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Kettenkarussell der Emotionen
Am 8. Okt 2010, 13:45 Uhr von Aussenreporter
Für alle Freunde der deutschen Geselligkeit folgt jetzt ein Prosit der Gemütlichkeit in Textform. In Sachen Wasen halte ich es ja meist wie der Martin, also Volksfest weiträumig umfahren, wenn es irgendwie geht.
In Ausnahmefällen und selbstverständlich nur, um soziologische Studien zu treiben, wage ich mich dann aber doch gelegentlich ins Kettenkarussell der Emotionen. Zum Beispiel gestern Abend. Hatte noch so viele Fress- und Saufgutscheine, dass ich kurzerhand meine hartarbeitenden Kollegen zum gemeinsamen Ausflug nach Cannstatt verdonnerte.
Das Fazit im Schnelldurchlauf: In der Schwabenwelt bei der sympathischen Gastronomen-Familie Wilhelmer – Mama Wilhelmer ist die steile Alte, die das Schweinemuseum betreibt, der Sohnemann macht die Ampulle und steckt glaub irgendwie auch im Aer Club mit drin – kann man tatsächlich essen. Keine Ahnung, wie die das hinbekommen, aber Linsen mit Spätzle, Nürnberger Bratwürste und andere Errungenschaften der Hochkulinarik kicken tatsächlich.
Noch besser schmeckt nur die Band im Festzelt. Unglaublich, was eine Blaskapelle aus „Oh Jonny“ und Lady Gaga alles rausholen kann.
Die Schwabenwelt will glaub der Feinkost Böhm unter den Zelten sein, die Service-Kräfte sind alle jung und (halb-)schön, Schnaps wird nur in der Bügelflasche und in 4 cl serviert (für fast 7 Euro, Alter!), und unsere Bedienung ist eigentlich Speditionskauffrau, findet den Job aber so scheißlangweilig, dass sie zum ersten Mal auf dem Wasen malocht. Und nein, Männer sind auch besoffen nicht assiger als sonst, zumindest kaum, hat sie herausgefunden.
Das konnte sie allerdings nur recherchieren, weil sie nicht bei Klauss und Klauss im Dinkelacker Festzelt zwei Meter weiter arbeitet. Junger Spitz! Wenn Wilhelmer die Feinkost-Abteilung des Wasen ist, dann ist das Dinkelacker-Zelt der Volksfest-Aldi.
Wir stehen nach zwei Sekunden auf einer Bierbank, weil wir sonst verdroschen worden wären. Ein Assi vom Nebentisch haut uns ständig auf den Arsch, wenn er aufs Klo geht, ein Tisch weiter versucht ein 23-jähriges Mitglied der Jungen Union, mit seiner Freundin auf der Bierbank im Stehen zu kopulieren, neben uns verteilt ein braungebrannter Schnurres-Träger Schnupftabak an einen Fußballverein in Motto-Shirts und die Bedienungen sind, nun, ja, eher handfest.
Zumindest auf Freund Alkohol ist Verlass. Kollegin M., bei uns sonst für Kultur-Events verantwortlich, tanzt auf einem Bierdeckel wie Jacko, Kollege N. probiert einen lustigen Hut auf und ich bestelle als Zeichen des Protests Weißweinschorle. Das ist so ziemlich das Asozialste, was man im Bierzelt machen kann.
Nach 36 Prosits der Gemütlichkeit, 38 mal anstoßen, vier Schlager-Mastermixes und einigen Bildern, von denen ich auch am Wochenende noch Alpträume haben werde, ist Punkt 23 Uhr Schluss mit dem konditionierten Absturz.
Kollegin M. jammert, dass es schon wieder herum ist, und besteht unter „Fahrgeschäft, Fahrgeschäft“-Rufen auf einen amtlichen Freefall. Damit können wir leider nicht mehr bieten, statt dessen drängen wir in die U1. Das ist nach Wasenschluss das härteste Fahrgeschäft, 380 Promille pro Wagen und eine Geselligkeit, die man auf zwei Quadratmetern eher nicht erleben mag.
Sonntag heißt es dann schon wieder Auszapft is! Nächstes Jahr geh ich mit Martin auf die Gay Delight beim Wasenwirt. Da wollte er schon lange mal hin, glaube ich.
