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    Lernen vom Volleyball oder eine kleine Typologie des aktuellen VfB-Kaders

    Am 7. Feb 2012, 12:30 Uhr von Aussenreporter

    (Hexenkessel Scharrena: Die Stimmung ist kurz vor dem kollektiven Austicken, ähnlich wie bei der letzten KTV-Weihnachtsfeier)

    Der VfB ist eindeutig auf dem aufsteigenden Ast. Hört sich komisch an? Nein, ist die Wahrheit. Der eine Punkt bei den Pillendrehern am Samstag war nur der Vorgeschmack, morgen wird Bayern im Pokal rasiert („Alle auf die 10!“ Das wird kein schöner Abend für Arien „Der fliegende Holländer“ Robben) und der Rest der Rückrunde wird dann mit Anstand zu Ende gebracht, bevor im Sommer der Umbruch erfolgt und Fredi & Bruno ein paar Knaller einkaufen (Jarolim, Helmes, Maik Franz?) auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft 2013.

    Woher wir das so genau wissen? Kessel.tv war exklusiv dabei bei der teambuildenden Maßnahme des VfBs vergangene Woche. „Wir haben uns mal richtig ausgesprochen und angesprochen, was bisher eher doof war“, erklärte Christian Gentner nach dem sensationellen Unentschieden gegen Ballack 04 Leverkusen am Samstag.

    Die Buben haben sich aber nicht nur ausgesprochen, nein, sie haben Anschauungsunterricht genommen bei den Volleyballerinnen von Smart Allianz Stuttgart bei deren Heimspiel gegen Robur Tiboni Urbino, dem FC Barcelona des Damen-Volleyballs aus Italien vergangene Woche.

    Wer derzeit Spitzensport in Stuttgart konsumieren möchte, kommt an den Volleyball-Mädels nicht vorbei. Vereinspräsident Bernhard Lobmüller, der Uli Hoeneß des Stuttgarter Volleyballs – nur mit weniger roter Birne – hat sehr Vorzeigbares in der Kurve der Daimler-Arena an den Start gebracht.

    Was wir in der Scharrena beim Spiel gegen die Italienerinnen gesehen haben, war ganz großer Sport. Zwar setzte es gegen die Übermannschaft aus Italien eine knappe Niederlage, das Gesamtpaket in der Halle in der Mercedes-Benz Arena in Bad Cannstatt stimmt aber. Eine heimelige Turnhallen-Atmosphäre, die alles andere als piefig ist, unglaubliche Sportlerinnen, die schmettern und Bälle vom Boden kratzen, und ein Hallensprecher, dessen Soundmix in fast jedem Stuttgarter Club bestehen würde.

    Party-Mugge olé, keine Sekunde ist Ruhe, am geilsten kommt definitiv „Mein Block“ von Sido bei jedem gelungenen Block der Allianzlerinnen. Mehr HipHop geht an einem Mittwochabend in Cannstatt echt nicht. Das fand wohl auch der halbe Kader des VfB, der nach der Gruppengesprächstherapie im Vereinsheim noch gemeinsam in der Scharrena für Getuschel sorgte.

    Alte Herren wie Gerhard Mayer-Vorfelder, der am Freitag übrigens endlich seine Biographie vorstellt, wollten ja deutsche Fußballdamen einst im Damen-Volleyball-Dress antreten lassen. Diesen Vorschlag unterstützt KTV vehement, bei Allianz Stuttgart steht auf jedem Sportlerhintern auch noch Smart, das gefällt uns Smartass-Typen natürlich gleich doppelt (Altherrenwitz-Abzug: 5 Euro ins Phrasenschwein). Den VfBlern aber übrigens auch.

    (Kann man zwar nur mit der Lupe erkennen, aber tatsächlich auf diesem Bild: Tasci mit weißer Mütze, Boula mit Smartphone, Molinaro mit Brille und viele weitere Highlights)

    Diese Gelegenheit hat kessel.tv genutzt, um erstmals in der Geschichte des deutschen Sportjournalismus eine kleine Typologie des aktuellen Kaders vornehmen zu können, anhand dessen die bisherigen Leistungen der Mannschaft besser einzuordnen sind.

    - Serdar Tasci: Hat nur einen Gesichtsausdruck beim Volleballgucken. Gelangweilt. Ist mit dem Kopf immer noch bei Juventus Turin oder sonst wo international. Fragt sich nicht nur in der Scharrena, „Scheiße, was mach ich eigentlich in der Turnhalle hier beim Affentennis, wieso hat Real noch nicht angerufen.“ Kein Wunder kommt Tasci gerne mal gegen direkte Gegenspieler zu spät oder verursacht Elfmeter. Hat bei Spaßaktionen von -> Gentner keinen Spaß, hier fehlt eindeutig die Bindung zur Mannschaft.

    - Chrissi Molinaro: Viel zu schlau für dieses Team, sieht mit seiner dünnen Brille aus wie ein BWL-Student mit Migrationshintergrund. Schlägt manchmal über die Stränge, verklopft nach dem Spiel das halbe Team munter mit einer Gummi-Werbebande, der lustige Spaßvogel. Sieht gegen Leverkusen prompt Rot wegen allgemeiner Übermotivierung.

    - Kannibale Boulahrouz: Der Typ ist eine einzige Katastrophe. Spielt während der kompletten Volleyballbegegnung an seinem Smartphone rum, schaut kein einziges Mal aufs Spielfeld. Setzt sich irgendwann um und zur Entourage von Gebhart, um dort zu zweit gemeinsam auf das Smartphone zu starren.

    - Timo Gebhart: Völlig isoliert von der Mannschaft, schaut sich das Spiel mit zwei unbekannten Schönheiten und einem Kumpel an. Immer wenn das Masskotchen Charly vorbeiläuft, feuert Gebhart Charly an, statt seine Energie für das nächste Spiel zu sparen. Absolute Katastrophe, Teil 2.

    (Völlig isoliert von der Mannschaft: Gebhart mit gespreizten Beinen und scharfen Hasen, im Vordergrund Locken)

    - Christiano Gentner: Heimlicher Kapitän, nicht nur bei diesem Ausflug. Macht die Mitspieler auf die unglaublichen Aufwärmübungen dreier Volleyballgrazien aufmerksam. Hab nur vom Zuschauen eine Bauchmuskelzerrung bekommen, alle VfBler nicken anerkennend und gruseln sich dabei gedanklich vor Felix Magath. Gentner macht schließlich Quatsch mit einer Deutschlandfahne, die er scheinbar immer bei sich hat. Integrative Kraft im Kader.

    - Julian „Juliano“ Schieber: War abzusehen, dass er Samstag trifft. Beim Volleyball-Ausflug war er schon der schönste VfBler. Sah in seinem Strickpulli fast so gut aus wie Tobi Tobsen. Fuck yeah, Julian Schieber: Diese blauen Augen sind wirklich unglaublich. Wird der neue Mario Gomez, wirklich, spätestens zur nächsten Saison. Tickende Zeitbombe!

    - Habdenvornamenvergessen Niedermaier: Tritt zu wenig in Erscheinung, um von der Ktv-Redaktion benotet zu werden.

    - Hatleiderkeinenvornamen Cacau: Konnte zum Volleyball nicht kommen, weil er Gospelgottesdienst hatte. War aber von Harnik auch erst  gar nicht eingeladen.

    - Maddin Harnik: Hatte den Ausflug zwar organisiert, dann aber keinen Bock auf die Kollegen, wollte den Kopf beim Zumba-Kurs bei Fitness First freibekommen. Hat dann auch prompt am Samstag getroffen.

    (Standing Ovations von Smart Allianz Stuttgart für den Besuch von Wesc Volcom Hofbräu Naturgut am Marienplatz Kessel.tv)

    (Nach dem Spiel lassen es die Volleyballerinnen im VIP-Bereich noch krachen, ktv wie immer mittendrin mit einer Apfelschorle)

    Fazit: Die Scharrena ist auf jeden Fall einen Ausflug wert. Nicht nur im sibirischen Frühling, sondern auch sonst jederzeit, wenn man Bock hat auf feinen Sport in einer guten Location. Die Saison läuft noch bis Mitte April, nächstes Heimspiel: 15.2. 19:30 in der Scharrena in Bad Cannstatt, gegen den USC Münster. Garantiert auch wieder mit dabei: der ein oder andere VfBler im Publikum – zum Anschauungsunterricht Teil 2.

