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    Heute im Delphi: Station Solitude

    Nach Tod und Motorsport etwas Kultur. Früher dachten meine Eltern, wie wahrscheinlich viele andere Eltern auch, man müsse mit den Kindern am Wochenende austreten. Frische Luft und so, nach 25 Stunden vor dem Vectrex, der ja eigentlich Papi gehörte, aber die Junge auch mal Dreistrich-Kampfbomber abballern durften. Fantastische Graphik. Wie viele Tätowierung heute.

    Fand man nie so cool, also das mit dem Spazieren gehen, weil es im Wald kein Lego gab und auch keinen Vectrex, aber dafür war der Weg hin zum Bärenschlössle mit dem Roller und später Fünfzigmarkkomplettskateboard – jeder fängt mal an – für fußfaule Kids sehr einfach zu bewältigen. Zurück halt übel Gemotze, will heim, muss aufs Klo, will nen Stockbrot, will ne Wurst, will das und dies und vor allem Lego. Meine Eltern zogen, neben dem Killesberg (damals noch mit Eintritt!) also die Gegend rund um den Bärensee und Schloss Solitude vor. Viel weiter bin ich heute übrigens zu Fuß nicht gekommen. Doch, zum Killesberg.

    Neben dem Schloss Solitude gibts diese herrlichen kleinen Häuschen. Wusste jahrelang nicht, was da getrieben wird, Hanf-Züchtung, Porno-Dreh, Youtube-Treffen, Twitter-Zentrale, GRÜNEN-Teambuilding, Wachtturm-Lesungen oder Christoph Sonntag sucht heimlich nach der schönsten Wollpulli-Wollsocken-Kombination für seinen nächsten Max-Eyth-See-Gig. Wasweißdennich.

    Die schönen Anwesen sah jedenfalls immer so verlassen aus. Irgendwann hat es sich auch bis zu mir rumgesprochen, dass man da irgendwas mit Kunst passiert, also so in dem kompletten Areal und in den Häusern wohnen die Stipendiaten. Genauer gesagt kann man sich da irgendwie frei entfalten.

    “Sie (die Akademie) legt besonderen Wert darauf, ihren Gästen eine andere Zeit, eine Zeit von besserer Qualität anzubieten, als die, die Künstler womöglich in ihrem Alltag erleben”, steht auf der Homepage. Klingt nach einem schönen Leben, kann mich aber auch brutal täuschen.

    Seit 1990 gibt es jedenfalls die Akademie Schloss Solitude und “seit 1990 ziehen jedes Jahr zwischen 50 und 70 junge Künstler, Musiker, Architekten, Schriftsteller und Regisseure aus aller Welt auf Schloss Solitude ein”, so der Infotext zu dem Film “Station Solitude”, der zum 20jährigen Jubiläum gedreht wurde und ein paar Einzügler, eben aus aller Welt, begleitet.

    Wird heute Abend im Delphi gezeigt wird (19:30 Uhr). Ich weiß, ist vielleicht nicht ganz der optimale Doku-Kino-Abend, aber Hugo kann man auch morgen noch trinken und der geplante Spaziergang zum Bärensee ist nur aufgehoben und nicht aufgeschoben. Außerdem sieht der Trailer ganz romantisch aus.

    www.solitude-film.de

    “Seit 1990 ziehen jedes Jahr zwischen 50 und 70 junge Künstler, Musiker, Architekten, Schriftsteller und Regisseure aus aller Welt auf Schloss Solitude ein. Unter 1.000 Bewerbern wurden sie für ein Stipendium an der dortigen Künstlerresidenz ausgewählt.

    Zum 20. Jubiläum der Akademie begleitet der Dokumentarfilm “Station Solitude”, den 3sat am Sonntag, 20. Februar 2011, 11.30 Uhr, in der Matinee in Erstausstrahlung zeigt vier der Stipendiaten der Jahre 2009-2011 über ein Jahr. Er beobachtet, wie sie sich persönlich und künstlerisch austauschen und weiterentwickeln. Das Stipendium der vier Künstler begann im Oktober 2009.

    Der 1975 geborene französische Schriftsteller Martin Page nutzte die Zeit auf Schloss Solitude bis September 2010 dazu, den tragischen Tod seines Vaters in einem neuen Roman zu verarbeiten. Die amerikanische Bildhauerin Lan Tuazon (geboren 1976) gab für das Stipendium ihre Dozentenstelle in New York auf und baute bis Juli 2010 eine vier Meter hohe Skulptur, die sich mit Klassenunterschieden auseinandersetzt.

    Ebenfalls bis Juli 2010 war der iranische Theaterregisseur Hamed Taheri (geboren 1975) Stipendiat der baden-württembergischen Akademie. Er inszenierte seine Frau in einem dramatischen Solostück. Der 1980 geborene deutsche Grafiker Demian Bern versteht sich als Kommunikator und nutzt die gesamte Stadt Stuttgart als Ausstellungsort für seine Aktionskunst. Er war bis März 2010 Stipendiat auf der Solitude.

    Die Akademie Schloss Solitude wurde 1990 mit ihrem internationalen Programm eröffnet. Sie fördert junge, besonders begabte Künstler mit Wohnstipendien. Alle zwei Jahre werden neuen Künstler für diese Stipendien eingeladen. Das idyllisch und einsam gelegene Schloss bei Stuttgart ist in den vergangenen 20 Jahren zu einem Ort des künstlerischen Austausches und der Kreativität geworden. Es bietet den Stipendiaten den Freiraum, um sich unabhängig von finanziellen Sorgen ganz ihrer künstlerischen Arbeit zu widmen.”

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1 Kommentar »
 

LaberLaber 1 Kommentar

  1. Donnerstag, 12. Mai 2011 um 11:01

    @ Martin: Hätt ich nicht gedacht, dass Du auch schon so alt bist, dass Du noch die Zeiten miterleben durftest, als sie auf dem Killesberg noch Eintritt verlangten…

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