• 2

    Rummel

    So ist auch der Wasen zu ertragen. Der neue Zeitrafferfilm von den Machern von stuttgart24h sieht ganz nice aus. “Rummel” wurde in dreiwöchiger Drehzeit auf dem Frühlingsfest gedreht, die Musik stammt wieder von dem Komponisten Sebastian Bartmann.

    Mehr Details: “A time-lapse photography film shot at the biggest (1,3 million visitors) spring funfair in europe called Stuttgarter Frühlingsfest. The pictures were captured during 3 weeks at the Cannstatter Wasen in Stuttgart (Germany). The DSLR Canon 5D Mark II photographed over 200.000 shots (over 3TB RAW files) always at an interval of one second. The time lapse effect was created by stringing together the single photos to video sequences.”

    www.facebook.com/rummelfilm www.rummel-film.de/

     
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  • 29

    Gute Reise, Steve

    Ging jetzt schnell. 56 ist kein Alter, sagt man. Richtig. Ist es auch nicht. Ich besitze kein iPod, kein iPad und auch kein iPhone, aber deine PowerMacs und Läppis waren für mich immer die besten, bzw. dein Betriebssystem. Das kann ich sagen. Ich hoffe das bleibt auch so. Ruhe in Frieden.

     
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  • 30

    Löwe frisst Traktor

    Bild: yaaaay

    Ich kann ja nicht warten bei so was. Apple kündigt eine “echte” neue Version seines Betriebssystems an – also mit wirklich für den User sichtbaren Änderungen respektive Verbesserungen – ich les 1-2 Rezensionen und bin am Start. Ist ja auch so einfach heutzutage. Knapp 20 Euro für das Update von Snow Leopard auf Lion, direkt runterladen im App Store, drüber installieren und fertig.

    Davor natürlich ein Backup gemacht auf meine neue 2 Terabyte-Festplatte. 2 Terabyte für 70 Euro, Alter, für das Geld hast du vor einem Jahr gerade mal 1 TB bekommen, vor zwei Jahren 500 MB und in meiner Jugend einen 10er-Pack Disketten.

    Gefällt mir insgesamt auch echt gut, der Lion, man scrollt jetzt andersrum, man kann schick hin- und herwischen, es gibt eine systemübergreifende Rechtschreibkorrektur, in den Apple-eigenen Programmen muss man nicht mehr speichern, weil das automatisch passiert, und auch sonst fühlt sich das einfach modern und sinnvoll an. Gut, braucht man nicht, aber Spaß macht’s.

    Meine größte Sorge bei so einem Update ist ja immer der Traktor, mein DJ-Programm. Das muss funktionieren, da gibt’s keine Alternative, sonst steh ich so blöd da wie Ram vor einer Weile, als ihm eine gecrasthe Festplatte den Abend in der Suite versaut hat.

    Also kurz in ein paar DJ-Foren nachgeguckt, das offizielle Statement von Native Instruments gecheckt, Fazit: Kein Problem mit Traktor und Löwe. Zu Hause zur Sicherheit mal den Traktor hochgefahren, alles läuft wunderbar.

    Vergangenen Freitag fahr ich dann in die Suite zum Auflegen und hab unterwegs schon ein komisches Gefühl. Vielleicht bilde ich mir das auch nur jetzt im Nachhinein ein. Vor Ort stöpsel ich alles ein, nach über 6 Jahren Laptop-DJing Routine, auch wenn ich bis heute jedes Mal froh bin, wenn alles läuft. Und dann ist es so weit: Es läuft nicht.

    Die Traktor-Software erkennt den Audio8, also die externe Soundkarte, nicht. Das scheiß grüne USB-Lämpchen am Gerät, das die Verbindung anzeigt, blinkt anstatt dauerhaft zu leuchten wie es sich gehört. Ok, keine Panik, irgendwas ist immer und erst mal alle üblichen Maßnahmen ausprobieren: Traktor neu starten, Rechner neu starten, an alle Kabeln rumwackeln. Nix.

    Also kurz googeln – Suite-Wlan FTW – und der erste Fund: Blinkendes Lämpchen heißt Audio8 am Arsch. Fuck (hehe, die Rechtschreibkorrektur macht aus “Fuck” “Funk” :-) ). Jetzt muss ein Plan B her, und in solch einer Situation können nur die DJ-Kollegen helfen.