    (Hexenkessel Scharrena: Die Stimmung ist kurz vor dem kollektiven Austicken, ähnlich wie bei der letzten KTV-Weihnachtsfeier) Der VfB ist eindeutig auf dem aufsteigenden Ast. Hört sich komisch an? Nein, ist die Wahrheit. Der eine Punkt bei den Pillendrehern am Samstag war nur der Vorgeschmack, morgen wird Bayern im Pokal rasiert („Alle auf die 10!“ Das wird kein schöner Abend für Arien „Der fliegende Holländer“ Robben) und der Rest der Rückrunde wird dann mit Anstand zu Ende gebracht, bevor im Sommer der Umbruch erfolgt und Fredi & Bruno ein paar Knaller einkaufen (Jarolim, Helmes, Maik Franz?) auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft 2013. Woher wir das so genau wissen? Kessel.tv war exklusiv dabei bei der teambuildenden Maßnahme des VfBs vergangene Woche. „Wir haben uns mal richtig ausgesprochen und angesprochen, was bisher eher doof war“, erklärte Christian Gentner nach dem sensationellen Unentschieden gegen Ballack 04 Leverkusen am Samstag. Die Buben haben sich aber nicht nur ausgesprochen, nein, sie haben Anschauungsunterricht genommen bei den Volleyballerinnen von Smart Allianz Stuttgart bei deren Heimspiel gegen Robur Tiboni Urbino, dem FC Barcelona des Damen-Volleyballs aus Italien vergangene Woche. Wer derzeit Spitzensport in Stuttgart konsumieren möchte, kommt an den Volleyball-Mädels nicht vorbei. Vereinspräsident Bernhard Lobmüller, der Uli Hoeneß des Stuttgarter Volleyballs – nur mit weniger roter Birne – hat sehr Vorzeigbares in der Kurve der Daimler-Arena an den Start gebracht. Was wir in der Scharrena beim Spiel gegen die Italienerinnen gesehen haben, war ganz großer Sport. Zwar setzte es gegen die Übermannschaft aus Italien eine knappe Niederlage, das Gesamtpaket in der Halle in der Mercedes-Benz Arena in Bad Cannstatt stimmt aber. Eine heimelige Turnhallen-Atmosphäre, die alles andere als piefig ist, unglaubliche Sportlerinnen, die schmettern und Bälle vom Boden kratzen, und ein Hallensprecher, dessen Soundmix in fast jedem Stuttgarter Club bestehen würde. Party-Mugge olé, keine Sekunde ist Ruhe, am geilsten kommt definitiv „Mein Block“ von Sido bei jedem gelungenen Block der Allianzlerinnen. Mehr HipHop geht an einem Mittwochabend in Cannstatt echt nicht. Das fand wohl auch der halbe Kader des VfB, der nach der Gruppengesprächstherapie im Vereinsheim noch gemeinsam in der Scharrena für Getuschel sorgte. Alte Herren wie Gerhard Mayer-Vorfelder, der am Freitag übrigens endlich seine Biographie vorstellt, wollten ja deutsche Fußballdamen einst im Damen-Volleyball-Dress antreten lassen. Diesen Vorschlag unterstützt KTV vehement, bei Allianz Stuttgart steht auf jedem Sportlerhintern auch noch Smart, das gefällt uns Smartass-Typen natürlich gleich doppelt (Altherrenwitz-Abzug: 5 Euro ins Phrasenschwein). Den VfBlern aber übrigens auch. (Kann man zwar nur mit der Lupe erkennen, aber tatsächlich auf diesem Bild: Tasci mit weißer Mütze, Boula mit Smartphone, Molinaro mit Brille und viele weitere Highlights) Diese Gelegenheit hat kessel.tv genutzt, um erstmals in der Geschichte des deutschen Sportjournalismus eine kleine Typologie des aktuellen Kaders vornehmen zu können, anhand dessen die bisherigen Leistungen der Mannschaft besser einzuordnen sind. - Serdar Tasci: Hat nur einen Gesichtsausdruck beim Volleballgucken. Gelangweilt. Ist mit dem Kopf immer noch bei Juventus Turin oder sonst wo international. Fragt sich nicht nur in der Scharrena, „Scheiße, was mach ich eigentlich in der Turnhalle hier beim Affentennis, wieso hat Real noch nicht angerufen.“ Kein Wunder kommt Tasci gerne mal gegen direkte Gegenspieler zu spät oder verursacht Elfmeter. Hat bei Spaßaktionen von -> Gentner keinen Spaß, hier fehlt eindeutig die Bindung zur Mannschaft. - Chrissi Molinaro: Viel zu schlau für dieses Team, sieht mit seiner dünnen Brille aus wie ein BWL-Student mit Migrationshintergrund. Schlägt manchmal über die Stränge, verklopft nach dem Spiel das halbe Team munter mit einer Gummi-Werbebande, der lustige Spaßvogel. Sieht gegen Leverkusen prompt Rot wegen allgemeiner Übermotivierung. - Kannibale Boulahrouz: Der Typ ist eine einzige Katastrophe. Spielt während der kompletten Volleyballbegegnung an seinem Smartphone rum, schaut kein einziges Mal aufs Spielfeld. Setzt sich irgendwann um und zur Entourage von Gebhart, um dort zu zweit gemeinsam auf das Smartphone zu starren. - Timo Gebhart: Völlig isoliert von der Mannschaft, schaut sich das Spiel mit zwei unbekannten Schönheiten und einem Kumpel an. Immer wenn das Masskotchen Charly vorbeiläuft, feuert Gebhart Charly an, statt seine Energie für das nächste Spiel zu sparen. Absolute Katastrophe, Teil 2. (Völlig isoliert von der Mannschaft: Gebhart mit gespreizten Beinen und scharfen Hasen, im Vordergrund Locken) - Christiano Gentner: Heimlicher Kapitän, nicht nur bei diesem Ausflug. Macht die Mitspieler auf die unglaublichen Aufwärmübungen dreier Volleyballgrazien aufmerksam. Hab nur vom Zuschauen eine Bauchmuskelzerrung bekommen, alle VfBler nicken anerkennend und gruseln sich dabei gedanklich vor Felix Magath. Gentner macht schließlich Quatsch mit einer Deutschlandfahne, die er scheinbar immer bei sich hat. Integrative Kraft im Kader. - Julian „Juliano“ Schieber: War abzusehen, dass er Samstag trifft. Beim Volleyball-Ausflug war er schon der schönste VfBler. Sah in seinem Strickpulli fast so gut aus wie Tobi Tobsen. Fuck yeah, Julian Schieber: Diese blauen Augen sind wirklich unglaublich. Wird der neue Mario Gomez, wirklich, spätestens zur nächsten Saison. Tickende Zeitbombe! - Habdenvornamenvergessen Niedermaier: Tritt zu wenig in Erscheinung, um von der Ktv-Redaktion benotet zu werden. - Hatleiderkeinenvornamen Cacau: Konnte zum Volleyball nicht kommen, weil er Gospelgottesdienst hatte. War aber von Harnik auch erst  gar nicht eingeladen. - Maddin Harnik: Hatte den Ausflug zwar organisiert, dann aber keinen Bock auf die Kollegen, wollte den Kopf beim Zumba-Kurs bei Fitness First freibekommen. Hat dann auch prompt am Samstag getroffen. (Standing Ovations von Smart Allianz Stuttgart für den Besuch von Wesc Volcom Hofbräu Naturgut am Marienplatz Kessel.tv) (Nach dem Spiel lassen es die Volleyballerinnen im VIP-Bereich noch krachen, ktv wie immer mittendrin mit einer Apfelschorle) Fazit: Die Scharrena ist auf jeden Fall einen Ausflug wert. Nicht nur im sibirischen Frühling, sondern auch sonst jederzeit, wenn man Bock hat auf feinen Sport in einer guten Location. Die Saison läuft noch bis Mitte April, nächstes Heimspiel: 15.2. 19:30 in der Scharrena in Bad Cannstatt, gegen den USC Münster. Garantiert auch wieder mit dabei: der ein oder andere VfBler im Publikum – zum Anschauungsunterricht Teil 2.

     
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  • 7

    Allerfeinste Pop-Nachhilfe: Andy Warhol sein Interview als deutsche Ausgabe

    Am 2. Feb 2012, 16:00 Uhr von Aussenreporter

    Wie immer unaktuell bis zum Gehtnichtmehr: Kessel.tv. Die Tageszeitung unter Deutschlands Superblogs gibt mit einer Woche Verspätung ihren Senf ab zur spannendsten Neuveröffentlichung im deutschen Journalismus der letzten Jahre (Superlative erzeugen im sibirischen Frühling Wärme).

    Vergangenen Freitag erschien erstmals – im guten alten 92er MAX Überformat - die deutsche Ausgabe von Andy Warhol’s Interview. Mitverantwortlich für das Magazin im Überformat ist der Exil-Filder-Warrior Jörg Rohleder, den wir rund um seinen Roman Lokalhelden einige Male auf dem Blog hatten.

    Das Echo zum Magazin ist geteilt: Spiegel Online dreht durch und sagt „Interview ist kein Leichtgewicht – und damit der Gegenentwurf zum allgemeinen Digitalisierungstrend.“ Die FAZ dagegen findet die neue Publikation natürlich – muss man machen, wenn man beim inhaltsschwersten Blatt der ganzen Welt arbeitet – eher so mittel und nennt das Magazin „eine leidenschaftliche Unvernunftehe zwischen ästhetischem und intellektuellem Hochsnobismus“, in einem hauseigenen Blog wird sogar richtig abgekotzt.

    Und Willi Winkler, das gute Gewissen der Süddeutschen Zeitung, freut sich am meisten über das Interview zwischen Arianna Huffington und Scarlett Johansson und den im Text platzierten Satz „Erst Somalia, dann flache Schuhe“ – Winkler findet es voll doof, dass man das Krisengebiet Somalia und High Heels in einem Text verarbeitet.

    Womit wir beim Konzept des Oschos wären. Hauptelement: Ein Promi interviewt einen anderen Promi. Das kann überraschenderweise gut sein, wenn die Promis gut sind, das kann aber auch eher dünn sein, wenn, richtig, Sascha Gerecht Heid Klum interviewt.

    Kommt im Heft zwar nicht vor, kann aber nur gruselig sein. In der deutschen Nr. 1 ist zudem noch ein fetter Bonustrack auf mehreren Seiten am Start, der alte Warhol-Interviews beinhaltet, zum Beispiel mit dem jungen Michael Jackson. Der Teil ist allerfeinste Pop-Nachhilfe.

    Schöner kessel.tv-Bezug zum Blatt: Der inoffizielle Cosimo-Biograph Moritz Drung durfte an Interview mitarbeiten, weil Kollege Rohleder seine Schreibe für KTV so gut fand (ehrlich jetzt). Jetzt hat Moritz zum Heftstart einen Skater portraitiert und steht im Impressum direkt vor Clint Eastwood. Kann man schon mal machen.

    Was man auch machen kann: Interview für sechs Euro am Kiosk seines Vertrauens kaufen, am Samstag schmökern, um abends dann Moritz mit seiner Band Vagabond Stories in Esslingen beim Winterfest im Komma live anzuschauen. Wünsche allen ein gutes Gespräch ganz im Sinne von Stefan Kaufmann.

    Homepage Interview

    Wie immer unaktuell bis zum Gehtnichtmehr: Kessel.tv. Die Tageszeitung unter Deutschlands Superblogs gibt mit einer Woche Verspätung ihren Senf ab zur spannendsten Neuveröffentlichung im deutschen Journalismus der letzten Jahre (Superlative erzeugen im sibirischen Frühling Wärme). Vergangenen Freitag erschien erstmals - im guten alten 92er MAX Überformat - die deutsche Ausgabe von Andy Warhol's Interview. Mitverantwortlich für das Magazin im Überformat ist der Exil-Filder-Warrior Jörg Rohleder, den wir rund um seinen Roman Lokalhelden einige Male auf dem Blog hatten. Das Echo zum Magazin ist geteilt: Spiegel Online dreht durch und sagt „Interview ist kein Leichtgewicht – und damit der Gegenentwurf zum allgemeinen Digitalisierungstrend.“ Die FAZ dagegen findet die neue Publikation natürlich – muss man machen, wenn man beim inhaltsschwersten Blatt der ganzen Welt arbeitet – eher so mittel und nennt das Magazin „eine leidenschaftliche Unvernunftehe zwischen ästhetischem und intellektuellem Hochsnobismus“, in einem hauseigenen Blog wird sogar richtig abgekotzt. Und Willi Winkler, das gute Gewissen der Süddeutschen Zeitung, freut sich am meisten über das Interview zwischen Arianna Huffington und Scarlett Johansson und den im Text platzierten Satz „Erst Somalia, dann flache Schuhe“ – Winkler findet es voll doof, dass man das Krisengebiet Somalia und High Heels in einem Text verarbeitet. Womit wir beim Konzept des Oschos wären. Hauptelement: Ein Promi interviewt einen anderen Promi. Das kann überraschenderweise gut sein, wenn die Promis gut sind, das kann aber auch eher dünn sein, wenn, richtig, Sascha Gerecht Heid Klum interviewt. Kommt im Heft zwar nicht vor, kann aber nur gruselig sein. In der deutschen Nr. 1 ist zudem noch ein fetter Bonustrack auf mehreren Seiten am Start, der alte Warhol-Interviews beinhaltet, zum Beispiel mit dem jungen Michael Jackson. Der Teil ist allerfeinste Pop-Nachhilfe. Schöner kessel.tv-Bezug zum Blatt: Der inoffizielle Cosimo-Biograph Moritz Drung durfte an Interview mitarbeiten, weil Kollege Rohleder seine Schreibe für KTV so gut fand (ehrlich jetzt). Jetzt hat Moritz zum Heftstart einen Skater portraitiert und steht im Impressum direkt vor Clint Eastwood. Kann man schon mal machen. Was man auch machen kann: Interview für sechs Euro am Kiosk seines Vertrauens kaufen, am Samstag schmökern, um abends dann Moritz mit seiner Band Vagabond Stories in Esslingen beim Winterfest im Komma live anzuschauen. Wünsche allen ein gutes Gespräch ganz im Sinne von Stefan Kaufmann. Homepage Interview

     
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  • 16

    Speckgürtel nicht nur um die Hüfte:
    Plattform für re.flect

    Am 22. Dez 2011, 14:00 Uhr von Aussenreporter

    LPB war wahrscheinlich massiv auf der Suche nach guten Nachrichten und hatte deswegen keine Zeit für seine re.flect-Kolumne in der Dezember/Januar-Ausgabe. Deswegen bat mich die Redaktion um einen Text für die Plattform auf der letzten Seite. Sagte ich danke, bin gerne Ersatz und sowieso Feuerwehrmann im Herzen. Also auf nach Paris! Sogar ins Echte! 

