so mal an alle (Texter): Ich kann das Wort nachhaltig ums Verrecken nicht mehr hören. Garantiert eine super Sache, diese Nachhaltigkeit, aber da brauchen wir langsam mal ein neues Wort und ob wirklich alles so nachhaltig ist, weiß ich auch nicht.

    Soll aber jetzt nicht das Thema sein. Die Spezialität von der Martha sind die Würste, laut Broschüre vom “Schwäbisch Hällischen Landschwein, frisch und traditionell zubereitet, vom Grill oder aus dem heißen Wasser.” Dazu halt a Weckle, Pommes und selbst gemachte Currysauce.

    War an dem Tag aber nicht ganz unten mit dem Schwäbisch Hällischen Landschwein, also hab ich zum vegetarischen Flammkuchen für, ähm, 7,40 Euro, gegriffen. Gibts noch in mehr Varianten und auch in süss. Sieht ungefähr so aus. Also so. So sieht ein Flammkuchen aus. Unglaublich.

    Übrigens neues Betätigungsfeld 2012: Food-Fotograf. Wer mich buchen will, bitte Email an meine Agentur.

    Der war – Achtung – wirklich sehr lecker und auch voll gut gewürzt (Sabrina fliegt bestimmt gleich vom Stuhl, schon wieder alles verlernt was sie mir beigebracht hat). Konnte man auch mit Extra-Käse bestellen. Hab aber die ganze Zeit überlegt, ob 7,40 Euro viel sind für einen Flammkuchen oder nicht. Aber wie beim Ausgehen: Wenn der Inhalt gut ist und ohne den ganzen Glumbatsch drin, passt das bestimmt. Sättigt eigentlich auch ganz okay, war fit genug um danach das Büro zu stressen.

    So. Und jetzt geh ich zum Brunnenwirt mit Joe Bauer Currwurst essen. Beim nächsten Mal Wurst bei der Martha.

    www.marthas-stuttgart.de 

    Mal was essen. Haben wir schon paar Monate nicht mehr und sind schlank wie der Bär zu seinen besten Zeiten. Hab neulich mal wieder Mittagspausenstreunerei gemacht, wusste nicht so recht, wohin und was überhaupt in meinen Magen soll. Mal was anderes, bitte nicht zu schwer, muss noch mittags einiges erledigen (Solitaire spielen, Büroklammern zählen, Techno hören, Dennis volllabern, mit dem geilen Chris rauchen), da sollte man nicht zu schwer vorher essen. Kam mir die Martha im Königsbau in den Sinn (mit freundlicher Erinnerung vom Sub Culture Prakti Schaber von der weltberühmten Inschdändon Crew). Die haben uns mal vor ein paar Monaten schon angeschrieben, glaub war so Spätsommer 2011, ob wir nicht mal, ähm, genau, darüber was bringen können! Als alter etablierter Gastrokritiker von Weltrang ("schmeckt voll lecker", "voll gemütlich hier", "total urig eingerichtet", "die können echt gut kochen", "flotter Service", "gut gewürzt"), seit Jahren SGA-proofed, weiß ich natürlich, dass man da erst was bringen kann, wenn man da mal dort was gegessen hat. Die Martha ist, wie man schon sieht, halt ein kleiner Imbiss mit ein paar Stehplätzen und Barhockern, der sich Qualität auf die Fahnen schreibt, "ohne Zusatzstoffe und Geschmacksverstärker" und so. Im Flyer steht noch "regionale Verankerung, Nachhaltigkeit und höchste Qualität". Ach, so mal an alle (Texter): Ich kann das Wort nachhaltig ums Verrecken nicht mehr hören. Garantiert eine super Sache, diese Nachhaltigkeit, aber da brauchen wir langsam mal ein neues Wort und ob wirklich alles so nachhaltig ist, weiß ich auch nicht. Soll aber jetzt nicht das Thema sein. Die Spezialität von der Martha sind die Würste, laut Broschüre vom "Schwäbisch Hällischen Landschwein, frisch und traditionell zubereitet, vom Grill oder aus dem heißen Wasser." Dazu halt a Weckle, Pommes und selbst gemachte Currysauce. War an dem Tag aber nicht ganz unten mit dem Schwäbisch Hällischen Landschwein, also hab ich zum vegetarischen Flammkuchen für, ähm, 7,40 Euro, gegriffen. Gibts noch in mehr Varianten und auch in süss. Sieht ungefähr so aus. Also so. So sieht ein Flammkuchen aus. Unglaublich. Übrigens neues Betätigungsfeld 2012: Food-Fotograf. Wer mich buchen will, bitte Email an meine Agentur. Der war - Achtung - wirklich sehr lecker und auch voll gut gewürzt (Sabrina fliegt bestimmt gleich vom Stuhl, schon wieder alles verlernt was sie mir beigebracht hat). Konnte man auch mit Extra-Käse bestellen. Hab aber die ganze Zeit überlegt, ob 7,40 Euro viel sind für einen Flammkuchen oder nicht. Aber wie beim Ausgehen: Wenn der Inhalt gut ist und ohne den ganzen Glumbatsch drin, passt das bestimmt. Sättigt eigentlich auch ganz okay, war fit genug um danach das Büro zu stressen. So. Und jetzt geh ich zum Brunnenwirt mit Joe Bauer Currwurst essen. Beim nächsten Mal Wurst bei der Martha. www.marthas-stuttgart.de 

