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DJ X-Factor
Am 12. Mrz 2012, 10:03 Uhr von martin
Jaja, schon paar Tage alt, hab auch erst kurz gebraucht, um das zu checken, aber dann wird es doch recht schnell klar, was Steve Lawler sagen will. Letztendlich der gleiche Ansatz wie ihn wir hier schon etwas diskutiert haben.
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Black Sabbath Medley
Am 6. Sep 2011, 15:00 Uhr von martin
Letztes Jahr: Geiger trifft Cosimo. Dieses Jahr: Geiger trifft Ram. Muss jetzt jeder selbst entscheiden was spektakulärer ist. Twitter ist jedenfalls ein spektakulärer Kontakter. Die Britta twittert, dass der DSDS-Truck in der Stadt ist, ich finde raus wo der ist, da beim Aer Club, und twittere wiederum, dass meine Mittagspause total Killer wird, weil ich zuerst Schnitzel bei Familie Majde essen und dann Reifenprofilcheck beim DSDS-Truck machen werde. Kaum getwittert kommt per Email die verzweifelte Nachtricht vom Geiger (alles im Betreff): “Wo gibt´s n Schnitzel? Und wo DSDS? Ich will auch kommen.”
Also Treffpunkt 13:00 Uhr beim Sausalitos, dem neuesten und wundervollsten Gastronomiebetrieb aller Zeiten jemals in Stuttgart, die Wielandshöhe unter den Friteusen, die Speisemeisterei aller Pina Coladas. Wollten wir nicht rein, sondern in die Museumsstube. War ich mal Anfang des Jahres essen, letzte Woche wiederentdeckt und zwischenzeitlich fast schon ein eigenen Platz. Erdiges Programm: Suppe vorneweg, lecker (selbstgemachte) Hausmannskost, BILD-Zeitung, 5,80 Euro, was braucht man mehr? Auch dem Geiger hat es geschmeckt. Er war fast schon begeistert. Sag ich doch.
Auf dem Weg zum Kronprinzplatz fragte er mich, was ich jetzt singen würde: “Auf d´r schwäbischen Eisenbahn” von Jay-Z wäre doch mal ne Idee, antwortete ich. Ein platzansässiger Handy-Laden hat sich gleich auf die Situation des Tages eingestellt.
Voll süss!
Wie die Jungs hier. Einer von denen singt wohl “Price Tag”. Hat der Geiger rausgefunden, der quasi auf die ganze Schlange zu gestürmt ist und am liebsten alle fragen wollte, was sie singen. “Was isn Price Tag?” fragte ich.
“Ha Price Tag halt!”
“Äh?”
“Das geht so…. summdadidummlalalla… du bist doch DJ!”
“Nicht von Montag bis Freitag.”
“Von wem ist Price Tag?” frage er eine andere Kandidatin. “Von Jessie J.!”
“Von Jessie J. also!”, rief ich. Hab es mir gerade im Büro angehört, stinklangweilig.
Eines muss man Kollege Geiger lassen, er kann gut auf Menschen zu gehen. Schon von weiter Ferne fand er den Metal-Typ ziemlich stark…
…und rannte schnurstracks auf den hageren Kerl zu. Er will ein Medley aus “Iron Man” und “Paranoid” von Black Sabbath vortragen. Respekt, meinten wir, das kann man mal machen. Klingt auf jeden Fall nach Substanz, nicht so wie “Price Tag”.
Ansonsten war das Interesse zur Mittagszeit relativ verhalten meiner Meinung nach. Liegt wohl an meiner schwammigen TV-Birne, die bei DSDS automatisch an Tausende von schreienden Teenies denkt.
Paar Typen mit Gitarre haben sich bisschen warm gesungen, das eine oder andere junge Ding hat den Turmuntersatz aus dem Schrank geholt und tat sich offensichtlich schwer damit und am Counter gab es schon die ersten Reviews wie “Nein, ich bin nicht weiter, ich hätte zwar Talent und eine gute Ausstrahlung aber….” Jaja.
Dieser Herr wird übrigens “Photograph” von Def Leppard auftischen.
Die Jungs vom Roten Kreuz bestätigten mir, dass es noch keine Zusammenbrüche gab. Komischerweise haben wir uns gar nicht gefragt, ob der Dieter in dem Truck drin sitzt. Und Cosimo ist ja noch im Big Brother Haus.
Hab dann den Geiger an der Schlange abgegeben und hol ihn später wieder ab.