    (Das ist fast Paris.) 

    Ich bin ein Landei und werde es immer bleiben. Provinz im Herzen, Speckgürtel nicht nur um die Hüften und das Hirn ein einziger Vorort. Gerade deshalb muss ich regelmäßig in eine richtige Stadt reisen, um die eigene Bedeutungslosigkeit bei jedem Schritt, in jedem Club, in jedem Laden zu inhalieren.

    Mit richtiger Stadt meine ich kein Frankfurt und kein München, Verzeihung, Freunde, Ihr seid auch nur Stuttgart mit mehr Fluss aber weniger Herz. Nein, Paris sollte es dieses Mal sein, mit dem TGV von Kopfbahnhof zu Kopfbahnhof und dann den Kopf an einem langen Wochenende durchpusten. Hat gut geklappt dank astreiner Tipps von Hippstern aus dem Freundeskreis. Architekten, Fashiondealer und Gastronomen im Inner Circle zu haben, ist von elementarer Bedeutung, gerade wenn du selber wie ich ein Dorfdepp bist. Brauchste keinen Reiseführer und keine iPhone-App mehr. 

    (Das war glaub Paris. Kann mich nicht mehr ganz erinnern. War in dem Bildordner “Ausflug nach Lutter am Baremberge”.) 

    Erste Erkenntnis: Amerika muss derzeit leer sein, weil alle Amis in Paris herumhängen. Erster Abend Couscous bei Chez Omar, der Tisch so groß wie ein Macbook, Laden voll wie Harald Juhnke zu seinen besten Zeiten, links ein Pärchen aus Italien, rechts die größte Nerdbrille der Welt mit Panzerglas-Glasstärke auf der Nase einer Hippsterin, ihr Gegenüber der schönste Junge der Welt: Hippster-Alarm aus Brooklyn, New York, das hätte man sogar aus dem Elsass noch erkennen können.

    Wir mussten unsere Getränke mangels Platz auf ihrem Tisch abstellen, hab ihnen zum Dank die ganze Zeit von unserem Wein nachgeschenkt. Sagt die große Brille plötzlich: „We just met Sofia Coppola, Paris is so tiny.“ Ich so: „Nimmer ganz sauber, oder was. Ich komm aus Stuttgart, das ist tiny.“ Sie wieder: „Stutt-what?“ Ich so: „Egal, aber kennste Casper: ,Und im Radio lief Jay Z immer wieder mit seinem Lied von der großen Stadt erinnert uns wieder wie klein wir sind.‘“ Sie wieder: „Sorry, wir müssen los, der Jetlag.“

    Erkenntnis zwei: Es tut gut, auch mal wieder in einen Laden nicht reinzukommen. Eine versteckte Bar hinter einem mexikanischen Imbiss. Erst der Imbiss, dann eine Tür, hinter der man eine Küche vermutet. Gibt es an der Stelle aber nicht, sondern eben eine Styler-Bar, süper cool, le dernier crie.

    Wir Touristenhorsts checken es nicht, glotzen rein, laufen außen rum, wollen uns dann reintrauen, als uns an der Tür der zweitschönste Junge der Welt den Weg versperrt. Dachte erst, das wäre ein genauso planloser Gast wie wir. War aber der Bouncer in der schicken Pariser Ausgabe. Er so: „Sucht Ihr was?“ Wir: „Ja, Glück, unendliche Jugend und entweder Ketamin oder Amphetamin oder beides in einem Cocktail. Momentan würde uns aber auch die versteckte Bar reichen.“ Er: „Sorry, heute Abend ist privat.“

    Da war es sofort wieder, dieses herrliche Gefühl von Provinz. Hab mich erkannt gefühlt und bin in eine Kleinstadtschockstarre gefallen. Meine Begleitung nicht. Hat dem Türsteher le plus cool erklärt, dass wir nur wegen seiner Bar extra aus Stuttgart gekommen sind (Lüge Nr. 1), dass wir wichtig sind (größte Lüge der Welt) und Journalisten (halbe Lüge) und dass „sorry, heute ist privat“ voll 90er und uninspiriert sei, außerdem seien wir auch privat und nicht geschäftlich unterwegs, müsste also passen. Nach langem Palaver dann der Kompromiss: Wir gehen in eine andere Bar und kommen dann wieder.

    Wir waren in einer anderen Bar und kamen dann wieder. Der Bouncer tat, als hätte es die Situation zuvor nie gegeben und wünscht uns auf Deutsch einen schönen Abend. Der Laden ist der Hit, klein, fein, ambitionierte Barkeeper. Gin Tonic mit Monkey 47 für 14 Euro, dann bitte gleich drei, danke, bitte, schönen Abend noch.

    Erkenntnis drei: Die wichtigste Währung der Nacht, die Gästeliste, funktioniert Länder übergreifend. Die Jungs vom Rocker 33 sind in einer Fanfreundschaft mit dem Social Club in Paris verbunden und haben netterweise für mich Wicht Plätzchen auf der Liste geschnorrt. Kleinstadt meets also Großstadt, Riesenschlange vor dem Laden, wir dran vorbei, ich zum Bouncer: „I am the Horst from your Nachbarland and I think that I am on the list de la Liberté, Egalité und Fraternité.” Die so: „WTF, verarsché oder was?“ Pause und französisches Stirnrunzeln. „Oh lala, du stehst tatsächlich auf der Listé, dann aber rein mit dir, du kleine, süße Kartoffel.“ Drinnen dann junge Menschen, Tanzen, Gin Tonic, Exzess und blinkende Lichter. Fast wie daheim. Schön.

    Zum Abschluss noch in einem jüdischen Feinkostgeschäft mit dem eigenwilligen Namen Panzer gefillte Fische gekauft, tatsächlich dem Pärchen aus Brooklyn wieder über den Weg gelaufen because Paris is so tiny und am Grab von Jim Morrison eine Schweigeminute eingelegt. Bis ein Depp neben mir auf seinem Handy „Stairway to heaven“ abgespielt hat. Hab das Scherzkeks ganz sanft in den Arm genommen und ihm ins Ohr geflüstert: „Na, mein Lieber, kommste auch vom Land?“

    Provinz ist halt doch immer da, wo ich bin. 

    LPB war wahrscheinlich massiv auf der Suche nach guten Nachrichten und hatte deswegen keine Zeit für seine re.flect-Kolumne in der Dezember/Januar-Ausgabe. Deswegen bat mich die Redaktion um einen Text für die Plattform auf der letzten Seite. Sagte ich danke, bin gerne Ersatz und sowieso Feuerwehrmann im Herzen. Also auf nach Paris! Sogar ins Echte!  (Das ist fast Paris.)  Ich bin ein Landei und werde es immer bleiben. Provinz im Herzen, Speckgürtel nicht nur um die Hüften und das Hirn ein einziger Vorort. Gerade deshalb muss ich regelmäßig in eine richtige Stadt reisen, um die eigene Bedeutungslosigkeit bei jedem Schritt, in jedem Club, in jedem Laden zu inhalieren. Mit richtiger Stadt meine ich kein Frankfurt und kein München, Verzeihung, Freunde, Ihr seid auch nur Stuttgart mit mehr Fluss aber weniger Herz. Nein, Paris sollte es dieses Mal sein, mit dem TGV von Kopfbahnhof zu Kopfbahnhof und dann den Kopf an einem langen Wochenende durchpusten. Hat gut geklappt dank astreiner Tipps von Hippstern aus dem Freundeskreis. Architekten, Fashiondealer und Gastronomen im Inner Circle zu haben, ist von elementarer Bedeutung, gerade wenn du selber wie ich ein Dorfdepp bist. Brauchste keinen Reiseführer und keine iPhone-App mehr.  (Das war glaub Paris. Kann mich nicht mehr ganz erinnern. War in dem Bildordner "Ausflug nach Lutter am Baremberge".)  Erste Erkenntnis: Amerika muss derzeit leer sein, weil alle Amis in Paris herumhängen. Erster Abend Couscous bei Chez Omar, der Tisch so groß wie ein Macbook, Laden voll wie Harald Juhnke zu seinen besten Zeiten, links ein Pärchen aus Italien, rechts die größte Nerdbrille der Welt mit Panzerglas-Glasstärke auf der Nase einer Hippsterin, ihr Gegenüber der schönste Junge der Welt: Hippster-Alarm aus Brooklyn, New York, das hätte man sogar aus dem Elsass noch erkennen können. Wir mussten unsere Getränke mangels Platz auf ihrem Tisch abstellen, hab ihnen zum Dank die ganze Zeit von unserem Wein nachgeschenkt. Sagt die große Brille plötzlich: „We just met Sofia Coppola, Paris is so tiny.“ Ich so: „Nimmer ganz sauber, oder was. Ich komm aus Stuttgart, das ist tiny.“ Sie wieder: „Stutt-what?“ Ich so: „Egal, aber kennste Casper: ,Und im Radio lief Jay Z immer wieder mit seinem Lied von der großen Stadt erinnert uns wieder wie klein wir sind.‘“ Sie wieder: „Sorry, wir müssen los, der Jetlag.“ Erkenntnis zwei: Es tut gut, auch mal wieder in einen Laden nicht reinzukommen. Eine versteckte Bar hinter einem mexikanischen Imbiss. Erst der Imbiss, dann eine Tür, hinter der man eine Küche vermutet. Gibt es an der Stelle aber nicht, sondern eben eine Styler-Bar, süper cool, le dernier crie. Wir Touristenhorsts checken es nicht, glotzen rein, laufen außen rum, wollen uns dann reintrauen, als uns an der Tür der zweitschönste Junge der Welt den Weg versperrt. Dachte erst, das wäre ein genauso planloser Gast wie wir. War aber der Bouncer in der schicken Pariser Ausgabe. Er so: „Sucht Ihr was?“ Wir: „Ja, Glück, unendliche Jugend und entweder Ketamin oder Amphetamin oder beides in einem Cocktail. Momentan würde uns aber auch die versteckte Bar reichen.“ Er: „Sorry, heute Abend ist privat.“ Da war es sofort wieder, dieses herrliche Gefühl von Provinz. Hab mich erkannt gefühlt und bin in eine Kleinstadtschockstarre gefallen. Meine Begleitung nicht. Hat dem Türsteher le plus cool erklärt, dass wir nur wegen seiner Bar extra aus Stuttgart gekommen sind (Lüge Nr. 1), dass wir wichtig sind (größte Lüge der Welt) und Journalisten (halbe Lüge) und dass „sorry, heute ist privat“ voll 90er und uninspiriert sei, außerdem seien wir auch privat und nicht geschäftlich unterwegs, müsste also passen. Nach langem Palaver dann der Kompromiss: Wir gehen in eine andere Bar und kommen dann wieder. Wir waren in einer anderen Bar und kamen dann wieder. Der Bouncer tat, als hätte es die Situation zuvor nie gegeben und wünscht uns auf Deutsch einen schönen Abend. Der Laden ist der Hit, klein, fein, ambitionierte Barkeeper. Gin Tonic mit Monkey 47 für 14 Euro, dann bitte gleich drei, danke, bitte, schönen Abend noch. Erkenntnis drei: Die wichtigste Währung der Nacht, die Gästeliste, funktioniert Länder übergreifend. Die Jungs vom Rocker 33 sind in einer Fanfreundschaft mit dem Social Club in Paris verbunden und haben netterweise für mich Wicht Plätzchen auf der Liste geschnorrt. Kleinstadt meets also Großstadt, Riesenschlange vor dem Laden, wir dran vorbei, ich zum Bouncer: „I am the Horst from your Nachbarland and I think that I am on the list de la Liberté, Egalité und Fraternité." Die so: „WTF, verarsché oder was?“ Pause und französisches Stirnrunzeln. „Oh lala, du stehst tatsächlich auf der Listé, dann aber rein mit dir, du kleine, süße Kartoffel.“ Drinnen dann junge Menschen, Tanzen, Gin Tonic, Exzess und blinkende Lichter. Fast wie daheim. Schön. Zum Abschluss noch in einem jüdischen Feinkostgeschäft mit dem eigenwilligen Namen Panzer gefillte Fische gekauft, tatsächlich dem Pärchen aus Brooklyn wieder über den Weg gelaufen because Paris is so tiny und am Grab von Jim Morrison eine Schweigeminute eingelegt. Bis ein Depp neben mir auf seinem Handy „Stairway to heaven“ abgespielt hat. Hab das Scherzkeks ganz sanft in den Arm genommen und ihm ins Ohr geflüstert: „Na, mein Lieber, kommste auch vom Land?“ Provinz ist halt doch immer da, wo ich bin. 