     
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  • 9

    Mahlzeit, Satan

    Am 12. Mai 2011, 14:30 Uhr von Setzer

    YouTube Preview Image

    Voll Hunger. Zum Glück hat MitbewohnOmatic tierisch was drauf am Herd. Vom spitzenmäßigen Outfit will ich ja gar nicht erst anfangen. Ich so: “Wurst & Fleisch?”, er so: “Muuuhhaaallggrroowwllsllsllslllllaaarrrggghhhh.” Konversation ist das halbe Leben, den Rest hab’ ich vergessen. Mahlzeit.

    [youtube]http://www.youtube.com/watch?v=CeZlih4DDNg[/youtube] Voll Hunger. Zum Glück hat MitbewohnOmatic tierisch was drauf am Herd. Vom spitzenmäßigen Outfit will ich ja gar nicht erst anfangen. Ich so: "Wurst & Fleisch?", er so: "Muuuhhaaallggrroowwllsllsllslllllaaarrrggghhhh." Konversation ist das halbe Leben, den Rest hab' ich vergessen. Mahlzeit.

     
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  • 7

    Die Fleischgeige

    Am 10. Mai 2011, 12:13 Uhr von martin

    …nicht zu verwechseln mit der Fleischpeitsche vom Holger. Passend zur Mittagspause heute: “Verstörende Schinken-Werbung aus der Markthalle.”

    Das arme Kind. Oder der arme Schinken. Mahlzeit. Danke Niko.

    ...nicht zu verwechseln mit der Fleischpeitsche vom Holger. Passend zur Mittagspause heute: "Verstörende Schinken-Werbung aus der Markthalle." Das arme Kind. Oder der arme Schinken. Mahlzeit. Danke Niko.

     
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  • 30

    Schräglage Meals & More –
    Eröffnung am Freitag

    Am 27. Apr 2011, 09:05 Uhr von martin

    (Wenn der Vorhang fällt, sieh…)

    Endlich! Endlich ist es soweit! (Artikel darüber, dass man mit diesen Worten nie und nimmer einen Text beginnen darf, fast so schlimm wie “mickrige Pimmel werfen kleine Eicheln voraus”, folgt in Kürze). Also, zweiter Versuch: Falls ich jemals einen Laden aufmachen würde, gäbe es da Fruchtzwerge. Zum Mischen. Einmal den Löffel in Banane reinstecken und dann mit dem Bananen-Häufchen in den Erdbeerkübel. Ist eh alles der gleiche Glumbatsch, aber schmeckt lecker. Hol mir gleich nochmals zwei Eimer.

    Ob es im neuen Schräglage Gastronomie-Betrieb “Meals & More”, Eröffnung diesen Freitag, 29. April, Fruchtzwerge-Bottiche gemischt werden stand nicht in der Pressemitteilung. Da standen eher so Sätze wie: “Der Mensch soll im neuen Schräglage Restaurant nicht einfach nur die Befriedigung seines Hungers finden, er soll ein Gefühl der Erholung und der guten Laune mit nach Hause nehmen.”