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Fortsetzungsroman: Mit Cosimo zu Bushido nach Berlin – Teil 3
Am 10. Feb 2011, 09:09 Uhr von Aussenreporter
(Eines meiner Alltime-Favorite-Lieblingsbilder auf diesem Blog: Rechts Cosimo mit neuer Brille, links Ram mit neuer Frisur, in der Mitte der weltbeste Nachbar.)
Heftiges Finale: Mein Ex-Lieblings-Praktikant bei LIFT, Moritz Drung, hat kürzlich die Autofahrt seines Lebens mitgemacht. Mit der Mitfahrzentrale von Stuttgart nach Berlin. Moritz hat bei der Fahrt seines Lebens den Hauptgewinn abgeräumt. Er düste mit Cosimo und weiteren Künstlern mit 240 Sachen nach Berlin. Klar, dass mein liebster Chorleiter, Rock-Musiker und passionierter Trinker diese Erfahrung mit uns teilen muss. Teil 3 und Schluss: Tausche Notizbuch gegen Cosimo Flyer.
Noch 300 Kilometer bis Berlin. Zeit, über Liebe zu sprechen. Liebe zur geborgenen Familie (sehr schwäbisch und übrigens faszinierend, wie gut sich Berliner und Schwaben ergänzen, auch im Fall Cosimo und Bushido), Liebe zu Frauen.
„Gestern Abend war ich zu ner Frau total ehrlich, hab gesagt, momentan geht’s mir finanziell total scheiße, hab viel investiert, auch in meine Zukunft – Sonnenstudio, Fitnessstudio, weisch ich bin auch Stripper – auf einmal hat sie mir nicht mehr geschrieben. Weil ich ehrlich war!“ – „Die Nummer kannsch löschen“, meint der Heilbronner.
Natürlich höre ich den Leser jetzt denken: Trotzdem ein Spasti, hör dir mal seine Lyrics an: „Komm Mädchen, wir machen‘s unterm Auto!“ Ich glaube eher, er ist sogar der romantische Typ.
„Die Menschen sind egoistisch geworden sind, alles dreht sich nur um sie“, meint Cosimo. Und ich: „Das kommt von Typen wie Bushido, weil der immer nur den eigenen Egoismus predigt: Der Härteste gewinnt; und: Zeig keine Schwäche und so!“
Und dann Cosimo: „Für ihn ist‘s auch schwierig. Leute, die bei Youtube drunter schreiben: Du hässlicher Tunesier, du bisch nichmal Deutsch. Und wenn er Tunesier auf der Straße trifft, kann er kein Wort Tunesisch. Im Endeffekt: Er wird nicht akzeptiert, wie er ist, also singt er Lieder drüber. Das war sein einziges Startkapital. Und heute ist er anders. Positiver.“ Da konnte ich nicht ansatzweise widersprechen.
Von da an ist, wie der Heilbronner bemerkt, die Energie im Auto außer Rand und Band. Jeder erzählt drauflos, darunter so persönliche und obszöne Dinge, dass ich sie hier nicht hinschreiben kann – die Luft brennt, die Zeit fliegt, und wir sind noch immer bei 240: Wir zischen an einem ausgebrannten Autowrack vorbei. Kurz realisiere ich, wo ich bin. Ansonsten: Gespräche wie Maschinengewehrfeuer, abstrakt und mit Gedankensprüngen wie folgendes:
Cosimo (zur Redegewandheit der Deutschen): „Manche Nationen müssen Dinge gar nicht aussprechen. Die leben das Leben! Schon mit den Augen lesen sie, was du sagen willst, ohne dass du dein Mund aufmachen musst, verstehsch! Die haben alles dort. (Poesie!) Für uns ist das natürlich unhygienisch: Sie waschen sich alle mit dem gleichen Wasser, wenn‘s sein muss. Rein theoretisch stirbsch du ja nicht, wenn du dich mit dem gleichen Wasser wäschst wie deine Mutter.“
Heilbronner: „Aber ich sag‘s mal so: Wenn du in Indien einen Schluck aus dem Ganges trinkst: DU verreckst, auf jeden Fall. Die Inder sind so aufgewachsen – also ich habe im Dreck gespielt, meine Eltern warn nicht penibel– aber wir in Europa leben schon recht clean. Deshalb müssen wir impfen! Und wenn du meinst Reichtum: Indien war das reichste, was das Commonwealth je besessen hat. Tee, Ayurveda, Basmatireis…“