Romantische 8-Promille-Liebe auf der langen Bank
Perfektes Zielgruppen-Produkt: Gab allerdings keine Aussenreporter-Gummis, hab ich für Martin und mich Dieter und Jürgen gekauft
Schnaps deluxe in der Bügelflasche, sieht besser aus als er schmeckt
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Hobby
Am 13. Sep 2010, 09:00 Uhr von martin
(Gefunden von Tobsen)
Ob es in dieser Esso-Tankstelle einfach kein anderes freies Plätzchen mehr gab oder ob der Pächter auf diese Art und Weise gegen das nächtliche Alkoholverbot provozieren will, weiß man nicht. Irgendwie irgendwo macht die Sortierung wiederum Sinn…
Wir wünschen einen guten Start in die neue Woche.
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Im Schlafanzug im Gleisbett
Am 11. Sep 2010, 15:30 Uhr von martin
DPA-Meldung vom 09.09., die wir euch hier nicht vorenthalten wollen:
Stuttgart - Da hat ein Schutzengel ganze Arbeit geleistet: Nur knapp ist ein Zug an einem Betrunkenen vorbeigebraust, der am Donnerstagmorgen auf einem Gleisbett in Stuttgart seinen Rausch ausschlief.
Der 26-Jährige hatte sich im Schlafanzug auf dem schmalen Streifen zwischen Bahnsteigkante und Schiene zur Ruhe gebettet. (Der Part geht mir einfach nicht in Kopp. Du bist daheim, hacke dicht, hast schon dein Schlafi an und dann gehste wieder raus und legst dich auf Gleise?)
Der Fahrer eines Regionalexpresses sah ihn und leitete eine Notbremsung ein. Der Zug rollte aber noch rund 100 Meter an dem Schlafplatz vorbei.
“Der Mann kann seinen zweiten Geburtstag feiern”, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Der Lokführer erlitt einen Schock. Die Reisenden mussten auf andere Bahnen umsteigen. Gegen den Mann wird wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt.
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Trollinger2punkt0
Am 24. Aug 2010, 18:20 Uhr von martin
Morgen startet das Weindorf, eines meiner absoluten Lieblingsfeste. Hock mir 12 Tage lang die Popomuskeln in den Lauben weich und lass mich von Wein und Musi volldüddeln. Richtig gemütlich dort.
Ich weiß zwar nicht, wie der ab morgen wieder massig ausgeschenkte Trollinger schmeckt, da Wein und ich noch weniger Freund sind als Bier und Vitamintablette, aber der württembergische Trollinger hat ein Image-Problem. Also anscheinend. Anders lässt sich die noch im Jahr 2007 sehr modern gewesene Pro-Trolli-Kampagne namens Trollinger2punkt0, abgekürzt T2.0, initiiert von der Werbegemeinschaft Württembergischer Weingärtengenossenschaften AG, nicht erklären.
Gut, wenn ich mir es recht überlege, habe ich bei dem Wort Trollinger als erstes das Bild eines VfB-Präsidenten a.D. im Kopf, wie er sich in einer beengten Besenwirtschaft, vielleicht in Fellbach oder in Untertürkheim, genüsslich die Nase rötlich färbt.
Anders gesagt: Der Trolli und eine durchgestylte Lounge, wie sie auf der T2.0-Homepage zu sehen ist, waren bislang so weit voneinander weg wie ein Jay-Z Auftritt in der Laube vom Remstal-Schmid aufm Weindorf oder der schnieke Holzdielen-Boden von Trollinger-Botschafter Fernando (siehe oben) in meiner eigenen Butze.
Wiki kann übrigens auch ganz schön fies sein, stelle ich gerade fest: ”Der Trollinger ist der Inbegriff des schwäbischen Vierteles-Weins – und damit Ausdruck einer bodenständigen Weinkultur im Württembergischen; der Wertschätzung, die er in seinem Hauptanbaugebiet erfährt, steht außerhalb davon weitgehende Ablehnung entgegen.” Zack, das sass! Weitgehende Ablehnung! Skandal! Demo!
