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52 Albums/49: Social Distortion
“White Light, White Heat, White Trash”
von Michael SetzerAm 24. Mrz 2010, 18:00 Uhr von martin

Ein lange ersehnter Gast-Beitrag, auf den wir uns besonders freuen. Der Mann mit dem roten Bärtchen und den Rastas ist in Stuttgart glaube ich so bekannt wie der oft zitierte bunte Hund.
Tagsüber seit vielen Jahren bei PRINZ beschäftigt, abends Probe und Auftritte mit seiner Band End Of Green, die mit ihrem letzten Album sogar in die Charts einstiegen. Vorhang auf für Michael Setzer, ein wahrer Fels in der Brandung, und einem klasse Text. Er besitzt die beschriebene CD übrigens nicht mit obigen Cover, sondern mit diesem hier (PromoCopy):

Martin sah immer etwas merkwürdig aus. Tolle Tolle, Teddyboy, Rockabilly und so. Einmal drückte er mir im Rauchereck auf dem Schulhof zwei CDs in die Hand, obwohl er gar nicht rauchte. „Gefällt Dir garantiert. Punk, irgendwie springsteen- aber auch so countrymäßig“, hat er gesagt.
Er klang, als ob er sich selbst nicht sicher sei, was er eigentlich von Social Distortion halten sollte. Den Namen der Band kannte ich wiederum nur von T-Shirts anderer Punkbands. Aber auf dem einen Cover war eine Knarre, ein Gangster, Alkohol und ein bestrapstes Pin-Up-Girl. Da kommt selten was Schlechtes bei raus.
Mittags hab ich gleich beide CDs gangstermäßig auf eine Kassette gezogen und mich wahnsinnig über “Cold Feelings“, „Sick Boy“ , „So Far Away“ gefreut. Super Lieder für Freaks auf dem Dorf, die sich dunkel kleiden. Angehört, mitgepfiffen, für gut befunden und dann vier Jahre lang keinen Gedanken daran verschwendet.
Steffen sieht gar nicht komisch aus. Trotzdem drückte er mir 1996 eine Promo-CD in die Hand. „Hab ich doppelt, die neue Social Distortion. Wusste gar nicht, dass es die noch gibt. Voll gut.“ Auf dem Cover war ein Engel, eine Stripperin und Heroin. Zu Hause in der schäbigen WG fegte mich “White Light, White Heat, White Trash” von Social Distortion dann gegen die Wand.
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52 Albums/47: Tricky “Maxinquaye”
Am 10. Mrz 2010, 14:47 Uhr von martin
Ich glaube, Tricky ist der Musikkünstler, der mich am meisten enttäuscht hat.
Immer mal wieder habe ich ihm nach seinem famosen Debütalbum „Maxinquaye“ von 1995 eine Chance gegeben, freilich blind damals das zweite Album „Nearly God“ gekauft (was ein blöder Titel eigentlich) und vor einigen Jahren den Longplayer „Blowback“, über den ich irgendwo gelesen habe, der wäre mal wieder ganz gut, aber nach ein oder zweimal anhören doch wieder in die Ecke stellte.
Die Spex feierte wiederum erst neulich sein Projekt mit der South Rakkas Crew. Ich habe es mir prompt auf iTunes durch geskippt, fands net so dolle; gestern erst in der Lodown eine knackig-fiese 1/10 Rezi gelesen.
Tricky hatte schon immer was von einem Streuner, einem Heimatlosen, nicht Fisch, nicht Fleisch. Er weiß nicht wo er hin soll. Dazu passte auch die halbgare Filmrolle in „Das fünfte Element“, in dem er einen Handlanger des Oberschurken (Gary Oldman) spielte.
Das wäre vielleicht so der rote Faden seiner Karriere, der sich von Beginn an durchzog. Schon unter so manchen Kritikern galt sein Debütalbum „Maxinquaye“ als schwacher Massive Attack-Abklatsch, aus deren Umfeld Tricky bekanntlich stammte, quasi ein Profiteur im Fahrwasser der tiefen Spuren, die „Blue Lines“ und „Protection“ hinterlassen haben.