Cosimo: „Ganz ehrlich: Ich hab Basmatireis gegessen, das schmeckt ganz genau wie das andere auch. Aber acht Euro das Kilo!“ Heilbronner: „Ist nur hier so.“ Cosimo: „Ich sag doch nur!“
Heilbronner (unirritiert): „Ich meine – Indien, die Gesellschaft – die Brahmen sind die obersten. Und die Maharadschas waren die Ärsche. Das ist das Kapital halt auch auf ganz wenig Menschen konzentriert. Neunzig Prozent leben in Armut. Wirklich in Armut. Die gibt’s in Deutschland nicht.“
Cosimo (aufgeregt): „Das Leben ist selbstverständlich geworden, das ist das Problem. Wir haben in Deutschland alles! Gibt’s nicht, dass es in Deutschland was nicht gibt! (Postmoderne Poesie, schon wieder!) Ey du hast hier jedes. Von jeder Nation isst du hier! Geh mal nach Italien, und guck mal ob die das essen, was die in China essen oder so! Oder guck mal nach Frankreich, in Paris! Ja! Die reden nicht mal Englisch mit Dir – willst du mich verarschen oder was?!“
So gehen die Gespräche weiter. Volkskrankheit Depression (Vermutung: Druck und Entfremdung von eigenen Talenten), die moderne Kommunikation (wie es verunsichert, keine SMS zurück zu bekommen), der daraus folgende Drang zur Berühmtheit (Cosimo fährt keine U-Bahn mehr und will sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, zumindest am Tag der Fahrt) und natürlich Sex: „Große Kameras fühlen sich so an, als ob du jeden Tag die gleiche bumst.“ Ihr könnt raten, wer das gesagt hat.
Schließlich umarmen wir uns in der kühlen Winternacht am erleuchteten S-Bahnhof Wannsee. Man spürt schon die vibrierende Stadt und deren tausend Wege im Hintergrund, wohl auch deshalb vergesse ich mein Notizbuch im Auto. Cosimo gibt mir zum Abschied dafür einen Flyer für sein neues Album: „Ohne Spaß kein Fun.“ Ein guter Tausch.
Teil 4: Wer Moritz einmal live erleben will, sollte diesen Freitagabend, 11. Februar an die Kunst-Aka. Da spielt er mit seiner Band Vagabond Stories verrückte Indie-Space-Gitarren-weiß-auch-nicht-wie-man-das-nennt-Sounds ab 21 Uhr im Aktionsraum. Cosimo hat ihm die Haare gemacht und Bushido liefert ein Special-Feature.
Und nochmals die Story zum Nachlesen:
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Fortsetzungsroman: Mit Cosimo zu Bushido nach Berlin – Teil 2
Am 9. Feb 2011, 09:00 Uhr von Aussenreporter
Immer noch heftig: Mein Ex-Lieblings-Praktikant bei LIFT, Moritz Drung, auf dem Foto hier vor seinem neuen Haarschnitt von Cosimo, hat kürzlich die Autofahrt seines Lebens mitgemacht. Mit der Mitfahrzentrale von Stuttgart nach Berlin. Mitfahrzentrale ist ein bisschen wie Lotto spielen, man weiß nie, was bei der Ziehung des Fahrers und der anderen Nasen im Auto bei rumkommt.
Moritz hat bei der Fahrt seines Lebens den Hauptgewinn abgeräumt. Er düste mit Cosimo und weiteren Künstlern mit 240 Sachen nach Berlin. Klar, dass mein liebster Freizeit-Poet, Indie-Musiker und Neuköllner Lebenskünstler diese Erfahrung mit uns teilen muss. Teil 2: Erst Jobcenter, dann Porno.
Die Mittelstreifen auf der Autobahn sind flüssig, mit 240 gen Hauptstadt, und zumindest ich komme gedankenmäßig bei dem Tempo nicht mehr klar. Gesprächsmauern längst durchbrochen, es wird kreuz und quer geredet. Fahrer: „He, deine Sitzheizung ist voll aufgedreht.“ Cosimo: „Ich brauch des!“ Der Heilbronner erkundigt sich, was Cosimo in Berlin vorhat. „Bushido besuchen!“. Bushido?! „Ja, ich mach Beats für den! Und Frisör.“ Ich beginne zu verstehen: Die Fahrt wird witzig.