     
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  • 14

    Schankstelle schaut super plus aus

    Am 3. Nov 2011, 09:00 Uhr von Aussenreporter

    Heimlich still und leise oder eher wichtig, voll VIP und mit echt tollem Premieren-Publikum hat am Montag die “Schankstelle Super” in der Nähe vom Rocker aufgemacht, das am längsten angekündigte und am häufigsten verschobene neue Gastro-Projekt der Stadt.

    Wir waren selbstverständlich nicht eingeladen, sind aber trotzdem hin, verkleidet als Willy und Wichtig aka Aussi und Transit-Janusch. Auf dem Weg zur Schanke kam uns Tommy Labusch entgegen, der vor gefühlten Jahrmillionen das unfassbar coole „Die 36 Kammern der Shaolin“ auf der Theo betrieben hat, als die Straße Suite- und Nachahmer frei war und man seinen Dreier-BMW noch ordentlich herbeschleunigen konnte, ohne dabei von der Partymeute mit Missbilligung bestraft zu werden. Labusch hatte nach den 36 Kammern unter andere die Rote Kapelle eröffnet und stand als letztes im Beja im Stuttgarter Westen in der Küche.

    Als er an uns vorbeiläuft, knacken für einen Moment hörbar die Synapsen, er scannt uns, checkt aber nicht, wo er uns einordnen soll, nämlich unter berufsjugendlich, verdorben und durstig, dann ist die Sekunde auch schon wieder rum.

    Ich hatte kürzlich an ganz anderer Stelle einen ähnlichen Moment, als ich in der Mittagspause fröhlich zum Rotebühlplatz schlawenzelt bin, Modus: pfeif, freu, kurze Pause von der Sklaventreiberei, immer noch kein Herbst in Sicht, hach ist das ein schönes Städtchen, dieses Stuttgart. Unterhalb vom WuF stand eine Horde junger Menschen, die mich angestarrt hat.

    Einer der Hippster sah zum Fürchten gut aus, Südländer, fesch gestutzter Taliban-Bart, Schanze-Straßen-Outfit. Beim Aus-der-Hüfte-zurückstarren funzt es bei mir im Oberstübchen Schlag auf Schlag: „Scheiße, woher kenn ich den, Transit? Schnaps? Absturz letztes Wochenende? Zusammen Erdloch geraucht mit 16? Sakrament, Gehirn, geh mir nicht auf den Sack“, also präventiv freundlich gegrüßt, Gruß zurück, funktioniert immer.

    Einen Augenblick der Weltgeschichte später habe ich dann kapiert, dass mir Deutschlands coolster Tatort-Kommissar zugenickt hat, Mehmet Kurtulus, Hamburger Hightech-Ermittler, der bis letzte Woche am Alten Schauspielhaus den Othello gegeben hat. Auch live und in Farbe ein geiler Typ, mit dem ich gerne mal auf Schnaps im Transit unter der Bar ein Erdloch zum gemeinsamen Durchziehen gegraben hätte. Scheiß vergebene Chancen des Lebens.

    Raus aus dem Erdloch, zurück ins Super: Wie von Betreiber Basti Sommer und Team nicht anders zu erwarten, sieht das Teil ganz schön super aus. Rund um das ehemalige Tankstellendach stehen mit Wasser gefüllte Plastik-Behälter, die eigentlich in der Landwirtschaft eingesetzt werden, vor dem Super aber als Lichtinstallation super aussehen. Ist nicht neu, nörgelt mein Freund vom Fach, hat schon eine andere Architektur-Agentur an anderer Stelle genau so eingesetzt, geil aussehen tut es trotzdem.

    Genau wie die Gäste bei der Eröffnung. Club-Philosoph Martin Elbert hat über Premieren-Publikum mal sinngemäß geschrieben, dass man sich fragt, in welchen Löchern sich die ganzen Eulen eigentlich den Rest des Jahres verkriechen, wenn sie nicht auf einer hippen Eröffnung herumstolpern. Leben die alle in einem Bunker in Zuffenhausen und werden nur rausgelassen, wenn man den eigenen Laden am ersten Abend mit Bedeutung aufladen muss?

    Wir sehen auf jeden Fall jede Menge makelloser Damen, die auch für Alice Werbung machen oder zumindest die Ex-Freundin von Mutassim Gaddafi sein könnten, dazu haben sich einige Bosch-Porsche-Mitarbeiter aus seligen Bravo-Charlie-Zeiten irgendwie eine Einladung erschlichen. Eine Handvoll netter Menschen ist auch anwesend.

    Wir verkriechen uns strategisch in einer perfekten Beobachter-Warte und starren ungeniert den Premieren-Mix an, klatschen zwischendrin mit den Guten ab, schauen ganz tief in Gin-Tonic-Gläser und sind uns irgendwann einig, dass ein zurückhaltendes Dekolleté mit einem bezaubernden kleinen Pickel über der rechten Brust viel schöner ist als all die glatt gebügelten Freundinnen von Porsche-Fahrern, die zwischen Bar und Floor denken, sie seien in München. Menschlicher Makel schlägt Plastikchirurgie nicht nur zwischen 2 und 5 Uhr morgens.

    Ein paar Informationen für Freunde anspruchsvollen Designs: Der Vorraum ist luftig, der Barbereich schön und minimalistisch, die Uniformen der Barleute super, hinter  dem Barraum kommt der kleine, aber feine Dance-Floor in Ex-Hi-Größe mit einer wahnsinnig schön gestalteten Tür zum Mini-Hinterhof, die das Spiel mit Farben im ganzen Laden wieder aufgreift.

    Alles in allem wirklich ein schönes Ding, indem man nicht nur feiern, sondern von Montag bis Mittwoch abends auch super essen kann. Tommy Labusch liefert unter anderem die große sensorische Inspektion mit Muscheln und allerhand anderen leckeren Schweinereien für 32 Euro, mittags gibt es jeden Tag einen fancy Mahlzeit-Kollegen-Mittagstisch und am Wochenende wird dann getanzt und die Xing-Bewerbungsgespräche im echten Leben geführt. Mal sehen, wie die Besucher aussehen, wenn das Premierenpublikum sich wieder im Bunker in Zuffenhausen verkrochen hat. Wer recherchieren mag: Am Samstag lädt hier ab 21 Uhr das Disco-Quarttet Vogel, Swist, Herzer und Kuhn ein. Einmal volltanken, bitte.

    PS: Spitzen-Witz mit dem volljährig oder nicht auf der Website superschanke.de.

    Die Schwester der Schankstelle auf Sri Lanka, passt eigentlich nicht, wollte ich aber schon immer mal posten.