Ich fand „Maxinquaye damals unendlich fett, was natürlich mitunter an der Songkette „Ponderosa“, „Black Steel“ (Public Enemy Coverversion) und freilich dem wahnsinnig betörenden Schleppbeat-Klassiker „Hell Is Around The Corner“ lag. Ein paar Monate zuvor hatten Portishead ja dasselbe Isaac Hayes Sample für den Titel „Glory Box“ verwendet. Die Maxis habe ich mir später in meinem anfänglichen Ebay-Wahn ersteigert, speziell für lange Nächte im Oblomow.
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52 Albums/46: Jay-Jay Johanson “Whiskey”
Am 5. Mrz 2010, 08:00 Uhr von Thorsten W.

Wow, Nr. 46, wir nähern und langsam aber sicher dem Ende dieser Serie. Und zu meinem heutige Album gibt es wieder ein bisschen was zu erzählen.
Es muss 1998 oder 1999 gewesen sein, da war ich ein paar mal im schicken Loft-Studio vom Fotografen Axl Jansen – hinten am Nordbahnhof, wo später auch Cosmium und Putte usw. ansässig waren, und wo heute Brachland ist. Axl Jansen gehört zu dieser “alten” Stuttgarter Künstler-/Musiker-Posse, wohnt inzwischen wohl in Paris und ist glaube ich ziemlich erfolgreich.
Ich sollte für das Loop Magazin einen Artikel über die Massiven Töne schreiben, es muss so die Zeit vor dem “Überfall”-Album gewesen sein. Und Axl sollte passend dazu ein Fäshn-Shuuting machen.
Das Shuuting hat fast im Eklat geendet, ich weiß nicht ob sich Schowi heute daran erinnert – denn Stylistin Sabse (vom weltberühmten Duo Sabse & Nancy) und Axls Assistentin (Namen vergessen) haben die Jungs in sehr, sagen wir mal, metrosexuelle Stylo-Outfits gesteckt – was ihnen glaube ich erste hinterher richtig bewusst wurde, und Strachi war gar nicht begeistert. Wurden aber glaube ich trotzdem abgedruckt, vier ganze Seiten Alter!
Auf jeden Fall lief bei meinem ersten Besuch beim sehr sympathischen Axl sehr coole Musik, und ich hab ihn gefragt was das ist. Jay-Jay Johanson hat mir gar nichts gesagt, hat mir aber gefallen, und dann hat der Axl gesagt: “Komm, ich brenn Dir die CD!”
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52 Albums/45: Alec Empire “Low On Ice”
Am 25. Feb 2010, 13:30 Uhr von Thorsten W.

Wir hatten es neulich ja hier schon mal vom Thema Ambient und viele Kommentatoren haben mir zugestimmt, dass es grandios wäre, wenn es bei einer Party wieder einmal einen Chillout-Floor gäbe. Mann, wie gern würde ich wieder mal in einem auflegen. Vielleicht bei Stuttgart kaputtraven? Thomas, where you at?
Wie schon oft erwähnt habe ich Mitte der 90er mit Ambient angefangen aufzulegen und tatsächlich den ein oder anderen Chillout-Floor beschallt (bei den Ollis in der Röhre, beim Partysan im Vibration in Forst und sogar im zweiten M1 bei der Alien Nation).
Und eines meiner liebsten und zugleich typischsten Ambient-Alben damals war “Low On Ice” von Alec Empire, das 1995 auf Mille Plateaux erschienen ist. Ich kenne drei musikalische Gesichter von Alec Empire. Kennengelernt habe ich ihn mit prügelndem Hardcore Techno (so hieß das damals ernsthaft) auf Force Inc..
Am bekanntesten ist er aber sicher mit seiner ehemaligen Band Atari Teenage Riot – ich hab das Konzert damals in der Röhre leider verpasst, muss aber gut abgegangen sein mit poguenden Ravern vor der Bühne (Ken, warst Du auch dabei?).