Cosimo hat seine Frisörlehre zwei Wochen vor der Abschlussprüfung geschmissen (trotz nicht vorhandenem Schulabschluss) – weil ihn ein Kollege wegen Verspätung verpfiffen hatte. „Drei Tage später ruft mich mein Chef an und sagt: Cosimo, wir brauchen dich wieder! Und ich: Niemals! Nicht in so einem unehrlichen Team! Ich hab nie verpfiffen!“ Dann fing er mit der Musik an.
Später erzählt er: „Vor kurzem, wo ich Jobcenter war – jetzt geh ich nicht mehr Jobcenter – die sagen zu mir: ,Ja, ohne Abschluss bisch halt nix. Kriegsch halt keinen Job. Fertig.‘ Und wenn du dir das so anhören musch, denkst du dir: Scheiße, ich bin halt echt nix. Im Endeffekt aber: DU BIST WAS! Auch wenn du dieses Scheiß Papier nicht in der Hand hast!“ Und der Heilbronner: „Weisch, wer nix ist? Der Typ hinterm Schalter!“ Wir stimmen alle zu.
Tankstellenstop. Cosimo kommt zurück, mit einer Bravo in der Hand, „will ich für später behalten“, er schlägt sie auf: „Bushido lässt sich von DSDS-Freak frisieren“.
In dem Moment läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Was für ein gefundenes Fressen er für die Medien ist! Hauptsächlich, weil er ehrlich ist. Mir fällt daraufhin erstmals auf: Cosimo verspricht sich oft. Mal ein ,s‘ zu wenig, mal der falsche Fall, er redet trotzdem immer weiter. Mir gefällt das – aber natürlich wirkt das ein bisschen naiv. Klar, was das für DSDS bedeutet.
Cosimo kommentiert seinen Sprachstil, irgendwo zwischen Windrad und Hügeln: „Ich finde, man kann nicht erwarten, zu reden und sich gleichzeitig zu konzentrieren! Bei RTL habe ich sieben Stunden lang schlaue Sachen gesagt, und mich einmal versprochen. Und genau das haben sie gesendet!“
Er erzählt viel in dem Stil, ohne zu bemerken, wie hintergründig seine Geschichten sind. Seine Kindheit. „Ich bin in Italien aufgewachsen, war immer Außenseiter. Keine Freunde. Außer Hunde! Einmal habe ich ein Loch gegraben, und da kam’n Hund und hat mir geholfen. Da habe ich gedacht: ,Bis ich jetzt jemand gefragt hätte, ist das Loch schon gegraben’.“ Wenn das keine Parabel ist. Mittlerweile spielt Bushidos Hund nur noch mit ihm, sagt er.
Die Stimmung ist spätestens dann kumpelhaft ausgelassen, als Cosimo aus dem Nichts sagt: „Jungs, jeder ist süchtig nach was. Ich sag‘s euch ganz ehrlich: Ich bin sexsüchtig.“ – „Ha ja, über bumsen geht au net viel“, meint der Heilbronner.
„Ich hab schon mal im Porno gespielt“, ergänzt Cosimo. Der Heilbronner lehnt sich so schnell gen Vordersitze, bis der Gurt ihn stoppt. „WAS? Das wollte ich schon immer mal wissen: Ist das gut?!“ Cosimo: „Ich sag mal so: Du musst dein Ding schon unter Kontrolle haben.“ Alle brüllen.
Morgen Teil 3 und Schluss: Cosimo über Basmati-Reis und Weltpolitik.
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Best of 2011: Mit Cosimo zu Bushido nach Berlin – Teil 1
Am 8. Feb 2011, 09:35 Uhr von Aussenreporter
Jetzt wird’s heftig. Mein Ex-Lieblings-Praktikant bei LIFT, Moritz Drung, hat kürzlich die Autofahrt seines Lebens mitgemacht: Mit der Mitfahrzentrale von Stuttgart nach Berlin. Das klingt an sich jetzt vielleicht nicht nach super heavy funk. Höchstens für Ram und Thorsten, die beide gar nicht wissen, was eine Mitfahrzentrale ist – Thorsten fährt ja immer einen BMW aus seinem Fuhrpark spazieren und Ram hat schon lange aufgehört, irgendwo hinzufahren, der joggt zur Not auch von S-West bis Barcelona.
