-
16
Foto-Lovestory Wien
Am 23. Mai 2012, 09:00 Uhr von Thorsten W.
Die Gelegenheit muss man doch nutzen. Mittwoch ein Workshop in Wien bzw. in der Nähe, Donnerstag Feiertag, der Flug ist gezahlt – da schlag ich dazu. Ein Tag in Wien, fast umsonst. Da bin ich Schwabe. Außerdem ist Wien wunderschön, ich war schon mal da. Allerdings nicht allein.
Ich hab kein Problem mit allein sein, und es gibt bestimmt größere Abenteuer als einen Tag allein in einer Stadt rumzulaufen. Aber allein an einem Feiertag in Wien, mental sowieso etwas neben der Kappe zu der Zeit? Kann auch schiefgehen, aber wird schon schief gehen, dachte ich mir.
Der Plan war im Großen und Ganzen, möglichst viel in Kaffeehäusern rumzuhängen und dazwischen bissle Kultur anschauen. Das habe ich mit ein paar Fotos dokumentiert und mich dabei an Geigers Rat gehalten, dass mit Hipstamatic oder Instagram selbst der letzte Bloggerseggel annehmbare Bilder hinkriegt.
Über das Hotel möchte ich nicht viel sagen – ich hätte doch das Motel One buchen oder vorher Majde fragen sollen, vorausgesetzt ich hätte gewusst, dass er sich in Wien auskennt.
Praktisch gelegen war das Hotel wenigstens, und zwar direkt am Prater, einer Mischung aus Europa Park und permanentem Wasen mit obigem markanten Riesenrad. Einen Fotospot ist das allemal wert, viel mehr leider nicht.
In Laufweite befinden sich ebenfalls das Hundertwasser-Museum und das Hundertwasser-Haus. In ersteres hab ich nur kurz reingeguckt, zweites kann man eh nur von außen angucken weil bewohnt.
Üble Touri-Falle, die in grauer Einheitstracht (Klischées sind am besten wenn sie stimmen) gewandete Rentnertruppe hat das Haus tatsächlich erst gesehen, als sie davor stand und der Guide draufgezeigt hat.
Aber Humor haben sie, die Wiener, das muss man ihnen lassen.
Und Geschmack.
Auf dem Weg zum ersten Kaffeehaus bin ich am Ausstellungshaus der Wiener Secession vorbeigekommen, einfach nur schön.
Dann mein erstes Highlight: Das Kaffeehaus Sperl. Gegründet 1880 und seitdem nicht renoviert, zumindest nicht maßgeblich. Und genannte Secession wurde da auch gegründet. Wiener Kaffeehäuser, ein Kapitel für sich – ich liebe sie, es gibt nix Besseres, man versinkt in plüschige Sessel, liest stundenlang und bestellt ab und zu was bei Bedienungen, die noch diese schwarzen Bedienungssandale mit Riemen anhaben.
Ich hab mir erst mal ein Mittagessen in Form eines Wiener Schnitzels mit Salat gegönnt. Die Umsitzenden haben alle ziemlich gegafft, kein Plan warum, wahrscheinlich (im Gegensatz zu mir) alles Touristen. Hat Hammer geschmeckt, da geht einiges!
Danach zum Weiterlesen noch eine Wiener Melange, nach den Italienern machen die Österreicher den besten Kaffee, würd ich jetzt mal behaupten. Klein, stark und mit Milch, ein Genuss!
Nach 2 Stunden Rumslacken sollte dann der Kulturteil kommen, und auf Empfehlung hab ich mir mal das MuseumsQuartier angeguckt. Ein riesiges Areal mit Galerien und Museen und im Innenhof moderne Möbelstücke zum drauf rumslacken. Sah gemütlich aus, aber von den Ausstellungen fand ich keine so richtig interessant, also weiter.
Dann halt doch die Albertina, wollte ich bei meinem letzten Wien-Besuch schon rein, ist damals aber an meiner Begleitung gescheitert. Monet bis Picasso, mit der Ausstellung konnte ich als absoluter Nixblicker sogar was anfangen, und es war schon beeindruckend, einen Haufen Originale von solch berühmten Künstlern in Echt zu sehen. Hab mir auch brav wirklich jedes Bild angeguckt, dazu noch die Prunkräume und Zeichnungen von Gustav Klimt.
Genug Kultur, Zeit fürs nächste Kaffeehaus, und zwar das Hawelka. Enger, lauter, noch gemütlicher als das Sperl, mitten in der Stadt neben der Fußgängerzone und doch vom großen Touristenstrom verschont. Zum Glück war ich allein und hab gleich nen Platz gefunden. Auch hier saßen schon berühmte Künstler, eh klar.
Ich – als Kenner – hab mir diesmal nen großen Braunen bestellt. Allerdings glaube ich, dass der Ober mich missverstanden hat, weil das, was er mir gebracht hat, sah aus und schmeckte genau gleich wie die Melange. Aber egal. Auf meine Frage nach Kuchen hab ich Buchteln bekommen, und die haben mich endgültig fertig gemacht. Lauwarme Hefebollen mit Pflaumenzeug drin, ich weiß nicht ob ich in meinem Leben schon mal was leckereres gegessen habe.
