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Kassettendeck
Am 13. Apr 2011, 17:46 Uhr von martin
Wollte mir gerade die Nägel machen, konnte deswegen auch zwei Minuten lange nicht twittern, da ist mir doch glatt der Nagellack vom Fenstersims hinter das Gartenhäuschen gefallen und heidenei sehe ich da dieses Buch auf dem Komposthaufen herumliegen: Kassettendeck von Jan Drees & Christian Vorbau.
Dachte ich mir, ein Buch, an so einem schönen verzwitscherten dreidimensionalen Tag wie heute, ist doch mal ein feines Dingens da für unsere über 80jährigen Leser, die noch keinen Twitter-Account haben. Dazu noch ein Buch über ein Thema für (uns) alle Ewiggestrigen und Nostalgiker: die gute alte (Leer)-Kassette. Wahlweise 60, 90 oder 120 Minuten Speicher für fein selektierte Musik, die man auch gewissenhaft durchhörte! Nicht so wie dieses Gezappe heute. Das war noch echte Wertschätzung.
Kein Wunder, zehn (Zahlen von eins bis zwölf schreibt man aus, sagt der Aussi immer) gute Leerkassetten kosteten damals so viel wie heute ein iPod Shuffle oder wie der Glumbatsch heißt, da musste man haushalten. Ey, kannste mir Big Daddy Kane überspielen, dann geb ich dir auch Fear Of A Black Planet? Das waren noch ordentliche Männer-Schulhofcodes! Nicht so wie heute, ey laser, 20 Likes auf meine Kuli-Dreieck-Tätowierung!
Genug geweint über früher. Da der Kassette auf diesem Blog schon ein paar Mal nachgetrauert wurde oder zumindest Gesprächsthema war, passt der Text- und Interviewband Kassettendeck ganz gut rein, der schon gut auf SPIEGEL durch die alternativen Buchcharts “robbt”, wie man dem eigens eingerichteten Blog Kassettendeck.info nachlesen kann.
“Kassettendeck schreibt mit Interviewsets, Pop-Essays und Prosastrecken eine neue Geschichte der MC. Interviewpartner und Beiträger u. a.: Katja Berlin, Andreas Bernard, Bret Easton Ellis, Peter Glaser, Grand Hotel van Cleef, Alexa Henning von Lange, Gregor Hildebrandt, Rafael Horzon, Hans Nieswandt, Eric Pfeil, Jochen Rausch, Smudo, Benjamin von Stuckrad-Barre, Westbam, Gerhard Winterle, Audiolith.” Sagen halt alle auf circa 230 Seiten wie toll die Kassette war, dazu gibt es noch ein paar harte Zahlen, Anekdoten, technischen Background und schöne Playlists wie diese hier…
… bei der alle Freunde des Schulandheim-Raps feuchte Augen bekommen. Kassettendeck sich durchaus kurzweilig und gerade wir über 80jährigen seufzen halt gerne dabei und denken “ja, so wars gell”.
Kassettendeck. Soundtrack einer Generation von Jan Drees und Christian Vorbau, Eichborn, Klappenbroschur, 253 S., € 18,95
Am Karfreitag, 22.4. sind die Autoren übrigens im Keller Klub zu Gast mit Beats, Visuals und “einer aufwändig produzierten Karoake-Lesung”.
Noch zwei gute Videos auf der Seite gefunden:
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Face-Buch
Am 24. Nov 2010, 18:30 Uhr von martin
Nächstes Weihnachtsgeschenk (meine persönliche Wunschliste wird übrigens immer größer, S21 Lego-Packung, Schlichtungsgespräche DVD-Kollektion, Jay-Z-Deluxe-Set), das Facebook-Buch, passend zum FB-Plakat, wie Leser Jones kommentiert hat. Goldig.
Allerdings gab es das personalisierte Face-Buch nur 1000 Mal. Die Aktion und das entsprechende App wurde von einer Agentur für den französischen Mobilfunkanbieter Bouygues Telecom gestartet bzw. programmiert. Mehr Infos hier.
Vielleicht hilft ja der Adidas Facebook Superstar über die Enttäuschung hinweg...
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Ich schreibe wie…:
Der Melinda Nadj Abonji-BlogAm 19. Okt 2010, 11:30 Uhr von martin
Heute früh in der StZ drauf gestossen, hat die FAZ eine Selbstbefriedigungshilfe für die schreibende Zunft entwickelt, heißt “Ich schreibe wie”.
Man gibt in das Fenster eine Textprobe ein, und das Tool vergleicht den Schreibstil mit mehr oder weniger großen und bekannten SchriftstellerInnen. Hofft man natürlich, dass Goethe oder zumindest Maxim Biller rauskommt. Is aber meistens nicht so.