    Also ruf ich nacheinander DJs an, von denen ich hoffe, dass sie mir einen Audio8 ausleihen können oder zumindest jemanden kennen der das kann: Ram, geht nicht ran, Frico, geht nicht ran, Norman, geht nicht ran, Tom de Beyer, hat sein Audio8 bereits an Karl Francis verliehen, Rick, geht nicht ran, Skully – Bingo! Auf den Technikgott ist halt Verlass. Mit ein wenig verschlafener Stimme teilt er mir mit, dass ich seinen Audio8 bei ihm zu Hause abholen kann.

    Also rein ins Auto und ab nach Heslach. Unterwegs überlege ich mir, was Plan C ist, wenn Plan B nicht funktioniert. Mit Platten auflegen? Verrückt. Ich könnte vielleicht tatsächlich schnell ein Set zusammenstellen, aber ich wüsste nicht mal, wie ich die Platten transportieren sollte. Eine große Plattentasche hab ich schon lange nicht mehr.

    Skully lacht mich dann erst mal aus. “Was, du hast auf Lion upgedatet? Hahaha, sowas mach ich nie vor dem zweiten Update. Kann schon sein dass darum dein Treiber nicht mehr funktioniert.”

    Ja toll, das ist ermutigend. Wenn das jetzt nicht funktioniert hilft nur noch Plan D – ein anderer DJ muss einspringen. Schöne Aussichten – einen Kollegen Freitagabend um 10 überreden, vom Sofa aufzustehen und für mich einzuspringen. Aber noch bin ich guter Dinge.

    Zurück in der Suite also umstöpseln. Zum Glück ist es immer noch relativ früh und noch wenig los. Es bleibt also noch Zeit. Und die scheiß grüne Lampe an Skullys Audio8 blinkt ebenfalls. Verf*** Sch***. Ok, ganz ruhig. Die Barleute werden auch schon etwas unruhig, während ich versuche, völlig gelassen zu bleiben. Nach außen.

    Eine Chance hab ich noch: Wie wär’s, wenn ich einfach mal ein Update von meiner Traktor-Software mache? Sehr verrückt. Gesagt, getan, und schon als der Rechner nach dem Update wieder hochfährt sehe ich ein beruhigend dauerhaft leuchtende grüne Lampe. Es wird doch nicht… doch! Es tut! Alter Schalter!

    Mir fallen zwei dutzend Monte Scherbelinos vom Herzen, die Barleute applaudieren und ich preise einmal mehr das Wlan in der Suite, Traktor, Skully und alle DJs dieser Welt. Auf die übrigens doch Verlass ist – alle, die ich angerufen habe, rufen im Laufe des Abends zurück. Außer Norman, der wahrscheinlich gemütlich war, aber das ist okay.

     
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  • 2

    Astronaut Suicides

    FOTO: Neil DaCosta

    Guten Morgen. Aus der Traum. Während Mercedes schamlos auf dem Schloßplatz feiert, wird in den USA längst nicht mehr nach den Sternen gegriffen. Das NASA Space Shuttle Programm wurde im vergangenen Monat nach 30 Jahren Betrieb eingestellt. Also, nix mehr Space Shuttle, wenn man mal was erleben will. Kein Urlaub mehr auf der ISS. Tui und Pfui.

    Fotograf Neil DaCosta hat das Leid der NASA Astronauten nun sehr einfühlsam dokumentiert. Die dürfen künftig schließlich allerhöchstens noch in russischen Klitschen rumfliegen, wenn sie nicht gleich zum Busfahrer umschulen müssen. Der Traum ist vorbei. Wir fühlen mit ihnen. Hier die  Topbilderstrecke: Astronaut Suicides.

     
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  • 11

    “Fucking James Bond”

    Ich hoffe, dass das kein Fake ist. Auch weil ich hoffe, dass Sean Connery tatsächlich “007″ auf seinem Briefpapier gedruckt hat. Zusatzhoffnung, wenn wir schon dabei sind: Hoffentlich hat Bruce Willis auf seinem Briefpapier einen Weltrettungscounter. “Ich bin Bruce Fucking Willis und habe mindestens 45 Mal die Welt gerettet, du Handtuch.”

     
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  • 16

    Stuttgart rast

    Pfingstmontag, Lese- und Kulturtag, schlag ich also prompt den Kulturteil der Zeit auf, rechte Spalte Überschrift: “Stuttgart rast”. Scheinbar ist momentan jedes Movement aus Stuttgart Feuilleton-tauglich. Dabei geht es eigentlich um ganz banale Dinge, nämlich die seit Jahren ausgetragenen Eingang-Rennen in der Innenstadt.