    Gute Laune kennt man noch vom SL-Club und die Erholung von der dazugehörigen Dachterrasse. Bis der neue Club kommt, und er kommt bestimmt,  zwar im September, so der Plan, zieht also Minimum noch ein Sommer am Wilhelmsplatz vorbei, wo die SL-Mannen zwischen Noodle1 und dem Pomodoro-Dingens in einem Interieur aus “bekannten Boardsportmaterialien wie Beton, Vollholz, laminiertes Foam und Neopren” ab sofort ihr Essens-Lebensgefühl vermitteln. Sind gerade noch schwer am Schaffen, wie immer halt, vor einer Eröffnung.

    “Nach künstlichen Steinwänden oder Fußbodenimitationen sucht man hier verzweifelt.” Gibt auch keine sechs offenen Champagner-Sorten, wovon 5/6 pro Flasche jeden Abend den Gulli runterfließen.

    “Fusion Kitchen” heißt im Meals & More das Zauberwort, “es ist das zwanglose Zusammenspiel von verschiedenen internationalen Küchen in nur einem Gericht”. Andere sagen dazu auch Burger, den kennt man noch von der Dachterrasse. Gibt natürlich noch mehr, wie Baguettes oder andere Fleisch- und Fisch-Gerichte, außerdem nen Mittagstisch. Dazu ne solide Weinkarte, wer will auch schon mittags, je nach Berufung, und Cocktails und Longdrinks. Ey isch doch dasselbe, Cocktail und Longdrink. Nee.

    Schräglage Meals & More, Wilhelmsplatz

    Eröffnung Freitag, 29. April ab 18:00 Uhr

    Öffnungszeiten Mo bis Sa ab 11:00 Uhr, So ab 14:00 Uhr

    Mittagessen Mo bis Sa 12:00 bis 14:00 Uhr

    www.schraeglage.tv

    (Wenn der Vorhang fällt, sieh...) Endlich! Endlich ist es soweit! (Artikel darüber, dass man mit diesen Worten nie und nimmer einen Text beginnen darf, fast so schlimm wie "mickrige Pimmel werfen kleine Eicheln voraus", folgt in Kürze). Also, zweiter Versuch: Falls ich jemals einen Laden aufmachen würde, gäbe es da Fruchtzwerge. Zum Mischen. Einmal den Löffel in Banane reinstecken und dann mit dem Bananen-Häufchen in den Erdbeerkübel. Ist eh alles der gleiche Glumbatsch, aber schmeckt lecker. Hol mir gleich nochmals zwei Eimer. Ob es im neuen Schräglage Gastronomie-Betrieb "Meals & More", Eröffnung diesen Freitag, 29. April, Fruchtzwerge-Bottiche gemischt werden stand nicht in der Pressemitteilung. Da standen eher so Sätze wie: "Der Mensch soll im neuen Schräglage Restaurant nicht einfach nur die Befriedigung seines Hungers finden, er soll ein Gefühl der Erholung und der guten Laune mit nach Hause nehmen." Gute Laune kennt man noch vom SL-Club und die Erholung von der dazugehörigen Dachterrasse. Bis der neue Club kommt, und er kommt bestimmt,  zwar im September, so der Plan, zieht also Minimum noch ein Sommer am Wilhelmsplatz vorbei, wo die SL-Mannen zwischen Noodle1 und dem Pomodoro-Dingens in einem Interieur aus "bekannten Boardsportmaterialien wie Beton, Vollholz, laminiertes Foam und Neopren" ab sofort ihr Essens-Lebensgefühl vermitteln. Sind gerade noch schwer am Schaffen, wie immer halt, vor einer Eröffnung. "Nach künstlichen Steinwänden oder Fußbodenimitationen sucht man hier verzweifelt." Gibt auch keine sechs offenen Champagner-Sorten, wovon 5/6 pro Flasche jeden Abend den Gulli runterfließen. "Fusion Kitchen" heißt im Meals & More das Zauberwort, "es ist das zwanglose Zusammenspiel von verschiedenen internationalen Küchen in nur einem Gericht". Andere sagen dazu auch Burger, den kennt man noch von der Dachterrasse. Gibt natürlich noch mehr, wie Baguettes oder andere Fleisch- und Fisch-Gerichte, außerdem nen Mittagstisch. Dazu ne solide Weinkarte, wer will auch schon mittags, je nach Berufung, und Cocktails und Longdrinks. Ey isch doch dasselbe, Cocktail und Longdrink. Nee. Schräglage Meals & More, Wilhelmsplatz Eröffnung Freitag, 29. April ab 18:00 Uhr Öffnungszeiten Mo bis Sa ab 11:00 Uhr, So ab 14:00 Uhr Mittagessen Mo bis Sa 12:00 bis 14:00 Uhr www.schraeglage.tv