Dagegen muss man also was tun und den Trollinger mittels hohen Werbeeinsatz fit für die Neuzeit machen, ja, ihn ins hier und jetzt mit FB-Gruppe (200 Mitglieder) und Co. KG transfomieren. So lesen wir auf Trollinger2punkt0.de:
“Der Trollinger ist ein verkanntes Wesen. Obwohl ihn viele noch nicht einmal probiert haben, wird er oft unterschätzt. Das ist ein Irrtum. Der Trollinger liegt voll im Trend – fruchtig, frisch und auch etwas frech. Der Trollinger trifft den Zeitgeist auf dem Gaumen der Genießer und erfreut sich Woche für Woche steigender Beliebtheit – weit über Württemberg hinaus.”
Nächste große Aktion ist eine Party im Aer Club am 4. September: ”Berlin ist bekehrt, Hamburg ist bekehrt, Frankfurt ist bekehrt, München ist bekehrt und Stuttgart feiert. Sei mit dabei und feier’ mit uns den Höhepunkt der Trollinger 2.0 Botschafter-Aktion 2010. Im aer.” Dabei wird der Trolli “pur, on the rocks oder als Spritz” angeboten. Tolle Variationen, die sogar mich schnappatmen lassen, wie der Aussi sagen würde.
Was folgt danach? Wie kommen sich Wein und Neuzeit noch näher? Boomin Granny hat die Lösung: ”Ab nächstes Jahr dann Temporary Pop Up Wine Village 2.0 – mit Lofts statt Buden, Fensterglas-Weingläsern und die Weinkönigin wird durch ne Mode-Bloggerin ersetzt, ne?”
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Protestbier: Resist S21
Am 23. Aug 2010, 18:30 Uhr von martin
Brandneu: Resist S21. Da Bier des Volkes kleinster gemeinsamer Nenner ist, dachte sich wohl die Anti-S21-Bewegung – oder wer auch immer – lass ma nen Protestkolben brauen.
Resist S21 gibts bislang in sieben Wirtschaften, unter anderem in der Röhre oder bei den Waggons am Nordbahnhof und angeblich auch in einem Bio-Supermarkt. Obige Bottle wurde bei meinem griechischen Eckladen gesichtet. Vielleicht ist damit der Bio-Supermarkt gemeint.
Resist S21 wird von der Rössle Brauerei 89584 Ehingen gebraut. Hofbräu oder Dinkelacker war das vielleicht zu politisch. Wie es schmeckt – kein Plan. Trink ja nur Sprizz.
Übrigens: In Holland genießt man wohl gerne Wieckse, wie der Nachbar kürzlich entdeckt hat.
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Vorglühen
Am 11. Aug 2010, 18:34 Uhr von martin
Beim Testeinkäufer-Artikel heute früh und der anschließenden Diskussion ist mir wieder eingefallen, dass ich mich im April 2008 auf der ersten Seite im Sub Culture mit dem Trinkverhalten der jungen Leute auseinandergesetzt habe. Ja, meinem einstigen Lieblingsaufreger der VVS.
Die VVS ist ein elendiger Halsabschneiderdrecksverein. Keine 50 Euro schmerzen mich mehr als diese. Russische Gasimperien, schwäbische Stromabzocker oder meinetwegen auch Alois Müller können alle gerne mein Geld haben, aber nicht der Stuttgarter Trantütenverein.
Ist so eine Prinzip-Sache. Mir fehlt da die Leistung für das Geld. Deswegen bin ich im Sommer passionierter Schwarzfahrer, aber im Winter, wenn man auf die Öffentlichen dauernd angewiesen ist, hol ich mir schon ein Abo.
Ich habe, vom Tarif abgesehen, kein Problem mit den Öffentlichen. Mein nahezu kompletter Freundeskreis stellt sich seltsamerweise leidenschaftlich gerne in überfüllte Clubs, ekelt sich aber in einer muffeligen, vollbesetzten S-Bahn. Und bei manchen Leuten habe ich sogar das Gefühl, dass sie eher 40 Sozialstunden in der Hölle abarbeiten würden, als einmal mit der S2 von Schorndorf bis zum Flughafen zu fahren.
Das Image vom S-Bahn-Fahren ist, besonders in Hanglagen-Stuttgart, scheinbar stark negativ behaftet: arm und asozial.