    Heimlich still und leise oder eher wichtig, voll VIP und mit echt tollem Premieren-Publikum hat am Montag die "Schankstelle Super" in der Nähe vom Rocker aufgemacht, das am längsten angekündigte und am häufigsten verschobene neue Gastro-Projekt der Stadt. Wir waren selbstverständlich nicht eingeladen, sind aber trotzdem hin, verkleidet als Willy und Wichtig aka Aussi und Transit-Janusch. Auf dem Weg zur Schanke kam uns Tommy Labusch entgegen, der vor gefühlten Jahrmillionen das unfassbar coole „Die 36 Kammern der Shaolin“ auf der Theo betrieben hat, als die Straße Suite- und Nachahmer frei war und man seinen Dreier-BMW noch ordentlich herbeschleunigen konnte, ohne dabei von der Partymeute mit Missbilligung bestraft zu werden. Labusch hatte nach den 36 Kammern unter andere die Rote Kapelle eröffnet und stand als letztes im Beja im Stuttgarter Westen in der Küche. Als er an uns vorbeiläuft, knacken für einen Moment hörbar die Synapsen, er scannt uns, checkt aber nicht, wo er uns einordnen soll, nämlich unter berufsjugendlich, verdorben und durstig, dann ist die Sekunde auch schon wieder rum. Ich hatte kürzlich an ganz anderer Stelle einen ähnlichen Moment, als ich in der Mittagspause fröhlich zum Rotebühlplatz schlawenzelt bin, Modus: pfeif, freu, kurze Pause von der Sklaventreiberei, immer noch kein Herbst in Sicht, hach ist das ein schönes Städtchen, dieses Stuttgart. Unterhalb vom WuF stand eine Horde junger Menschen, die mich angestarrt hat. Einer der Hippster sah zum Fürchten gut aus, Südländer, fesch gestutzter Taliban-Bart, Schanze-Straßen-Outfit. Beim Aus-der-Hüfte-zurückstarren funzt es bei mir im Oberstübchen Schlag auf Schlag: „Scheiße, woher kenn ich den, Transit? Schnaps? Absturz letztes Wochenende? Zusammen Erdloch geraucht mit 16? Sakrament, Gehirn, geh mir nicht auf den Sack“, also präventiv freundlich gegrüßt, Gruß zurück, funktioniert immer. Einen Augenblick der Weltgeschichte später habe ich dann kapiert, dass mir Deutschlands coolster Tatort-Kommissar zugenickt hat, Mehmet Kurtulus, Hamburger Hightech-Ermittler, der bis letzte Woche am Alten Schauspielhaus den Othello gegeben hat. Auch live und in Farbe ein geiler Typ, mit dem ich gerne mal auf Schnaps im Transit unter der Bar ein Erdloch zum gemeinsamen Durchziehen gegraben hätte. Scheiß vergebene Chancen des Lebens. Raus aus dem Erdloch, zurück ins Super: Wie von Betreiber Basti Sommer und Team nicht anders zu erwarten, sieht das Teil ganz schön super aus. Rund um das ehemalige Tankstellendach stehen mit Wasser gefüllte Plastik-Behälter, die eigentlich in der Landwirtschaft eingesetzt werden, vor dem Super aber als Lichtinstallation super aussehen. Ist nicht neu, nörgelt mein Freund vom Fach, hat schon eine andere Architektur-Agentur an anderer Stelle genau so eingesetzt, geil aussehen tut es trotzdem. Genau wie die Gäste bei der Eröffnung. Club-Philosoph Martin Elbert hat über Premieren-Publikum mal sinngemäß geschrieben, dass man sich fragt, in welchen Löchern sich die ganzen Eulen eigentlich den Rest des Jahres verkriechen, wenn sie nicht auf einer hippen Eröffnung herumstolpern. Leben die alle in einem Bunker in Zuffenhausen und werden nur rausgelassen, wenn man den eigenen Laden am ersten Abend mit Bedeutung aufladen muss? Wir sehen auf jeden Fall jede Menge makelloser Damen, die auch für Alice Werbung machen oder zumindest die Ex-Freundin von Mutassim Gaddafi sein könnten, dazu haben sich einige Bosch-Porsche-Mitarbeiter aus seligen Bravo-Charlie-Zeiten irgendwie eine Einladung erschlichen. Eine Handvoll netter Menschen ist auch anwesend. Wir verkriechen uns strategisch in einer perfekten Beobachter-Warte und starren ungeniert den Premieren-Mix an, klatschen zwischendrin mit den Guten ab, schauen ganz tief in Gin-Tonic-Gläser und sind uns irgendwann einig, dass ein zurückhaltendes Dekolleté mit einem bezaubernden kleinen Pickel über der rechten Brust viel schöner ist als all die glatt gebügelten Freundinnen von Porsche-Fahrern, die zwischen Bar und Floor denken, sie seien in München. Menschlicher Makel schlägt Plastikchirurgie nicht nur zwischen 2 und 5 Uhr morgens. Ein paar Informationen für Freunde anspruchsvollen Designs: Der Vorraum ist luftig, der Barbereich schön und minimalistisch, die Uniformen der Barleute super, hinter  dem Barraum kommt der kleine, aber feine Dance-Floor in Ex-Hi-Größe mit einer wahnsinnig schön gestalteten Tür zum Mini-Hinterhof, die das Spiel mit Farben im ganzen Laden wieder aufgreift. Alles in allem wirklich ein schönes Ding, indem man nicht nur feiern, sondern von Montag bis Mittwoch abends auch super essen kann. Tommy Labusch liefert unter anderem die große sensorische Inspektion mit Muscheln und allerhand anderen leckeren Schweinereien für 32 Euro, mittags gibt es jeden Tag einen fancy Mahlzeit-Kollegen-Mittagstisch und am Wochenende wird dann getanzt und die Xing-Bewerbungsgespräche im echten Leben geführt. Mal sehen, wie die Besucher aussehen, wenn das Premierenpublikum sich wieder im Bunker in Zuffenhausen verkrochen hat. Wer recherchieren mag: Am Samstag lädt hier ab 21 Uhr das Disco-Quarttet Vogel, Swist, Herzer und Kuhn ein. Einmal volltanken, bitte. PS: Spitzen-Witz mit dem volljährig oder nicht auf der Website superschanke.de. Die Schwester der Schankstelle auf Sri Lanka, passt eigentlich nicht, wollte ich aber schon immer mal posten.

     
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    Best of 2011: Paul verschmitzt, ich verschwitzt, Teil 2: Fremdeln

    Am 5. Okt 2011, 09:00 Uhr von Aussenreporter

    Manchmal fremdelt man sogar in der eigenen Stadt. Wenn man sich zum Beispiel beweisen möchte, dass alleine ausgehen sehr erwachsen ist.

    Samstag war der Kalkbrenner in der Stadt. Hatte ihn vor einem halben Jahr schon einmal gesehen, in Berlinchen, in der Wuhlheide, war wolke gewesen, hatte also große Lust, mir ein Stück vom Sommer 2011 zurückzuholen. Den gab es trotz anders lautender Gerüchte tatsächlich, zumindest Anfang Juni in Berlin, voll so mit gentrifizieren, Kreuzberg kaputt shoppen und Paule halt.

    Am Wochenende also der Test: Wie viel Wuhlheide steckt in Bad Cannstatt? Ist Open Air grundsätzlich besser als unter Tage? Schlägt Stadion immer Halle? Im Vorhinein hatte sich mein komplettes Büro akkreditiert. Kommt immer gut, wenn sich Lift plus acht anmeldet. Freut sich der Veranstalter. Vor allem, wenn dann doch keiner auf der Matte steht. Ich mag meine Kollegen trotzdem, auch wenn sie wie am Wochenende Metropolen wie Hamburg, Konstanz oder, nun, ja, Bielefeld der Schleyerhalle vorziehen.

    Geh ich halt alleine, macht Joe Bauer ja auch nicht anders, spaziert als One-Man-Show durch die Weltgeschichte und schreibt dann drüber. Das will ich auch können, wenn ich groß bin.

    Also mutterseelenallein mit der Wasen-Linie als einziger Fahrgast um 21:30 Uhr Richtung Neckarpark. Aufs Volksfest geht man um die Zeit nicht mehr, da ist man schon dort und dicht und hacke. Am Wasen ausgestiegen, Kotze und Alkis umtänzelt, in der Schleyerhalle von einem mächtigen Bass freundlich begrüßt, um gleich mit einem landestypischen Getränk auf Betriebstemperatur zu kommen: Vodka Bull aka Discoschorle.

    Mann, bin ich erwachsen, denke ich mir so, während 7.500 Menschen neben mir Spaß haben. Zwei Bassläufe später fremdle ich so ganz alleine im Innenraum aber ein bisschen. Nicht, weil das Publikum schlimm ist, im Gegenteil, hatte Grausameres befürchtet, sehr jung, sehr gut drauf, extrem gute Tänzer. Zumindest einige.

    Nein, ich fremdle, weil ich doch kein Joe Bauer bin. Ich brauche Ansprache, jemanden, mit dem ich teilen kann, wie Musik eine Halle verändert. Wie sich ein Betonklotz wie Herr Schleyer anfühlt, je nachdem, ob Leonard Cohen einen spirituell ins All knallt, die Beginner als Support für die Beasties spielen oder Pink eine Hollywood-Show auf der Bühne abliefert.

    Mein Colt für alle Fälle ist in solch einem verzweifelten Fall Arnulf, Teil der am Dax der Emotionen extrem hoch dotierten Firma Music Circus, Presseabchecker vom Konzertveranstalter Russ und überhaupt ein Möglichmacher erster Güteklasse. Arnulf hat mich mal im Ansehen zweier Teenager in unendliche Höhen katapultiert, als die beiden bezaubernden Geschöpfe bei Pink wegen lauter SWR3-Höhrer nichts sehen konnten. Darauf Arnulf angebettelt, der sofort mit zwei Deluxe-Bändchen für die erste Reihe um die Ecke kam. Ein Gentleman der alten Schule eben.

    Samstag also SMS an Arnulf: „Junge, biste bei Paule? Rette mich!“ – „Klar, Keule, wie?“ (So sprechen alte Männer miteinander) – „Ich bin der einsame Raver ganz hinten links, brauche Ansprache, biete Discoschorle.“

    Arnulfs Begeisterung hält sich in Grenzen, Antwort bleibt verständlicher Weise aus, also noch mal getextet: „Ich nehm’s zurück, musst nicht mir sprechen und trinken, ich brauch aber ein Bändel, um näher nach vorne zu kommen.“ Zwei Sekunden später steht Arnulf neben mir, ich erhalte die Paul-Kalkbrenner-Dienstkarte Nr. A23 am blauen Band, mit der ich dem Paule für den Rest des Abends ganz genau auf die Finger schauen darf.

    Kurze Lagebesprechung: „Hab mir’s schlimmer vorgestellt.“ – „Ich auch.“ – „Wie war’s beim Ratzer?“ – „Fein.“ – „Ok, bis später im Speakeasy.“

    Paul Kalkbrenner in seiner berühmten blauen Phase, kommt direkt nach der roten

    Also ich wieder alleine mit mir selbst, ganz gruselige Konstellation. Schreckliche Bilder poppen in meinem Gehirn auf. Richtig, mit 17 war ich schon einmal auf einem Rave in der Schleyerhalle. Mein Kumpel Christian hatte damals nach einerLysergsäurediethylamid-Kur gedacht, er sei schwul. In der Schleyerhalle machte er dann das erste Mal wieder mit einem Mädchen rum und teilte diese Erfahrung anschließend detailliert mit mir. MDMA-Micha, den wir so nannten, weil er eigentlich auf Metallica stand, nach jeder Menge Pillen aber plötzlich Techno besser fand, praktizierte die freie Liebe sogar auf einem Treppenabsatz in der Schleyerhalle. Das sind Bilder, die man im ehrlichen deutschen Techno nicht sehen möchte. Und in seinem eigenen Gehirn schon gar nicht.

    Spiel ich also lieber mein Privat-Mallorca, Druckbetankung mit zwei Plastikbier und einer weiteren Discoschorle, um das störende Kleinhirn zu betäuben. Huch ist das erbärmlich, egal, bin alleine, sieht mich ja keiner. Vorne an der Bühne geht es gut ab. Running-Gag-Einstellung des Abends auf Großbildleinwand: Ein Fischauge-Objektiv zeigt Pauls Finger, wie sie schrauben und drehen. Hat bestimmt keine Funktion, sieht aber gut aus.

    Wenn er nicht im Bild ist, raucht er eine kleine Wumme, die aber ständig ausgeht. Brennt schlechtes Dope aus der Hasenheide wirklich so erbärmlich ab? Spielt Paul eigentlich immer den Ickarus aus dem Film oder hat er in Berlin Calling einfach sich selbst gespielt? So oder so unfassbar, was der wieder für ein Gesichtsgulasch aufträgt. Mit wenigen musikalischen Mitteln besorgt er den siebeneinhalb Tausend eine astreine Abfahrt, eine Pause zwischen Teil 1 und 2 nutzt er, um sich umzustylen: Jetzt trägt er allerfeinsten Zwirn auf, nämlich ein Deutschland-Trikot von der WM 90.

    Ich guck derweil doof aus der Wäsche auf die Wäsche meiner Mitmenschen. Frauen sind Männern grundsätzlich überlegen, ganz besonders aber im Genre Ausdruckstanz. Während Ottonormalschranzer mit dem Beatbein (rechts) wippt, und die Faust (links) zum Bass schwingt, tanzt seine Frau in ausladenden Bewegungen, die Fruchtbarkeit signalisieren: In einer ausgefeilten Choreographie wandert die Rhythmushand von der linken Körperhälfte auf die rechte Seite des Nackens und positioniert dort die Haare im Viervierteltakt von rechts rüber nach links. Ich bin schockverliebt in diese Geste. Finden andere Mädchen bestimmt ganz affig. Wenn man aber auf sich selbst und Vodka Red Bull zurückgeworfen, also auf das Wesentliche reduziert ist, wirkt es wirklich ganz bezaubernd.

