• 14

    Schankstelle schaut super plus aus

    Heimlich still und leise oder eher wichtig, voll VIP und mit echt tollem Premieren-Publikum hat am Montag die “Schankstelle Super” in der Nähe vom Rocker aufgemacht, das am längsten angekündigte und am häufigsten verschobene neue Gastro-Projekt der Stadt.

    Wir waren selbstverständlich nicht eingeladen, sind aber trotzdem hin, verkleidet als Willy und Wichtig aka Aussi und Transit-Janusch. Auf dem Weg zur Schanke kam uns Tommy Labusch entgegen, der vor gefühlten Jahrmillionen das unfassbar coole „Die 36 Kammern der Shaolin“ auf der Theo betrieben hat, als die Straße Suite- und Nachahmer frei war und man seinen Dreier-BMW noch ordentlich herbeschleunigen konnte, ohne dabei von der Partymeute mit Missbilligung bestraft zu werden. Labusch hatte nach den 36 Kammern unter andere die Rote Kapelle eröffnet und stand als letztes im Beja im Stuttgarter Westen in der Küche.

    Als er an uns vorbeiläuft, knacken für einen Moment hörbar die Synapsen, er scannt uns, checkt aber nicht, wo er uns einordnen soll, nämlich unter berufsjugendlich, verdorben und durstig, dann ist die Sekunde auch schon wieder rum.

    Ich hatte kürzlich an ganz anderer Stelle einen ähnlichen Moment, als ich in der Mittagspause fröhlich zum Rotebühlplatz schlawenzelt bin, Modus: pfeif, freu, kurze Pause von der Sklaventreiberei, immer noch kein Herbst in Sicht, hach ist das ein schönes Städtchen, dieses Stuttgart. Unterhalb vom WuF stand eine Horde junger Menschen, die mich angestarrt hat.

    Einer der Hippster sah zum Fürchten gut aus, Südländer, fesch gestutzter Taliban-Bart, Schanze-Straßen-Outfit. Beim Aus-der-Hüfte-zurückstarren funzt es bei mir im Oberstübchen Schlag auf Schlag: „Scheiße, woher kenn ich den, Transit? Schnaps? Absturz letztes Wochenende? Zusammen Erdloch geraucht mit 16? Sakrament, Gehirn, geh mir nicht auf den Sack“, also präventiv freundlich gegrüßt, Gruß zurück, funktioniert immer.

    Einen Augenblick der Weltgeschichte später habe ich dann kapiert, dass mir Deutschlands coolster Tatort-Kommissar zugenickt hat, Mehmet Kurtulus, Hamburger Hightech-Ermittler, der bis letzte Woche am Alten Schauspielhaus den Othello gegeben hat. Auch live und in Farbe ein geiler Typ, mit dem ich gerne mal auf Schnaps im Transit unter der Bar ein Erdloch zum gemeinsamen Durchziehen gegraben hätte. Scheiß vergebene Chancen des Lebens.

    Raus aus dem Erdloch, zurück ins Super: Wie von Betreiber Basti Sommer und Team nicht anders zu erwarten, sieht das Teil ganz schön super aus. Rund um das ehemalige Tankstellendach stehen mit Wasser gefüllte Plastik-Behälter, die eigentlich in der Landwirtschaft eingesetzt werden, vor dem Super aber als Lichtinstallation super aussehen. Ist nicht neu, nörgelt mein Freund vom Fach, hat schon eine andere Architektur-Agentur an anderer Stelle genau so eingesetzt, geil aussehen tut es trotzdem.

    Genau wie die Gäste bei der Eröffnung. Club-Philosoph Martin Elbert hat über Premieren-Publikum mal sinngemäß geschrieben, dass man sich fragt, in welchen Löchern sich die ganzen Eulen eigentlich den Rest des Jahres verkriechen, wenn sie nicht auf einer hippen Eröffnung herumstolpern. Leben die alle in einem Bunker in Zuffenhausen und werden nur rausgelassen, wenn man den eigenen Laden am ersten Abend mit Bedeutung aufladen muss?

    Wir sehen auf jeden Fall jede Menge makelloser Damen, die auch für Alice Werbung machen oder zumindest die Ex-Freundin von Mutassim Gaddafi sein könnten, dazu haben sich einige Bosch-Porsche-Mitarbeiter aus seligen Bravo-Charlie-Zeiten irgendwie eine Einladung erschlichen. Eine Handvoll netter Menschen ist auch anwesend.

    Wir verkriechen uns strategisch in einer perfekten Beobachter-Warte und starren ungeniert den Premieren-Mix an, klatschen zwischendrin mit den Guten ab, schauen ganz tief in Gin-Tonic-Gläser und sind uns irgendwann einig, dass ein zurückhaltendes Dekolleté mit einem bezaubernden kleinen Pickel über der rechten Brust viel schöner ist als all die glatt gebügelten Freundinnen von Porsche-Fahrern, die zwischen Bar und Floor denken, sie seien in München. Menschlicher Makel schlägt Plastikchirurgie nicht nur zwischen 2 und 5 Uhr morgens.