Danach ging’s auch schon auf die Heimreise, und ich muss ohne falsche Romantik gestehen, dass ich mich ein zweites Mal in Wien verliebt habe. Für Interessierte kann ich von meiner ersten Reise noch empfehlen, im Hotel Sacher eine Original Sachertorte zu probieren, alleine wegen der blasierten Ober. Und Schloss Schönbrunn sollte man auch unbedingt besuchen.
Habe die Ehre!
16 Kommentare » -
KTV Radtour: Ebersbach vs Uhlbach
Am 21. Mai 2012, 16:35 Uhr von martin
(Auch ohne Nahversorger und Hollister voll schön: Uhlbach am Mount Rotenberg)
Göppingen. Eigentlich wollte ich am Samstag nach Göppingen. Einen geschätzten Kollegen besuchen, nein, eher überraschen. In Memory of Red Room. Wollte ihm schon vor Abfahrt eine SMS schreiben, Text: “Ich komm jetzt. Bitte Kapelle am Ortseingang organisieren. Und vielleicht noch Jay-Z, wenigstens Bon Jovi oder Pur.”
Hab´s gelassen. Wollte keine Versprechen abgeben und die dann nicht einlösen. Gut 50 Kilometer eine Strecke, sagt die Mappe von Google. Sind wir echt jeden Samstag 50 Kilometer gefahren? Für die Disco?
Mit dem Rad zwar machbar hin und zurück, aber um 19 Uhr verabredet gewesen. Zum Grillen und Gucken. Bei Aussi und Friends. Sorry Göppingen, konnte das zeitlich nicht abschätzen und Aussi, Friends, Grillen und Fußball sind mir wichtiger als du. Deswegen hallo Ebersbach, das an der Fils, du mein geliebter Wendepunkt:
“Ich war heute in Ebersbach.” Falls ihr einen Smalltalk-Gesprächseinstieg sucht, nehmt den. Beeindruckt zwar absolut niemand, aber man bekommt wenigstens noch eine Frage aus Freundlichkeit oder auch Mitleid gestellt: “Was machst du da?”
“Ich bin Regio.TV und war da mit dem Rad!”
Dabei müsst ihr ganz stolz grinsen. Bringt aber nix. Weil in Ebersbach kehrt zu machen bedeutet gleichzeitig, es nicht bis nach Göppingen geschafft zu haben. Das weiß jeder. Das ist quasi der Pfostenschuss des regionalen Rennradsports. Das Gespräch ist beendet, auch wenn du mit Grill-und-Fußball-Zeitfenstern argumentieren willst, die Runde dreht sich wieder von dir weg. Außer ihr legt nach: “Und dann war ich noch in Uhlbach!”
Ein echter Trumpf, dieses Uhlbach. Fantastisches Uhlbach! Uhlbach unter der Grabkapelle, eine der äussersten Landeshauptstadt-Satelliten überhaupt. Home of Wein und guten Restaurants. Sagt der Wohni. Ich trink kein Wein und sag: “Du also in Uhlbach, da könnte ich es aushalten.”
Inge: “Ui, Uhlbach, ganz heißes Thema gerade. Die haben nämlich keinen Supermarkt!”
Kein Supermarkt zu haben ist scheiße. Das Uhlbacher Lädle, oben auch zu sehen, steht wohl seit geraumer Zeit leer, die Bürger müssen in eines der Türkheims fahren, wollen das aber nicht, da bin ich voll bei ihnen, und kämpfen vehement um einen eigenen Nahversorger. Die Nahversorger aber scheinen aktuell wohl keinen Bock auf Uhlbach zu haben, warum auch immer. Zu klein, zu wenig Parkplätze, was weiß denn ich.
Ansonsten: Ich war noch nie in Uhlbach. Falsch, ich bin einmal schon durchgefahren mit dem Rad, hab aber nicht registriert, dass dieses abgelegene S-Dörfchen Uhlbach heißt. Jetzt aber zum ersten Mal voller Bewusstsein und voller Euphorie.
Beeindruckende Samstagmittag-Stille. Vor allem wenn man später wieder über die Bolzstraße reinkommt, zwischen Vapiano-, Königsbaupassgen- und Eisdielen-Hektik. Vier Leute hocken auf einer Bank. Ich fülle meine Wasserflasche am Brunnen auf. Steht nirgends ein Schild von “Kein Trinkwasser”. Und ich will noch zur Kapelle hoch, das große Finale, schon knapp drei Stunden unterwegs.
Der Weg hoch führt durch enge Gassen, vorsichtige Wohnungsmarkt-Sondierung. Was das hier wohl Miete kostet? Weil, da könnte ich es ja aushalten. Bis mir Ingmar gesagt hat, dass es da keinen Supermarkt gibt. Nicht mal eine eierlegende Döner-Pizza-Vollmilchwollsau oder wie das Wort gerade auch immer heißt. Sorry, heute ist es schwül und ich Matsch.
Die gibt es sonst in jedem Städtchen. Egal ob es Reichenbach, Altbach oder Plochingen heißt. Das ist der Nahversorger-Konsens.
Bis Plochingen ist die Tour übrigens nicht ganz so schön. Die Wege des Neckars gerade bei Esslingen unergründlich, ich finde nicht die richtige Rennrad-taugliche Uferpromenade bis nach Plochingen. Lass mich dagegen von Abgasen vollblasen. Bin enttäuscht. Die Fourwheeler, öfters tiefergelegt, geben mir mit Runterschalten und erneuten Durchpusten oftmals deutlich beim Überholen zu verstehen, was sie von der Wurst auf dem Rad in dem Wurstoutfit halten. Du bist nichts, wir sind die Macht. Und zu allem übel macht mein Freund Udo in Plochingen nicht auf. Er arbeitet. Ein trauriger Nachmittag bis dahin.