     
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  • 38

    Zu Gast bei Frieder oder
    Der Imbiss des Grauens

    Am 14. Apr 2011, 14:00 Uhr von Thorsten W.

    Der Außenreporter behauptet ja immer, dass er da hingeht, wo es weh tut. Und dann schreibt er von “Leberpasteten-Lollis, Erdbeere gefühlt mit Leberdingens und zwischendrin ein scharfes Thai-Süppchen”. Alter! Ich war letzte Woche wirklich dort, wo’s weh tut, und ich weiß bis heute nicht, was uns geritten hat.

    Kurz zur Vorgeschichte: Ein paar (männliche) Kollegen und ich waren am Olgaeck und waren etwas unschlüssig, was wir zu Mittag essen sollten. Im ehemaligen Subway (der eher mau besucht war – die Angestellten sind erschrocken, wenn man reingekommen ist, hat Kollege Geiger neulich völlig richtig festgestellt) hat etwas Neues aufgemacht, und ich hatte mich bis dahin nie auch nur in die Nähe des Eingangs getraut.

    Denn schon von außen sieht das Ding, das wohl Frieder’s Schnellrestaurant heißt, so einladend aus wie das Dekolleté von Angela Merkel. Und kaum ist man eingetreten, erwartet einen die gelb-rote Vorhölle zum finalen Fastfood-Kollaps.

    Wären wir in einem Roadmovie, die einheimischen Rednecks würden sich umdrehen und uns Fremde argwöhnisch beäugen. Wir sind aber nicht in einem Roadmovie, und an den Tischen sitzt niemand. Zum ersten Mal packt mich kurz ein Fluchtreflex, aber die Kollegen nötigen mich bis zur Theke. Und da ist es endgültig aus mit mir.

    In der weitläufigen Kühltheke wartet in diversen Eimerchen und Plastikdöschen der Rohstoff dafür, was hier als Essen verkauft wird. Und in ungegartem Zustand sieht das ungefähr so appetitlich, gesund und lecker aus wie die Dekoäpfel bei Ikea.

    Angeboten werden Fingerfood, Nudeln, Pizzen, Salate, Sandwiches, süße Teilchen und Getränke. Hinter der Theke stehen zwei Angestellte, ein Schnell-Pizzaofen und eine Mikrowelle. Und die alten Subway-Mülleimer, auf denen jetzt Essen zubereitet wird. Eine Küche gibt es nicht.

    Ein Kollege bestellt Fleisch mit irgendwas, der andere Salat mit Fleisch, ich frage ein letztes Mal verzweifelt, ob wir hier wirklich das Richtige tun, und bestelle Salat mit Maultaschen. Als ob man dabei nix falsch machen könnte. Zumindest bereitet die emsige Mitarbeiterin das Essen zügig zu. Auch keine Kunst.

    Denn als ich gerade zahle höre ich ein Geräusch, das mich nicht mal mehr überrascht: “Ssssssssssssssssss-bing!” Essen fertig! Ich betrachte meine üppig befüllte Schale: 200g Edeka-Salatmix, 99 Cent, Flasche Salatsoße, 99 Cent, halbe Packung Bürger Maultaschen, 60 Cent, 2 (hoffentlich) selber geschnittene Scheiben Fleischtomaten – unbezahlbar.