    Ständig hüpft mir eine Tänzerin auf die Füße und verbrüdert sich im Akt des Entschuldigens direkt mit mir: Du bist mein Ketamin, mein Amphetamin, säuselt sie mir ins Ohr. Stimmt gar nicht, das war Casper, der was mit Thees am Laufen hat. Egal, MDMA macht einfach gute Manieren. „Pauli ist der Beste, Alter“, brüllt mir einer von links ins Ohr, rechts schnurren drei Jungs abwechselnd „Harrrrrrrrrr“ und sonst nichts. Wenn Katzen raven könnten.

    Hey, ist das nicht dieser Hit mit diesem Sky und diesem Sand? Schnell für Mausi und Youtube filmen

    Kurz vor der Zugabe: Sky and Sand fehlt noch, Paule ist weg und muss wohl ne neue Tüte wickeln. Die ganze Halle grölt die „Seven Nation Army“ der White Stripes. Oh Gott, ich werde wieder nüchtern.

    And we build up castles in the sky and in the sand. Design our own world ain’t nobody understand. Und schließlich die berechtigte Frage: Gibt es einen beschisseneren Moment als die Sekunde, in der in der Schleyerhalle nach einem Abriss das Licht angeht? Nein. Also Augen zu und nichts wie weg hier, bei Lichte betrachtet will ich nicht, dass ich jemand kenne und andersherum.

    Scheiße, gleich geht das Licht an, DJ Scotty, bitte beam mich ins Bürgerhospital oder so

    Auf dem Rückweg fühle ich mich noch einsamer. Lauter happy Hippos mit mir in der Bahn, ich überlege ernsthaft, mir sofort die Rückbank eines Taxis zu buchen, um alleine heulen zu können, als der lustigste SSB-Fahrer der Stadt loslegt. Durchsage: „Macht euch eng, Ihr Lieben, wir halten gleich am Wasen, da wird es voll.“ Murren in der Bahn. Durchsage 2: „Ja, ich weiß, Ihr habt ja Recht, ich würde auch lieber durchfahren, geht aber leider nicht.“

    Ich brech ab, eine ehrliche Haut in der Kabine, vielleicht wird die Nacht ja doch noch steil. Die Wasen-Fahrgäste wundern sich, wieso wir alle in uns reinkichern, als sie einsteigen und wie üblich blöd aus der Lederhosen- und Dirndl-Wäsche gucken. Vielleicht grübeln sie aber auch nur, wieso das dumpfe Bier nach dem letzten Prosit der Gemütlichkeit schon nicht mehr so recht wirkt. Oder sie fragen sich, wann sie endlich wieder kotzen können, ohne dass 300 Leute zuschauen.

    Funkkontakt in die Welt, Seba ist schon heim, Speakeasy war komisch, schreibt er, Jörg ist sogar schon nach Tübingen geflüchtet, dann muss es aber wirklich hart gewesen sein. Raus aus der Bahn, um beim Imbiss 3000 auf andere Gedanken zu kommen. War mein Ritual des Sommers, nach dem Zechen beim Benny eine scharfe Salsiccia und einen Grappa ordern, um die Nacht Revue passieren zu lassen.

    Leider scheint die Imbiss-Saison rum, verdammt, das war dann der Genickschuss für den Sommer, also streuner ich doch noch kurz zum Speakeasy, um den Hype zu kapieren. Tausende junge Menschen kommen mir entgegen. Ich kenne niemanden. Scheiße, bin ich mit der Bahn zu weit gefahren und schon in Heilbronn? Nein, da ist Nadine, die behauptet, ich sei ihr in Schlangenlinien entgegen gekommen. „Das liegt an dem neu gestalteten Pflaster zwischen König- und Marienstraße“, erkläre ich, „daran müssen sich deine Augen erst gewöhnen.“

    Vor dem neuen Wunderclub eine Schlange, ich Dödel hab mein Schnorren nicht angemeldet, ist ja tatsächlich wie Urlaub in einer fremden Metropolregion, also anstehen. Denke ich für den Bruchteil einer Sekunde, bevor ich dann doch lieber umdrehe. Bei so viel Fremdeln an einem Abend kann das gar nicht gut gehen. Dann doch lieber alleine spazieren wie Joe. Mit Paul im Ohr auf dem Weg nach Hause Himmels- und Sandburgen bauen. Harrrrr.

    Manchmal fremdelt man sogar in der eigenen Stadt. Wenn man sich zum Beispiel beweisen möchte, dass alleine ausgehen sehr erwachsen ist. Samstag war der Kalkbrenner in der Stadt. Hatte ihn vor einem halben Jahr schon einmal gesehen, in Berlinchen, in der Wuhlheide, war wolke gewesen, hatte also große Lust, mir ein Stück vom Sommer 2011 zurückzuholen. Den gab es trotz anders lautender Gerüchte tatsächlich, zumindest Anfang Juni in Berlin, voll so mit gentrifizieren, Kreuzberg kaputt shoppen und Paule halt. Am Wochenende also der Test: Wie viel Wuhlheide steckt in Bad Cannstatt? Ist Open Air grundsätzlich besser als unter Tage? Schlägt Stadion immer Halle? Im Vorhinein hatte sich mein komplettes Büro akkreditiert. Kommt immer gut, wenn sich Lift plus acht anmeldet. Freut sich der Veranstalter. Vor allem, wenn dann doch keiner auf der Matte steht. Ich mag meine Kollegen trotzdem, auch wenn sie wie am Wochenende Metropolen wie Hamburg, Konstanz oder, nun, ja, Bielefeld der Schleyerhalle vorziehen. Geh ich halt alleine, macht Joe Bauer ja auch nicht anders, spaziert als One-Man-Show durch die Weltgeschichte und schreibt dann drüber. Das will ich auch können, wenn ich groß bin. Also mutterseelenallein mit der Wasen-Linie als einziger Fahrgast um 21:30 Uhr Richtung Neckarpark. Aufs Volksfest geht man um die Zeit nicht mehr, da ist man schon dort und dicht und hacke. Am Wasen ausgestiegen, Kotze und Alkis umtänzelt, in der Schleyerhalle von einem mächtigen Bass freundlich begrüßt, um gleich mit einem landestypischen Getränk auf Betriebstemperatur zu kommen: Vodka Bull aka Discoschorle. Mann, bin ich erwachsen, denke ich mir so, während 7.500 Menschen neben mir Spaß haben. Zwei Bassläufe später fremdle ich so ganz alleine im Innenraum aber ein bisschen. Nicht, weil das Publikum schlimm ist, im Gegenteil, hatte Grausameres befürchtet, sehr jung, sehr gut drauf, extrem gute Tänzer. Zumindest einige. Nein, ich fremdle, weil ich doch kein Joe Bauer bin. Ich brauche Ansprache, jemanden, mit dem ich teilen kann, wie Musik eine Halle verändert. Wie sich ein Betonklotz wie Herr Schleyer anfühlt, je nachdem, ob Leonard Cohen einen spirituell ins All knallt, die Beginner als Support für die Beasties spielen oder Pink eine Hollywood-Show auf der Bühne abliefert. Mein Colt für alle Fälle ist in solch einem verzweifelten Fall Arnulf, Teil der am Dax der Emotionen extrem hoch dotierten Firma Music Circus, Presseabchecker vom Konzertveranstalter Russ und überhaupt ein Möglichmacher erster Güteklasse. Arnulf hat mich mal im Ansehen zweier Teenager in unendliche Höhen katapultiert, als die beiden bezaubernden Geschöpfe bei Pink wegen lauter SWR3-Höhrer nichts sehen konnten. Darauf Arnulf angebettelt, der sofort mit zwei Deluxe-Bändchen für die erste Reihe um die Ecke kam. Ein Gentleman der alten Schule eben. Samstag also SMS an Arnulf: „Junge, biste bei Paule? Rette mich!“ – „Klar, Keule, wie?“ (So sprechen alte Männer miteinander) – „Ich bin der einsame Raver ganz hinten links, brauche Ansprache, biete Discoschorle.“ Arnulfs Begeisterung hält sich in Grenzen, Antwort bleibt verständlicher Weise aus, also noch mal getextet: „Ich nehm’s zurück, musst nicht mir sprechen und trinken, ich brauch aber ein Bändel, um näher nach vorne zu kommen.“ Zwei Sekunden später steht Arnulf neben mir, ich erhalte die Paul-Kalkbrenner-Dienstkarte Nr. A23 am blauen Band, mit der ich dem Paule für den Rest des Abends ganz genau auf die Finger schauen darf. Kurze Lagebesprechung: „Hab mir’s schlimmer vorgestellt.“ – „Ich auch.“ – „Wie war’s beim Ratzer?“ – „Fein.“ – „Ok, bis später im Speakeasy.“ Paul Kalkbrenner in seiner berühmten blauen Phase, kommt direkt nach der roten Also ich wieder alleine mit mir selbst, ganz gruselige Konstellation. Schreckliche Bilder poppen in meinem Gehirn auf. Richtig, mit 17 war ich schon einmal auf einem Rave in der Schleyerhalle. Mein Kumpel Christian hatte damals nach einerLysergsäurediethylamid-Kur gedacht, er sei schwul. In der Schleyerhalle machte er dann das erste Mal wieder mit einem Mädchen rum und teilte diese Erfahrung anschließend detailliert mit mir. MDMA-Micha, den wir so nannten, weil er eigentlich auf Metallica stand, nach jeder Menge Pillen aber plötzlich Techno besser fand, praktizierte die freie Liebe sogar auf einem Treppenabsatz in der Schleyerhalle. Das sind Bilder, die man im ehrlichen deutschen Techno nicht sehen möchte. Und in seinem eigenen Gehirn schon gar nicht. Spiel ich also lieber mein Privat-Mallorca, Druckbetankung mit zwei Plastikbier und einer weiteren Discoschorle, um das störende Kleinhirn zu betäuben. Huch ist das erbärmlich, egal, bin alleine, sieht mich ja keiner. Vorne an der Bühne geht es gut ab. Running-Gag-Einstellung des Abends auf Großbildleinwand: Ein Fischauge-Objektiv zeigt Pauls Finger, wie sie schrauben und drehen. Hat bestimmt keine Funktion, sieht aber gut aus. Wenn er nicht im Bild ist, raucht er eine kleine Wumme, die aber ständig ausgeht. Brennt schlechtes Dope aus der Hasenheide wirklich so erbärmlich ab? Spielt Paul eigentlich immer den Ickarus aus dem Film oder hat er in Berlin Calling einfach sich selbst gespielt? So oder so unfassbar, was der wieder für ein Gesichtsgulasch aufträgt. Mit wenigen musikalischen Mitteln besorgt er den siebeneinhalb Tausend eine astreine Abfahrt, eine Pause zwischen Teil 1 und 2 nutzt er, um sich umzustylen: Jetzt trägt er allerfeinsten Zwirn auf, nämlich ein Deutschland-Trikot von der WM 90. Ich guck derweil doof aus der Wäsche auf die Wäsche meiner Mitmenschen. Frauen sind Männern grundsätzlich überlegen, ganz besonders aber im Genre Ausdruckstanz. Während Ottonormalschranzer mit dem Beatbein (rechts) wippt, und die Faust (links) zum Bass schwingt, tanzt seine Frau in ausladenden Bewegungen, die Fruchtbarkeit signalisieren: In einer ausgefeilten Choreographie wandert die Rhythmushand von der linken Körperhälfte auf die rechte Seite des Nackens und positioniert dort die Haare im Viervierteltakt von rechts rüber nach links. Ich bin schockverliebt in diese Geste. Finden andere Mädchen bestimmt ganz affig. Wenn man aber auf sich selbst und Vodka Red Bull zurückgeworfen, also auf das Wesentliche reduziert ist, wirkt es wirklich ganz bezaubernd. Ständig hüpft mir eine Tänzerin auf die Füße und verbrüdert sich im Akt des Entschuldigens direkt mit mir: Du bist mein Ketamin, mein Amphetamin, säuselt sie mir ins Ohr. Stimmt gar nicht, das war Casper, der was mit Thees am Laufen hat. Egal, MDMA macht einfach gute Manieren. „Pauli ist der Beste, Alter“, brüllt mir einer von links ins Ohr, rechts schnurren drei Jungs abwechselnd „Harrrrrrrrrr“ und sonst nichts. Wenn Katzen raven könnten. Hey, ist das nicht dieser Hit mit diesem Sky und diesem Sand? Schnell für Mausi und Youtube filmen Kurz vor der Zugabe: Sky and Sand fehlt noch, Paule ist weg und muss wohl ne neue Tüte wickeln. Die ganze Halle grölt die „Seven Nation Army“ der White Stripes. Oh Gott, ich werde wieder nüchtern. And we build up castles in the sky and in the sand. Design our own world ain’t nobody understand. Und schließlich die berechtigte Frage: Gibt es einen beschisseneren Moment als die Sekunde, in der in der Schleyerhalle nach einem Abriss das Licht angeht? Nein. Also Augen zu und nichts wie weg hier, bei Lichte betrachtet will ich nicht, dass ich jemand kenne und andersherum. Scheiße, gleich geht das Licht an, DJ Scotty, bitte beam mich ins Bürgerhospital oder so Auf dem Rückweg fühle ich mich noch einsamer. Lauter happy Hippos mit mir in der Bahn, ich überlege ernsthaft, mir sofort die Rückbank eines Taxis zu buchen, um alleine heulen zu können, als der lustigste SSB-Fahrer der Stadt loslegt. Durchsage: „Macht euch eng, Ihr Lieben, wir halten gleich am Wasen, da wird es voll.“ Murren in der Bahn. Durchsage 2: „Ja, ich weiß, Ihr habt ja Recht, ich würde auch lieber durchfahren, geht aber leider nicht.“ Ich brech ab, eine ehrliche Haut in der Kabine, vielleicht wird die Nacht ja doch noch steil. Die Wasen-Fahrgäste wundern sich, wieso wir alle in uns reinkichern, als sie einsteigen und wie üblich blöd aus der Lederhosen- und Dirndl-Wäsche gucken. Vielleicht grübeln sie aber auch nur, wieso das dumpfe Bier nach dem letzten Prosit der Gemütlichkeit schon nicht mehr so recht wirkt. Oder sie fragen sich, wann sie endlich wieder kotzen können, ohne dass 300 Leute zuschauen. Funkkontakt in die Welt, Seba ist schon heim, Speakeasy war komisch, schreibt er, Jörg ist sogar schon nach Tübingen geflüchtet, dann muss es aber wirklich hart gewesen sein. Raus aus der Bahn, um beim Imbiss 3000 auf andere Gedanken zu kommen. War mein Ritual des Sommers, nach dem Zechen beim Benny eine scharfe Salsiccia und einen Grappa ordern, um die Nacht Revue passieren zu lassen. Leider scheint die Imbiss-Saison rum, verdammt, das war dann der Genickschuss für den Sommer, also streuner ich doch noch kurz zum Speakeasy, um den Hype zu kapieren. Tausende junge Menschen kommen mir entgegen. Ich kenne niemanden. Scheiße, bin ich mit der Bahn zu weit gefahren und schon in Heilbronn? Nein, da ist Nadine, die behauptet, ich sei ihr in Schlangenlinien entgegen gekommen. „Das liegt an dem neu gestalteten Pflaster zwischen König- und Marienstraße“, erkläre ich, „daran müssen sich deine Augen erst gewöhnen.“ Vor dem neuen Wunderclub eine Schlange, ich Dödel hab mein Schnorren nicht angemeldet, ist ja tatsächlich wie Urlaub in einer fremden Metropolregion, also anstehen. Denke ich für den Bruchteil einer Sekunde, bevor ich dann doch lieber umdrehe. Bei so viel Fremdeln an einem Abend kann das gar nicht gut gehen. Dann doch lieber alleine spazieren wie Joe. Mit Paul im Ohr auf dem Weg nach Hause Himmels- und Sandburgen bauen. Harrrrr.