Nach Plochingen wird es etwas schöner. Okay, Reichenbach gucken. Ebersbach geht auch noch. Dort ein Müsli-Riegel vor dem Asia Wok. Schon wieder lassen junge Kerle die Reifen auf dem Pflaster quietschen. Jetzt muss ich zurück. Blindflug. Reichenbach – Plochingen – Altbach – Oberesslingen – Esslingen – Mettingen. Hoher Schnitt. Meist über 35. Dann da in Ober-T das Uhlbach-Schild. Ich biege ein. Es geht länger leicht aufwärts. Wo bist du, magisches Uhlbach? Wie aufgeregt kann man sein, nur weil man nach Uhlbach fährt?
Und dann haut es Uhlbach raus. Rettet den Mittag, awa, ein ganzes Wochenende. Uhlbach gewinnt gegen Ebersbach. Eindeutig und nicht mal im Elfmeterschießen. Tut mir leid Ebersbach, du kannst nix dafür. Auch wenn du einen Supermarkt hast.
Für die Statistik: Gut 90 Kilometer, in knapp 3,5 Stunden.
Göppingen, wir sehen uns.
10 Kommentare » -
Bar25 Film
Am 2. Mai 2012, 18:30 Uhr von martin
Ab morgen kommt der Film “Bar 25 – Tage ausserhalb der Zeit” in die Kinos – wo der allerdings außerhalb von Berlin zu sehen ist weiß ich nicht. Konnte auf die Schnelle kein Angebot in Stuttgarter Kinos ausfindig machen. Weiß auch nicht mehr, ob wir darüber schon mal was gebracht haben, ein Leser hat uns darauf schon vor längerem aufmerksam gemacht.
Die Regisseurinnen Britta Mischer und Nana Yuriko haben die Bar25 in sieben Jahren begleitet – also von Bauwagen bis “veritabler Abenteuerspielplatz für die hedonistische Internationale” (Spex). Dabei haben sich 750 Stunden Material angesammelt (auf Youtube steht irgendwo 250). Im September 2010 wurde das Gelände geräumt und auch das wurde, wie man im Trailer sieht, dokumentiert. “Uns war wichtig, keinen Fanfilm zu machen. Wir wollten das System der Bar25, das alternative Leben dort authentisch vermitteln…” sagt Yuriko in der Spex.
Der Film interessiert mich ehrlich gesagt eher weniger, sondern wesentlich spannender fand ich die Tatsache, wie die Spex eben in ihrer aktuellen Ausgabe in dem Zusammenhang berichtet, dass der Streifen letzten Endes via Crowdfunding gestemmt wurde. Das Prinzip scheint in Deutschland langsam etwas zu funzen – gut, etwas doofe Aussage, denn ich hab kein Plan ob das z.B. in den USA besser funktioniert. Hier gibt es jedenfalls die ersten positiven Beispiele: Neulich erst hat Ex-Stuttgarter und Wahl-Berliner Axel Pfaender via Kickstarter das Startkapital für seine Boombox zusammenbekommen.
Beim Bar25 Film war das so: Mischer und Yuriko hatten ihr Material beisammen, aber staatliche Filmförderung scheiterte, denn in Berlin wird Produktionsförderung nur Beginn der Dreharbeiten bewilligt, ihre vorhandenen Videobilder hätten sie, so die Auflage, lediglich als Archivmaterial maximal zu einem Viertel in den Endfilm einfließen lassen können.
Ein ehemaliger Bar25 Koch gründete nur vier Wochen nach Ende des Abenteuerlandes die eigene Crowdfunding Plattform Inkubato. Bei einer Unterstützung von 5 Euro gab es einen Tune umsonst, für 500 gibt es eine namentliche Nennung im Film und Einladung zu Premierenparty plus da einen Sack Konfetti übern Kopp.
17 dieser Supergönner gab es, insgesamt haben 271 Unterstützer die 25.000 Euro benötigten Produktionskosten aufgebracht. Und jetzt Kino. CDle gibt es natürlich auch. Und in Stuttgart aktuell einen kleinen Beef über echte und falsche Bar25 Partys, wie mir heute zugetragen wurde. Cool Story Bro.
12 Kommentare » -
Nymphomanin (*)
Am 24. Apr 2012, 15:47 Uhr von martin
Hab am Rande mitbekommen, dass sich auf diesem Blog scheinbar vieles um Stuttgart dreht. Daran will ich mich natürlich halten. In diesem Eintrag geht es um Nymphomanie und Geschlechtsverkehr. Geschlechtsverkehr ist eine internationale Angelegenheit, und ich habe gehört, dass Geschlechtsverkehr sogar in Stuttgart stattfindet (der Vater vom legendären Radiomoderator John Peel bezeichnete Sex als “Zuchtveranstaltung”, aber dazu die Tage mehr). Ein Bezug zu Stuttgart ist also definitiv gegeben.