    Ein paar Informationen für Freunde anspruchsvollen Designs: Der Vorraum ist luftig, der Barbereich schön und minimalistisch, die Uniformen der Barleute super, hinter  dem Barraum kommt der kleine, aber feine Dance-Floor in Ex-Hi-Größe mit einer wahnsinnig schön gestalteten Tür zum Mini-Hinterhof, die das Spiel mit Farben im ganzen Laden wieder aufgreift.

    Alles in allem wirklich ein schönes Ding, indem man nicht nur feiern, sondern von Montag bis Mittwoch abends auch super essen kann. Tommy Labusch liefert unter anderem die große sensorische Inspektion mit Muscheln und allerhand anderen leckeren Schweinereien für 32 Euro, mittags gibt es jeden Tag einen fancy Mahlzeit-Kollegen-Mittagstisch und am Wochenende wird dann getanzt und die Xing-Bewerbungsgespräche im echten Leben geführt. Mal sehen, wie die Besucher aussehen, wenn das Premierenpublikum sich wieder im Bunker in Zuffenhausen verkrochen hat. Wer recherchieren mag: Am Samstag lädt hier ab 21 Uhr das Disco-Quarttet Vogel, Swist, Herzer und Kuhn ein. Einmal volltanken, bitte.

    PS: Spitzen-Witz mit dem volljährig oder nicht auf der Website superschanke.de.

    Die Schwester der Schankstelle auf Sri Lanka, passt eigentlich nicht, wollte ich aber schon immer mal posten.

     
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  • 17

    Best of 2011: Paul verschmitzt, ich verschwitzt, Teil 2: Fremdeln

    Manchmal fremdelt man sogar in der eigenen Stadt. Wenn man sich zum Beispiel beweisen möchte, dass alleine ausgehen sehr erwachsen ist.

    Samstag war der Kalkbrenner in der Stadt. Hatte ihn vor einem halben Jahr schon einmal gesehen, in Berlinchen, in der Wuhlheide, war wolke gewesen, hatte also große Lust, mir ein Stück vom Sommer 2011 zurückzuholen. Den gab es trotz anders lautender Gerüchte tatsächlich, zumindest Anfang Juni in Berlin, voll so mit gentrifizieren, Kreuzberg kaputt shoppen und Paule halt.

    Am Wochenende also der Test: Wie viel Wuhlheide steckt in Bad Cannstatt? Ist Open Air grundsätzlich besser als unter Tage? Schlägt Stadion immer Halle? Im Vorhinein hatte sich mein komplettes Büro akkreditiert. Kommt immer gut, wenn sich Lift plus acht anmeldet. Freut sich der Veranstalter. Vor allem, wenn dann doch keiner auf der Matte steht. Ich mag meine Kollegen trotzdem, auch wenn sie wie am Wochenende Metropolen wie Hamburg, Konstanz oder, nun, ja, Bielefeld der Schleyerhalle vorziehen.

    Geh ich halt alleine, macht Joe Bauer ja auch nicht anders, spaziert als One-Man-Show durch die Weltgeschichte und schreibt dann drüber. Das will ich auch können, wenn ich groß bin.

    Also mutterseelenallein mit der Wasen-Linie als einziger Fahrgast um 21:30 Uhr Richtung Neckarpark. Aufs Volksfest geht man um die Zeit nicht mehr, da ist man schon dort und dicht und hacke. Am Wasen ausgestiegen, Kotze und Alkis umtänzelt, in der Schleyerhalle von einem mächtigen Bass freundlich begrüßt, um gleich mit einem landestypischen Getränk auf Betriebstemperatur zu kommen: Vodka Bull aka Discoschorle.

    Mann, bin ich erwachsen, denke ich mir so, während 7.500 Menschen neben mir Spaß haben. Zwei Bassläufe später fremdle ich so ganz alleine im Innenraum aber ein bisschen. Nicht, weil das Publikum schlimm ist, im Gegenteil, hatte Grausameres befürchtet, sehr jung, sehr gut drauf, extrem gute Tänzer. Zumindest einige.

    Nein, ich fremdle, weil ich doch kein Joe Bauer bin. Ich brauche Ansprache, jemanden, mit dem ich teilen kann, wie Musik eine Halle verändert. Wie sich ein Betonklotz wie Herr Schleyer anfühlt, je nachdem, ob Leonard Cohen einen spirituell ins All knallt, die Beginner als Support für die Beasties spielen oder Pink eine Hollywood-Show auf der Bühne abliefert.

    Mein Colt für alle Fälle ist in solch einem verzweifelten Fall Arnulf, Teil der am Dax der Emotionen extrem hoch dotierten Firma Music Circus, Presseabchecker vom Konzertveranstalter Russ und überhaupt ein Möglichmacher erster Güteklasse. Arnulf hat mich mal im Ansehen zweier Teenager in unendliche Höhen katapultiert, als die beiden bezaubernden Geschöpfe bei Pink wegen lauter SWR3-Höhrer nichts sehen konnten. Darauf Arnulf angebettelt, der sofort mit zwei Deluxe-Bändchen für die erste Reihe um die Ecke kam. Ein Gentleman der alten Schule eben.