Für alle Bahncard-100-Besitzer: Mitfahrzentrale ist ein bisschen wie Lotto spielen. Man weiß nie, was bei der Ziehung des Fahrers und der anderen Nasen im Auto bei rumkommt. Moritz hat bei der Fahrt seines Lebens den Hauptgewinn abgeräumt. Er düste mit Cosimo und weiteren Künstlern mit 240 Sachen nach Berlin. Klar, dass mein liebster Freizeit-Poet, Indie-Musiker und Neuköllner Lebenskünstler diese Erfahrung mit uns teilen muss.
Ich mag Mitfahrgelegenheiten nicht besonders: Die Enge, das leise Pop-Radio, das Versetzt-Werden, die Unsicherheit über den Fahrstil. Das einzige, was mir an der Reise über die Mitfahrzentrale gefällt, ist die nicht vorhersehbare Zusammenwürfelung von unterschiedlichsten Menschen auf kleinstem Raum.
Voller Zweifel also kürzlich nach Böblingen, ein schwarzer BMW wartet. Ziemlich miese Stimmung. Und dann: Dann wird die Strecke Stuttgart – Berlin die abgedrehteste, surrealste, tiefgängigste, versauteste und eindrucksvollste Reise seit langem – am Schluss haben wir uns alle umarmt. Was für ein unglaublicher Moment am S-Bahnhof Wannsee, als Cosimo aussteigt, um zu Bushido zu fahren.
Cosimo kannte ich zuvor nicht, nicht aus dem Fernsehen, nicht aus der Zeitung und auch nicht aus Stuttgart. Erst nach der Fahrt habe ich verstanden, wer der nicht nur hier oft belächelte ist. Meiner Meinung nach zu unrecht. Allein die letzte Szene im Bushido-Trailer - über 200.000 Aufrufe!
Mit wie viel Überzeugung Cosimo die Heimat-Frage mit „Hallschlag, Stuttgart!“ beantwortet – das finde ich einprägsamer, cooler und urbaner als sämtliche Hipster-Versuche rund um den Hans-im-Glück-Brunnen. Danach: „Wenn jemand weiß, wo Hallschlag ist, der weiß genau, wo das ist“: Ist das nicht Poesie auf eine moderne, kaputte Weise?
Total überzogen, werden viele denken, aber so habe ich ihn an dem Tag erlebt und in Erinnerung behalten, und genau deshalb will ich jetzt endlich anfangen zu erzählen.
Die Hammer-Fahrt geht los
Der Fahrer ein 25-jähriger gebürtiger Ossi, in Böblingen aufgewachsen, nach Berlin umgesiedelt, jetzt in Barcelona – guter Start. Meine Stimmung hellt sich endgültig auf, als wir nach Vaihingen rein fahren (wo ich mich wieder wundere, wie man auf die Idee kommen kann, Vaihingen gehöre ernsthaft zu Stuttgart) und Cosimo unter einer Industriebrücke am Straßenrand steht. Ultra-Typ, der Typ. Enge Jeansjacke und Hose, Tolle – ein Rockabilly, denke ich.
Während er einsteigt, verwundern dann die gezupften Augenbrauen und der Sonnenstudio-Teint, aber sein weiches Gesicht mit den schweren Liedern über wachen Augen gefällt mir von Anfang an. Definitiv eine Künstlervisage. Der zweite Satz, den ich von ihm höre: „Ich glaube, ein Song kann die Welt verändern! Guck dir Elvis an!“ Erfrischend, so eine Ansage, auf dem Weg ins nihilistische Berlin.
Wir fahren bei Ludwigsburg raus, letzten Fahrgast abholen. Am McDonalds-Schalter, McFlurry in der linken, im Augenwinkel: Der Typ aus dem Auto gibt Autogramme? Verdammter Kater, denke ich, Einbildung, aber tatsächlich: Er gibt Autogramme! Und zwar jede Menge.
Verwundert laufe ich zum Auto zurück: „Was geht denn bei dir ab? Du hast gerade Autogramme gegeben?“ – Und Cosimo, halb stolz, halb noch daran zweifelnd: „Ich hab’s bei DSDS in die letzte Runde geschafft!“ – Und das ganze Auto: „WAAAAS?!!?“
Wir stellen uns vor. Auf der Rückbank, neben mir, ein Heilbronner mit Heilbronner Akzent, großer Schlacks mit großer Sonnenbrille. Er ist Makler für Luxus-Immobilien in Berlin: Was für ein Klischee. „Na, da biste ja bestimmt beliebt dort“, schmeiße ich ihm wenig begeistert entgegen – und muss später feststellen, dass er neben Cosimo der zweite in diesem Auto ist, in dem man sich total täuschen kann.