Zumindest, das weiß das Rathaus regelmäßig zu verkünden, werden in Stuttgart Kinder geboren. Wir sind uns sicherlich (fast) geschlossen einig, dass wir die Geschichte zwischen Maria und Josef historisch sowie biologisch als einmaliges Ereignis abhaken können. So kommt es also in Stuttgart regelmässig zumindest zum Fortpflanzungsgeschlechtsakt. Wie es allgemein um das Sexualleben der Stuttgarter Bürger (Dauer, Ausdauer, Häufigkeit, Vorlieben etc.) aussieht, liegt mir derzeit keine Statistik vor.
Urlaubsfundstück, BIlD geschenkt bekommen von einem freundlichen Mann aus Hannover: In München gibt es zumindest eine Dame, von der nun einige Menschen wissen, dass sie überaus aktiv ist. Die grundlegende Geschichte hat die BILD-Zeitung nicht erfunden, sondern ist tatsächlich passiert und hat laut Aussi schon letzte Woche die Facebook-Runde gedreht. Die offizielle Polizeimeldung:
Mann nach Schäferstündchen in Not
MÜNCHEN – Eine 47-jährige Frau lernte in einem Pub in der Ludwigsvorstadt am Montag, den 09.04.2012, gegen 13.30 Uhr, einen 43-jährigen Handwerker kennen.
Die Frau nahm die neue Bekanntschaft mit in ihre Wohnung. Dort kam es zum mehrmaligen Liebesakt. Als die 47-Jährige noch mehr wollte, stieß sie beim Partner aber auf Ablehnung. Dieser versuchte stattdessen die Wohnung zu verlassen, was die Frau verhinderte. Sie wollte ihn nicht eher aus der Wohnung lassen, bis er noch mehrmals mit ihr geschlafen hätte.
Da der 43-Jährige für sich keine andere Möglichkeit sah, kam er dem Ansinnen der Frau noch einige Male nach, um dann endlich die Wohnung verlassen zu dürfen. Da ihm dies aber weiterhin verwehrt und noch mehr Sex gefordert wurde, flüchtete er letztlich auf den Balkon der Wohnung und verständigte von dort aus die Polizei.
Auch die eingesetzten Beamten versuchte die aktive Frau, allerdings erfolglos, zu „entsprechenden Tätigkeiten“ zu überreden.
Nach erkennungsdienstlicher Behandlung und Blutentnahme bei der Rechtsmedizin wurde die 47-Jährige wieder entlassen. Sie muss sich nun wegen Verdachts der sexuellen Nötigung und Freiheitsberaubung verantworten.
Die BILD wusste noch ein bisschen mehr, warum auch immer, und schrieb: “Nach 5 Stunden und 8 Liebesakten rief die Sex-Geisel die Polizei!” Achtmal in fünf Stunden ist eine großartige Leistung, weiß nur nicht wie das gehen soll. Die Anzahl der Akte hat dem Schreiber vielleicht der Handwerker selbst gesteckt. Die Cops wiederum haben scheinbar nicht nachgezählt und wollten auch nicht mitmachen, wie sie zu Protokoll gaben.
Wie man in der Redaktion von Handwerker auf Discjockey kam weiß ich wiederum auch nicht, mal ganz abgesehen davon, dass man DJing, je nach Skills-Level, als Handwerk sehen kann. DJ Crypt muss sich z.B. immer erst warmscratchen und das macht er so verdammt gut, dass ich anerkennend von Handwerk sprechen kann. Und ob Handwerker und/oder DJ, am Montag um 13:30 Uhr kann man auf jeden Fall in einen Pub gehen, wenn man z.B. gerade aus dem Toy kommt oder aus der Tequila Bar.
Die Polizeimeldung ist natürlich überaus lustig (also für alle bis auf die Sex-Geisel), aber noch viel witziger fand ich den Stern hinter dem Wort “Nymphomanin”. Die BILD kennt ihre Leserschaft und geht davon aus, dass nicht jeder weiß, was eine Nymphomanin ist und erklärt dies in einer Fußnote: Bezeichnung für Frau mit übermäßigen Verlangen nach Geschlechtsverkehr.
Das Wort Nymphomanin ist schlecht knackig zu ersetzen und Frau mit übermäßigen Verlangen nach Geschlechtsverkehr lockte Discjockey in eine Sex-Falle ist eine noch schlechtere (BILD)Headline und maximal KTV-kompatibel. Ein Dilemma für die BILD, also machen wir Sternchen.
Obwohl ich davon ausgehe, dass jeder weiß, was eine Nymphomanin ist und ich zunächst wirklich ziemlich wegen diesem Stern gelacht habe, habe ich mittlerweile absolutes Verständnis für diesen Stern, weil eines meiner Lebensmottos lautet: Man kann nicht alles wissen oder alles kennen. Sag ich oft. Auch hier schon oft genug. Und wenn wir schon bei Sex und dem entsprechenden Vokabular sind, fällt mir mein Deutschlehrer in der Oberstufe ein, der Herr Brück, denn sogar der wusste nicht immer alles und das bei seinem Hauptgebiet (Deutsch, nicht Sex).
Damals in der Schule gab es den Tafeldienst, das Thema hatten wir schon mal kurz angeschnitten, sprich zwei Gössel müssen eine Woche lang nach jeder Stunde die Tafel sauber machen. Gehe davon aus, dass sich eine Tafel im Jahr 2012 von alleine reinigt.
Eines Tages war die Petra an der Reihe. Petra war mehr der Kumpel-Typ, mit der sich vor allem die Jungs verstanden, aber mit der man auch immer ein bisschen Mitleid hatte, weil sie zu Typen neigte, die schwer auf ein Holzkreuz auf einer der vielen verwinkelten Landstraßen des Großraums hinarbeiteten (kleine Verneigung vor Geiger).