    Samstag also SMS an Arnulf: „Junge, biste bei Paule? Rette mich!“ – „Klar, Keule, wie?“ (So sprechen alte Männer miteinander) – „Ich bin der einsame Raver ganz hinten links, brauche Ansprache, biete Discoschorle.“

    Arnulfs Begeisterung hält sich in Grenzen, Antwort bleibt verständlicher Weise aus, also noch mal getextet: „Ich nehm’s zurück, musst nicht mir sprechen und trinken, ich brauch aber ein Bändel, um näher nach vorne zu kommen.“ Zwei Sekunden später steht Arnulf neben mir, ich erhalte die Paul-Kalkbrenner-Dienstkarte Nr. A23 am blauen Band, mit der ich dem Paule für den Rest des Abends ganz genau auf die Finger schauen darf.

    Kurze Lagebesprechung: „Hab mir’s schlimmer vorgestellt.“ – „Ich auch.“ – „Wie war’s beim Ratzer?“ – „Fein.“ – „Ok, bis später im Speakeasy.“

    Paul Kalkbrenner in seiner berühmten blauen Phase, kommt direkt nach der roten

    Also ich wieder alleine mit mir selbst, ganz gruselige Konstellation. Schreckliche Bilder poppen in meinem Gehirn auf. Richtig, mit 17 war ich schon einmal auf einem Rave in der Schleyerhalle. Mein Kumpel Christian hatte damals nach einerLysergsäurediethylamid-Kur gedacht, er sei schwul. In der Schleyerhalle machte er dann das erste Mal wieder mit einem Mädchen rum und teilte diese Erfahrung anschließend detailliert mit mir. MDMA-Micha, den wir so nannten, weil er eigentlich auf Metallica stand, nach jeder Menge Pillen aber plötzlich Techno besser fand, praktizierte die freie Liebe sogar auf einem Treppenabsatz in der Schleyerhalle. Das sind Bilder, die man im ehrlichen deutschen Techno nicht sehen möchte. Und in seinem eigenen Gehirn schon gar nicht.

    Spiel ich also lieber mein Privat-Mallorca, Druckbetankung mit zwei Plastikbier und einer weiteren Discoschorle, um das störende Kleinhirn zu betäuben. Huch ist das erbärmlich, egal, bin alleine, sieht mich ja keiner. Vorne an der Bühne geht es gut ab. Running-Gag-Einstellung des Abends auf Großbildleinwand: Ein Fischauge-Objektiv zeigt Pauls Finger, wie sie schrauben und drehen. Hat bestimmt keine Funktion, sieht aber gut aus.

    Wenn er nicht im Bild ist, raucht er eine kleine Wumme, die aber ständig ausgeht. Brennt schlechtes Dope aus der Hasenheide wirklich so erbärmlich ab? Spielt Paul eigentlich immer den Ickarus aus dem Film oder hat er in Berlin Calling einfach sich selbst gespielt? So oder so unfassbar, was der wieder für ein Gesichtsgulasch aufträgt. Mit wenigen musikalischen Mitteln besorgt er den siebeneinhalb Tausend eine astreine Abfahrt, eine Pause zwischen Teil 1 und 2 nutzt er, um sich umzustylen: Jetzt trägt er allerfeinsten Zwirn auf, nämlich ein Deutschland-Trikot von der WM 90.

    Ich guck derweil doof aus der Wäsche auf die Wäsche meiner Mitmenschen. Frauen sind Männern grundsätzlich überlegen, ganz besonders aber im Genre Ausdruckstanz. Während Ottonormalschranzer mit dem Beatbein (rechts) wippt, und die Faust (links) zum Bass schwingt, tanzt seine Frau in ausladenden Bewegungen, die Fruchtbarkeit signalisieren: In einer ausgefeilten Choreographie wandert die Rhythmushand von der linken Körperhälfte auf die rechte Seite des Nackens und positioniert dort die Haare im Viervierteltakt von rechts rüber nach links. Ich bin schockverliebt in diese Geste. Finden andere Mädchen bestimmt ganz affig. Wenn man aber auf sich selbst und Vodka Red Bull zurückgeworfen, also auf das Wesentliche reduziert ist, wirkt es wirklich ganz bezaubernd.

    Ständig hüpft mir eine Tänzerin auf die Füße und verbrüdert sich im Akt des Entschuldigens direkt mit mir: Du bist mein Ketamin, mein Amphetamin, säuselt sie mir ins Ohr. Stimmt gar nicht, das war Casper, der was mit Thees am Laufen hat. Egal, MDMA macht einfach gute Manieren. „Pauli ist der Beste, Alter“, brüllt mir einer von links ins Ohr, rechts schnurren drei Jungs abwechselnd „Harrrrrrrrrr“ und sonst nichts. Wenn Katzen raven könnten.

    Hey, ist das nicht dieser Hit mit diesem Sky und diesem Sand? Schnell für Mausi und Youtube filmen

    Kurz vor der Zugabe: Sky and Sand fehlt noch, Paule ist weg und muss wohl ne neue Tüte wickeln. Die ganze Halle grölt die „Seven Nation Army“ der White Stripes. Oh Gott, ich werde wieder nüchtern.