    Erst am Tisch fällt mir auf, dass die Maultaschen nicht etwa gebraten, sondern nur, ähm, warm gemacht sind. Also, nur zur Sicherheit: Die Maultaschen sind, wie man sieht, nicht gebraten, sondern warm gemacht. Und meine Gabel ist verschmutzt, was der junge Mann an der Kasse erst nach eingehender Sichtprüfung glaubt und dann nur widerwillig eine neue herausgibt.

    Ein Blick auf meine leidenden Kollegen zeigt: Dr Hunger treibt’s nei, dr Geiz bhält’s drin. Wir schaffen es tatsächlich, den Fraß runterzuwürgen, ich weise meinen Kollegen lieber nicht darauf hin, dass sein Fleisch wahrscheinlich noch nie eine Kuh von innen gesehen hat. Vom Nebentisch gucken zwei Schülerinnen verzweifelt und ungläubig herüber und lassen ihre Teller mit Nudeln fast unangetastet stehen.

    Am nächsten Tag landet ein Prospekt von Frieder bei uns im Büro, auf dem steht “Abbildungen ähnlich! Es besteht kein Rechtsanspruch.” Der Zusatz “…auf genießbares Essen” fehlt leider.

    Der Außenreporter behauptet ja immer, dass er da hingeht, wo es weh tut. Und dann schreibt er von "Leberpasteten-Lollis, Erdbeere gefühlt mit Leberdingens und zwischendrin ein scharfes Thai-Süppchen". Alter! Ich war letzte Woche wirklich dort, wo's weh tut, und ich weiß bis heute nicht, was uns geritten hat. Kurz zur Vorgeschichte: Ein paar (männliche) Kollegen und ich waren am Olgaeck und waren etwas unschlüssig, was wir zu Mittag essen sollten. Im ehemaligen Subway (der eher mau besucht war - die Angestellten sind erschrocken, wenn man reingekommen ist, hat Kollege Geiger neulich völlig richtig festgestellt) hat etwas Neues aufgemacht, und ich hatte mich bis dahin nie auch nur in die Nähe des Eingangs getraut. Denn schon von außen sieht das Ding, das wohl Frieder's Schnellrestaurant heißt, so einladend aus wie das Dekolleté von Angela Merkel. Und kaum ist man eingetreten, erwartet einen die gelb-rote Vorhölle zum finalen Fastfood-Kollaps. Wären wir in einem Roadmovie, die einheimischen Rednecks würden sich umdrehen und uns Fremde argwöhnisch beäugen. Wir sind aber nicht in einem Roadmovie, und an den Tischen sitzt niemand. Zum ersten Mal packt mich kurz ein Fluchtreflex, aber die Kollegen nötigen mich bis zur Theke. Und da ist es endgültig aus mit mir. In der weitläufigen Kühltheke wartet in diversen Eimerchen und Plastikdöschen der Rohstoff dafür, was hier als Essen verkauft wird. Und in ungegartem Zustand sieht das ungefähr so appetitlich, gesund und lecker aus wie die Dekoäpfel bei Ikea. Angeboten werden Fingerfood, Nudeln, Pizzen, Salate, Sandwiches, süße Teilchen und Getränke. Hinter der Theke stehen zwei Angestellte, ein Schnell-Pizzaofen und eine Mikrowelle. Und die alten Subway-Mülleimer, auf denen jetzt Essen zubereitet wird. Eine Küche gibt es nicht. Ein Kollege bestellt Fleisch mit irgendwas, der andere Salat mit Fleisch, ich frage ein letztes Mal verzweifelt, ob wir hier wirklich das Richtige tun, und bestelle Salat mit Maultaschen. Als ob man dabei nix falsch machen könnte. Zumindest bereitet die emsige Mitarbeiterin das Essen zügig zu. Auch keine Kunst. Denn als ich gerade zahle höre ich ein Geräusch, das mich nicht mal mehr überrascht: "Ssssssssssssssssss-bing!" Essen fertig! Ich betrachte meine üppig befüllte Schale: 200g Edeka-Salatmix, 99 Cent, Flasche Salatsoße, 99 Cent, halbe Packung Bürger Maultaschen, 60 Cent, 2 (hoffentlich) selber geschnittene Scheiben Fleischtomaten – unbezahlbar. Erst am Tisch fällt mir auf, dass die Maultaschen nicht etwa gebraten, sondern nur, ähm, warm gemacht sind. Also, nur zur Sicherheit: Die Maultaschen sind, wie man sieht, nicht gebraten, sondern warm gemacht. Und meine Gabel ist verschmutzt, was der junge Mann an der Kasse erst nach eingehender Sichtprüfung glaubt und dann nur widerwillig eine neue herausgibt. Ein Blick auf meine leidenden Kollegen zeigt: Dr Hunger treibt's nei, dr Geiz bhält's drin. Wir schaffen es tatsächlich, den Fraß runterzuwürgen, ich weise meinen Kollegen lieber nicht darauf hin, dass sein Fleisch wahrscheinlich noch nie eine Kuh von innen gesehen hat. Vom Nebentisch gucken zwei Schülerinnen verzweifelt und ungläubig herüber und lassen ihre Teller mit Nudeln fast unangetastet stehen. Am nächsten Tag landet ein Prospekt von Frieder bei uns im Büro, auf dem steht "Abbildungen ähnlich! Es besteht kein Rechtsanspruch." Der Zusatz "...auf genießbares Essen" fehlt leider.