Petra wischte also die Tafel, Herr Brück kommt rein, will loslegen, und motzt erst mal tierisch ab, warum die Tafel nicht richtig sauber wäre und wer denn Tafeldienst hätte. Guckt also ins Tagebuch und sagt:
“Petra, du SCHLAMPE!”
Wir natürlich: “Wohohohoho, also Herr BRÜCK!”
“Was denn?”
“Äh, Schlampe?”
“Ja?”
“Herr Brück, Schlampe ist ein Schimpfwort!”
“Wie jetzt? Das kommt doch von schlampen?!”
Tja, da mussten wir tatsächlich unserem korrekten Deutschlehrer, der wirklich gewissenhaft das Wort Schlampe benutzt hat, erklären, dass das vermeintliche Hauptwort von schlampen gar kein schönes Wort ist. Wurde glaub dann sogar bisschen rot und hat sich prompt bei Petra entschuldigt. Sie hat sich nie davon erholt, das Abi nicht geschafft und verbringt heutzutage ihre Zeit überwiegend auf Landstraßen. Quatsch, kein Plan. Ich hoffe, ihr geht es gut.
Und jetzt Party: Wir gratulieren mit diesem Eintrag der BILD vorneweg zum 60. Geburtstag, wünschen weiterhin eine sinkende Auflage und Millionen von Nymphomaninnen in alle Redaktionsräume. Hat eigentlich einer die Doku letzten Montag auf der ARD gesehen? Habs abgespeichert, aber vor dem Urlaub Stecker gezogen. Gewitter und so. Dumme Angewohnheit aus Kindertagen.
Und wer sich gegen die kostenlose Sonderausgabe am 23. Juni wehren will, die an alle 41 Millionen Haushalte verteilt werden soll, also auch in den Briefkästen mit “Keine Irgendwas”-Bäpper landet, kann sich z.B. hier oder hier oder hier informieren oder das dem Axel Springer Verlag untersagen.
(*) Bezeichnung für Frau mit übermäßigen Verlangen nach Geschlechtsverkehr
11 Kommentare » -
No sleep `til Pfullendorf
Am 23. Apr 2012, 09:00 Uhr von Kollege Geiger
Es ist Freitagabend und die Stuttgarter Kickers sind zu Gast beim SC Pfullendorf. Wer aufsteigen will, muss auch solche Spiele gewinnen. Und wer solche Spiele gewinnen will, muss erstmal hinfahren. Das gilt für die Mannschaft – aber auch für die Fans. Die nach vielen Jahren Regionalliga die Schnauze voll haben vom Tingeln über die Dörfer. Schließlich sind sie nicht Menowin.
„It’s a long way to the top“ singen AC/DC beim Einmarsch der Mannschaft bei den Heimspielen in Degerloch immer. „It’s an even longer way to Pfullendorf“ summe ich auf meinem Weg zum Auswärtsspiel.
Denn dieser Weg ist weit. Und er führt durchs Niemandsland. Am Fuß der schwäbischen Alb werden kurz hintereinander das Rockbierfest und das Bockbierfest angekündigt. Gleich danach beschwert sich „das von der Politik vergessene Nadelöhr Lichtenstein“ beim Verkehr fürs Durchfahren. Und als Gegenmaßnahme wird Kasperle-Theater im Zelt empfohlen. Oder halt die Band Cover X am 30. April in der lokalen Turnhalle.
Vermutlich ist für Coverbands überall in der Peripherie der Tag vor dem 1. Mai ein hoher Feiertag. Livin’ on a prayer. Born to be wild. I love rock n roll, so put another dime in the jukebox, baby. And put another Liter in the vollverzinkte Tank.
Denn freitagabends ist Albaufsteigen nur eine mittelgute Idee. Wie ein Treck wälzt sich eine RT: BC: TÜ: SIG: Kennzeichen-Karawane vor mir den Berg hoch. Alle wollen heim. Nur ich will auswärts.
Auf der Alboberfläche fällt mir dann unweigerlich einer der meist strapazierten Sätze in diesem zarten Frühling ein: hier ist die Natur noch nicht so weit.
Base gibt auf. Ab hier nur noch C- und D-Netz, dafür aber fangfrische Forellen.
Ich suche ein Stadion, doch die Beschilderung bietet mir nur einen Skilift an. Egal. Tagträume ich eben von einer Titelgeschichte im Stern, im Lift oder hier auf kessel.tv: Labbaduster! Bruno Labbadia trifft Dirk Schuster. Der eine aufgestiegen, der andere in der Euro League.
Hier auf der Alb ist das Ende des Seitenstreifens und der Beginn der ehrlichen Landmetzgerei. In Orten, deren französische Partnerstädte bekannter sind als sie selbst. Wo die Leute das Überholverbot ignorieren und lieber ein kleines Holzkreuz mit ihrem Namen am Wegrand riskieren.
Mecklesbeure – Durlesbach. Trulatrulatrulala. Ich stelle mir vor, dass die Kickers ja auch mit dem Bus hierlang gefahren sein müssen. Und alleine das ist ein Grund, gleich in Pfullendorf zu gewinnen und aufzusteigen. Wenn solche Orte nicht dein Wochenendausflugsziel sind, sondern dein Arbeitsplatz.