    And we build up castles in the sky and in the sand. Design our own world ain’t nobody understand. Und schließlich die berechtigte Frage: Gibt es einen beschisseneren Moment als die Sekunde, in der in der Schleyerhalle nach einem Abriss das Licht angeht? Nein. Also Augen zu und nichts wie weg hier, bei Lichte betrachtet will ich nicht, dass ich jemand kenne und andersherum.

    Scheiße, gleich geht das Licht an, DJ Scotty, bitte beam mich ins Bürgerhospital oder so

    Auf dem Rückweg fühle ich mich noch einsamer. Lauter happy Hippos mit mir in der Bahn, ich überlege ernsthaft, mir sofort die Rückbank eines Taxis zu buchen, um alleine heulen zu können, als der lustigste SSB-Fahrer der Stadt loslegt. Durchsage: „Macht euch eng, Ihr Lieben, wir halten gleich am Wasen, da wird es voll.“ Murren in der Bahn. Durchsage 2: „Ja, ich weiß, Ihr habt ja Recht, ich würde auch lieber durchfahren, geht aber leider nicht.“

    Ich brech ab, eine ehrliche Haut in der Kabine, vielleicht wird die Nacht ja doch noch steil. Die Wasen-Fahrgäste wundern sich, wieso wir alle in uns reinkichern, als sie einsteigen und wie üblich blöd aus der Lederhosen- und Dirndl-Wäsche gucken. Vielleicht grübeln sie aber auch nur, wieso das dumpfe Bier nach dem letzten Prosit der Gemütlichkeit schon nicht mehr so recht wirkt. Oder sie fragen sich, wann sie endlich wieder kotzen können, ohne dass 300 Leute zuschauen.

    Funkkontakt in die Welt, Seba ist schon heim, Speakeasy war komisch, schreibt er, Jörg ist sogar schon nach Tübingen geflüchtet, dann muss es aber wirklich hart gewesen sein. Raus aus der Bahn, um beim Imbiss 3000 auf andere Gedanken zu kommen. War mein Ritual des Sommers, nach dem Zechen beim Benny eine scharfe Salsiccia und einen Grappa ordern, um die Nacht Revue passieren zu lassen.

    Leider scheint die Imbiss-Saison rum, verdammt, das war dann der Genickschuss für den Sommer, also streuner ich doch noch kurz zum Speakeasy, um den Hype zu kapieren. Tausende junge Menschen kommen mir entgegen. Ich kenne niemanden. Scheiße, bin ich mit der Bahn zu weit gefahren und schon in Heilbronn? Nein, da ist Nadine, die behauptet, ich sei ihr in Schlangenlinien entgegen gekommen. „Das liegt an dem neu gestalteten Pflaster zwischen König- und Marienstraße“, erkläre ich, „daran müssen sich deine Augen erst gewöhnen.“

    Vor dem neuen Wunderclub eine Schlange, ich Dödel hab mein Schnorren nicht angemeldet, ist ja tatsächlich wie Urlaub in einer fremden Metropolregion, also anstehen. Denke ich für den Bruchteil einer Sekunde, bevor ich dann doch lieber umdrehe. Bei so viel Fremdeln an einem Abend kann das gar nicht gut gehen. Dann doch lieber alleine spazieren wie Joe. Mit Paul im Ohr auf dem Weg nach Hause Himmels- und Sandburgen bauen. Harrrrr.

     
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  • 3

    Which Fashion-Blog is it, Overthing?

    Thorsten hat es gemacht, Kollege Geiger auch, beim Setzer bin ich mir nicht ganz sicher, der ist ein Arbeitstier, Jana schafft eh für zwei, der Martin sowieso, aber selbst der macht es diese Woche: Urlaub. Musste ich kürzlich auch machen, Bella Italia, Sehnsuchtsort aller Kartoffeln, ciao, Bella, Pasta galore und selbst an jeder Tankstelle ein besserer Espresso als in Deutschland.

    Ein guter Reporter ist immer im Dienst, hat mir Kollege Geiger am Sonntag erst wieder erklärt, als ich ihn zufällig beim Sans getroffen habe. Kam er gerade von einer investigativen Recherche fürs Blögle, denn diese Woche lautet das Credo posten, posten, posten, weil Chef Martin eben nicht im Haus ist. Waren Geiger und ich kurz witzig drauf, so witzig halt, wie zwei Seggel an einem verregneten Sonntagnachmittag sein können. „Endlich können wir mal posten, was wir wollen, wenn der strenge Chef nicht da ist“ – „Genau, der Motzkoffer wird sein Blog nach der Woche nicht wiedererkennen.“ Ob im Positiven sei dahingestellt.

    Egal, was ich eigentlich sagen wollte: Selbst in meinem Urlaub habe ich nur den Blog im Kopf. Weil mir in Italien unglaublich viele schöne Menschen begegnet sind, hatte ich eine Idee, die noch kein Blogger vor mir hatte: „Hey crazy, warum nicht die Leute fotografieren, wie street die voll so am Strand und an der Plazza und beim Stylen aussehen und ihnen dann auch noch einen KTV-Bepper in die Hand drücken.“ Also voll Kessel.tv goes Modeblog, aber international (sprich: internäschonäll!), Modewoche Mailand für Heslacher Hinterwäldler.