     
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    Which Fashion-Blog is it, Overthing?

    Am 22. Sep 2011, 16:54 Uhr von Aussenreporter

    Thorsten hat es gemacht, Kollege Geiger auch, beim Setzer bin ich mir nicht ganz sicher, der ist ein Arbeitstier, Jana schafft eh für zwei, der Martin sowieso, aber selbst der macht es diese Woche: Urlaub. Musste ich kürzlich auch machen, Bella Italia, Sehnsuchtsort aller Kartoffeln, ciao, Bella, Pasta galore und selbst an jeder Tankstelle ein besserer Espresso als in Deutschland.

    Ein guter Reporter ist immer im Dienst, hat mir Kollege Geiger am Sonntag erst wieder erklärt, als ich ihn zufällig beim Sans getroffen habe. Kam er gerade von einer investigativen Recherche fürs Blögle, denn diese Woche lautet das Credo posten, posten, posten, weil Chef Martin eben nicht im Haus ist. Waren Geiger und ich kurz witzig drauf, so witzig halt, wie zwei Seggel an einem verregneten Sonntagnachmittag sein können. „Endlich können wir mal posten, was wir wollen, wenn der strenge Chef nicht da ist“ – „Genau, der Motzkoffer wird sein Blog nach der Woche nicht wiedererkennen.“ Ob im Positiven sei dahingestellt.

    Egal, was ich eigentlich sagen wollte: Selbst in meinem Urlaub habe ich nur den Blog im Kopf. Weil mir in Italien unglaublich viele schöne Menschen begegnet sind, hatte ich eine Idee, die noch kein Blogger vor mir hatte: „Hey crazy, warum nicht die Leute fotografieren, wie street die voll so am Strand und an der Plazza und beim Stylen aussehen und ihnen dann auch noch einen KTV-Bepper in die Hand drücken.“ Also voll Kessel.tv goes Modeblog, aber international (sprich: internäschonäll!), Modewoche Mailand für Heslacher Hinterwäldler.

    Hab dann wirklich alles gegeben. Zum Beispiel wollte ich Antonio fotografieren, den wunderschönen Strandhüter in San Vincenzo, der aussah wie eine jüngere Variante von Jeff Bridges in Big Lebowski. Oder Andrea, den ersten Bio-Winzer der Toskana, unfassbarer Typ, den ich sofort mochte, obwohl er Bob Marley gut findet. Oder Maria von der Pasticceria, die süßer war als all ihre Süßspeisen zusammen.

    Komischer Weise wollte am Ende keiner mitmachen. Erst alle so „Si claro, ragazzo, give everything with your lense, for which fashion-blog is it, overthing?“ Und ich dann immer so, ne, sorry, nicht Überding, ich komm von den Kessel.tv-Schabracken. Da haben dann leider alle abgewunken, „a, Che cazzo vuoi“, don’t fool araound with a second class blog, go home to Hallsschlag.

    Der einzige, der mitgemacht hat, war Matteo, der coolste Schnauzbart vom Golf von Baratti. Keiner hat übergewichtige Urlauber wie mich schöner aus dem Wasser gepfiffen als er, er war mein Pamela Anderson-Gegenstück, der Pamelo Andersano der Herzen, Schnurres-Bruder im Geiste. Hat aber auch nur aus Mitleid mitgemacht. Für den nächsten Urlaub überleg ich mir was Besseres.

    Thorsten hat es gemacht, Kollege Geiger auch, beim Setzer bin ich mir nicht ganz sicher, der ist ein Arbeitstier, Jana schafft eh für zwei, der Martin sowieso, aber selbst der macht es diese Woche: Urlaub. Musste ich kürzlich auch machen, Bella Italia, Sehnsuchtsort aller Kartoffeln, ciao, Bella, Pasta galore und selbst an jeder Tankstelle ein besserer Espresso als in Deutschland. Ein guter Reporter ist immer im Dienst, hat mir Kollege Geiger am Sonntag erst wieder erklärt, als ich ihn zufällig beim Sans getroffen habe. Kam er gerade von einer investigativen Recherche fürs Blögle, denn diese Woche lautet das Credo posten, posten, posten, weil Chef Martin eben nicht im Haus ist. Waren Geiger und ich kurz witzig drauf, so witzig halt, wie zwei Seggel an einem verregneten Sonntagnachmittag sein können. „Endlich können wir mal posten, was wir wollen, wenn der strenge Chef nicht da ist“ – „Genau, der Motzkoffer wird sein Blog nach der Woche nicht wiedererkennen.“ Ob im Positiven sei dahingestellt. Egal, was ich eigentlich sagen wollte: Selbst in meinem Urlaub habe ich nur den Blog im Kopf. Weil mir in Italien unglaublich viele schöne Menschen begegnet sind, hatte ich eine Idee, die noch kein Blogger vor mir hatte: „Hey crazy, warum nicht die Leute fotografieren, wie street die voll so am Strand und an der Plazza und beim Stylen aussehen und ihnen dann auch noch einen KTV-Bepper in die Hand drücken.“ Also voll Kessel.tv goes Modeblog, aber international (sprich: internäschonäll!), Modewoche Mailand für Heslacher Hinterwäldler. Hab dann wirklich alles gegeben. Zum Beispiel wollte ich Antonio fotografieren, den wunderschönen Strandhüter in San Vincenzo, der aussah wie eine jüngere Variante von Jeff Bridges in Big Lebowski. Oder Andrea, den ersten Bio-Winzer der Toskana, unfassbarer Typ, den ich sofort mochte, obwohl er Bob Marley gut findet. Oder Maria von der Pasticceria, die süßer war als all ihre Süßspeisen zusammen. Komischer Weise wollte am Ende keiner mitmachen. Erst alle so „Si claro, ragazzo, give everything with your lense, for which fashion-blog is it, overthing?“ Und ich dann immer so, ne, sorry, nicht Überding, ich komm von den Kessel.tv-Schabracken. Da haben dann leider alle abgewunken, „a, Che cazzo vuoi“, don't fool araound with a second class blog, go home to Hallsschlag. Der einzige, der mitgemacht hat, war Matteo, der coolste Schnauzbart vom Golf von Baratti. Keiner hat übergewichtige Urlauber wie mich schöner aus dem Wasser gepfiffen als er, er war mein Pamela Anderson-Gegenstück, der Pamelo Andersano der Herzen, Schnurres-Bruder im Geiste. Hat aber auch nur aus Mitleid mitgemacht. Für den nächsten Urlaub überleg ich mir was Besseres.