„Willkommen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb“ steht auf der Anzeigetafel. Hihi, quatsch, geschwindelt – steht natürlich am Straßenrand. Pfullendorf hat gar keine Anzeigetafel.
Ich fahre gegen mein eigenes Navi: voraussichtliche Ankunftszeit 18 Uhr 38. Das wollen wir doch erst mal sehen. Ich gewinne 4 Minuten und freue mich als seien es 3 Punkte. Anpfiff ist 19.00 Uhr und diese 240 Sekunden werden nicht nachgespielt.
Vielleicht wäre es im Kickers-Fanbus ja stressfreier gewesen? Aber bei mir läuft die bessere Musik: am Spieltag kommt die neue Gotthard-Single „Starlight“ raus und ich kaufe sie ihnen gleich digital ab.
18 Uhr 36 bietet mir das Navi an. Wir einigen uns auf 18 Uhr 34. Langsam adaptiere ich den flotten Fahrstil der Eingeborenen. Wo kriege ich jetzt bloß um diese Uhrzeit auf die Schnelle noch ein Kennzeichen mit 3 Buchstaben her?
Göttingen verlese ich mich, aber das Ortsschild meint nur Göffingen. Keine Bange. Du bist auf dem rechten Weg. Ertringen hat „Historische Hängegärten“ – aber ich hab keine Zeit. Keine Atempause. Viertligageschichte machen.
Schade eigentlich, denn ich sehe am Straßenrand einige verlockende BMW Gebrauchtwagenangebote. Tiefer als bei uns. Und auch breiter, damit mehr Platz fürs Nummernschild ist.
Neufra. Willkommen im Land der Lautschrift. Binzwangen, Erisingen. Klingt wie aus einer Erdkäs-Arbeit in der 7. Klasse: bestimmen Sie mit Hilfe des Diercke-Atlas, Seite 28, bitte die Gesteinsschichten der Schwäbischen Alb aus dem Tertiär.
Noch 60 Minuten bis zum Anpfiff. Egon Stark, Nah- und Fernverkehr, bremst mich aus. Es kommt zur Rudelbildung. Rotwürdig. Doch der Schiri lässt weiterfahren. In Herbetingen freut man sich auf die Ortsumgehung und über jeden, der jetzt noch durchfährt und bietet ihm dafür 4 Bundeskegelbahnen und 1 Schnitzel an. Aber ich habe eine Verabredung mit einer Stadionwurst. Maybe next time, baby.
Links geht’s nach Rulfingen, rechts nach Rosna, geradeaus nach Ostrach. Zum Glück muss ich solche Entscheidungen nicht treffen. Hier, wo sich Fuchs und Hase fünf geben. Navi sei dank. Denn nur mit dem Shell-Atlas bekleidet würde man hier verrecken. Next stop: Mottschiess. So sehe ich das auch.
Zwei muss man denen lassen: Landschaftlich ist es super. Und alle blinken. Was sich die Menschen in der Stadt ja gerade genetisch abgewöhnen. Aber schön ist es. Sehr sehr schön. Und da aus der vierten Liga wegen einer Reform der Regionalliga ja am Ende dieser Saison niemand absteigt, also auch nicht Pfullendorf – und Großaspach nach Lage der Dinge nicht aufsteigt, wünsche ich dem Busunternehmer Ferber mit seinem Team SG Sonnenhof für die nächste Saison viel Muße und eine gute Reise.
Deutsche Fachwerkstraße. Best-of-Ibiza-Party. Gasthof Goldener Ochsen. Noch 200 Meter bis zur Sanitärtechnik-Gerberit-Arena. You made it! Die Uhr zeigt 18:26.
Dort angekommen werde ich von 4 riesigen, fleischgewordenen Körperscannern untersucht wie zuletzt bei der Bundeswehrmusterung. HALLO??? Das sind Kickers-Fans! Das einzig Gefährliche, das wir in unseren Taschen haben, sind VW-Schlüssel, Hasenpfoten und andere Talismänner, die bei der Operation Aufstieg helfen sollen.
Aber gegen den amtierenden Tabellenführer sind eben alle Pfullendorfer übermotiviert. Auf dem Platz. Im Obi VIP-Zelt. Und am Eingang. Wenn es sich die Gemeinde leisten könnte, hätten sie für diesen Anlass am liebsten Nacktscanner angeschafft. Doch bei Stadionwurstpreisen von 2 Euro 20 (vgl. VfB: 3 Euro 50) bleiben Vereins- und Gemeindekassen leer.
Tabellenerster gegen Tabellensechzehnter – das sieht auf dem Papier besser aus als auf dem Feld. Die Kickers stellen sich in der ersten Halbzeit an wie die Fans. Und ich meine, wie die Fans von Pfullendorf. Sie kicken wie Bauern. Hier auf dem Land schmeckt Fußball noch gut-bürgerlich.
Das Waldfreibad direkt neben dem Stadion pooft derweil noch einen tiefen Dornröschenschlaf. Bis Ende Juli, schätze ich. Vorher kommt hier kein Sonnenstrahl her. Es hat 8 Grad weniger als im richtigen Leben und das Highlight der ersten Halbzeit ist folglich richtig ein Hagelschauer.
Die gegnerischen Fans – das sind in diesem Fall wir – werden in einen Kurvenblock gepfercht. Käfighaltung für die Kickers. Während die Pfullendorfer frei rumlaufen dürfen.