     
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  • 34

    Terry in Stuttgart

    Am 14. Apr 2011, 09:00 Uhr von Thorsten W.

    Alter, was für ein Leben. Gestern mit Kate Moss kuscheln, heute in Stuttgart Spätzle essen. Terry Richardson ist ein ziemlich bekannter Fotograf, vor allem für seine recht provokanten Motive für Sisley. Am Wochenende war er auf jeden Fall in Stuttgart, hat hier tolle Sachen erlebt und berichtet darüber in seinem Blog.

    Alter, was für ein Leben. Gestern mit Kate Moss kuscheln, heute in Stuttgart Spätzle essen. Terry Richardson ist ein ziemlich bekannter Fotograf, vor allem für seine recht provokanten Motive für Sisley. Am Wochenende war er auf jeden Fall in Stuttgart, hat hier tolle Sachen erlebt und berichtet darüber in seinem Blog.

     
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  • 30

    100g GPS

    Am 22. Feb 2011, 14:34 Uhr von martin

    In der heutigen Zeit muss man flexibel sein, auch als Metzger. Frische Lyoner, Schinkenwurst, Salami, Speck oder Fleischkäs´ sind zwar unverwüstlich, aber die Macht der Aldi-Lidl-Penny-Packungsmafia ist riesig. Da muss man neue Zielgruppen erschließen, denn die Alte geht öfters schon am Stock oder Rollator und stirbt halt dann bald.

    Und wie kann man besser junge Menschen erreichen, gerne auch Gutverdiener, denn beim Metzger flutschtfingert das Geld wie bei Moneyboy, wenn man neben der traditionellen Fleisch und Wurst oder Wurst und Fleisch auch moderne Produkte anbietet, die sie z.B. schon von ihrem Smartphone oder vielleicht von dem Navi aus dem Toom Baumarkt kennen?

    GPS in feinen Scheiben – 100g für 1.48 Euro, besonders die Männer fühlen sich da angesprochen und gehen ab sofort mit voller Passion zum Metzger. Zuvor kannten sie diese jahrhundertalte Einrichtung nur im Sommer, wenn er einmal im Jahr eine Grillparty organisieren muss. Der Bauch ist willig, aber der Geist ist schwach. Oder so. Mann und Fleisch. Ui, brauch meeehr! Floooooooooiiiiiiisch!

    Also greift er im Edeka zu dem unglaublich lecker aussehenden, grünmarinierten und luftdicht verschweißten Fleisch-Set, das seltsamerweise nicht mal im Kühlfach rumgammelt. An der Kasse fängt er sich langsam an etwas zu schämen, springt danach schnell rüber zum Metzger und holt noch zwei Alibi-Rindersteaks für seine guten Freunde, aber beim Preis von 7 Euro bekommt er einen Hungerast wie einst 1998 der Ulle, als der Pantini davon gezogen ist, bricht komplett ein, schleppt sich mit letzter Kraft wieder rüber zum Edeka und ergattert die letzten sieben lecker grünmarienierte und luftdicht verschweißte Fleisch-Sets.