Musste ich natürlich gleich ausführlich durchspielen und hab mit Setzers Röhre-Text angefangen. Zuerst nur einen Absatz, da war er noch Theodor Fontane, dann zwei, da wurde er Kurt Tucholsky, den ganzen Text vergleicht die Maschine mit Rainald Goetz. Not bad, Kollege!
Als nächstes checke ich Inges Wasen-Erlebnisse, zunächst zaghaft, da schreibt er noch wie Ildiko von Kürthy, der ganze Text wiederum ist Melinda Nadj Abonji pur.
Man mag mich jetzt als Banause verurteilen, hab aber auch nie nen Hehl drauß gemacht, dass ich kaum Bücher lese und somit habe ich von Melinda Nadj Abonji noch nie gehört. Sorry. Iss aber bestimmt ne tolle Frau.
Dumm nur, dass uns die gebürtige Ungarin hartnäckig begleitet. Janas Irrwege über die Fildern klingen ebenfalls nach Melinda, wahlweise aber auch wie Peter Handke. Wow.
Jetzt bin ich dran, nehme meinen Deutschen Fernsehpreis-Nachreport und wie beim Aussi ähnelt mein Stil Ildiko von Kürthy – oder ja, Melinda Nadj Abonji. Da mich Melinda langsam nervt, gebe ich einen kompletten Text vor genau einem Jahr ein: Statusmeldung Warten. Frau Abonji wartet mit mir! Damn!
Okay, Thorsten, bitte enttäusch uns nicht: Tut er nicht, sein “Jo Mei”-Wiesnreport ist Rainald Goetz. Pur. Egal wie viele Absätze man reindroppt. Ich würde sagen, Thorsten hat es geschafft. Zumindest klingt Rainald Goetz cooler als Melinda Nadj Abonji.
Die Alte lässt mir keine Ruhe. Und Setzers schwankendes Ergebnis irritiert mich. Also kopiere ich zwei Absätze seines phänomenalen Kicker vs. VfB-Text in das Fenster – Melinda Nadj Abonji.
Dann noch weitere Tests: Ein kurzer Textabschnitt aus Jörg Harlan Rohleders “Lokalhelden” sounds like Melinda, der Southside Nachbericht von Afro-Dieter wie Sigmund Freud oder Peter Handke, immerhin. Unser Leser JoeJoe kommentiert übrigens im Stil von Theodor Fontane oder – Melinda Nadj Abonji.
Fazit: Wir sind nicht nur ein Party- und Turnschuh-Blog sondern jetzt auch der Melinda Nadj Abonji-Blog. Klingt zumindest besser als der Rosamunde Pilcher-Blog.
P.S.: Eine Polizeimeldung zum Wasserwerfer-Einsatz vom 30.9. ist in Friedrich Nietzsche-Manier verfasst worden.
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Literarische Odyssee auf den Fildern
Am 14. Okt 2010, 09:00 Uhr von Jana
Beginnen wir mit einem Geständnis: Ich liebe Petra Durst-Benning. Das ist die mit der ‘Zuckerbäckerin’ der ‘Zarentochter’ und jetzt neu eben ‘der russischen Herzogin’. Hä? Das sind Historienschinken, die in Stuttgart spielen. Genauer gesagt zur Zeit von Königin Olga. Ja… Das mag für den einen oder anderen schon wie eine Odyssee wirken, aber das war’s noch nicht.
Dienstag Abend war eine große Lesung mit Frau Durst-Benning in Filderstadt im ‘Bunten Bücherladen’ angesetzt. Meine Freundin C., die aufgrund der folgenden Anfahrtsschwierigkeiten lieber anonym bleiben möchte, und ich waren natürlich nicht zu halten und beschlossen unsere gewohnte Umgebung zu verlassen und auf’s Land zu ziehen. Alles für Königin Olga.
Bis ins Details planen wir unsere Anreise in die Bernhauser Straße. Dort angekommen, finden wir aber keinen Buchladen. Weder einen bunten noch sonst einen. Und eigentlich sind wir in Plieningen, nicht in Filderstadt.
Etwas verwirrt suchen wir die nächste Hilfe inform einer Pizzaria an. Der Besitzer begrüßt uns herzlich und zeigt sich schwer motiviert uns zu helfen. Drei Querstraßen weiter stehen wir dann auch schon vor – einer Bücherei. Hat er nicht gewusst, den Unterschied.