    Hab dann wirklich alles gegeben. Zum Beispiel wollte ich Antonio fotografieren, den wunderschönen Strandhüter in San Vincenzo, der aussah wie eine jüngere Variante von Jeff Bridges in Big Lebowski. Oder Andrea, den ersten Bio-Winzer der Toskana, unfassbarer Typ, den ich sofort mochte, obwohl er Bob Marley gut findet. Oder Maria von der Pasticceria, die süßer war als all ihre Süßspeisen zusammen.

    Komischer Weise wollte am Ende keiner mitmachen. Erst alle so „Si claro, ragazzo, give everything with your lense, for which fashion-blog is it, overthing?“ Und ich dann immer so, ne, sorry, nicht Überding, ich komm von den Kessel.tv-Schabracken. Da haben dann leider alle abgewunken, „a, Che cazzo vuoi“, don’t fool araound with a second class blog, go home to Hallsschlag.

    Der einzige, der mitgemacht hat, war Matteo, der coolste Schnauzbart vom Golf von Baratti. Keiner hat übergewichtige Urlauber wie mich schöner aus dem Wasser gepfiffen als er, er war mein Pamela Anderson-Gegenstück, der Pamelo Andersano der Herzen, Schnurres-Bruder im Geiste. Hat aber auch nur aus Mitleid mitgemacht. Für den nächsten Urlaub überleg ich mir was Besseres.

     
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  • 33

    Best of 2011: Wie ich einmal eine SMS an ein Faxgerät schickte

    Seit heute Morgen liegen wir in der Redaktion am Boden und lachen uns schlapp: Werner Wölfle, Stuttgarts Verwaltungsbürgermeister und Chef-Grüner der Stadt, hat ein neues Handy. Hatte kürzlich eine Rundmail bekommen mit seiner neuen Nummer, wollte ihm damals schon zum neuen iPhone gratulieren, hab’s dann aber direkt wieder vergessen. Heute morgen dann die Nachricht, die die Welt verändern sollte: Wölfle hat in einer SMS über Parteikollegen gelästert. Macht glaub jeder Politiker so, nicht umsonst heißt es, dass Parteifreunde die viel schlimmeren Hater sind als der politische Gegner.

    Der Herr Bürgermeister schreibt also unter anderem folgenden poetischen Satz: „Selbst dieser franke wird im stami untergebracht. Ist mir das peinlich.“ Franke ist der Kreisvorsitzende der Stuttgarter Grünen, Stami steht für Staatsministerium. Werner mag Franke nicht, kommt in den besten Familien vor. Franke mag Werner glaub auch nicht, wie immer geht es um Karriere, Pöstchen und die Frage, wer den Längsten hat. Glaub ich zumindest.

    Leider hat Wölfle die SMS dann nicht an seinen Lästerkumpel geschickt, sondern an das Faxgerät der Stuttgarter Nachrichten. Die schlachten das ganze jetzt investigativ so aus, dass Wikileaks vor Neid erblasst. Ist ja auch pressegeschichtlich der vielleicht größte Coup, der sich jemals auf dieser Erde zugetragen hat.

    Wir zitieren: „Um 19.06 Uhr am Dienstag vorige Woche schiebt sich das Fax aus dem Gerät.“ An der Stelle hatte ich das erste Mal Gänsehaut, ganz großes Kino. Und bei dem Absatz bin ich endgültig vor Ehrfurcht erstarrt: „Die Redaktion dieser Zeitung prüft den Vorgang intensiv – nach journalistischen und presserechtlichen Aspekten. Am gestrigen Montag wird Wölfle mit seiner SMS konfrontiert; die Recherchen weiten sich aus.“

    Die Recherchen weiten sich also aus. Wahrscheinlich wurde gleich mal der Netzbetreiber recherchiert („Es war o2, wer hätte das gedacht!“). Mich hätte noch ein Info-Kasten interessiert, wie es technisch funktioniert, dass man eine SMS an ein Faxgerät schicken kann. Das haben sich die Kollegen aber bestimmt für die morgige Ausgabe aufgehoben.

    Knallhart recherchiert von Kessel.tv: Wölfles Handy, gefunden unter Kontakt auf seiner Website, doch kein iPhone, aber genau so schwer zu bedienen, weil auch Touchscreen.

    Wölfle spricht jetzt bereits vom Rücktritt, die Grünen aus dem Stami sagen derweil so hübsche Sachen wie „Das Verhältnis zwischen Staatsministerium und Stadt ist exquisit“. Das Wort „exquisit“ kann in dem Fall nur so etwas wie „so verschissen wie noch nie“ bedeuten. Die haben sich jetzt wohl nicht mehr so ganz lieb, die grünen Hightech-SMS-Experten vom Rathaus und die Super-Grünen von der Villa Reitzenstein.