    Gehen mir ehrlich gesagt ebenfalls seit Jahren am Arsch vorbei, weil ich davon relativ wenig mitbekomme, Start-Ziel-Bereich soll ja so auf der Höhe Club Bett sein. Beziehungsweise frag mich, warum man das nicht in Griff bekommt. Sind ja keine Profis am Steuer. Nicht mal Thorsten fährt mit und der hat Hockenheimring-Erfahrung. Und Panameras kann man offensichtlich auch stoppen. Vorausgesetzt sie sind langsam und fahren Schlangenlinien.

    Erinnere mich sehr dunkel an einen Forumseintrag in einem ehemaligen Partypics-Portal, das schon lange über den Wolken verschwunden ist: “Wie schnell schafft ihr den Cityring?” Mein liebes Getriebe, da wurde aber die Nudel rausgehängt, auf die Sekunde genau, wie bei einer Laufveranstaltung. Also ich schaff den Cityring zu Fuß in circa 15 bis 20 Minuten. Bei grüner Welle. Wir können auch gerne mal ein Rennen machen.

    Der Zeit-Autor wiederum schafft es nun tatsächlich, diese seltsamen Wettbewerbe in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Gut, im Feuilleton-Ressort muss man das wohl. Mit “Granatenseggl”, die kurze Variante, kriegt man die Spalte halt nicht voll. Eher mit Philosophie. Stuttgart sei seit Herbst 2010 eine verwirrte Stadt:

    “Einerseits Metropole des ökologischen Wandels (es regiert ein Grüner, sein Wahlkampfrequisit: eine alte Blechgießkanne), andererseits noch immer die Autostadt schlechthin (vom keimfreien Wolfsburg abgesehen). Einerseits die deutsche Großstadt mit der schönsten Topografie (ENDLICH!) andererseits ein von Autobahnen durchschnittenes Kesselnest. Und die grün-rote Landesregierung ist in Gefahr, von der Causa Stuttgart 21 zerrissen zu werden. Diese Widersprüche lassen sich auf Dauer nicht bändigen, sie wollen sich austoben, und das tun sie nachts.”

    Da folgt prompt noch der obligatorische den-muss-man-bei-Stuttgart-immer-noch-dazu-schreiben-Arschlochsatz: “Ja, Stuttgart hat mittlerweile ein Nachtleben.” Ach herrje…

    Klar, der Autor kann vielleicht nicht wissen, dass die Rennen schon lange vor der “Causa Stuttgart 21″ ausgetragen werden. Vielleicht meint er all das einfach nur ironisch: “Man kennt solche Jagden von den Ausfallstraßen des Ruhrgebiets und aus dem deutschen Osten. Aber hier, in dieser so demonstrativ zur Besinnung gekommenen Stadt, auf der geweihten Piste der Bürgermärsche, hätte man sie nicht erwartet.”

    Nee, hier nicht. Im Epizentrum des schönsten Großraums der Erde. ”Ein Selbstzweck wird gefeiert, dem Wutbürger stellt sich der Gasfußbürger grinsend in den Weg: Er holt sich bei Nacht, was seiner Stadt im Licht der Vernunft abhandengekommen ist.” Das ist fast schon wieder super. Musste ich schmunzeln. Wie auch beim Schluss. Die Polizei scheint seinen Beobachtungen nach das Spektakel zu begleiten anstatt zu verhindern. “Was hier stattfindet, ist ein Methadonprogramm für Geschwindigkeitssüchtige, ein Trostrausch der Umweltidioten.”

    Bei Geschwindigkeitssüchtige fällt mir noch ein, dass ich gestern Abend vor dem Einschlafen noch Death Race mit Jason Statham angeschaut habe. War gut. Wurde nicht viel gesprochen. Kulturtag halt.

     
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  • 6

    Fahrverbot für Gelb

    (Logo-Krieg. So kann ein Briefkopf einer städtischen Pressemitteilung aussehen.)

    Über den Sinn und Unsinn von Feinstaubplaketten ist vor Jahren viel diskutiert worden. Größerer Aufreger als Parken im Westen. Am Neckartor wird immer noch der höchste Feinstaubwert Deutschlands gemessen, zumindest war das noch letztes Jahr so, aber jetzt zündet trotzdem die nächste Stufe des Feinstaubminimierungsprogramms.