     
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    Best of 2011: Wie ich einmal eine SMS an ein Faxgerät schickte

    Am 20. Sep 2011, 12:30 Uhr von Aussenreporter

    Seit heute Morgen liegen wir in der Redaktion am Boden und lachen uns schlapp: Werner Wölfle, Stuttgarts Verwaltungsbürgermeister und Chef-Grüner der Stadt, hat ein neues Handy. Hatte kürzlich eine Rundmail bekommen mit seiner neuen Nummer, wollte ihm damals schon zum neuen iPhone gratulieren, hab’s dann aber direkt wieder vergessen. Heute morgen dann die Nachricht, die die Welt verändern sollte: Wölfle hat in einer SMS über Parteikollegen gelästert. Macht glaub jeder Politiker so, nicht umsonst heißt es, dass Parteifreunde die viel schlimmeren Hater sind als der politische Gegner.

    Der Herr Bürgermeister schreibt also unter anderem folgenden poetischen Satz: „Selbst dieser franke wird im stami untergebracht. Ist mir das peinlich.“ Franke ist der Kreisvorsitzende der Stuttgarter Grünen, Stami steht für Staatsministerium. Werner mag Franke nicht, kommt in den besten Familien vor. Franke mag Werner glaub auch nicht, wie immer geht es um Karriere, Pöstchen und die Frage, wer den Längsten hat. Glaub ich zumindest.

    Leider hat Wölfle die SMS dann nicht an seinen Lästerkumpel geschickt, sondern an das Faxgerät der Stuttgarter Nachrichten. Die schlachten das ganze jetzt investigativ so aus, dass Wikileaks vor Neid erblasst. Ist ja auch pressegeschichtlich der vielleicht größte Coup, der sich jemals auf dieser Erde zugetragen hat.

    Wir zitieren: „Um 19.06 Uhr am Dienstag vorige Woche schiebt sich das Fax aus dem Gerät.“ An der Stelle hatte ich das erste Mal Gänsehaut, ganz großes Kino. Und bei dem Absatz bin ich endgültig vor Ehrfurcht erstarrt: „Die Redaktion dieser Zeitung prüft den Vorgang intensiv – nach journalistischen und presserechtlichen Aspekten. Am gestrigen Montag wird Wölfle mit seiner SMS konfrontiert; die Recherchen weiten sich aus.“

    Die Recherchen weiten sich also aus. Wahrscheinlich wurde gleich mal der Netzbetreiber recherchiert („Es war o2, wer hätte das gedacht!“). Mich hätte noch ein Info-Kasten interessiert, wie es technisch funktioniert, dass man eine SMS an ein Faxgerät schicken kann. Das haben sich die Kollegen aber bestimmt für die morgige Ausgabe aufgehoben.

    Knallhart recherchiert von Kessel.tv: Wölfles Handy, gefunden unter Kontakt auf seiner Website, doch kein iPhone, aber genau so schwer zu bedienen, weil auch Touchscreen.

    Wölfle spricht jetzt bereits vom Rücktritt, die Grünen aus dem Stami sagen derweil so hübsche Sachen wie „Das Verhältnis zwischen Staatsministerium und Stadt ist exquisit“. Das Wort „exquisit“ kann in dem Fall nur so etwas wie „so verschissen wie noch nie“ bedeuten. Die haben sich jetzt wohl nicht mehr so ganz lieb, die grünen Hightech-SMS-Experten vom Rathaus und die Super-Grünen von der Villa Reitzenstein.

    Was bei dem unfassbaren Scoop der Nachrichten indes unter den Tisch gefallen ist: Auch kessel.tv bekommt ständig fehlgeleitete SMS an unser Faxgerät, wir machen da nur nicht so einen Wind drum. Aus aktuellem Anlass aber hier die besten fünf fehlgeleiteten Fax-SMS der letzten Wochen:

    Platz 5, VfB-Trainer Bruno Labbadia: „Der Bobic geht mir so auf den Sack. Hat zwar den Rumänen verkauft bekommen, mit dem Russen, der Flachpfeife, muss ich mich aber immer noch rumschlagen, und einen gescheiten Außenverteidiger hat er wieder nicht besorgt. Gehe jetzt frustshoppen bei Breuni, paar schöne, neue Anzüge rauslassen.“

    Platz 4, Minischterpräsident Kretschmann: „Regieren ist soooo ein Riesenmist, wenn ich das gewusst hätte. Jeder Seggel will was von dir. Und dann noch diese Sozen. Den Schniedel-Schmiedel klatsch ich demnächst an die Wand. Smiley mit traurigem Gesicht“

    Platz 3, Cosimo, hätte eigentlich an Bushido gehen sollen: „Alter, wann brauchsch wieder korrekte Friese? Jetzt wo Big Brother alle ist, bin ich wieder Hallschlag und kann jederzeit mit der Mitfahrzentrale kommen, um die Spitzen zu schneiden.“

    Platz 2, Carmen Geiss, hätte eigentlich an Robert gehen sollen: „Hase, ich lass mir gerade noch die Fingernägel vergolden und den Rest Hirn amputieren, könnte etwas später werden, treff dich dann aber direkt am Hubschrauberlandeplatz gegen später *winke*.“

    Platz 1, Timo Gebhardt, hätte eigentlich an Harnik gehen sollen: „Junge, geiler Torjubel am Wochenende, dance gerade wieder mit zwei Hasen in der Butta Lountsch mit heraushängender Zunge und hab mir was echt Geiles für die nächste Choreo überlegt, zeig ich dir heute Nachmittag nach dem Training in der Kabine, LOL!!!!“

    Für alle jüngeren Leser: So sieht ein Faxgerät aus. War in den 80ern der heiße Scheiß, konnte man voll lange SMS mit schreiben.

    Seit heute Morgen liegen wir in der Redaktion am Boden und lachen uns schlapp: Werner Wölfle, Stuttgarts Verwaltungsbürgermeister und Chef-Grüner der Stadt, hat ein neues Handy. Hatte kürzlich eine Rundmail bekommen mit seiner neuen Nummer, wollte ihm damals schon zum neuen iPhone gratulieren, hab's dann aber direkt wieder vergessen. Heute morgen dann die Nachricht, die die Welt verändern sollte: Wölfle hat in einer SMS über Parteikollegen gelästert. Macht glaub jeder Politiker so, nicht umsonst heißt es, dass Parteifreunde die viel schlimmeren Hater sind als der politische Gegner. Der Herr Bürgermeister schreibt also unter anderem folgenden poetischen Satz: „Selbst dieser franke wird im stami untergebracht. Ist mir das peinlich.“ Franke ist der Kreisvorsitzende der Stuttgarter Grünen, Stami steht für Staatsministerium. Werner mag Franke nicht, kommt in den besten Familien vor. Franke mag Werner glaub auch nicht, wie immer geht es um Karriere, Pöstchen und die Frage, wer den Längsten hat. Glaub ich zumindest. Leider hat Wölfle die SMS dann nicht an seinen Lästerkumpel geschickt, sondern an das Faxgerät der Stuttgarter Nachrichten. Die schlachten das ganze jetzt investigativ so aus, dass Wikileaks vor Neid erblasst. Ist ja auch pressegeschichtlich der vielleicht größte Coup, der sich jemals auf dieser Erde zugetragen hat. Wir zitieren: „Um 19.06 Uhr am Dienstag vorige Woche schiebt sich das Fax aus dem Gerät.“ An der Stelle hatte ich das erste Mal Gänsehaut, ganz großes Kino. Und bei dem Absatz bin ich endgültig vor Ehrfurcht erstarrt: „Die Redaktion dieser Zeitung prüft den Vorgang intensiv - nach journalistischen und presserechtlichen Aspekten. Am gestrigen Montag wird Wölfle mit seiner SMS konfrontiert; die Recherchen weiten sich aus.“ Die Recherchen weiten sich also aus. Wahrscheinlich wurde gleich mal der Netzbetreiber recherchiert („Es war o2, wer hätte das gedacht!“). Mich hätte noch ein Info-Kasten interessiert, wie es technisch funktioniert, dass man eine SMS an ein Faxgerät schicken kann. Das haben sich die Kollegen aber bestimmt für die morgige Ausgabe aufgehoben. Knallhart recherchiert von Kessel.tv: Wölfles Handy, gefunden unter Kontakt auf seiner Website, doch kein iPhone, aber genau so schwer zu bedienen, weil auch Touchscreen. Wölfle spricht jetzt bereits vom Rücktritt, die Grünen aus dem Stami sagen derweil so hübsche Sachen wie „Das Verhältnis zwischen Staatsministerium und Stadt ist exquisit“. Das Wort „exquisit“ kann in dem Fall nur so etwas wie „so verschissen wie noch nie“ bedeuten. Die haben sich jetzt wohl nicht mehr so ganz lieb, die grünen Hightech-SMS-Experten vom Rathaus und die Super-Grünen von der Villa Reitzenstein. Was bei dem unfassbaren Scoop der Nachrichten indes unter den Tisch gefallen ist: Auch kessel.tv bekommt ständig fehlgeleitete SMS an unser Faxgerät, wir machen da nur nicht so einen Wind drum. Aus aktuellem Anlass aber hier die besten fünf fehlgeleiteten Fax-SMS der letzten Wochen: Platz 5, VfB-Trainer Bruno Labbadia: „Der Bobic geht mir so auf den Sack. Hat zwar den Rumänen verkauft bekommen, mit dem Russen, der Flachpfeife, muss ich mich aber immer noch rumschlagen, und einen gescheiten Außenverteidiger hat er wieder nicht besorgt. Gehe jetzt frustshoppen bei Breuni, paar schöne, neue Anzüge rauslassen.“ Platz 4, Minischterpräsident Kretschmann: „Regieren ist soooo ein Riesenmist, wenn ich das gewusst hätte. Jeder Seggel will was von dir. Und dann noch diese Sozen. Den Schniedel-Schmiedel klatsch ich demnächst an die Wand. Smiley mit traurigem Gesicht“ Platz 3, Cosimo, hätte eigentlich an Bushido gehen sollen: „Alter, wann brauchsch wieder korrekte Friese? Jetzt wo Big Brother alle ist, bin ich wieder Hallschlag und kann jederzeit mit der Mitfahrzentrale kommen, um die Spitzen zu schneiden.“ Platz 2, Carmen Geiss, hätte eigentlich an Robert gehen sollen: „Hase, ich lass mir gerade noch die Fingernägel vergolden und den Rest Hirn amputieren, könnte etwas später werden, treff dich dann aber direkt am Hubschrauberlandeplatz gegen später *winke*.“ Platz 1, Timo Gebhardt, hätte eigentlich an Harnik gehen sollen: „Junge, geiler Torjubel am Wochenende, dance gerade wieder mit zwei Hasen in der Butta Lountsch mit heraushängender Zunge und hab mir was echt Geiles für die nächste Choreo überlegt, zeig ich dir heute Nachmittag nach dem Training in der Kabine, LOL!!!!“ Für alle jüngeren Leser: So sieht ein Faxgerät aus. War in den 80ern der heiße Scheiß, konnte man voll lange SMS mit schreiben.

     
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