Gut, es ist meistens überheizt, manchmal stinkt dein Sitznachbar, man wird gezwungenermaßen Zeuge stupider Unterhaltungen und die deprimierende Stimmung im Zug (Scheißjob, Scheißfrau, die blöden Bälger, die Schulden bei der Bank wegen dem verdammten Reihenhaus in Echterdingen etc.) kann schon von der Schwabstraße bis zur Stadtmitte ansteckend sein, trotzdem empfinde ich die Gesamtsituation in einem S-Bahn-Abteil als immer noch erträglich.
Momentan feiere ich sogar ein kleines S-Bahn-Revival, denn immer öfters nutze ich wieder die Bahn abends am Wochenende – Partytime, aber hallo!
Ich weiß nicht mehr genau, wie das damals zu meiner Müsli-Zeit war, aber die 16jährigen Großraum-Girls sehen aus wie überreife Nutten. Das kann man sich noch anschauen, aber der Begriff “Vorglühen” hat Dimensionen angenommen, dass selbst mir als bekennender Trinker die Leber schmerzt.
Liebe Kinder, während wir in eurem Alter zärtlich und mit viel Liebe einen kleinen Wodka in die Red Bull Dose gefüllt haben, so dass auch ja kein Tropfen daneben geht und uns anschließend die Dose mit noch mehr Liebe zu viert geteilt haben, vernichtet ihr heutzutage schon im Alleingang um 21 Uhr die Sprit-Abteilung von der Metro! Respekt, sauber! Hut ab!
Bei meiner kleinen Feldforschung habe ich außerdem erstaunt festgestellt, dass eher die jungen Mädchen überhaupt nicht mehr damenhaft mit der Pulle in der Hand herumrennen als die Boys. Die hingegen nerven derartig laut mit ihrem Testosteron-Rap vom Handy so damit es auch der letzte Depp im Wagen hört. Da bekommt man schon mal Lust auf eine Batscherei. Aber nee, die sehen gefährlich aus.
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Testeinkäufer
Am 11. Aug 2010, 09:00 Uhr von martin
Sicherlich ein ernstes Thema, aber ob diese Aktion Sinn macht, wenn man sie im Vorfeld ankündigt, weiß ich wirklich nicht. Im August sind dann “Gewerbetreibende und Angestellte”, die Spirituosen verkaufen, total sensibilisiert und im September dann wieder nicht mehr oder wie oder was?
Gemeinsame Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Stuttgart und der Stadt Stuttgart: Jugendliche Alkoholtestkäufer im Einsatz
Polizei und Ordnungsamt planen Kontrollen
Stuttgart: Junge Beschäftigte der Stadt Stuttgart und der Polizei werden ab Mitte August in mehreren gemeinsamen Aktionen als Alkoholtestkäufer im Stadtgebiet unterwegs sein.
Ziel dieser Aktionen ist es, Gewerbetreibende und Angestellte für die konsequente Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen beim Verkauf von alkoholhaltigen Getränken zu sensibilisieren.
Das Verkaufspersonal soll sich zukünftig ganz selbstverständlich nach dem Alter der Kunden erkundigen und sich gegebenenfalls auch den Ausweis zeigen lassen.
Laut Gesetz dürfen Jugendliche erst ab 16 Jahren Wein, Bier und Sekt kaufen, Hochprozentiges und branntweinhaltige Getränke erst ab 18 Jahren.Wer dennoch Branntwein an Jugendliche verkauft, kann mit einem Bußgeld bis zu 3 500 Euro belegt werden. Ordnungswidrig handelt auch, wer als Erwachsener den von ihm erworbenen Alkohol an Jugendliche weitergibt.
Hintergrund der Aktion sind die seit Jahren von der Polizei nicht nur in der Landeshauptstadt registrierten negativen Begleiterscheinungen von exzessivem Alkoholkonsum wie Pöbeleien, Provokationen, Ordnungsstörungen oder Körperverletzungen.
15,7 % aller Straftaten unter Alkoholeinfluss sind 2009 von unter 21-Jährigen begangen worden. Bei gefährlichen Körperverletzungen und bei der Gewaltkriminalität liegt der Anteil sogar bei über 30 %. Auch die stationäre Aufnahme von Kindern und Jugendlichen wegen Alkoholintoxikation gibt Anlass zur Sorge. 231 junge Menschen mussten im Jahr 2009 in Stuttgarter Krankenhäusern behandelt werden.
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