    Was bei dem unfassbaren Scoop der Nachrichten indes unter den Tisch gefallen ist: Auch kessel.tv bekommt ständig fehlgeleitete SMS an unser Faxgerät, wir machen da nur nicht so einen Wind drum. Aus aktuellem Anlass aber hier die besten fünf fehlgeleiteten Fax-SMS der letzten Wochen:

    Platz 5, VfB-Trainer Bruno Labbadia: „Der Bobic geht mir so auf den Sack. Hat zwar den Rumänen verkauft bekommen, mit dem Russen, der Flachpfeife, muss ich mich aber immer noch rumschlagen, und einen gescheiten Außenverteidiger hat er wieder nicht besorgt. Gehe jetzt frustshoppen bei Breuni, paar schöne, neue Anzüge rauslassen.“

    Platz 4, Minischterpräsident Kretschmann: „Regieren ist soooo ein Riesenmist, wenn ich das gewusst hätte. Jeder Seggel will was von dir. Und dann noch diese Sozen. Den Schniedel-Schmiedel klatsch ich demnächst an die Wand. Smiley mit traurigem Gesicht“

    Platz 3, Cosimo, hätte eigentlich an Bushido gehen sollen: „Alter, wann brauchsch wieder korrekte Friese? Jetzt wo Big Brother alle ist, bin ich wieder Hallschlag und kann jederzeit mit der Mitfahrzentrale kommen, um die Spitzen zu schneiden.“

    Platz 2, Carmen Geiss, hätte eigentlich an Robert gehen sollen: „Hase, ich lass mir gerade noch die Fingernägel vergolden und den Rest Hirn amputieren, könnte etwas später werden, treff dich dann aber direkt am Hubschrauberlandeplatz gegen später *winke*.“

    Platz 1, Timo Gebhardt, hätte eigentlich an Harnik gehen sollen: „Junge, geiler Torjubel am Wochenende, dance gerade wieder mit zwei Hasen in der Butta Lountsch mit heraushängender Zunge und hab mir was echt Geiles für die nächste Choreo überlegt, zeig ich dir heute Nachmittag nach dem Training in der Kabine, LOL!!!!“

    Für alle jüngeren Leser: So sieht ein Faxgerät aus. War in den 80ern der heiße Scheiß, konnte man voll lange SMS mit schreiben.

     
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  • 20

    Gehirnwaschstraße

    Mein Freund Uli ist verrückt. Ein Künstler. Mag ihn trotzdem. Er hat an der Merz Akademie studiert. Dort kann man nicht nur ultrafette Partys feiern, nein, einige meiner liebsten Gestaltungschecker haben an der Merz studiert, zum Beispiel Discoghost Manu Bürger oder das rattenstarke Dimak-Duo, das unter anderem den letzten Lift-Relaunch verantwortet und erst kürzlich ein wunderschönes Kind in die Welt gesetzt hat, Glückwunsch auch an dieser Stelle noch einmal nachträglich.

    Sorry fürs Abschweifen: Uli mag ich wie gesagt trotzdem, obwohl er Künstler ist. Für sein Diplom an der Merz ist er in die Rolle des Top-Pop-Stars Lars Vegas geschlüpft, hat bei mehreren Banken um einen Kredit für seine Welttournee gebeten, die Kreditgespräche mitgeschnitten, die halbe Stadt mit seinen Tourplakaten zugekleistert, und die Diplompräsentation war schließlich das Abschlusskonzert der Welttournee, allerdings nicht in der Schleyerhalle, sondern in der Galerie Oberwelt.

    Dort ließ er erstmal seinen Prüfer, den sympathischen Poptheoretiker Friedrich Friedrichsen, sorry Diedrich Diederichsen, eine halbe Stunde warten. Rockstars müssen halt zu spät kommen. Diederichsen war schon auf 180, als Lars Uli Vegas schließlich in der weißen Stretch-Limo eintraf. Hatte seinen halben Freundeskreis dazu verpflichtet, als Groupies anzutanzen.

    Als Star hat er dann auch nicht selbst mit seinem Prüfer gesprochen, das hat er seinen Pressesprecher machen lassen. Diederichsen wollte das Diplom draufhin platzen lassen, irgendwie hat es dann aber noch noch hingehauen, der spaßbefreite Superintellektuelle aus Berlin, der von Stuttgart nur das Dozenten-Zimmer der Merz AK kennt, hat Uli dann gerade so bestehen lassen.

    Die weitere Karriere von Uli ist gespickt von Highlights. Er hat das Austruckstanzteam Stuttgart gegründet (war auch Mitglied, hab aber leider meinen Ausweis verschlampt), im Rocker die wunderbare Veranstaltung „180 bei Nässe“ (ultra Titel, hätte ich selber gerne erfunden) gehostet, die Deadly Moshämmers gegründet, ein One-Hit-Punk-Wonder („Daisy“) und verlegt mittlerweile im von ihm gewuppten Verlag Edition Randgruppe Bücher, zum Beispiel das hübsche Bahnhofsbüchle vom Schelhorn Lutz, das hier im Blog auch schon Thema war.

    Seit kurzem hat er sein Atelier in der alten Waschstraße von Daimler in der Türlenstraße 2, in der wir beim Kessel-Jubiläum die Maik-Franz-Lounge verbrochen haben. Am Wochenende macht Uli in seinem Atelier nun eine Werkschau aller Projekte, Bücher, Ausstellungen und Hirnfürze, die er jemals hatte. Ich verstehe den Flyer zwar nicht, lustig wird es aber auf jeden Fall.