Viele Spieler vom SC Pfullendorf gehen unter der Woche wahrscheinlich handwerklichen Berufen nach. Und haben uns in dieser Funktion ein kleines Klohäuschen gemauert. In der Halbzeit hitzige Diskussionen an den 3 Urinalen – den Pimmel in der rechten, den Kickers-Schal fest in der linken Hand:
„Das war die schlechteste erste Halbzeit dieser Saison.“
„So steigsch net auf.“
Und
„Was macht man hier eigentlich, wenn man kacken muss?“
Berechtigte Frage. Ich schätze, du musst nach Hause fahren und es dir 150 Kilometer verheben.Der Rest ist schnell erzählt: der Ex-Asylbewerber Omar Jatta wird eingewechselt, köpft das 0:1 (57.) und wird wieder ausgewechselt, weil er stark gelb-rot gefährdet ist. Ressourcenschonen im Endspurt. Das Shooting-Sternle Fabio Leutenecker macht das 0:2 und den Sack (75.) zu.
Das war die Reise wert. Die Kickers-Fans singen „Wir fahr’n nach Haus’ und ihr müsst hier wohnen.“ Der Verfolger Ponyhof Großaspach bekommt tags darauf das große Flattern und lässt Federn, weil die zweite Mannschaft von Greuter Fürth sie im Bundesliga-Aufstiegssog der ersten mit 2:1 rupft. Also sind es jetzt 6 Punkte, 4 verbleibende Spiele und 3 davon zuhause. Joe Bauer: übernehmen Sie!
19 Kommentare » -
Lebensmittelpunkt Stuttgart
Am 10. Apr 2012, 09:12 Uhr von Jana
(Lohrer Schloss mit Lohrer Rathaus links – wer nicht dafür ist, ist dagegen.)
Seit einiger Zeit pflege ich eine Dependance im fränkischen Lohr. Genauer gesagt eine Einliegerwohnung, denn ich bin unters Berufspendler-Volk gegangen. Freunde von mir machen das auch: Pendeln von Stuttgart nach München oder Zürich. Ich rede mir ein, dass das eigentlich das Gleiche ist. Bis ich soweit war, dass ich das geglaubt und mich mental und organisatorisch mit meinem Aufenthalt in der mainfränkischen Provinz angefreundet habe, sind sechs Wochen vergangen. Eigentlich schnell, wie ich finde. Das Lohrer Völkchen und die (kein Scherz) guten Sportmöglichkeiten haben geholfen.
Völlig gefasst bin ich vor vier Wochen also auf’s Lohrer Rathaus marschiert um den finalen Schritt zu tätigen und meinen Zweitwohnsitz in Lohr anzumelden. Meine Steuerberaterin war auch schon voller Freude: “Jetzt können wir loslegen: doppelte Haushaltsführung, Pendlerpauschalen…” – die Gute ist von den neuen Möglichkeiten so entzückt, wie Tobsen von seinen Stickern auf nackten Brüsten.
Leider ist das in Lohr dann alles nicht so einfach. Zweitwohnsitze sind hier nämlich in etwa so beliebt wie ein Kunde beim Breuninger um Fünf vor Acht. Meine zuständige Sachbearbeiterin – nennen wir sie Frau Kurz – rümpft über mein Ansinnen erstmal die Nase und dreht meinen Perso verächtlich hin und her: “So, Sie haben ihren Hauptwohnsitz also in Stuttgart”, stellt sie mit investigativer Spitzfindigkeit fest. “Dann haben sie hier also nur eine befristete Stelle?” – Ich: “Nö.” “Dann ist es eine Teilzeitstelle?” – Ich: “Nö”. “Sind sie in Stuttgart verheiratet?” – Ich: “Nö.”
Dreimal nö, das war dreimal ein Fehler. Völlig unbedarf bin ich ihr total in die Falle gegangen. Diabolisches Grinsen bei Frau Kurz und selbstsicheres Wedeln mit meinem Perso: “Wenn Sie fünf Tage die Woche in Lohr arbeiten, dann sind sie die meiste Zeit hier und dann ist das ihr Hauptwohnsitz. Alles andere ist strafbar, haben Sie das nicht mitbekommen bei dem Becker?”
Ich glaube es hackt! Das nenne ich mal harte Bandagen um gegen Zweitwohnsitze vorzugehen: Die geben ihren Sachbearbeiterinnen Kopfpauschalen für jeden neuen Lohrer. Anders kann es nicht sein. Stuttgart ist doch nicht Monaco und ich nich’ Bobbele.
Entrüstet nehme ich Frau Kurz erstmal meinen Perso wieder ab und erkläre ihr, dass mein Lebensmittelpunkt Stuttgart sei. Das lässt sie völlig kalt – sie kennt die Stadt aller Städte nicht und überhaupt hat sie eine Kopfpauschale. Mit wirrem Blick und erhobenem Zeigefinger erinnert sie mich an meine Meldepflicht. “Das müsste uns ihre Personalabteilung schon bestätigen oder ein Ehemann, dass Sie wirklich nicht ständig in Lohr sind.”
Oma’s Rache. Die hat mir immer gesagt, mein liederlicher Lebenssstil rächt sich mal. Hab natürlich keinen passenden Ehemann, der das bestätigt. Und die Personalabteilung hat bei meinem späteren Anruf auch nur müde den Kopf geschüttelt: “Wir führen doch nicht Buch, wo Sie sich gerade rumtreiben.” Hallo! Ich habe Reisetätigkeit!