    Ab Januar 2012 kommt das Fahrverbot für Fahrzeuge mit einer gelben Plakate. In Stuttgart betrifft das aktuell 12.000 Fahrzeuge, rund 9.000 können mit Nachrüstsätzen ab 690,20 Euro innercitytauglich gemacht werden. 700 Steine oder mehr muss man erst mal haben. Die Fahrzeughalter werden in diesen Tagen angeschrieben. Bürgermeister für Städtebau und Umwelt Matthias Hahn findet alles total super: „Die Stadt Stuttgart bietet den betroffenen Autofahrer einen großartigen Service. Jeder weiß sofort, woran er ist.“

    Genau, halt Kohle ausgeben, verkaufen oder Schrottpresse. Als das Thema 2007 heiß wurde, stand ich damals mit meinem alten Hobel vor derselben Entscheidung und kam aus Angst vor der Verschrottung ziemlich ins Schwitzen. Ging aber alles gut und zugegeben etwas tricky zu meinen Gunsten aus, hab mich aber tief gefreut und das damals in der LIFT Märzausgabe 2008 dokumentieren dürfen:

    Seit Wochen feiere ich eine innere Party. Mein geiler Bock hat die grüne Plakette bekommen und darf weiterhin fröhlich durch die City eiern. Mein geiler Bock ist eine Meisterleistung schwäbischer Ingenieurskunst: Daimler, Baujahr 1981, petrolgrün, Typenbezeichnung W123, auf dem Heck steht 280E, unter der Haube steckt ein 6-Zylinder-Motor mit 185 PS, der Innenraum bietet Features wie ein elektrisches Schiebedach, Klimaanlage oder Sitzheizung. Ein einziger Traum, den mir Stuttgart entreißen wollte – Feinstaub-Reduzierung.

    In der sogenannten Umweltzone war kein Platz für meinen stinkenden Freund vorgesehen. Die Emissions-Schlüsselnummer im Fahrzeugschein sagte klar und deutlich: Dorfrennen oder Schrottpresse. Mein versierter Mechaniker meinte vergangenen Sommer, da lässt sich wohl nichts machen, wiederum andere Hobby-Schrauber meinten, dass mich eine Umrüstung bis zu 1000 Euro kosten würde. Und Stuttgart machte verstärkt Druck, ab 1. März 2008 soll die Umweltzone definitiv eingeführt werden.

    Meine letzte Chance war Paul Wurm, der Erfinder des Wurm-Katalysators. Die Firma in S-Rohracker hat in den 80ern & Früh-90ern etliche Mercedes-Modelle nachgerüstet, auch in meinem Schiff wurde 1992 ein G-Kat der Paul Wurm GmbH eingebaut. Frau Wurm war am Telefon: „Des isch koi Problem. Da schigged mer ihne a Dogumend, da mached se dann a Umschlüsselung im Fahrzoigschoi und dann bäkommed se die Plaggädde. Und gell, wenn’s am Schalda Ärger gibt, rufet se me glei oah!“ Wow, Dienstleistungswüste Deutschland, where you at? Zwei Tage später war eine Mappe da, vollgestopft mit Bescheinigungen, Zahlenkolonnen und Bildern. Kostenpunkt 35 Euro.

    Mit diesen Unterlagen bewaffnet ging es Ende Januar zum TÜV nach Feuerbach. Das junge Fräulein schaute zunächst ungläubig meinen Fahrzeugschein an, bis ich den Wurm-Jocker zog. „Ah ha, alles klar“, und fing an ihren Computer zu füttern. Oh Mann, das klappt ja wirklich! „Bitte am Kassenautomat zahlen und dann wieder her kommen.“ 17,40 Euro, sehr gerne. „Hier ist ihre Plakette, bitte sichtbar an der Windschutzscheibe anbringen.“ Mein Herz raste, die Siegerfaust in der Hosentasche ballte sich zusammen – jaahaa!

    Es kam noch besser: „Wir übermitteln das dann dem Finanzamt.“ Wie Finanzamt? „Sie rücken ja jetzt in eine neue Steuerklasse, ihr Auto ist ja nun schadstoffärmer.“ Mensch stimmt, voll das Öko-Mobil jetzt, die olle Dreckschleuder! „Das wird dann billiger.“ Ich muss so unglaublich breit gegrinst haben. Sie lächelte zurück und wusste genau, was sie dachte: Das hat der Typ mit seinem alten Bock richtig geschickt eingefädelt. Aber mein alter Bock ist eben der Geilste. Gleich nach Paul Wurm.

    LIFT März 2008

    Mehr zum Fahrverbot für Gelb nach dem Sprung.

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