    Wenn ich es richtig kapiert habe, gibt es unter anderem einen Schießstand, an dem man sich ein Gemälde ballern kann. Mit einem Gewehr, das mit Farbe gefüllt ist. Oder so. Und mein Vorbild Aurele Mechler grillt als Protestpenis verkleidet Würstchen und Bauch. Wer sich nicht alleine oder nicht nüchtern hintraut: Ich bin auch da, halte Händchen, spiele Zivi und schenke Schnaps aus.

    Wer den kompletten Text der Flyer-Rückseite liest, bekommt einen Schnaps von mir spendiert.

     
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  • 29

    Kickerle.tv-Doppelpass: Sommer in Bad Cannstatt und Raki at the Disco

    Wir sind krasse Fußballhörschte: Geiger im Stadion, ich im Stadion = zwei Einträge. Zunächst ein sachlicher Spielbericht und gegen Mittag ein noch sachlicherer Spieltag-Vergleich VfB vs. Kickers von Kollege Geiger.

    Heimspiel. Hitze. Halleluja: Samstag war ich zum ersten Mal im neuen Stadion in Bad Cannstatt. Ist das ein Fußballtempel, ein Schmuckkästchen, eine Kathedrale des runden Leders, ach, was red ich, mindestens das geilste neue Stadion der Welt. Cannstatter Kurve ist jetzt so groß wie Ober- und Untertürkheim zusammen, geht gut ab. Auch den 37 mitgereisten Fans aus Leverkusen scheint es gefallen zu haben.

    Das Scheiß-Fankarten-System ist dagegen noch genau so blöd, wie ich es in Erinnerung habe. Bier und Wurst gibt es ja nur noch gegen Plastikkarte, meine funktioniert natürlich nicht. Heule dann wie Ballack so lange herum, bis ich doch noch in bar zahlen kann.

    Dieser souverän von mir herausgeweinte Punktsieg bleibt aus Stuttgart-Sicht der einzige des Nachmittags. Zum Spiel ist eigentlich schon alles gesagt. Leverkusen steht auch ohne Ballack sackgut (oder weil er nicht dabei ist?) und gewinnt 1:0, der VfB ist seltsam uninspiriert und wirkt so, als habe man schon eine komplette Saison in den Knochen. Oder den Sommer in Bad Cannstatt.

    Der Heini, der beim VfB auf rechts vorne einteilt war, muss am Samstag im Bad Berg abgetaucht sein, da war 90 Minuten lang eine Lücke so groß wie die Grube rund um die neue Bibliothek, sodass ständig der Oberhirbel Boulahrouz nach vorne rennen musste.

    Bei seinem einzig halb-gefährlichen Vorstoß hat er sich denn auch prompt die gelbe Karte geholt, weil er sich den Ball zu weit vorgelegt hat und dann mit beiden Beinen hinterher grätschen musste. Über seine Gelb-Rote sagt man besser auch nichts, das war ein klassischer Boula, erst motzen und dann auch noch einen halb abgeknickten Stinkefinger zeigen.

    So einen hässlichen Fuckfinger hab ich seit der dritten Klasse nicht mehr gesehen, als ich mich mit meinem Kumpel Timo um sein Vesperbrot gestritten habe (Er hatte Salami vom Metzger, ich nur Scheiblettenkäse, hätte gerne getauscht, der Neider wollte aber nicht. Daraufhin gegenseitiges Fickfinger-Battle inkl. Straße, Kreuzung, Hochhaus, Antenne, kennt das noch einer?).

    Hab ich eigentlich schon mal meine Lieblingsgeschichte von Boula erzählt? Als er nach Stuttgart wechselte, war es ihm angeblich am wichtigsten, dass er ein Haus mit einer Garage findet, in der er mit seinen Schlitten wenden kann. Also in der Garage, nicht im Haus. Klaro, kann man schon gut brauchen, wenn man mit dem Hummer zeitig zum Training düsen muss. Hätte ich auch keinen Bock auf rückwärts ausparken.

    Zurück zum Spiel: Der VfB hat allerfeinsten Anti-BVB-Fußball gezeigt, hat alles furchtbar lange gedauert, nur den Kvist fand ich ganz geil, der hat als einziger kommandiert und gepresst und Räume eng gemacht und gegen den Ball gearbeitet und verschoben und gedrückt. Mehr Fußball-Vokabeln fallen mir grad nicht ein.

    Kvist ist definitiv der geilste Neuzugang, fand ihn auch Sonntagabend bei Sport im Dritten sensationell, sah ein bisschen aus wie ein Beatsteaks-Fan, blaue Chucks, schwarze Shorts und schwarzes T-Shirt. Hat glaubhaft versichert, dass er Stuttgart super findet, Essen toll, meinte er, hatte sich vor der Sendung noch „Maultaschele“ mit seiner Freundin gemacht. Mit dem könnte man bestimmt auch den ein oder anderen Schnäppes im Transit trinken, hat mir gut gefallen.

    Der zweitbeste Neuzugang der Saison ist Lady Ländle. Die sensationelle Drei-Löwen-Takt-Botschafterin durfte in der Halbzeit den Fan des Tages küren, das war ehrlich gesagt härteres Brot als das gesamte Spiel zusammengenommen. Lady Ländle kam mir vor wie die halbhippe Cousine von Sonja Schrecklein. Oder was man sich beim Drei-Löwen-Takt halt so als hipp vorstellt. Es war die Hölle, wirklich, unglaublich, ein schwäbisches Humorgewitter, bei dem selbst Christoph Sonntag einpacken kann.