Druckreife Biografie: Mit den Eltern aus der DDR geflohen (Helmut Schmidt steckte seinem Vater in der Wittenberger Kirche Ausweisdokumente ins Revers), von der Drogenbande bis zur Depression alles mitgemacht, gerissen und witzig („Stuttgarter kommen mit dem Heilbronner Humor nicht klar“) und hasst „Leute, die sich ihr Wissen aus Büchern holen und sich beim Rezitieren schlau vorkommen“. Ist mit einer Millionärstochter genau so zusammen gewesen wie mit einem Mädchen, deren bettelarmer Mutter er heimlich Geld zusteckte. Jetzt halt Makler für millionenschwere Immobilien in den Topvierteln von Berlin.
Ich erwähne es, weil er sich extrem gut mit Cosimo verstanden hat: Sie waren sich verblüffend ähnlich. Ich habe beide nicht einen einzigen unaufrichtigen Satz sagen gehört. Nur Überzeugung, Ehrlichkeit, Präsenz. Zudem waren sie krass unterhaltsam und hatten eine beeindruckende, positive Ausstrahlung.
Die Mittelstreifen auf der Autobahn sind flüssig, mit 240 gen Hauptstadt, und zumindest ich komme gedankenmäßig bei dem Tempo nicht mehr klar. Gesprächsmauern längst durchbrochen, es wird kreuz und quer geredet. Fahrer: „He, deine Sitzheizung ist voll aufgedreht.“ Cosimo: „Ich brauch des!“ Der Heilbronner erkundigt sich, was Cosimo in Berlin vorhat. „Bushido besuchen!“. Bushido?! „Ja, ich mach Beats für den! Und Frisör.“ Ich beginne zu verstehen: Die Fahrt wird witzig.
Lest morgen in Moritz zweitem Teil: Darauf muss man laut Cosimo beim Porno-Dreh achten.
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Bushido mag Cosimo
Am 23. Okt 2010, 15:17 Uhr von martin
Weekend-Trash. Bushido hat einen neuen Leibeigenen, sagt zumindest die BILD: Unser Freund Cosimo wäscht, schneidet und fönt dem Berliner Kulturbeutel die Stoppelhäarchen.
Fragt man sich natürlich, ob man bei diesem Doppel-Sidecut nen Friseur von Weltrang benötigt. Gut, vielleicht brauch er zwischendurch auch mal nen Tribal rein. Da das aber vielleicht alles in allem nicht ganz so viel Arbeit ist, kocht Cosimo auch für Bushido (?), heißt es im dem Artikel. Das ist eine völlig neue Komponente des Spidermans, kochen kann er also auch.
Anfangs fand Bushido Cosimo noch voll doof, aber jetzt mag ihn angeblich total. Der Checker vom Neckar begleitet den Rapper sogar auf seiner nächsten Tour. Ob Bushido weiß, was er da tut? Denn sobald Cosimo ein Mic sieht…
Ich traue dieser vermeintlichen Idylle noch nicht ganz. Kann mir nicht so recht vorstellen, dass der Kontrollfreak die zappelige Schwabenwurst in seine Nähe lässt, aber vielleicht stimmt es wirklich. Eines ist jedenfalls so sicher wie die rasierte Brust: Cosimo wird es auch in der neuen DSDS-Staffel wieder versuchen.
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DSDS ist da
Am 2. Sep 2010, 17:00 Uhr von Jana
Bild: edelight
Auf dem Wilhelmsplatz werden heute Deutschlands neue Superstars gesucht. Dieter himself hat sich nicht die Mühe gemacht vorbei zuschauen – kein Wunder, verbindet mit Stuttgart wahrscheinlich nur die Reinkarnation des Bösen (Stichwort Cosimo). Aber der hochoffizielle DSDS-Truck ist da. Großer Ansturm schon bevor um 12 das Ganze los ging.
Ich persönlich schau mir – wie die meisten wahrscheinlich – nachher eh nur die Bracken im Fernsehen an und kann mich jedes Jahr auf’s Neue drüber freuen. Irgendwann muss es doch langweilig werden, denk ich mir, aber die niederen Triebe erfreuen sich dann doch bei jedem “Nachswuchsstar”.
P.S.: Freuen uns jederzeit über aktuelle Updates und weitere Vorort-Bilder und Videos.
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