    Diese Zeiten sind nun endgültig vorbei. Der GPS-Aufschnitt schärft seinen Qualitätsanspruch, und der Fleisch- und Wurst-Retailer seines Stadtteils ist sein neuer Hotspot: “Du Schatz, brauchen wir noch was vom Metzger? GPS ist schon wieder im Angebot, ich spring kurz rüber!” “Ja, bring doch noch zwei Kilo UMTS mit, können wir ja auch einfrieren!”

    Was viele nicht wussten: GPS ist das leckere Filetstück von hochgezüchteten argentinischen Maikäfern, die das ganze Jahr von Dreimaster-Leichtmatrosen massiert und anschließend mit Jetskis über den Atlantik transportiert werden. Gerade deswegen ist dieser Hammerpreis von der Metzgerei Häderle nicht zu toppen. Und wenn einer weiß was GPS wirklich sein soll, dann gibt Bildentdecker Neongrau direkt mal 100g aus. Hat er versprochen!

    In der heutigen Zeit muss man flexibel sein, auch als Metzger. Frische Lyoner, Schinkenwurst, Salami, Speck oder Fleischkäs´ sind zwar unverwüstlich, aber die Macht der Aldi-Lidl-Penny-Packungsmafia ist riesig. Da muss man neue Zielgruppen erschließen, denn die Alte geht öfters schon am Stock oder Rollator und stirbt halt dann bald. Und wie kann man besser junge Menschen erreichen, gerne auch Gutverdiener, denn beim Metzger flutschtfingert das Geld wie bei Moneyboy, wenn man neben der traditionellen Fleisch und Wurst oder Wurst und Fleisch auch moderne Produkte anbietet, die sie z.B. schon von ihrem Smartphone oder vielleicht von dem Navi aus dem Toom Baumarkt kennen? GPS in feinen Scheiben - 100g für 1.48 Euro, besonders die Männer fühlen sich da angesprochen und gehen ab sofort mit voller Passion zum Metzger. Zuvor kannten sie diese jahrhundertalte Einrichtung nur im Sommer, wenn er einmal im Jahr eine Grillparty organisieren muss. Der Bauch ist willig, aber der Geist ist schwach. Oder so. Mann und Fleisch. Ui, brauch meeehr! Floooooooooiiiiiiisch! Also greift er im Edeka zu dem unglaublich lecker aussehenden, grünmarinierten und luftdicht verschweißten Fleisch-Set, das seltsamerweise nicht mal im Kühlfach rumgammelt. An der Kasse fängt er sich langsam an etwas zu schämen, springt danach schnell rüber zum Metzger und holt noch zwei Alibi-Rindersteaks für seine guten Freunde, aber beim Preis von 7 Euro bekommt er einen Hungerast wie einst 1998 der Ulle, als der Pantini davon gezogen ist, bricht komplett ein, schleppt sich mit letzter Kraft wieder rüber zum Edeka und ergattert die letzten sieben lecker grünmarienierte und luftdicht verschweißte Fleisch-Sets. Diese Zeiten sind nun endgültig vorbei. Der GPS-Aufschnitt schärft seinen Qualitätsanspruch, und der Fleisch- und Wurst-Retailer seines Stadtteils ist sein neuer Hotspot: "Du Schatz, brauchen wir noch was vom Metzger? GPS ist schon wieder im Angebot, ich spring kurz rüber!" "Ja, bring doch noch zwei Kilo UMTS mit, können wir ja auch einfrieren!" Was viele nicht wussten: GPS ist das leckere Filetstück von hochgezüchteten argentinischen Maikäfern, die das ganze Jahr von Dreimaster-Leichtmatrosen massiert und anschließend mit Jetskis über den Atlantik transportiert werden. Gerade deswegen ist dieser Hammerpreis von der Metzgerei Häderle nicht zu toppen. Und wenn einer weiß was GPS wirklich sein soll, dann gibt Bildentdecker Neongrau direkt mal 100g aus. Hat er versprochen!

     
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