    Hab leider kein Video aus dem Stadion von ihr gefunden, auf der CMT war sie aber auch schon ganz witzig unterwegs:
    YouTube Preview Image

    Vielleicht kann der Bruno das Schreckgespenst ja im nächsten Spiel als Ersatz von Boulahrouz aufstellen. Bei der nimmt sogar Maik Franz vor Angst Reißaus, und der spielt bekanntlich am besten mit gebrochener Nase.

    Nach dem Spiel wie immer mit Serdar Tasci, Spitzname Raki at the Disco, noch ein romantisches Kaltgetränk beim Poilzeisportverein gekippt. Wenn Serdar trinkt, will er sich immer mit Mädels ablichten lassen. Mir ist das meist ein bisschen unangenehm, dem Ex-Nationalspieler kann ich aber keinen Gefallen abschlagen – vor allem wenn er verloren hat, da riecht er nach dem Spiel immer besonders frisch und geduscht. Mann, war der aufgeregt, dass er endlich mal neben einem gescheiten Kiebitz posieren durfte.

    Beim nächsten Mal fotografiert mich Serdar mit Lady Ländle und Boula im Arm. Hat er mir fest versprochen.

     
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    Die Wahrheit lag in der Lounge

    Auf die Schnelle noch ein kurzer Spielbericht zur Maik-Franz-Lounge am Samstag, mit der wir die 30-Jahre-Kessel.tv-Feierlichkeiten sportlich beendet haben. Angesichts der geballten Fußballkompetenz (Setzer, JMO2 plus 60(.000) Ultras im Guiseppe-Waschstraßa-Stadion) und -Prominenz (Joe Bauer) war ich nervös wie Ballack vor seinen zwei verlorenen Champions-League-Finals. Zwetschgenwasser und der RAM haben mir aber geholfen, den Abend halbwegs unfallfrei zu überstehen.

    Die Highlights im Schnelldurchlauf: Die Stadionsprecher Uli und Shanthi Schwinge (Eintracht Randguppe) hatten mir eine ulkige Maik-Franz-Krone gebastelt, die ich während der gesamten 90 Minuten Spielzeit nicht abgenommen habe. War sozusagen ein Schienbeinschoner für die Birne, hatte nämlich Angst, dass ich vom Commando Cannstatt wegen allzu ausgefallener Maik-Franz-Sympathie-Bekundungen beworfen werden würde.

    Randale blieb dann aber zum Glück aus, stattdessen freuten sich die Fans über eine von Maik signierte Trinkflasche, die wir verlosen durften und allerlei andere schicke Maik-Franz-Devotionalien, unter anderem war Stefan Mellin vom Maik-Management so nett, extra für die Lesung ein Grußwort von Iron Maik aus Berlin zu besorgen. 1000 Dank an der Stelle noch einmal.

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    Maik Franz hatte die Veranstaltung außerdem höchstpersönlich auf seiner Facebook-Seite gepostet, was zu einigen sehr witzigen Kommentaren geführt hat.

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    Vor lauter Nervosität hab ich einen Hammergag vergessen, den ich jetzt nachträglich erwähnen möchte und den wir bei der nächsten Lounge selbstredend in aller Ausführlichkeit breittreten werden: Als emotionaler Nachfolger von Udo Lattek beim Kia Doppelpass hatte ich extra ein Phrasenschwein besorgt, dessen Funktion aber kessel.tv-mäßig umgedreht ist.

    Nicht wir sollten ins Phrasenschwein einzahlen, wenn uns Weisheiten wie „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“ rausrutschen. Nein, ich wollte das Schwein zum elementaren Teil der Nachspielzeit machen: Wer einen Euro reinschmeißt, darf sich bei den Experten eine Phrase wünschen. Hatte extra noch welche gebüffelt, machen wir dann wie gesagt beim nächsten Mal.

    Inhaltlicher Höhepunkt des Abends waren sicherlich die Texte von Joe, vier ganz starke Buchstaben-Flanken aus der Tiefe des Raumes, die dem Abend thematisch eine andere Richtung gegeben haben: Eigentlich wäre der Titel Stuttgarter-Kickers-Lounge am Ende angemessener gewesen, kann man aber auch mit gutem Gewissen unterstützen, den feinen Verein aus Degerloch.

    Live-Übertragung auf Sky Sports, am Mikrofon Joe Bauer

    Zum Abschluss noch mal 1000 Dank an meine Mannschaftskameraden, den Prinz des VfB Stuttgart, Michael Setzer, den Trainerausbilder des DFB, JMO2, an mein Idol Joe und an meinen Cheftrainer Martin. Die Wahrheit lag in der Lounge, die Lesung dauerte 90 Minuten und die nächste Kessel-Lesung ist immer die lustigste. Zurück ins Funkhaus.

    Hexenkessel Waschstraße: höfliches Warten auf die dritte Halbzeit

    Und hier noch die Aufzeichnung.


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