Atari Teenage Riot haben Techno mit Punk gekreuzt und übelst linksradikale Parolen dazu geschrien – sehr unterhaltsam, z.B. “Hetzjagd auf Nazis”.
Ich hab mir auf den Chillout-Floors oft den Spaß gemacht und als letzten Song bzw. Rausschmeißer wahlweise “Destroy 2000 Years of Culture” von Atari Teenage Riot oder “Come To Daddy” von Aphey Twin gespielt. Kurz nachdem sich die Band 2000 aufgelöst hatte starb leider das Bandmitglied Carl Crack.
Die dritte musikalische Seite von Alec Empire hat er auf besagtem Album “Low On Ice” ausgelebt – und zwar mit astreinem Ambient-Sound in bester Orb-Tradition. Das Album trägt den Untertitel “The Island Sessions” und wurde meines Wissens live bei einem Festival im isländischen Eis aufgenommen.
Und genau so hört es sich auch an: Die Sounds, Beats und Klänge sind so kalt, dass man sich beim Zuhören am liebsten eine Wärmflasche machen möchte, alles dubbt und wabert vor sich hin dass es eine wahre Freude ist… sehr reduziert, sehr viele Flächen, sehr zurück genommene Beats, sehr schön.
Das Album gibt es inzwischen sogar bei iTunes zu kaufen (als Re-Release von 2001 auf Geist), als Einstieg und Hörprobe sei an dieser Stelle der Track “22.24″ empfohlen, bei dem im Hintergrund sogar ganz dezent eine 303 rumgluckst.
Irgendwann hat Alec Empire auch breakbeatigeren Sound gemacht, weshalb wir ihn mal für eine Breakbeats-Party ins Prag buchen wollten – ich hatte sogar eine Telefonnummer von ihm organisiert und ihm leicht nervös aufs Band gesprochen. Er hat aber nie zurückgerufen.
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52 Albums/44:
Blur “Parklife” by Anja WasserbächAm 16. Feb 2010, 12:30 Uhr von martin
Heute ein Beitrag zu unserer schönen Serie von Mamis liebster Autorin: Mrs. Anja Wasserbäch. Wir kennen uns seit ihren PRINZ-Tagen, zwischenzeitlich ist sie bei den Stuttgarter Nachrichten/Sonntag Aktuell gelandet, betreibt mit Gleichgesinnten den tighten Gig-Blog und ihr DJ-Duo heißt ebenfalls The Tights.
Als Indie-Disco-Mädchen durch und durch stellt Anja für uns das Album “Parklife” von Blur vor. Wer legt mit Oasis nach?
Es passt perfekt, dass dieser Tage die Blur-Dokumentation „No Distance Left To Run“ endlich auch auf Doppel-DVD erscheint.
Grund genug hier auf kessel.tv an Blur und ihr großartiges Album „Parklife“ aus dem Jahr 1994 zu erinnern.
Anlass für die Dokumentation „No Distance Left To Run“ waren die zwei Riesenshows im Hyde-Park im Sommer 2009. Wer hätte schon daran glauben mögen, dass Damon Albarn und Graham Coxon jemals wieder miteinander reden, bzw. sich zusammen auf eine Bühne stellen. Danke!
So können wir jetzt ein bisschen nostalgisch sein. Auf DVD 1 das großartige Konzert nachgucken, und es bereuen, doch nicht nach London gereist zu sein. Viel besser aber ist sowieso DVD 2, die Dokumentation mit jeder Menge Interviews und der bewegenden Jahre der Band, die man damals ja ganz anders mitbekommen hat.
Wir Mädchen, die sich in den neunziger Jahren musikalisch sozialisiert haben, waren oft in London. Für uns war Blur eine Boygroup, nur ohne Choreographien. Für jede was dabei.
Als Blurs Album „Parklife“ mit den schönen Hunden auf dem Cover erschien, war ich 15. Auf einmal war die Grunge-Karohemden-Sache vorbei und der Pop da. Britpop nannte man das dann. Aber das war erst einmal egal.