Das zukünftige Nummernschild mit drei (!) Buchstaben vor der TÜV-Plakette vor Augen – wenn alles schief geht bin ich “MSP” – habe ich eine panische Facebook-Nachricht an meine Steuerberaterin geschickt. Aber die hat sich auch nur totgelacht: “Wo bist denn Du gelandet? Bekämpfen die die Urbanisierung schon mit Kopfpauschalen?”
Sehr witzig, auf die Idee bin ich selbst schon gekommen. Auf den Schreck musste ich erst einmal wieder einige Wochen ins Land ziehen lassen. Meine Steuerberaterin, die auf die Sache mit dem Zweitwohnsitz, wie gesagt, auch ziemlich scharf ist, hat mich dann letztendlich genötigt aktiv zu werden. Es steht ja nicht nur das Nummernschild auf dem Spiel.
Bewaffnet mit den Mietverträgen meiner Lohrer Keller-Bleibe (“Einliegerzimmer”, steht da wirklich) und meiner frech teueren Stuttgarter Wohnung, Teilen meines Arbeitsvertrags und sehr wichtig klingenden Aussagen meiner Steuerberaterin (extra von FB auf sau gut aussehendem Briefpapier kopiert) habe ich mich so bereit für die nächste Schlacht erneut auf den Weg ins Lohrer Rathaus gemacht. Frau Kurz hatte wohl frei, ich kam zu ihrem ziemlich jungen Kollegen und fordete erneut einen Zweitwohnsitz .
Meine gesammelte Indizienmappe vor Augen meinte der Beamte aber nur beleidigt: “Schon okay. ‘Mein Lebensmittelpunkt ist in Stuttgart’ hätte mir auch gereicht. Sie wollen wohl absolut nicht nach Lohr ziehen.”
Da war ich perplex und wurde noch bisschen frech: “Sie halten wohl nix von der Kopfpauschale? Oder kennen Sie Stuttgart?” Hat er nicht geblickt. Stempel auf meine Unterlage und Frau Kurz hab ich nie wieder gesehen. Happy Lebensmittelpunkt Stuttgart!
12 Kommentare » -
Godfather of House
Am 6. Mrz 2012, 14:58 Uhr von martin
Es war einmal ein junger Mann aus Waldenbuch, der erzählte der Welt, er wäre ein berühmter DJ. Er pries sich u.a. jahrelang als “Top 3 Headliner der Welt neben Roger Sanchez und David Morales” an. Das war natürlich blanker Schwachsinn.
Schlimm nur, dass diesen Schwachsinn bis heute noch manche Leute glauben, vielleicht auch weil der junge Mann aus Waldenbuch ein paar Mal im TV war. Dann muss er ja wer sein, denken sich vielleicht andere (junge) Menschen, weil er war ja im TV.
Neulich erst belauschte ich ein Gespräch auf einer (Herren )Toilette, wo sich zwei junge Männer über einen ehemaligen Club in Feuerbach und dessen Hauptprotagonisten, besagter Mann, um den es hier geht, unterhielten. Irgendwann fiel der Satz, ja, da waren immer die Hammerpartys, vor allem als er, “Europas bester DJ”, Abschied gefeiert hat. Das sagten sie wirklich. Man könnte nun sagen: Die PR hat funktioniert. Oder ist er doch Europas bester DJ? Wir haben es nie überprüft bzw. eine Umfrage durchgeführt.
Weiterhin erzählte der junge Mann gerne, er würde im Ausland fünfstellige Beträge an Gage bekommen, “bis zu 20.000 Dollar”, schrie er lauthals und das Finanzamt freute sich garantiert. Witzig nur, dass sein Manager einige Zeit später bei einem Kollegen von mir anrief und nachfragte, wie man denn in den Staaten eigentlich korrekt eine Rechnung stellt.
Natürlich hat der junge Mann aus Waldenbuch, der sich sogar sein Sixpack aufmalen ließ (ich kenne den “Aufmaler”), nichts schlimmes getan. Er hat sich nur etwas überschätzt. Und er war sicherlich nicht der erste in der Geschichte der Menschheit, der sich überschätzt hat. Heute hat er einen Laden für Oberbekleidung in einer ziemlich großen Stadt. Ich wünsche ihm dabei alles Gute.
Die einzige Aussage, die einen House-Fan damals wirklich tief getroffen hat, war nicht das Headliner-Getöse oder die Geschichte mit dem vielen Geld: Nein, eines Tages meinte der junge Herr, er wäre der “Godfather of House”.
Soviel Selbstbeweihräucherung schmerzte sehr, denn das ist, bei allem Respekt, eine glatte Lüge. Es gibt mit Sicherheit einige (wenige) Menschen, die man so bezeichnen darf beziehungsweise bezeichnen muss. Im Bild oben, das mir der geschätzte Icer aus Chicago geschickt hat, wo er sich jener gerade aufhält, sieht man absolut korrektes Beispiel für einen “Godfather of House”.
Nur damit das niemals vergessen wird und damit niemand auf den Gedanken kommt, Menschen mit aufgemalten Sixpacks wären Großväter von House-Music.
6 Kommentare »





