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Moritz von Uslar: Deutschboden
Am 6. Okt 2010, 18:14 Uhr von martin
Wenn wir heute schon bei Büchern sind, noch eines das knapp 400 Seiten hat und nicht nur aus 140-Zeichen-Zeilern besteht. Quasi pünktlich zum 20jährigen Jubiläum der Deutschen Einheit ist Ende September “Deutschboden – ein teilnehmende Beobachtung” von Moritz von Uslar erschienen. Das ist dieser grimmig schauende Herr mit leichter Undercut-Andeutung.
Unter den “jungen” deutschen Journalisten (Uslar hat die 40er Marke gestreift) längst eine Fast-Legende, hab seine Artikel im Spiegel oder Süddeutsche immer gerne gelesen, jetzt ist er wieder bei der Zeit und hat für das Magazin seine “100 Fragen an”-Serie (diese Woche mit Phil Collins – großartig) neu aufgelegt.
In eben jenen Zeit-Magazin befand sich kürzlich ein längerer Vorabdruck von “Deutschboden”. Ich bin nach dem Lesen zu dem Entschluss gekommen: Das ist das vierkommafünfte Buch, dass ich innerhalb einer Dekade lese werde (nach zwei mal Nieswandt, eine halbe 50 Cent-Bio und Rohleder).
Moritz von Uslar verbringt drei Monate lang in einer ostdeutschen Kleinstadt und notiert sehr detailliert und ausufernd seine Beobachtungen zwischen Kneipe, Boxclub und Einkaufsmeile.
Kommt was böselustiges bei raus, aber, so wirkte zumindest auf mich der Vorabdruck, der in Schröders Kneipe spielt, verzichtet Uslar darauf, sich übermässig lustig zu machen – die De-Bug sieht das übrigens anders. Klingt vielleicht widersprüchlich, aber Uslar wertet nicht, sondern berichtet lediglich in seiner famosen Sprache. Die 400 Seiten hat man wahrscheinlich so schnell durch wie “Lokalhelden”.
Moritz von Uslar: Deutschboden – Eine teilnehmende Beobachtung
Kiepenheuer und Witsch, ISBN: 978-3-462-04256-6
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Das Twitter-Buch + Verlosung
Am 6. Okt 2010, 09:30 Uhr von Thorsten W.

Mir geht es ja wie Ram – mir hat sich der Nutzen von Twitter für mich persönlich einfach noch nicht erschlossen. Auch wenn mir nach nur 3 Tweets bereits 8 Leute folgen, darunter meine Lieblingsband J.B.O. und der Vermögensberater Ronald Peter. Und so selten wie ich Twitter nutze würde ich wahrscheinlich auch wichtige Twitter-News wie die Proteste im Iran oder Michael Jacksons Tod verpassen.
Bei Pons ist jetzt das Buch “Twitter – Das Leben in 140 Zeichen” erschienen, und ich war zunächst überaus skeptisch, denn in dem Buch wird Twitter nicht theoretisch behandelt, sondern es sind ausschließlich Tweets abgedruckt. Und die Idee dazu ist zudem noch bei einer Twitterlesung entstanden, die es wohl seit einiger Zeit z.B. in Zürich gibt. Konnte ich mir jetzt nicht so richtig spannend vorstellen.
Aber wer hätt’s gedacht: Ich habe sowohl Twitter als auch das Buch unterschätzt. Weil da sind richtig lustige und sehr weise Sachen dabei, wirklich. Ein paar Beispiele:
“Über Twitter”:
kucken, was die anderen im supermarkt aufs band legen, ist ein bißchen wie twitter“Das Leben der Nerds”:
Wenn sich jemand bei youtube “FickdieEx11″ nennt, heißt das ernsthaft, dass FickdieEx 1-10 schon vergeben war?“Poesie”:
Punk, Punk, Koma, Strich – fertig, die Milieugeschicht.“Tipps & Tricks”:
Ich habe meine beiden neuen goldfische “einer” und “zwei” genannt. wenn einer stirbt, hab ich immer noch zwei…“Körperwelten”:
Mein Arzt meint, ich hätte Wahrnehmungsstörungen, aber ich seh das ein bisschen anders.“Liebe und so”:
Beziehungsstatus “it’s complicated”: Bei Frauen: “Haben gevögelt, aber er ruft nicht an” Bei Männern: “Sitze mit Fernglas vor ihrem Fenster”“Essen und Trinken”:
(letzte nacht kommasaufen gewesen. wie komasaufen, nur strukturierter.)“Philosophisches”:
Über Gott gelacht. Jetzt kein Klopapier. Keiner reagiert schneller.“Dialoge”:
Zum Taxifahrer sagen: “Egal wohin, ich werde überall gebraucht!”“Zeitgeschehen”:
Was nun? Müsste eigentlich in die Schweiz, aber Riesenminarett in der Hose.“Ein Tag auf Twitter”:
Der Tag fühlt sich an wie Tetris, wenn die 4er-Stange nicht kommt.“Kinder, Gören, Blagen”:
mein neffe ist so klug. ich wusste zum beispiel nicht, dass es land namens madagaskar 2 gibt.“Neue Definitionen”:
eine rouge-farbe “deep throat” zu nennen ist einfach genial nach dem ersten moment.“Am Arbeitsplatz”:
Wenn Texten einfach wäre, würde es Grafik heißen. (Insider)“Twitterhauptstadt Berlin”:
Er hält meene Brille, wenn ick mir mit die Schlampe haue. Scheiße, dit is Romantik.“Prokrastination”:
Langeweile hat 10 Buchstaben. Ich hab’s nachgezählt. 4 Mal.“Politik”:
Irgendwann reißt Angela Merkel ihre Perücke runter und schreit: “Ich bin’s. Der Hape!”Ich möchte allerdings nicht wissen, wie lange man sich bei Twitter rumtreiben muss, um sowas zu finden. Zusammengestellt wurden die Tweets u.a. von ein paar Leuten in Stuttgart, darüber sind wir auch an folgende fabelhafte Aktion gekommen:
Wir verlosen 3 Exemplare des Twitter-Buchs. Wie immer einfach Kommentar hinterlassen oder Mail an stuttgart@kessel.tv. Optimales Weihnachtsgeschenk oder Blattpresse für kalte Herbsttage. Oder man liest es selbst.
Update: Die Gewinner stehen fest:
Gewonnen haben friesisch_herb, Liamara und Volker. Die Gewinner wurden bereits benachrichtigt.53 Kommentare » -
Blutkirsche
Am 15. Sep 2010, 09:06 Uhr von Thorsten W.

Der Theiss-Verlag hat mir wieder mal ein Rezensionsexemplar eines “Stuttgart-Krimis” geschickt. Unter Fäschn-Bloggerinnen wird ja glaube ich gerade diskutiert, ob man sowas annehmen soll und ob es doof ist wenn man dann was schlechtes drüber schreibt.
Da sich bei uns die Flut der Gratis-Handtaschen aber noch in Grenzen hält (wobei Ram das Gucci-Täschle schon gut steht), sind wir da jetzt noch nicht so in der Bredouille. Ich sag wie mir das Buch gefällt, wenn ich danach keins mehr bekomme – ich werd’s überleben.
Nun also “Blutkirsche“. Da die “Stuttgart-Krimis” wohl ganz gut zu laufen scheinen, hat man bei Gudrun Weitbrecht, die für Theiss schon zwei Bände mit Kurzkrimis verschiedener Autoren zusammengestellt hat, wohl einen ganzen Roman angefordert.
Also ist da jetzt Anne Wieland, eine Komissarin in ihren besten Jahren, und ein Mord im Schrebergarten in Feuerbach, oder “Stückle”, wie man bei uns sagt. Wie man sich denken kann bietet das Platz für eine Menge schwäbischer Klischées, die auch fleißig bedient werden.
Ansonsten hat es Frau Weitbrecht ziemlich gut gemeint, denn sie packt in die 211 Seiten Buch eine ganze Menge: Kindesentführung, klassischer Mord des Ehemanns durch Vergiften, Kindesmissbrauch, Kinderporno, Stuttgart 21 (natürlich), Schwangerschaftsdepression, Altersdemenz, Abtreibung, 2. Weltkrieg und Judenverfolgung. Uffz.
Was mich auch ein wenig gestört hat ist, dass die Hauptcharaktere – Komissarin Wieland und ihr Assistent – es auch ganz schlecht haben im Leben und alles scheiße läuft. Klar, es ist ein Krimi – aber deshalb muss die Welt doch nicht gleich untergehen.
Vielleicht war ich beim Lesen einfach nicht in Stimmung, aber mich hat das Ding nicht gepackt, die Handlung plätschert so vor sich hin, irgendwann ist raus wer der Mörder ist, und das Buch plätschert trotzdem weiter.
Wer einen guten “Stuttgart-Krimi” lesen möchte, dem würde ich persönlich eher “Tatort Hölderlinplatz” und “Mord im Chinagarten” von Stefanie Wider-Groth, ebenfalls im Theiss-Verlag, empfehlen – die sind sehr unterhaltsam, und die Charaktere sind trotz Schwaben-Klischées irgendwie sympathischer.
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