„Girls & Boys“ war der Hit. Und: „Du bist sehr schön“, hat Damon Albarn nur für uns gesungen. Toll natürlich auch: „Parklife“, „This Is The Low“ oder „London Loves“. Und bei „End Of The Century“ dachte man daran, dass nach dem Millenium-Gedöns sowieso die Welt untergeht.
Dann gab es noch so Quatsch wie den „Battle Of The Bands“: entweder Blur oder Oasis. Ein Dazwischen gab es nicht.
Wir werden alle älter. Für alle Gossip Girls: Dave Rowntree kandidiert heute für die Labour-Partei, lädt mich via Facebook zu Demos in London ein, Alex James, der Seitenscheitel-Boy trägt jetzt nur noch Cordjacketts mit Lederellenbogenflicken und ist unter die Käsehersteller gegangen (das kann man alles in seiner wunderbaren Biographie „Bit Of Blur“ nachlesen). Mit Frau und fünf Kindern lebt er inzwischen irgendwo in den Cotswolds.
Graham Coxon hat ein paar Soloalben gemacht. Damon Albarn (seine Tochter nannte er Missy – nach Missy Elliott) ist ja mit den Gorillaz immens erfolgreich. Bleibt nur die Frage, was Justine Frischmann heute so macht.
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52 Albums/43:
The Chemical Brothers “Exit Planet Dust”Am 9. Feb 2010, 13:00 Uhr von martin
Bei den Chemical Brothers muss ich als erstes immer an riesige Arenen, riesige Plastikbecher voller Bier und riesige Menschenmassen an grölenden, willenlosen Kids denken. Die Chemical Brothers sind wohl im Live-Format so bissle das Vorbild für alle Deichkinds, Bloody Beetroots oder auch Private Fictions dieser Welt. Verkleiden sich Chemical Brothers Fans eigentlich auch?
Wir zwei, äh, drei, also die Chemical Brothers und ich, haben uns hingegen bereits mit dem zweiten Album schon wieder getrennt. Denn ihre erste Platte, also „Exit Planet Dust“ von 1995, ist (für mich) die beste.
Die Chemical Brothers sind aber deswegen keine schlechte Band, ganz im Gegenteil. Natürlich habe ich auch seither immer mal wieder ein Lied aufgeschnappt und fand auch das eine oder andere richtig gut.
Und natürlich freut man sich gerade für solche Typen wie Tom Rowlands und Ed Simons tierisch, wenn auf dem Weg ins Stadion sogar mal ein ordentlicher Nagelstudio-Chartstürmer wie „Galvanize“ abfällt. Aber unter dem Strich komme ich mit ihrem Sound nach “Exit Planet Dust” nicht mehr ganz klar.
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52 Albums/42:
Matisyahu „Light“ by TobitrashAm 4. Feb 2010, 11:35 Uhr von martin
Heute erzählt uns Tobitrash, der vor Heiligabend einen TripHop-Mix ablieferte, seine Geschichte über den mir bis dato unbekannten amerikanischen Künstler Matisyahu und wie er diesem ein Autogramm abluchste.
Vor zwei Jahren hörte ich zum ersten Mal Matisyahu auf dem iPod meines Schwagers und sogleich verliebte ich mich in seinen Sound, eine Mischung aus HipHop, Reggae und Rock. Außerdem ist der Flow dieses jüdischen Rappers und Sängers für mich einmalig.
Als DJ und Vinyl-Liebhaber musste ich mich auch gleich auf die Suche nach Schallplatten des Künstlers machen, was sich als nicht ganz so einfach erwies, da Matisyahu hauptsächlich in den USA bekannt ist. Mittlerweile bin ich aber stolzer Besitzer von insgesamt drei Doppel LPs – „Youth“, Youth Dub“ und „Light“.
„Youth“ ist meiner Meinung nach bis dato sein bestes Album, „Youth Dub“ folglich die Dubversion des Masterpiece und mit dem aktuellen Album „Light“, das Mitte letzten Jahres erschienen ist, verbinde ich mit diesem außergewöhnlichen Künstler folgende Geschichte .
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